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Verbio mit zweitbestem Ergebnis der Unternehmensgeschichte – Aktie verliert zweistellig
Der Leipziger Biokraftstoffproduzent Verbio hat sein Geschäftsjahr 2022/23 (Juli bis Juni) trotz eines herausfordernden Umfelds mit dem zweitbesten Ergebnis der Firmenhistorie abgeschlossen. Trotzdem geht es für die Aktie abwärts.
Der Umsatz stieg von 1,8 Milliarden Euro im Vorjahr auf 1,97 Milliarden Euro. Grund für das Umsatzplus war Verbio zufolge vor allem der Anstieg der Verkaufsmengen sowohl für Biodiesel als auch für Bioethanol.
Gewinn mehr als halbiert
Das Nettofinanzvermögen lag aufgrund von Wachstumsinvestitionen und Steuerzahlungen mit 57,4 Millionen Euro deutlich unter dem Vorjahreswert von 284,1 Millionen Euro. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat Verbio nach eigenen Angaben seine Produktionskapazitäten für Biodiesel verdoppelt, seine Tankstelleninfrastruktur ausgebaut und eine Bioethanolanlage in den USA erworben.
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Der Nettogewinn des Unternehmens hat sich mit 132 Millionen Euro gegenüber rund 316 Millionen Euro im Vorjahr mehr als halbiert. Hauptursache hierfür waren rückläufigen Biodieselpreise, laut Verbio "unter anderem wegen vermutlich falsch gekennzeichneter Biodieselimporte aus Asien". ECOreporter hatte hier über den Fall berichtet.
"Mit dem zweitbesten Ergebnis der Verbio-Geschichte haben wir erneut gezeigt, dass wir die uns bietenden Opportunitäten am Rohstoff- und Absatzmarkt nutzen und den Herausforderungen im Biokraftstoffmarkt mit unserem breiten Produktportfolio begegnen. Das werden wir auch im bereits angelaufenen Geschäftsjahr 2023/24 tun", sagt Claus Sauter, Vorstandsvorsitzender der Verbio AG.
Sein Unternehmen begrüße, "dass die EU Mitte August endlich eine Untersuchung zu groß angelegtem Betrug in den Biodiesel-Lieferketten von Südostasien nach Europa gestartet hat". Es gehe um "Beträge in Milliardenhöhe".
Die Entscheidung für Zukäufe in Indien und Nordamerika seien wegweisend und richtig gewesen. Man müsse die "Wachstumsgeschwindigkeit weiter erhöhen, um die wachsende globale Nachfrage nach unseren Biomassemolekülen befriedigen zu können."
Vorstand und Aufsichtsrat werden der Hauptversammlung im Februar 2024 laut Mitteilung vorschlagen, eine Dividende in unveränderter Höhe von 0,20 Euro je Aktie auszuschütten. Die finanziellen Mittel sollen gezielt für die anstehenden Investitionen bereitgehalten werden.
Trotz der "weiterhin bestehenden Unsicherheiten in Deutschland aufgrund der asiatischen Biodieselimporte" rechnet Verbio für das laufende Geschäftsjahr 2023/24 mit einem "im Branchenkontext" positiven Ergebnis. So erwartet das Unternehmen eine hohe Auslastung im Biodieselsegment und erhöht seine Produktionsprognose von 660.000 auf 710.000 Tonnen.
Auf Basis des aktuellen Absatz-, Rohstoff- und Energiepreisniveaus, der angestrebten Produktionsauslastung sowie unter Berücksichtigung der weiterhin zu erwartenden Unsicherheiten geht der Vorstand davon aus, im Geschäftsjahr 2023/24 ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) in Höhe von 200 bis 250 Millionen Euro zu erzielen.
Abhängig von schwankenden Preisen
Sowohl der Gewinn als auch die Prognose blieben deutlich hinter den Erwartungen des Finanzmarkts zurück. Im Tradegate-Handel ist die Verbio-Aktie aktuell 14,5 Prozent im Minus zum Vortag und kostet 30,11 Euro (Stand: 26.9.2023, 9:19 Uhr). Auf Monatssicht notiert die Aktie 24,4 Prozent im Minus, im Jahresvergleich hat sie 39 Prozent an Wert eingebüßt.
Der Verbio-Kurs hat sich zwar langfristig gut entwickelt: Auf fünf Jahre betrachtet ist die Aktie 451 Prozent im Plus. Das Unternehmen ist aber stark abhängig vom deutlich schwankenden Ethanolpreis. In den letzten Jahren gab es für Verbio an der Börse heftige Kursausschläge in beide Richtungen. Dazu schafft die Billig-Konkurrenz insbesondere aus China zusätzliche Unsicherheiten.
Anlegerinnen und Anleger, die lange genug investiert sind, um von den langfristig erheblichen Kursgewinnen zu profitieren, können weiter über einen Teilverkauf ihrer Aktien nachdenken. Von einem Neueinstieg rät ECOreporter vorsichtigen Investoren eher ab. Wer dennoch Anteile kaufen möchte: Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2023/24 liegt bei 19. Damit ist die Aktie angesichts der erhöhten Risiken nicht günstig.
Verbio Vereinigte BioEnergie AG: ISIN DE000A0JL9W6 / WKN A0JL9W