OP-Technik von Carl Zeiss Meditec. Das Unternehmen ist seit 2002 an der Börse. Bieten sich derzeit Kaufgelegenheiten? / Foto: Zeiss

  Nachhaltige Aktien

Aktienanalyse Carl Zeiss Meditec – Präzision unter der Lupe

Operationsmikroskope, Kopflupen, Augenlasergeräte – die Carl Zeiss Meditec AG ist ein Weltmarktführer bei optischer Medizintechnik. Das Unternehmen aus Jena gilt als sehr nachhaltig, auch wegen seiner Firmenstruktur. Wie aussichtsreich ist die Aktie?

1846 gründete der Mechaniker Carl Zeiss in Jena eine Werkstatt für Feinmechanik und Optik. Anfangs fertigte er vor allem Lupen, Brillen und Fernrohre, später entwickelte er immer präzisere Mikroskope. Unter Zeiss‘ Erben gehörte das nach seinem Gründer benannte Unternehmen in beiden Weltkriegen zu den wichtigsten deutschen Herstellern von optischer Militärtechnik und fertigte unter anderem Zielfernrohre und Wärmepeilgeräte. Im Zweiten Weltkrieg beschäftigte die Firma auch Tausende Zwangsarbeiter.

Eine Stiftung hält die Mehrheit der Aktien

Heute ist die Zeiss-Gruppe ein globaler Konzern mit rund 43.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in ungefähr 50 Ländern. Der  Halbleiterbereich gehört mit seinen Hochpräzisionsoptiken zu den wichtigsten Lieferanten des führenden Chipanlagen-Herstellers ASML aus den Niederlanden. 2012 trennte sich Zeiss von seinem Militärgeschäft.

Die Medizintechniksparte ging 2002 unter dem Namen Carl Zeiss Meditec an die Börse. 41 Prozent der Aktien befinden sich in Streubesitz, 59 Prozent gehören der Carl-Zeiss-Stiftung, der Dachgesellschaft der Zeiss-Gruppe. Seit dem Börsenstart ist Carl Zeiss Meditec durch Übernahmen deutlich gewachsen. Aktuell arbeiten weltweit knapp 5.000 Menschen für das Unternehmen, die größten Standorte befinden sich neben Deutschland in Spanien, Frankreich, Japan und den USA.

Wie nachhaltig Carl Zeiss Meditec ist und ob sich ein Einstieg in die Aktie lohnen kann, erfahren Sie im Premium-Bereich.

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Ressourcenverbrauch deutlich gesunken

Die Carl-Zeiss-Stiftung verpflichtet ihre Unternehmen zu nachhaltigem Wirtschaften. Gruppenweit sind die CO2-Emissionen seit dem Geschäftsjahr 2018/19 um 72 Prozent gesunken. Der Energieverbrauch ging um 26 Prozent zurück, der Wasserverbrauch um 34 Prozent. Zudem fiel 35 Prozent weniger Abfall an. Für die nächsten Jahre sind weitere Verbesserungen vorgesehen.

Bis 2025 will die Zeiss-Gruppe in der eigenen Geschäftstätigkeit Klimaneutralität erreichen, vor allem durch Energie aus erneuerbaren Quellen und eine energieeffizientere Produktion. Die verbliebenen Emissionen sollen kompensiert werden. Außerdem bemüht sich Zeiss um mehr Nachhaltigkeit bei seinen Zulieferern und förderte im letzten Geschäftsjahr 171 soziale Projekte mit insgesamt 2 Millionen Euro.

Das Nachhaltigkeitskonzept der Zeiss-Gruppe verantworten zwei Vorstandsmitglieder, die Nachhaltigkeitsberichte sind umfangreich und detailliert. Die Aktie von Carl Zeiss Meditec findet sich in mehreren kerngrünen Fonds, beispielsweise im Murphy&Spitz Umweltfonds Deutschland.

Solide Gewinne auch in schwierigen Zeiten


Zeiss-Standort in Jena. / Foto: Unternehmen

In den ersten acht Monaten des aktuellen Geschäftsjahres (Oktober 2023 bis Mai 2024) setzte Carl Zeiss Meditec 1,26 Milliarden Euro um, ein Minus von 3 Prozent zum Vorjahr. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) sank von 183 auf 135 Millionen Euro. Die Rückgänge resultierten vor allem aus ungünstigen Wechselkursen, dem Abbau von Vorräten im chinesischen Vertrieb und einer Flaute im USA-Geschäft. Etwa die Hälfte der Einnahmen kamen aus der Region Asien-Pazifik. Der Auftragsbestand lag Ende März bei 276 Millionen Euro.

Für das Gesamtjahr 2023/24 rechnet Carl Zeiss Meditec mit etwa 2 Milliarden Euro Umsatz. 2022/23 waren es knapp 2,1 Milliarden Euro. Weil derzeit vor allem margenschwächere Produkte verkauft werden, erwartet das Management einen Rückgang des EBITs von 348 auf ungefähr 215 bis 265 Millionen Euro. Mittelfristig strebt das Unternehmen eine EBIT-Marge von 20 Prozent an. Im letzten Geschäftsjahr lag die Marge bei 16,7 Prozent.

Carl Zeiss Meditec ist robust finanziert: Vermögenswerten von 2,9 Milliarden Euro standen Ende März nur 0,8 Milliarden Euro an Verbindlichkeiten gegenüber.

Gibt es derzeit Einstiegschancen?

Die Aktie von Carl Zeiss Meditec ist im deutschen Mittelwerteindex MDAX und im Technologiewerteindex TecDAX gelistet. Zwischen Anfang 2009 und Herbst 2021 stieg der Kurs fast durchgehend, danach verlor die Aktie deutlich an Wert, weil das Unternehmen in Zeiten von Beschaffungsengpässen, teurer Energie und geopolitischen Unsicherheiten die hohen Markterwartungen nicht mehr erfüllen konnte. Aktuell kostet die Aktie mit einem Kurs von 64,65 Euro (Stand 21.6.2024, 12:09 Uhr, Xetra-Handel) so wenig wie zuletzt 2018. An der Börse ist Carl Zeiss Meditec derzeit ungefähr 5,8 Milliarden Euro wert.

Mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2024 von 23 ist die Aktie nicht günstig bewertet, für 2025 liegt das erwartete KGV bei moderateren 18.

Carl Zeiss Meditec hat seine Dividende in den letzten Jahren meist erhöht oder konstant gehalten. 2014 lag die Ausschüttung bei 0,45 Euro je Aktie, aktuell sind es 1,10 Euro. Für das Geschäftsjahr 2023/24 wird die Dividendenrendite bei 1,6 Prozent erwartet.

Fazit

Die schwache Weltwirtschaftslage und Unsicherheiten etwa in China und den USA sorgen bei Carl Zeiss Meditec derzeit für erhöhte Unsicherheiten. ECOreporter sieht aber gute Chancen, dass es dem Unternehmen als einem der Technologieführer in seiner Branche gelingen wird, sich langfristig am Markt zu behaupten und seine Gewinne zu steigern. Davon dürfte auch der derzeit historisch niedrige Aktienkurs profitieren. Ein interessantes Investment für geduldige Anlegerinnen und Anleger.

Carl Zeiss Meditec AG: ISIN DE0005313704 / WKN 531370

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