Tomorrow will über die Crowd weiteres Kapital einsammeln. / Foto: Tomorrow

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ECOreporter-Check: Tomorrow Crowdinvesting 4 – Genussrechte mit Gewinnbeteiligung

Die Tomorrow GmbH aus Hamburg bietet Finanzdienstleistungen über das Smartphone an. Dieses sogenannte „Smartphone-Banking“ verbindet sie mit nachhaltigen Elementen. Um weiteres Kapital zu erhalten, bietet Tomorrow ab 100 Euro Mindestzeichnung Genussrechte mit Gewinnbeteiligung an. Wie hoch sind die Chancen und Risiken?

Anbieterin und Emittentin der Genussrechte „Tomorrow Crowdinvesting 4“  ist die 2018 gegründete Tomorrow GmbH aus Hamburg. Das Unternehmen ist ein sogenannter Banking-Anbieter, aber keine Bank. Die Emittentin arbeitet deshalb mit dem Unternehmen Solaris SE zusammen, dessen deutsche Banklizenz sie nutzt.

10.000 Anlegerinnen und Anleger haben investiert

Die Tomorrow GmbH hat nach eigenen Angaben über 100.000 Kundinnen und Kunden. Zudem ist Tomorrow nach eigener Einschätzung das Unternehmen mit der höchsten Zahl an privaten Crowdinvestorinnen und Crowdinvestoren Deutschlands: Ca. 10.000 Menschen haben demnach in drei Crowdinvestings über 14 Millionen Euro in Tomorrow investiert. Das neue Cowdinvesting Nr. 4 hat gemäß den Genussrechtsbedingungen ein Emissionsvolumen von bis zu 8 Millionen Euro.

Wie sieht das Geschäftsmodell der Tomorrow GmbH aus? In welchem wichtigen Bereich hat das Unternehmen nun wieder die Strategie geändert? Warum hat Wiwin nicht nur als Vermittler der Genussrechte ein Interesse an einer positiven Entwicklung der Tomorrow GmbH? Wovon hängen die Laufzeitdauer und die Gesamtauszahlungen der Genussrechte ab? Wie hat sich Tomorrow finanziell entwickelt? Antworten auf diese und weitere Fragen und das ECOreporter-Fazit erhalten Sie im Premium-Bereich.

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

Geschäftsmodell und Produkte

Die Umsatzplanung der Tomorrow GmbH beruht nach eigenen Angaben grundsätzlich auf einem Drei-Säulen-Prinzip: den kostenpflichtigen Kontomodellen und der Vermittlung von Dispokrediten, der Erweiterung ihres Produktportfolios inklusive nachhaltiger Investitionsmöglichkeiten und dem Ausbau von Mehrwert-Services wie Partnerprogrammen (z. B. Versicherungen). 2025 will Tomorrow laut Anlagebroschüre vom 14.11.2024 neben der Einführung neuer Produkte und Features einen verstärkten Fokus auf „gesundes“ Wachstum an Kundinnen und Kunden setzen.

Tomorrow bietet drei verschiedene Kontomodelle an: Now, Change und Zero. Nach Angaben des Unternehmens habe sich 2023 die wirtschaftliche Lage der Tomorrow GmbH unter anderem mit dem Wechsel zu einem „Paid Only“-Modell erheblich verbessert. Seit Mitte Oktober 2024 bietet das Unternehmen aber nun doch wieder das Now-Konto ohne Monatsgebühr an, weil man „ein Konto für möglichst viele Menschen anbieten“ wolle. Wer „manchmal einfach kein Geld für die Kontogebühr übrig habe“, kann die reguläre Now-Monatsgebühr von 4 Euro nach freier Wahl auf bis zu 0 Euro reduzieren. Allerdings kostet gemäß den Angaben in der Anlagebroschüre beim Now-Konto eine Abhebung 3 Euro, während beim Change-Konto (Monatsgebühr 8 Euro) bis fünf Abhebungen inklusive sind und beim Zero-Konto (Monatsgebühr 17 Euro) unbegrenzt kostenlose Abhebungen möglich sind.

Die Tomorrow GmbH vermittelt auch Anlageprodukte. Den Aktienfonds Tomorrow Better Future Stocks hat das Unternehmen gemeinsam mit der Evergreen GmbH auf den Markt gebracht. ECOreporter hat den Fonds hier getestet.

Neben dem Aktienfonds kann laut Anlagebroschüre zusätzlich über die App regelmäßig auch in Projekte des Partners Wiwin investiert werden. Zuletzt waren das den Angaben nach Solar- und Windanleihen. Wiwin vermittelt auch die Tomorrow-Genussrechte Crowdinvesting 4.

Laufzeit und Zins


Die Gründer von Tomorrow (v.l.n.r.): Jakob Berndt, Michael Schweikart und Inas Nureldin. / Foto: Tomorrow

Die Laufzeit der tokenbasierten Genussrechte endet laut Basisinformationsblatt (BIB, Erstellungsdatum: 16.8.2024) mit Ablauf des 31. August 2034. Anlegerinnen und Anleger können die Genussrechte vorher unter Einhaltung einer Kündigungsfrist von zehn Monaten ab dem 1. September 2029 ordentlich kündigen. Die Laufzeit endet aber automatisch mit Eintritt eines Exitereignisses. Ein Exitereignis liegt beispielsweise vor, wenn das Unternehmen mehrheitlich verkauft wird oder ein Börsengang der Emittentin stattgefunden hat.

Die Genussrechte sind laut BIB jährlich und quotal an den Jahresergebnissen der Emittentin beteiligt (der „Gewinnanteil“). Der Gewinnanteil bemisst sich dabei an der Höhe der Dividende, die die Emittentin an ihre Gesellschafter ausschüttet.

Die Rückzahlung erfolgt laut BIB entweder zum Basisrückzahlungsbetrag oder zum Exitbetrag. Dabei entspricht der Basisrückzahlungsbetrag dem Stückpreis des Genussrechts zuzüglich einem jährlichen Zins in Höhe von 5 Prozent (ohne Zinseszinseffekt). Die Zahlung des Basisrückzahlungsbetrages ist insbesondere von einer ausreichenden Liquidität der Emittentin abhängig. Der Exitbetrag bietet hingegen eine zusätzliche Gewinnbeteiligung, die sich an einem etwaigen Exitergebnis der Gesellschafter bemisst. Ein Anspruch auf den Exitbetrag besteht nur dann, wenn dieser größer ist als der Basisrückzahlungsbetrag.

Die Genussrechte gewähren keine Teilnahme-, Mitwirkungs- und Stimmrechte. Zahlungen an die Inhaberinnen und Inhaber der nachrangigen Genussrechte sind vorbehaltlich der Regelungen des Rangrücktritts und der vorinsolvenzlichen Durchsetzungssperre zu leisten.

Finanzielle Situation

Die Tomorrow GmbH hat im Geschäftsjahr 2021 einem Umsatz von 2 Millionen Euro und einen Jahresfehlbetrag von rund 17 Millionen Euro verzeichnet. Nach Angaben der Emittentin hat sich 2023 der Umsatz auf 12 Millionen Euro erhöht (2022: 5 Millionen Euro) und der Jahresverlust auf 6 Millionen Euro verringert (2022: Jahresverlust von 16 Millionen Euro). Die Jahresabschlüsse der Emittentin für ihr Geschäftsjahre 2022 und 2023 sind noch nicht im Unternehmensregister veröffentlicht (Stand: 25.11.2024). Nach Angaben von Tomorrow sind die in der Anlagebroschüre genannten Jahresergebnisse für 2022 und 2023 auch noch ungeprüft.

Die Kosten der Emittentin haben sich laut Anlagebroschüre 2023 wie folgt aufgegliedert: 35 Prozent Personal , 41 Prozent Banking, 6 Prozent Marketing und 18 Prozent Sonstige. Die Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verringerte sich laut Anlagebroschüre von 116 (Ende 2022) auf 96 (Ende 2023). Den Grafiken in der Anlagebroschüre ist zudem zu entnehmen, dass die Anzahl der aktiven Kundinnen und Kunden seit 2021 stärker gestiegen ist als das Transaktionsvolumen (sämtliche Kartenzahlungen, Überweisungen). Das Transaktionsvolumen je Kunde und Quartal hat sich demnach verringert, von ca. 51.300 Euro in 2021 auf ca. 12.000 Euro in 2023. Im Jahr 2023 wurde laut Anlagebroschüre zum ersten Mal ein Transaktionsvolumen von 1 Milliarde Euro auf Quartalsebene erreicht.

Die Emittentin weist gemäß ihrer Aussage in der Anlagebroschüre nach dem vorläufigen untestierten Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2023 einen „nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag“ nach HGB-Rechnungslegung von ca. 42 Millionen Euro aus. Die Bilanzsumme beläuft sich auf 52 Millionen Euro. Das Anlagevermögen der Emittentin beträgt laut den vorläufigen Zahlenangaben in der Anlagebroschüre zum Jahresende 2023 4 Millionen Euro und besteht aus immateriellen Vermögensgegenständen.

Hohe Risiken

Die tokenbasierten Genussrechte beinhalten für die Anlegerinnen und Anleger einen Rangrücktritt und eine vorinsolvenzliche Durchsetzungssperre.

Es besteht das Risiko, dass sich die Geschäftsidee der Emittentin am Markt nicht durchsetzt oder der geplante Geschäftsaufbau nicht wie erhofft umgesetzt werden kann. Es ist möglich, dass Wettbewerber Produkte oder Dienstleistungen entwickeln und anbieten, die denen der Emittentin überlegen sind und/oder auf eine größere Marktakzeptanz stoßen. Kapitalstärkere Unternehmen wie z.B. etablierte Banken, die auch Banking-Apps anbieten und diese weiterentwickeln, können den Wettbewerbsdruck für Tomorrow erhöhen. Für Anlegerinnen und Anleger, die in ein Frühphasenunternehmen wie die Emittentin investieren, ist es laut Anlagebroschüre wesentlich wahrscheinlicher, dass sie ihr investiertes Kapital verlieren, als dass sie eine Rendite auf das eingesetzte Kapital erzielen.

Für die Umsetzung des Geschäftsmodells von Tomorrow ist aufgrund von aufsichtsrechtlichen Vorgaben die Zusammenarbeit mit einer Partnerbank notwendig. Es besteht das Risiko, dass der Partner ausfällt oder die Zusammenarbeit aus anderen Gründen beendet werden muss.

Die Bedienung der Zahlungsansprüche aus den Genussrechten setzt die Schaffung und die Aufrechterhaltung einer ausreichenden Liquidität bei der Emittentin voraus. Für die Platzierung der mit dieser Anlagebroschüre angebotenen Genussrechte besteht keine Platzierungsgarantie.

Nach dem vorläufigen untestierten Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2023 weist die Bilanz der Tomorrow GmbH einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag von ca. 42 Millionen Euro auf. Für Anlegerinnen und Anleger besteht ein erhebliches Risiko, dass sie ihr eingesetztes Kapital vollständig verlieren.

Fazit

Es ist ein Warnzeichen, dass noch keine geprüften Jahresabschlüsse für die beiden letzten Geschäftsjahre veröffentlicht sind. Die finanzielle Transparenz ist daher nicht überzeugend. Nach Angaben von Tomorrow haben sich Umsatz und Ergebnis 2023 verbessert. Es ist aber weiterhin offen, ob sich das Unternehmen langfristig am Markt etablieren kann. Derzeit ist die Tomorrow GmbH weiterhin auf externe Finanzierung angewiesen. Gelingt es Tomorrow nicht, weitere Kapitalmaßnahmen umzusetzen, droht dem Unternehmen nach eigener Einschätzung die Insolvenz.

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