EnviTec kämpft mit unsicheren politischen Rahmenbedingungen. / Foto: EnviTec

  Nachhaltige Aktien

EnviTec Biogas leidet unter schwachem Anlagengeschäft

Der Biogasspezialist EnviTec Biogas hat im ersten Halbjahr 2025 die Erwartungen nicht erfüllt. Leistung und Ergebnis gingen zurück, regulatorische Unsicherheiten bremsen das Geschäft.

Im Zeitraum Januar bis Juni sank die Gesamtleistung, also der Umsatz plus erbrachte, aber noch nicht abgerechnete Leistungen, im Jahresvergleich von 182 Millionen auf 165 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) fiel von 39,6 Millionen auf 26,3 Millionen Euro. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 8,1 Millionen Euro, womit sich das Ergebnis mehr als halbierte.

Anlagengeschäft läuft schwach

Das Ergebnis in den beiden Geschäftsbereichen des Unternehmens fiel dabei sehr unterschiedlich aus. Der Eigenbetrieb, das größte Segment, entwickelte sich solide. Der Umsatz der Sparte, in der EnviTec Geld mit dem Betrieb eigener Biogasanlagen verdient, kletterte im Vergleich zum Vorjahr um 19 Prozent auf rund 107 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBT) blieb mit 20,6 Millionen Euro stabil.

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In der Sparte Anlagenbau hingegen brach der Umsatz gegenüber 2024 von 64,3 Millionen auf 14,8 Millionen Euro ein. Außerdem rutschte das Segment in die Verlustzone, das EBT lag bei minus 12 Millionen Euro, im Vorjahr war ein Plus von 10 Millionen Euro verbucht worden. Grund sind laut EnviTec Projektverschiebungen und Genehmigungsverzögerungen.

Eine besondere Belastung stellt die politische Situation dar. Eine neue EU-Richtlinie sieht vor, die sogenannte Doppelanrechnung fortschrittlicher Biokraftstoffe zu streichen. Das würde das Geschäftsmodell von EnviTec und anderen Biokraftstoffherstellern empfindlich treffen.

Die EU unterteilt Biokraftstoffe in zwei Kategorien: herkömmliche Biokraftstoffe, die etwa aus Raps oder Mais hergestellt werden, und fortschrittliche Biokraftstoffe aus Abfällen wie altem Speisefett.

Gleichzeitig gelten für Mineralölunternehmen, die Diesel oder Benzin verkaufen, zwei Vorschriften. Erstens müssen sie ihre Treibhausgasemissionen jährlich um einen bestimmten Prozentsatz senken. Das kann durch den Handel mit Treibhausgaszertifikaten erreicht werden oder indem normalem Treibstoff Biokraftstoffe beigemischt werden.

Als zweite Regel gilt eine sogenannte Unterquote. Diese legt fest, dass ein bestimmter Anteil der eingesetzten Kraftstoffe grundsätzlich fortschrittlicher Biokraftstoff sein muss, damit Kraftstoffhersteller nicht nur herkömmliche Biokraftstoffe verwenden.

Bislang erlaubt die Doppelanrechnung, dass die Verwendung fortschrittlicher Biokraftstoffe doppelt gezählt werden kann. Das heißt: Jeder Liter fortschrittlicher Biokraftstoff kann sowohl auf die Treibhausgasbilanz als auch auf die Unterquote angerechnet werden. Mit der Streichung der Doppelanrechnung würde das enden. Damit sollen Kraftstoffhersteller gezwungen werden, mehr fortschrittliche Biokraftstoffe einzusetzen.

Wegfall der Doppelanrechnung könnte belasten

Allerdings setzen Biokraftstoffhersteller wie EnviTec bislang stark auf die Doppelanrechnung als Verkaufsargument. Fortschrittliche Biokraftstoffe sind aufwendiger und teurer herzustellen, deswegen waren hohe Margen in der Branche bislang relevanter als die Mengen. Hersteller befürchten daher, dass zwar größere Mengen verkauft werden, aber zu niedrigeren Preisen. Zudem ist schwer zu kalkulieren, welche Mengen künftig abgesetzt werden können.

"Der im Juni 2025 vorgelegte Referentenentwurf stellt mit der geplanten Streichung der Doppelanrechnung fortschrittlicher Biokraftstoffe einen massiven Eingriff in bestehende Geschäftsmodelle dar und würde in seiner jetzigen Form erhebliche wirtschaftliche Folgen nach sich ziehen", erklärte EnviTec-Chef Olaf von Lehmden. "Nach vehementer Verbändekritik gilt es nun abzuwarten, wie der für Oktober geplante Kabinettsentwurf ausgestaltet sein wird."

Für das Gesamtjahr erwartet EnviTec weiterhin eine Gesamtleistung zwischen 330 und 370 Millionen Euro und ein EBT zwischen 25 und 35 Millionen Euro. Im Anlagenbau sehe man eine spürbar positive Entwicklung bei Nachfrage und Auslastung, sagte Finanzvorstand Jörg Fischer. Allerdings geht das Unternehmen nur noch davon aus, am unteren Ende der Prognosespanne zu landen.

Im Xetra-Handel ist die EnviTec-Aktie aktuell 4,2 Prozent im Minus zum Vortag und kostet 18,50 Euro (Stand: 1.10.2025, 11:35 Uhr). Auf Monatssicht notiert die Aktie 1,6 Prozent im Minus, im Jahresvergleich hat sie 41,5 Prozent an Wert eingebüßt.

Bei der EnviTec-Aktie gibt es erhebliche Risiken. Nach wie vor ist unklar, welche Rolle Biokraftstoffe bei der Energiewende spielen werden. Der Kursverlauf wird absehbar wohl stark durch politische Entscheidungen beeinflusst werden. Defensiven Anlegerinnen und Anlegern rät ECOreporter vom Einstieg in die Aktie ab.

EnviTec Biogas AG:  ISIN DE000A0MVLS8 / WKN A0MVLS

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