Einfach E-Mail-Adresse eintragen und auf "Abschicken" klicken - willkommen!

Nachhaltige Aktien, Erneuerbare Energie
Bericht: US-Kanzleien bereiten Sammelklagen gegen Siemens Energy vor
Mindestens sechs US-Anwaltskanzleien bereiten nach einem Bericht des "Handelsblatts" Sammelklagen gegen den Münchner Energietechnikkonzern Siemens Energy vor. Dabei geht es um die Übernahme der Windkrafttochter Siemens Gamesa und deren immense Probleme.
Siemens Energy hatte Anfang des Jahres alle frei gehandelten Anteile von Siemens Gamesa für rund 4 Milliarden Euro aufgekauft und das Unternehmen von der Börse genommen. Wegen der anhaltenden Probleme des Windkraftunternehmens wollte der Mutterkonzern sich mehr Kontrolle über das Windgeschäft verschaffen. Mehr dazu lesen Sie hier.
Kanzleien prüfen "illegale Geschäftspraktiken" – Siemens Energy weist Vorwürfe zurück
Nach der Übernahme wurden allerdings noch deutlich größere Probleme bekannt, Siemens Gamesa kämpft mit einer hohen Ausfallrate bei seinen Turbinen. Siemens Energy rechnet deshalb mit Kosten von 1,6 Milliarden Euro und in diesem Jahr mit einem Konzernverlust von 4,5 Milliarden Euro.
Dem „Handelsblatt“ zufolge nimmt Siemens Gamesa wegen Qualitätsproblemen beim aktuellen Modell der Offshore-Turbine keine neuen Aufträge mehr an, bis die Probleme behoben sind. Ein Sprecher von Siemens Energy dementierte dies, bestätigte aber, dass es derzeit „einige Beschränkungen“ beim Verkauf von Turbinen der modernsten Plattformen 4.X und 5.X gibt. ECOreporter hatte hier berichtet.
Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.
Seit Bekanntgabe der Qualitätsprobleme im Juni ist der Siemens Energy-Kurs um fast 50 Prozent eingebrochen. Mindestens sechs Kanzleien in den USA suchen nach Informationen des "Handelsblatts" nun aktiv nach geschädigten Investoren und weiteren Informationen.
Es gehe darum zu verstehen, ob Siemens Energy „und einige seiner Manager oder Aufsichtsratsmitglieder Investorenbetrug oder andere illegale Geschäftspraktiken betrieben haben“, erklärte ein Vertreter der auf Investoren spezialisierten New Yorker Kanzlei Pomerantz LLP gegenüber der Zeitung.
Die Juristen von Siemens Energy sehen keine Anhaltspunkte für Pflichtverletzungen. Die Prüfung der Bücher von Siemens Gamesa sei tiefgreifend gewesen. Der Übernahmeprozess sei „sehr sorgfältig und entsprechend den geltenden Regeln“ abgelaufen. Anlegerinnen und Anleger seien bei Bekanntgabe der Qualitätsprobleme umgehend per Ad-hoc-Meldung informiert worden.
Angesichts der teuren Übernahme und der kurz darauf bekannt gewordenen Qualitätsprobleme gebe es "zumindest einen gewissen Anscheinsverdacht", zitiert das "Handelsblatt" Daniela Bergdolt, Rechtsanwältin und Geschäftsführerin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Man müsse derartige Vorwürfe in den USA "leider ernst nehmen". Das Rechtssystem in den USA sei in solchen Fällen schwer berechenbar, und es gehe schnell um hohe Summen.
Ein Sprecher von Siemens Energy erklärte laut "Handelsblatt", es seien noch keine Klagen bei Siemens Energy eingegangen. Üblicherweise passiere dies in den ersten Monaten nach einem Vorfall. Allein aus der Tatsache, dass die Kursverluste hoch waren, könne man keine juristische Pflichtverletzung herleiten. "Der unternehmerische Entscheidungsspielraum wurde stets gewahrt“, sagte der Sprecher.
Auswirkungen auch auf ECOreporter-Favoriten-Aktie Siemens
Sammelklage-Prozesse sind vor Gericht schwierig zu verhandeln. Meist gibt es bei solchen Klagen daher außergerichtliche Einigungen.
Dem "Handelsblatt" zufolge sehen Experten in der Klage nur geringe Risiken für Siemens Energy. Es existiere lediglich "ein sehr niedriger Prozentsatz an US-Anlegern, der in den USA eine Klage anstrengen könnte". Der theoretische Schaden durch den Kursverlust würde daher maximal bei einem höheren zweistelligen Millionen-Dollar-Betrag liegen.
Die anhaltenden Schwierigkeiten von Siemens Gamesa belasten nicht nur die Geschäftszahlen von Siemens Energy, sondern auch die Bilanz von deren Mutterkonzern, der Siemens AG, die noch 25 Prozent der Anteile an Siemens Energy hält. Siemens musste bereits mehrfach Abschreibungen auf seine Siemens Energy-Beteiligung vornehmen, im letzten Geschäftsquartal waren es 0,6 Milliarden Euro. Insgesamt steht die Siemens-Aktie aber ordentlich da. ECOreporter hat sie zuletzt hier analysiert.
Siemens ist eine ECOreporter-Favoriten-Aktie aus der Reihe Nachhaltige Dividendenkönige. Zum Unternehmensporträt gelangen Sie hier.
Lesen Sie auch:
Nachhaltige Dividendenkönige - bei diesen Aktien bieten sich jetzt Kaufgelegenheiten.
Die besten Windaktien – wo bietet sich ein Kauf an?
Siemens AG: ISIN DE0007236101 / WKN 723610