Einfach E-Mail-Adresse eintragen und auf "Abschicken" klicken - willkommen!

Alstom-Einspruch zurückgewiesen – kein Milliardenauftrag in Belgien
Das oberste Verwaltungsgericht Belgiens, der Staatsrat, hat einen Antrag des französischen Eisenbahnbauers Alstom abgelehnt, eine Entscheidung der nationalen Eisenbahngesellschaft SNCB zur Auftragsvergabe auszusetzen. Alstom muss die Hoffnung auf ein Milliardengeschäft wohl begraben.
Die SNCB hatte den spanischen Zugbauer Construcciones y Auxiliar de Ferrocarriles (CAF) als bevorzugten Lieferanten für bis zu 600 neue Triebwagen ausgewählt. CAF hatte sich damit gegen Alstom und den Münchner ECOreporter-Aktien-Favoriten Siemens durchgesetzt. Auch Siemens war bereits mit einem Einspruch gegen die Vergabe gescheitert.
Entscheidung mit politischer Tragweite
Bis 2032 will Belgien 30 Prozent mehr Passagiere befördern und dafür seine Zugflotte ausbauen und erneuern. In einer ersten Phase soll es dabei um 54.000 Sitzplätze und ein Auftragsvolumen von 1,7 Milliarden Euro gehen. Weitere Bestellungen könnten den Gesamtwert des Auftrags auf 5 Milliarden Euro erhöhen.
Lesen Sie auch unseren zweiteiligen Überblick zu nachhaltigen Eisenbahnaktien.
Wie ECOreporter die Alstom-Aktie derzeit einschätzt, erfahren Sie im folgenden Premium-Bereich.
Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.
"Wir sind enttäuscht über diese Entscheidung und darüber, dass unsere Argumente nicht berücksichtigt wurden. Wir möchten uns zu diesem Thema nicht weiter äußern", erklärte Alstom in einer Stellungnahme gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Die Entscheidung spielt laut Alstom eine entscheidende Rolle für die Zukunft des Alstom-Werks in Brügge, das von Umstrukturierungen und einer möglichen Schließung bedroht ist.
Der Streit um die Vergabe hatte auch eine politische Komponente: Mehrere Menschenrechtsorganisationen hatten sich den gerichtlichen Einsprüchen von Siemens und Alstom angeschlossen.
Sie hatten gefordert, CAF von der Vergabe auszuschließen, da das Unternehmen am Bau der Jerusalem Light Rail beteiligt ist. Die Straßenbahnlinie verbindet den von Israel besetzten Ostteil Jerusalems mit Israel. Der Ausbau der Strecke treibt nach Ansicht der Menschenrechtsorganisationen die weitere Ausweitung der illegalen israelischen Siedlungen voran, während die Palästinenser systematisch ausgeschlossen und abgetrennt werden.
Die SNCB argumentierte, sie habe "alle rechtlichen Anforderungen erfüllt". Es gebe derzeit keine verbindlichen europäischen Vorschriften für in Israel und Palästina tätige Unternehmen.
Ende Februar war CAF von der SNCB das erste Mal als "bevorzugter Bieter" ausgewählt worden. Diese Entscheidung hatte der Staatsrat wegen "mangelnder Transparenz" kassiert. Die SNCB hatte die zum "Jahrhundertauftrag" erklärte Bestellung erneut ausgeschrieben – und sich wieder für CAF entschieden. Daraufhin hatten sich Siemens und Alstom an den Staatsrat gewandt. Der billigte die SNCB-Vergabe nun.
Die Woche endet für Alstom trotz der Entscheidung aus Belgien allerdings mit einer Erfolgsmeldung: Am Freitag teilte das Unternehmen mit, einen Auftrag im Wert von rund 475 Millionen Euro von einem nicht genannten Kunden in Europa erhalten zu haben. Im September hatte Alstom bereits einen Milliardenauftrag aus den USA verkündet.
Alstom bleibt solide aufgestellt
Die Alstom-Aktie ist im Xetra-Handel aktuell 3,4 Prozent im Plus zum Vortag und kostet 22,14 Euro (Stand: 26.9.2025, 10:13 Uhr). Auf Monatssicht ist die Aktie 7,6 Prozent im Plus, im Jahresvergleich stieg der Kurs um 17,8 Prozent.
Alstom hatte Ende Juli solide Quartalszahlen gemeldet (mehr dazu lesen Sie hier). Für das Gesamtjahr geht das Management von mehr Umsatz und Gewinn aus. Seit Anfang 2024 geht es für die Aktie mit einigen Schwankungen wieder aufwärts, nachdem der Kurs wegen der teuren Übernahme der Bahnsparte des kanadischen Konzerns Bombardier deutlich an Wert verloren hatte.
ECOreporter sieht weiterhin gute Perspektiven für die Aktie. Alstom hat ein robustes Geschäftsmodell und ist solide finanziert. Nach der abgeschlossenen Integration der Bombardier-Sparte dürfte das Unternehmen höhere Gewinnmargen erzielen. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis der Aktie liegt für das laufende Geschäftsjahr bei vertretbaren 17. Geduldige Anlegerinnen und Anleger können weiter einsteigen.
Alstom S.A.: ISIN FR0010220475 / WKN A0F7BK
(Aktuelle Kursdaten zur Aktie erhalten Sie, wenn Sie auf das Symbol hinter der WKN klicken.)