Die Bauck-Mühle im niedersächsischen Rosche. / Foto: Bauck

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Bauck Mühle – Crowdinvesting der Bauck GmbH mit 6,85 % Zins

Bauck stellt Bio-Lebensmittel mit Schwerpunkt auf Demeter-Produkten her. Zum Kernsortiment gehören Mehle, Backmischungen, Flocken, Porridges und Müslis. Um die Erweiterung ihrer Mühle für glutenfreie Produkte teilweise zu finanzieren, bietet die Bauck GmbH über die Plattform GLS Crowd ab 250 Euro Nachrangdarlehen an. Bei einer Laufzeit von rund vier Jahren beträgt deren Zins 6,85 Prozent pro Jahr plus möglichem Bonus.

Emittentin und Anbieterin der Nachrangdarlehen ist die Bauck GmbH aus dem niedersächsischen Rosche, rund 100 Kilometer südöstlich von Hamburg gelegen. Die Bauck GmbH ist 1969 als einer der Pioniere unter den Naturkostherstellern aus drei biologisch-dynamisch wirtschaftenden Höfen hervorgegangen. Inzwischen vertreibt das Unternehmen unter der Marke Bauck Mühle rund 150 Produkte. Im Geschäftsjahr 2023/2024 (August bis Juli) hat die Firma nach eigenen Angaben rund 39 Millionen Artikel verkauft, etwa 6 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Produkte gibt es im Bio-Fachhandel, in Reformhäusern sowie im Lebensmitteleinzelhandel, z.B. bei Edeka, Rewe und Kaufland.

Langjähriger Geschäftsführer der Bauck GmbH ist Jan-Peter Bauck (Jahrgang 1963), der laut Handelsregister auch Mehrheitsgesellschafter der Emittentin ist. Seit August 2023 ist in der Geschäftsführung auch Friedemann Wecker (Jahrgang 1986), der vorher als Bereichsleiter Produktion und Technik im Unternehmen tätig war. Die Emittentin beschäftigte im Geschäftsjahr 2022/2023 durchschnittlich 220 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon 122 im gewerblichen Bereich.

Wann wird ein Bonuszins für die Nachrangdarlehen gezahlt? Wie hat sich die Bauck GmbH wirtschaftlich entwickelt? In welchem Bereich will das Unternehmen wachsen? Warum ist das Crowdinvesting auch für die GLS Bank positiv? Welche Risiken bestehen für die Emittentin? Warum stellt die Auflösung eines Unternehmens, das nicht nur Bauck GmbH gehört, ein Problem für Bauck dar? Antworten auf diese und weitere Fragen lesen Sie im Premium-Bereich.

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Wozu dient das Crowdkapital?

Das Emissionsvolumen der Nachrangdarlehen beträgt bis zu 1 Million Euro. Die Nettoeinnahmen von bis zu rund 930.000 Euro investiert die Emittentin laut Vermögensanlagen-Informationsblatt (VIB, Stand: 4.9.2024) in die Erweiterung der Produktion der bestehenden Mühle des Unternehmens am Standort Duhenweitz 4 in Rosche, die im September 2020 errichtet wurde. Die aktuelle Produktionsmenge der Mühle liegt laut VIB bei 24.000 Tonnen Ausgangssubstraten im Jahr und soll auf 35.000 Tonnen steigen. Die Erweiterung der Produktionsmenge kann laut VIB durch Nachinvestitionen und Erweiterungen der bestehenden Produktionsstränge innerhalb des Gebäudes erreicht werden.

Die Gesamtkosten des Vorhabens belaufen sich nach Angaben der Emittentin auf rund 6,9 Millionen Euro. Neben den Nachrangdarlehen wird das Projekt laut VIB mit vorrangigen Darlehen von 6 Millionen Euro finanziert,  die zwei Banken zur Verfügung gestellt haben. Die Umsetzung des Vorhabens hat laut VIB bereits begonnen. Die Emittentin ist Eigentümerin der Mühle.

Laufzeit und Zins

Die Laufzeit der Nachrangdarlehen endet laut VIB am 31.7.2028. Die Emittentin kann die Nachrangdarlehen zum 31.7. eines Jahres, frühestens zum 31.7.2026, ordentlich kündigen.

Der Zinssatz der Nachrangdarlehen beträgt 6,85 Prozent pro Jahr. Daneben ist ein einmaliger, umsatzabhängiger Bonuszins möglich. Dieser Bonuszins in Höhe von 5,0 Prozent des gezeichneten Nachrangdarlehensbetrags ist zahlbar zum 31.7.2028. Er wird laut VIB gewährt, falls die Summe der Umsätze der Emittentin und bestehender oder noch zu gründender Töchter im vorangegangenen Geschäftsjahr  – bereinigt um Umsätze innerhalb der Unternehmensgruppe – größer als 90 Millionen Euro ist.

Die Tilgung der Nachrangdarlehen soll in drei Raten zu 30 Prozent am 31.7.2026, 30 Prozent am 31.7.2027 und 40 Prozent am 31.7.2028 erfolgen. Bei Ausübung des ordentlichen Kündigungsrechts und vorfälliger Rückzahlung der Nachrangdarlehen ist die Emittentin laut VIB verpflichtet, den Anlegerinnen und Anlegern eine pauschalisierte Vorfälligkeitsentschädigung in Höhe von 50 Prozent der Zinsansprüche, die über die restliche Laufzeit der Nachrangdarlehen angefallen wären, sowie einen einmaligen, von der oben erwähnten Bonusbedingung unabhängigen Bonuszins in Höhe von 2,50 Prozent des gezeichneten Nachrangdarlehensbetrags zu zahlen.

Wirtschaftliche Situation und Strategie

Die Bilanzsumme der Bauck GmbH beträgt zum 31.1.2023 rund 50,6 Millionen Euro, wovon rund 67 Prozent auf das Anlagevermögen entfallen. Im Geschäftsjahr 2022/2023 (1.8.-31.7.) konnte ein Umsatz von 68,3 Millionen Euro erzielt werden. Dies entspricht einem Rückgang gegenüber dem Vorjahr um 2,9 Prozent. Nach Einschätzung der Emittentin in ihrem Lagebericht (von Oktober 2023) hat ihre Marke mit den besonders wertigen Demeter-Produkten unter den deutlichen Sparbemühungen der Bevölkerung in Deutschland und Europa gelitten. Die Umsatzerlöse im Geschäftsjahr 2022/2023 setzen sich wie folgt zusammen: Inland 57,1 Millionen Euro, EU 8,8 Millionen Euro, Drittland 2,4 Millionen Euro. Auf den größten Kunden der Emittentin entfielen in dem Geschäftsjahr ca. 13 Prozent ihres Umsatzes.

Im Geschäftsjahr 2022/2023 hat die Bauck GmbH ein Sortiment von Veggie-Produkten zum Selberkochen oder -braten eingeführt, womit die Sortimentstiefe im Bereich vegane Brat- und Kochmischungen noch mal erweitert wurde. Die Emittentin setzt gemäß den Angaben im Crowdinvesting-Projektprofil ihre „Strategie auf den wachsenden Markt von Fleischersatzprodukten und nicht auf den bestehenden Markt von Backwaren“. Die bestehende Produktpalette soll um Fleischersatzprodukte erweitert werden.

Die Eigenkapitalquote – bezogen auf Eigenkapital und langfristiges Kapital der stillen Gesellschafter – erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr (21,2 Prozent) und lag zum 31.7.2023 bei 23,7 Prozent. Die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten beliefen sich zum gleichen Stichtag auf rund 29,9 Millionen Euro. Die GLS Gemeinschaftsbank eG stellt laut Kennzahlenübersicht der Bauck GmbH Kredite in Höhe von rund 13,1 Millionen Euro (Stand 4.10.2024) zur Verfügung. Diese Kredite werden laut Kennzahlenübersicht noch um 3 Millionen Euro ausgeweitet.

Neben den 6 Millionen Euro Bankkapital für die Mühlenerweiterung wird die Emittentin laut VIB möglicherweise weitere Fremdkapitalfinanzierungen in Anspruch nehmen, die gegenüber den Forderungen der Nachrang-Darlehensgeber vorrangig zu bedienen sind.

Im Lagebericht (Oktober 2023) erwartete die Emittentin für ihr Geschäftsjahr 2023/2024 einen Jahresüberschuss leicht über dem Niveau des Geschäftsjahres 2022/2023 (1,35 Millionen Euro; 2021/2022: 1,39 Millionen Euro). In der Kennzahlenübersicht (Stand 4.10.2024) werden für das Geschäftsjahr 2023/2024 Umsatzerlöse von rund 73,5 Millionen Euro und ein Jahresüberschuss von rund 1,7 Millionen Euro angegeben.

Risiken

Bei der angebotenen Vermögensanlage handelt es sich um unbesicherte Nachrangdarlehen mit qualifiziertem Rangrücktritt und vorinsolvenzlicher Durchsetzungssperre. Für Anlegerinnen und Anleger besteht das Risiko, dass sie ihr eingesetztes Kapital teilweise oder vollständig verlieren.

Für die Emittentin besteht das Risiko, dass sich das gesamtwirtschaftliche Umfeld und die Rahmenbedingungen verschlechtern. Da sie in Deutschland ansässig ist und ihren Umsatz hauptsächlich im Inland erzielt, ist sie diesbezüglich insbesondere von der Entwicklung in Deutschland abhängig.

Es besteht das Risiko, dass Kundinnen und Kunden aufgrund des innerhalb der letzten zwei bis drei Jahre deutlich gestiegenen Preisniveaus bei Lebensmitteln und einer angespannten Wirtschaftslage weniger Bio-Produkte kaufen, die in der Regel teurer als konventionelle Produkte sind.

Für die Herstellung und Verarbeitung von Mühlenprodukten benötigt die Emittentin nach eigenen Angaben verschiedene Rohstoffe, insbesondere Hafer. Es besteht insofern eine starke Abhängigkeit von der Entwicklung der Rohstoffpreise. Steigen diese, müsste Bauck gegebenenfalls auch die Preise seiner Endprodukte erhöhen. Sollte eine solche Erhöhung vom Markt nicht akzeptiert werden, würde dies zu einem Absatzverlust bei der Emittentin führen.

Bauck plant, sein Sortiment für Fleischersatzprodukte auszuweiten. Es besteht das Risiko, dass das Unternehmen sich auf dem Markt für Fleischersatzprodukte nicht dauerhaft gegen kapitalstärkere Wettbewerber behaupten kann.

Im Rahmen der Kapazitätserweiterung der bestehenden Mühle in Rosche können sich nach Angaben der Emittentin verschiedene Risiken ergeben. Es könnten beispielsweise unerwartete und/oder höhere Umsetzungsrisiken auftreten, Planungsfehler zutage treten oder Vertragspartner der Emittentin mangelhafte Leistungen erbringen und/oder insolvent werden.

Der Onlineshop der Bauck GmbH ist nach ihren Angaben seit einiger Zeit ein wichtiges Standbein neben Fachhandel und Supermärkten. Dabei hatte Bauck mit der FoodOase GmbH zusammengearbeitet. Diese hatte über die Bauck-Website das Bauck-Sortiment auf eigene Rechnung vertrieben und war somit bislang für den Versand der Produkte zuständig. Im September 2024 wurde die FoodOase GmbH, deren Mehrheitsgesellschafter ein Wettwerber der Emittentin (Schär) war, aufgelöst. Die Emittentin plant, den Onlineshop unter eigener Verantwortung neu an den Start zu bringen. Es besteht das Risiko, dass Kundinnen und Kunden während der Zeit, in der kein Onlineshop verfügbar ist, zu Produkten von Wettbewerbern wechseln. Auch besteht das Risiko, dass ein neuer eigener Online-Auftritt weniger Umsätze bringt als der vorherige am Markt etablierte und bekannte Onlineshop. Es besteht daher das Risiko, dass die Umsätze der Emittentin aus dem Onlineverkauf sinken beziehungsweise eine Delle erfahren, bis der neue Onlineshop etabliert ist.

Fazit

Bei der Bauck GmbH handelt es sich um ein etabliertes Unternehmen mit nachhaltiger Ausrichtung und nachhaltigen Produkten. Mit der Erweiterung der Mühle und dem Aufbau des eigenen Onlineshops steht das Unternehmen vor Herausforderungen, die kurzfristig bewältigt werden könnten. Mittel- und langfristig ist Bauck insbesondere davon abhängig, dass die strukturellen Probleme im Hauptmarkt Deutschland gelöst werden, damit die Käuferschaft für hochwertige Bioprodukte nicht kleiner wird beziehungsweise zunimmt.

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