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ThomasLloyd: 89 Millionen Euro Verlust – wie laufen die Biomassekraftwerke?
Die ThomasLloyd Cleantech Infrastructure Holding GmbH hat ihren überfälligen Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2021 veröffentlicht. Darin weist sie einen Jahresverlust von rund 89 Millionen Euro und eine bilanzielle Überschuldung von rund 221 Millionen Euro aus. Über eine halbe Milliarde Euro haben Anlegerinnen und Anleger mittelbar in das Unternehmen investiert. ECOreporter liegen schon vorläufige Finanzzahlen für das Geschäftsjahr 2023 vor.
Hohe Verluste auch bei Anlegergesellschaften
Die Anlegerinnen und Anleger der Beteiligungsangebote CTI 5 D, CTI 9 D und CTI Vario erwarben Kommanditanteile an der Dritte Cleantech Infrastrukturgesellschaft mbH & Co. KG (CTI 5 D), Fünfte Cleantech Infrastrukturgesellschaft mbH & Co. KG (CTI 9 D) und Zweite Cleantech Infrastrukturgesellschaft mbH & Co. KG (CTI Vario D). Diese drei CTI-Beteiligungsgesellschaften investierten das Anlegerkapital jeweils als typisch stiller Gesellschafter in die Thomas Lloyd Cleantech Infrastructure Holding GmbH (kurz: ThomasLloyd CIH).
Daher weist nicht nur die ThomasLloyd CIH für 2021 einen hohen Verlust aus, sondern auch die Gesellschaften der Anlegerinnen und Anleger. Die Jahresfehlbeträge betragen gemäß den Angaben in den Jahresabschlüssen 2021, die auch erst im Mai 2024 im Unternehmensregister veröffentlicht wurden, rund 9,4 Millionen Euro (Dritte Cleantech), rund 9,5 Millionen Euro (Zweite Cleantech) und rund 55,4 Millionen Euro (Fünfte Cleantech).
Wer ist neuer Alleingesellschafter der ThomasLloyd Cleantech Infrastructure Holding GmbH? Auf welche ausländische Gesellschaft soll diese nun verschmolzen werden? Was sagen die vorläufigen Finanzzahlen der ThomasLloyd CIH für deren Geschäftsjahr 2023 aus? Welche Maßnahmen wären nach Einschätzung von ECOreporter erforderlich? Antworten auf diese und weitere Fragen erhalten Sie nachfolgend im Premium-Bereich.
Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.
Umfangreiche Wertminderungen
Die ThomasLloyd CIH weist bei einer Bilanzsumme von rund 589 Millionen Euro zum 31.12.2021 einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag (bilanzielle Überschuldung) von rund 221 Millionen Euro aus. Dieser lässt sich im Wesentlichen auf Wertberichtigungen auf Aktivvermögen zurückführen. Eine tatsächliche Überschuldung ist gemäß den Angaben im Jahresabschluss-Anhang für das Geschäftsjahr 2021 aufgrund der Nachrangigkeit von Einlagen stiller Gesellschafter (rund 410 Millionen Euro zum 31.12.2021) nicht gegeben.
Bei den Einlagen der stillen Gesellschafter handelt sich laut Jahresabschluss-Anhang um ein Eigenkapitalersatzinstrument. Das gezeichnete Kapital (Stammkapital) beträgt nur 25.000 Euro. Sowohl die Wandelanleihen (rund 99 Millionen Euro zum 31.12.2021) als auch die Anleihen (rund 73 Millionen Euro zum 31.12.2021) bestehen ausschließlich gegenüber verbundenen Unternehmen.
Hohe Managementvergütung
Gemäß der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) der ThomasLloyd CIH führten neben den Abschreibungen auf Finanzanlagen und auf Wertpapiere des Anlagevermögens (rund 63 Millionen Euro) insbesondere die sonstigen betrieblichen Aufwendungen (rund 32 Millionen Euro) zu dem Jahresfehlbetrag von rund 89 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2021.
Die „Management und Performance Fee“ belief sich laut Kapitalflussrechnung für das Geschäftsjahr 2021 auf rund 23,2 Millionen Euro. Laut Jahresabschluss-Anhang besteht ein Vertrag mit der ThomasLloyd Global Asset Management (Americas) LLC, Pleasantvile/USA über Risikomanagementdienstleistungen sowie Asset Allocation Beratungs- und Dienstleistungen.
Zum Vergleich: Für das Geschäftsjahr 2020 hat die ThomasLloyd CIH laut GuV/Kapitalflussrechnung Abschreibungen auf Finanzanlagen und auf Wertpapiere des Anlagevermögens von rund 100 Millionen Euro, sonstige betriebliche Aufwendungen von rund 42 Millionen Euro, eine Management und Performance Fee von rund 7,7 Millionen Euro und einen Jahresfehlbetrag von rund 132 Millionen Euro ausgewiesen.
Probleme bei Biomassekraftwerken und Solaranlagen
Weitere Informationen zum Geschäftsjahr 2020 der ThomasLloyd CIH erhalten Sie hier. In dem Artikel hatte ECOreporter auch bereits vor rund zwei Jahren auf Probleme mit den Biomassekraftwerken auf den Philippinen hingewiesen. Im Lagebericht (vom Juli 2023) zum Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2021 erklärt die ThomasLloyd CIH unter anderem: „Im Jahr 2021 befanden sich die Biomassekraftwerke in einer Speicher-Wartungsphase, da die Stromnachfrage aufgrund von landesweiten Schließungen zurückging und die öffentliche Hand durch die Covid-19-Pandemie in ihrer Leistungsfähigkeit beeinträchtigt war. Die Biomassekraftwerke nutzten diesen Zeitraum, um Tests und andere Programme zur Steigerung der betrieblichen Effizienz durchzuführen. Jedes Biomassekraftwerk verkauft derzeit Strom auf dem Stromspotmarkt, wobei jedoch aktive Gespräche mit großen kreditwürdigen Unternehmen geführt wurden, die einen langfristigen Stromabnahmevertrag anstreben.“
Im August 2022 brachte die ThomasLloyd CIH ihre Anteile an SolarArise India Private Pte Ltd Im Tausch gegen Stammaktien der ThomasLloyd Energy Impact Trust PLC ein. Die ThomasLloyd Energy Impact Trust plc heißt inzwischen Asian Energy Impact Trust plc. Das Unternehmen ist mittelbar hauptsächlich an Solaranlagen in Indien und auf den Philippinen beteiligt. Über eine massive Wertminderung des Portfolios der Asian Energy Impact Trust plc hat ECOreporter hier berichtet
Höheres Anlagevermögen nach den IFRS möglich
In den Registerunterlagen der ThomasLloyd CIH ist als Anlage eine Zwischenmitteilung des Unternehmens zu seinen finanziellen Positionen zum Stichtag 31.12.2023 enthalten. Diese finanziellen Positionen (Geschäftszahlen) für 2023 können sich noch ändern, sie sind noch nicht geprüft. Die Zwischenmitteilung selbst ist nicht datiert, die PDF-Registerdokumentdatei wurde am 1.3.2024 erstellt.
Die veröffentlichten vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2023 sind laut Dokument entsprechend den IFRS (EU) vorbereitet. Dagegen ist der veröffentliche Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2021 nach dem HGB erstellt. Zwischen der Rechnungslegung nach dem Handelsgesetzbuch (HGB) und den International Financial Reporting Standards (IFRS) bestehen wesentliche Unterschiede, die unter anderem dazu führen können, dass Vermögenswerte nach den IFRS höher bewertet werden. Beispielsweise werden Vermögensgegenstände nach dem HGB zu Anschaffungskosten (bzw. dem niedrigeren beizulegenden Wert) und nach den IFRS zu Marktwerten angesetzt.
In den IFRS ist es möglich, zusätzlich einen „fairen Wert“ (fair value through profit or loss, FVTPL) anzusetzen. Dieser FVTPL wird gemäß der Zwischenmitteilung von der ThomasLloyd CIH zum 31.12.2023 auf rund 117 Millionen Euro beziffert, sodass sich ein Anlagevermögen von zusammen 377 Millionen Euro ergibt.
Zum Vergleich: Zum 31.12.2021 belief sich das Anlagevermögen (nach dem HGB) der ThomasLloyd CIH auf rund 337 Millionen Euro. Zudem hatte das Unternehmen für 2021 im Lagebericht für sein Geschäftsjahr 2021 ein Aufwertungspotenzial seines Beteiligungsportfolios von rund 235 Millionen Euro ausgemacht (nach dem HGB).
Wie viel sind die Biomassekraftwerke wert?
Das Aufwertungspotenzial stelle laut Lagebericht den potenziellen Wertzuwachs des Beteiligungsportfolios unter der Pro-forma-Annahme eines operativen Diskontierungssatzes von 7,7 Prozent (das entspreche dem Diskontierungssatz von 8,9 Prozent vom Dezember 2021 ohne Berücksichtigung von Prämien für Risiken und kleine Unternehmen) und eines Stromspotmarktpreises von 8,1 Philippinischen Pesos (PHP) pro kWh (das entspreche dem Preis von 2022) einschließlich weiterer Wertsteigerungsfaktoren dar. 8,1 PHP sind derzeit umgerechnet rund 0,13 Euro (Stand: 23.5.2024).
Vereinfacht ausgedrückt entspricht der Diskontierungssatz (Abzinsungsfaktor) eines Projektes der Renditeerwartung von Investoren, die das Projekt betreiben oder (eventuell) erwerben möchten. In die Berechnung fließen unter anderem projekt- und länderspezifische Risiken ein. Diese können aus Sicht eines externen Investors bei Biomassekraftwerken auf den Philippinen deutlich höher sein als beispielsweise bei Solaranlagen in Deutschland, sodass er für Biomassekraftwerke auf den Philippinen eine deutlich höhere Renditeerwartung (Diskontierungssatz) ansetzen könnte.
Wenn der Diskontierungssatz für ein Projekt steigt, verringert sich aus Sicht des Investors der Wert des Projektes. Der Wert von Biomassekraftwerken wird durch weitere Annahmen und Prognosen bestimmt, unter anderem hinsichtlich der Substratbeschaffung (Qualität und Menge), des Stromverkaufspreises und der prognostizierten Lebensdauer der Anlagen. Der jüngst veröffentlichte Jahresabschluss der ThomasLloyd CIH für ihr Geschäftsjahr 2021 ermöglicht keine Einschätzung der derzeitigen Lage und aktuellen Bewertung der Biomassekraftwerke auf den Philippinen.
Vorläufige Zahlen für 2023
Zusammen mit den Forderungen von rund 61 Millionen Euro ergibt sich für die ThomasLloyd CIH zum 31.12.2023 ein Gesamtvermögen von rund 438 Millionen Euro. Die Verbindlichkeiten zum 31.12.2023 setzen sich insbesondere aus Einlagen der stillen Gesellschafter von rund 374 Millionen Euro (31.12.2021: rund 410 Millionen Euro) sowie Anleihen und Wandelanleihen von insgesamt rund 237 Millionen Euro (31.12.2021: rund 171 Millionen Euro) zusammen. Der nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag zum 31.12.2023 wird in der Zwischenmitteilung mit rund 179 Millionen Euro (31.12.2021: rund 221 Millionen Euro) ausgewiesen.
Verschmelzung auf ausländische Gesellschaft geplant
Das Grundkapital der ThomasLloyd CIH wurde 2023 noch vollständig von der ThomasLloyd Holdings Ltd., London/Großbritannien, gehalten. Ein Konzernabschluss wurde für das Geschäftsjahr 2021 nicht erstellt.
Im Februar 2024 wurde notariell bescheinigt, dass nun die ThomasLloyd Climate Solutions B.V. mit Sitz in Amsterdam in den Niederlanden alleinige Gesellschafterin der ThomasLloyd CIH ist.
In Deutschland erfolgte eine Registerbekanntmachung nach dem Umwandlungsgesetz (Datum: 7.3.2024). In der wird darauf hingewiesen, dass beim Amtsgericht Osnabrück - Handelsregister - der Entwurf eines Verschmelzungsplans über eine grenzüberschreitende Verschmelzung eingereicht worden ist. Übertragender Rechtsträger ist demnach die Thomas Lloyd Cleantech Infrastructure Holding und übernehmender Rechtsträger die ThomasLloyd Climate Solutions B.V. Die Anteilsinhaber und Gläubiger der an der grenzüberschreitenden Verschmelzung beteiligten Gesellschaften können laut Registerbekanntmachung der jeweiligen Gesellschaft spätestens fünf Arbeitstage vor dem Tag der Gesellschafterversammlung Bemerkungen zum Verschmelzungsplan übermitteln.
Die an der grenzüberschreitenden Verschmelzung beteiligten Gesellschaften haben laut Registerbekanntmachung keinen Betriebsrat und auch keine Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Zudem ist laut Umwandlungsplan bei beiden Gesellschaften der ThomasLloyd-Gründer T.U. Michael Sieg der Managing Director. Die ThomasLloyd Climate Solutions B.V. hat gemäß den Angaben im Umwandlungsplan-Dokument (Anlage) ein Gesamtvermögen von 1 Euro (Stand: 23.2.2024).
Fazit
Für die Geschäftsjahre 2020 und 2021 hat die ThomasLloyd Cleantech Infrastructure Holding GmbH hohe Verluste ausgewiesen. Die Jahresabschlüsse des Unternehmens für die Jahre 2022 und 2023 sind noch nicht im Unternehmensregister veröffentlicht. Ob sich die Situation für die mittelbar investierten Anlegerinnen und Anleger aus Deutschland verbessert, wenn die ThomasLloyd Cleantech Infrastructure Holding GmbH wie geplant auf eine ausländische Gesellschaft verschmolzen wird, ist fraglich.
Für eine überzeugende Transparenz des Unternehmens wäre nach Einschätzung von ECOreporter nicht nur die zügige Veröffentlichung eines aktuellen Jahresabschlusses erforderlich, sondern auch eine umfassende Analyse der Biomassekraftwerks-Projekte und ihrer langfristigen Finanzplanung durch unabhängige Experten, inklusive deren Berichterstattung an die Anlegerinnen und Anleger. So bleiben weiterhin viele wichtige Fragen offen.