Der nachhaltige Lieferdienst Green Club leidet unter dem schlechten Konsumklima. / Foto: Green Club

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Green Club im Sanierungsverfahren – Anleiheangebot erst wenige Wochen vorher gestartet

Die Green Club GmbH, die bis vor wenigen Monaten noch Pottsalat GmbH hieß, hat einen Antrag auf Sanierung in Eigenverwaltung gestellt. Ziel des Sanierungsverfahrens sei es, die rund 440 Arbeitsplätze zu sichern sowie den Geschäftsbetrieb zu restrukturieren und aufrechtzuerhalten. Erst vor knapp zwei Monaten hatte der nachhaltig orientierte Lieferdienst ein Anleiheangebot gestartet, mit dem bis zu 5 Millionen Euro eingeworben werden sollten.

Der auf Bowls und Salate spezialisierte Lieferdienst Green Club will sich neu aufstellen. Das Amtsgericht Essen hat nach Angaben des Unternehmens einem entsprechenden Antrag der Green Club GmbH vom 5. Dezember stattgegeben und das vorläufige sanierende Eigenverwaltungsverfahren angeordnet. Damit laufe der Geschäftsbetrieb des Lieferdienstes an allen zwölf Standorten in Deutschland weiter.

Im Eigenverwaltungsverfahren erarbeitet Green Club nach eigenen Angaben nun einen Sanierungsplan, um die Zukunftsfähigkeit des Lieferdienstes sicherzustellen. Begleitet werden das Unternehmen und seine Geschäftsführer dabei von mehreren auf Restrukturierung und Sanierung spezialisierte Experten. „Wir glauben an unser Konzept, das gesunde Ernährung mit nachhaltigen Liefermethoden verbindet. Mit diesem Verfahren wollen wir den Grundstein für weiteres Wachstum und Stabilität legen“, sagt Tobias Drabiniok, Geschäftsführer von Green Club.

Die Probleme: schwaches Konsumklima und Tilgungsverpflichtungen

Nach Angaben von Mit-Geschäftsführer und Finanzchef Peter Falk sei die finanzielle Schieflage auf mehrere Faktoren zurückzuführen. „Das schwächere Geschäft im vierten Quartal 2024, insbesondere während der Weihnachtszeit, wurde zusätzlich durch die Auswirkungen der anhaltenden Wirtschaftskrise und die hohe Inflation verstärkt. Gleichzeitig führt das anhaltend gedrückte Konsumklima dazu, dass Verbraucherinnen und Verbraucher ihr Ausgabeverhalten noch stärker eingeschränkt haben, was unsere Umsätze weit über unsere Prognosen hinaus erheblich belastet“, so der Green Club-Geschäftsführer. Nach Einschätzung von ECOreporter könnten auch die Umbenennung (z.B. Kosten für die Etablierung der neuen Marke) sowie Medienberichte zu einem (inzwischen ehemaligen) Investor die Green Club GmbH in diesem Jahr belastet haben.

Ziel des Sanierungsverfahrens ist nach Unternehmensangaben die Restrukturierung und Neuausrichtung von Green Club, um „die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu sichern und dadurch die bestmögliche Gläubigerbefriedigung zu erzielen“. Nach aktuellem Stand strebe das Unternehmen an, das Verfahren in den wesentlichen Punkten in der ersten Jahreshälfte 2025 abzuschließen.

ECOreporter hat frühzeitig auf hohe Risiken hingewiesen

Bei dem im Oktober 2024 gestarteten Anleiheangebot mit der Bezeichnung „Green Club Crowdinvesting“ handelt es sich um nachrangige tokenbasierte Schuldverschreibungen mit vorinsolvenzlicher Durchsetzungssperre. Der Zinssatz der Anleihe beträgt 9,0 Prozent pro Jahr plus umsatzabhängiger Bonuskomponente.

Die Emittentin hat laut Anlagebroschüre (vom 22.10.2024) „in der Vergangenheit bereits zwei sehr erfolgreiche Crowdinvesting-Kampagnen gestartet. Bei unserer ersten Kampagne im Jahr 2020 hatten wir mehr Anfragen, als wir annehmen konnten. Das Investitionskontingent war voll ausgeschöpft. Zwei Jahre später haben wir mit knapp zwei Millionen Euro doppelt so viel Kapital eingesammelt wie geplant.“

ECOreporter hatte sich das Anleiheangebot 2022 näher angesehen und im abschließenden Satz gewarnt: „Für Anlegerinnen und Anleger besteht ein erhebliches Risiko, dass sie ihr eingesetztes Kapital teilweise oder vollständig verlieren.“

In ihrem Geschäftsjahr 2022 hat die Anleiheemittentin gemäß ihrer Gewinn- und Verlustrechnung Umsatzerlöse von rund 3,6 Millionen Euro und einen Jahresfehlbetrag von rund 3,0 Millionen Euro erwirtschaftet. Der Jahresabschluss für ihr Geschäftsjahr 2023 ist noch nicht im Unternehmensregister veröffentlicht (Stand: 15.12.2024).

Kein Zufall – Green Club und Wiwin

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Gemäß den Angaben der Green Club GmbH (Emittentin) in ihrer Anlagebroschüre wird – bzw. inzwischen wurde – die Zeichnung der tokenbasierten Schuldverschreibungen ausschließlich über die Internetseite der wiwin GmbH (kurz: Wiwin) angeboten.

Nach Aussage der Geschäftsführung der Emittentin in der Anlagebroschüre ist es kein Zufall, dass sie auch ihre dritte Crowdinvesting-Kampagne gemeinsam mit Wiwin auf die Beine stellen: Das Wiwin-Team sei für sie der perfekte Partner, wenn es um nachhaltige Kapitalanlagen geht.

Auch Wiwin betont in einer Meldung vom 22. Oktober 2024: „Dass Green Club auch seine dritte Crowdinvesting-Kampagne über Wiwin startet, ist kein Zufall. Wiwin ist als Plattform auf nachhaltige Investments spezialisiert. Darüber hinaus ist Wiwin-Gründer Matthias Willenbacher nicht nur ein überzeugter Green Club-Fan, sondern seit 2018 auch selbst Investor des Lieferdienstes.“

„Für uns liegt es nahe, mit Menschen zu arbeiten, die uns kennen und unser Potential sehr gut einschätzen können“, führt Green Club-Geschäftsführer Tobias Drabiniok im Oktober 2024 aus. Und von jenem Potential seien laut Wiwin-Meldung sowohl Matthias Willenbacher als auch Wiwin-Geschäftsführer René Theis vollumfänglich überzeugt. „Das Green Club-Management sucht kontinuierlich nach Wegen, um Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit zu vereinen. Und die wirtschaftliche Entwicklung in den vergangenen Jahren zeigt, dass sie mit ihrem Geschäftsmodell auf dem absolut richtigen Weg sind“, so Theis im Oktober 2024.

Gemäß den Angaben in der Anlagebroschüre investierte in einer zweiten Finanzierungsrunde im Juni 2019 der Venture-Capital-Fonds Wi Venture unter der Leitung von Matthias Willenbacher in die Emittentin. Willenbacher gehöre weiterhin zu den Gesellschaftern und Investoren der Green Club GmbH (Stand: Oktober 2024). Laut Gesellschafterliste vom 14. Oktober 2024 hält die kopa ventures GmbH & Co. KG (ehemals: Wi Venture GmbH & Co. KG) 7,48 Prozent der Anteile an der Emittentin. Matthias Willenbacher hält gemäß aktuellem Handelsregisterauszug die Mehrheit an der kopa ventures GmbH & Co. KG.

Matthias Willenbacher ist laut Handelsregistereintragung vom Dezember 2023 nicht mehr Geschäftsführer der wiwin GmbH. Er ist aber laut Gesellschafterliste vom 14. November 2024 mit Anteilen von insgesamt rund 98 Prozent weiterhin Mehrheitsgesellschafter der wiwin GmbH.

Fazit

Für Unternehmen ist es vorteilhaft, wenn sie nachrangiges Kapital einwerben können, dass sie beispielsweise für ihr geplantes Wachstum oder zur Rückzahlung von Verbindlichkeiten benötigen. Davon können dann mittelbar auch die Gesellschafter der jeweiligen Unternehmen profitieren. Grundsätzlich gilt: Wenn Verflechtungen zwischen Emittenten und Vermittlern bestehen, kann ein Potential für Interessenskonflikte nicht ausgeschlossen werden.

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