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Companisto: Beteiligung an nucao – ist eine Gesamtrendite von 570 % realistisch?
The nu company GmbH vertreibt nachhaltige Schokoladenprodukte unter der Marke „nucao“. Anlegerinnen und Anleger können ab 250 Euro in das Unternehmen investieren, indem sie die Genussscheine „Companisto NUCAO_2023_PPC“ der Companisto Trust Service XVII GmbH zeichnen. Die angestrebte Rendite liegt nach Angaben von Companisto bei rund 60 Prozent pro Jahr und rund 570 Prozent insgesamt. Warum das ein mehr als optimistisches Szenario ist, erfahren Sie im Folgenden.
The nu company GmbH (im Folgenden kurz: nucao) ist nach eigener Einschätzung eine Pionierin für nachhaltige Verpackungen. Diese bestehen aus heimkompostierbarer Folie oder Papier. Das Unternehmen zahlt nach eigenen Angaben seinen Kakaobauern und -bäuerinnen deutlich mehr als den Fairtrade-Preis, entwickelt innovative vegane Rezepturen und fördert die ökologische Landwirtschaft bei seinen Kakaokooperativen in Peru.
Der Geschmack war zu speziell
Nucao sieht sich als „Vorreiter für unverschämt leckere und nachhaltige Schokolade“. Allerdings hat das Unternehmen im letzten Jahr seine Rezeptur angepasst, weil die Schokolade nicht lecker genug war. Auf der nucao-Internetseite (Abruf: 5.9.2023) heißt es dazu: „Und es gibt Gründe, warum wir die Rezepturen angepasst haben. Der Großteil unserer Kundinnen und Kunden hat uns zurückgespiegelt, dass sie die Riegel 1.0 kein zweites Mal kaufen würden aufgrund des Geschmacks. Das tat weh. Fakt ist, wir hätten als Unternehmen mit den Riegeln 1.0 unsere Regalplätze in den Supermärkten verloren! Der Geschmack unserer alten Riegel war zu speziell. Die meisten Menschen da draußen sehen Schokolade als Süßigkeit und gönnen sich ab und an mal ein Stück.“
Der Geschmack ist laut nucao mit der Rezepturanapassung deutlich cremiger geworden. Zum Zuckergehalt erklärt das Unternehmen: „Je nach Sorte haben wir zwischen 21 und 39 Gramm Zucker pro 100 Gramm drin im Vergleich zu 15 bis 20 Gramm beim alten Sortiment. Herkömmliche Schokolade hat gern 50 bis 60 Gramm. Wir bleiben über das Portfolio hinweg drunter – ca. 30 Prozent weniger Zucker als bei konventioneller Schoki.“
Ist The nu company weiterhin für eine Zuckersteuer?
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Bekanntheit erlangte das Unternehmen auch mit seiner Forderung nach einer Zuckersteuer. Auf seiner Internetseite (Abruf: 5.9.2023) heißt es dazu nun: „Klar, die Zuckersteuer wäre immer noch ein sehr hilfreicher Mechanismus, um den Zuckerkonsum zu reduzieren. Unsere Haltung hat sich hier nicht verändert – wir haben nur eingesehen, dass für uns Nachhaltigkeit wichtiger ist und dass wir den Hebel nicht im Süßigkeiten-Segment mit Schokolade in der Hand haben.“
Genussscheine von Companisto
Bei dem angebotenen Finanzprodukt „Companisto NUCAO_2023_PPC“ handelt es sich laut Basisinformationsblatt (BIB, erstellt am 1.9.2023) um Genussscheine (Profit Participating Certificates) in Form von Inhaberpapieren, die von der Emittentin Companisto Trust Service XVII GmbH ausgegeben werden. Die Emittentin gehört der Berliner Companisto-Gruppe an.
Die Genussscheine verbriefen laut BIB eine Beteiligung an dem Unternehmen The nu company GmbH (Zielgesellschaft). Bei dem Genussscheinkapital handelt es sich laut BIB um Eigenkapital im Sinne des Handelsgesetzbuchs (HGB). Die Genussscheine gewähren keine Mitgliedschaftsrechte in der Emittentin oder der Zielgesellschaft, insbesondere keine Stimmrechte. Daneben steht der Rückzahlungsanspruch der Anlegerinnen und Anleger unter dem Vorbehalt ausreichender Liquidität der Emittentin und nimmt an Verlusten der Emittentin teil.
Wohin fließt das Kapital?
Die Emittentin verwendet den Erlös aus der Emission der Genussscheine laut BIB für den Erwerb der Beteiligung an der Zielgesellschaft sowie zur Bezahlung einer Verwaltungspauschale und einer Genussscheine-Vermittlungsgebühr von jeweils 10 Prozent des eingezahlten Genussscheinkapitals.
Die Emittentin stellt den Nettoemissionserlös der Zielgesellschaft laut BIB als Eigenkapital zur Verfügung. Die Emittentin wird den Angaben nach eine Beteiligung an der Zielgesellschaft zu einem Preis von 449,88 Euro pro Geschäftsanteil erwerben.
Die Zielgesellschaft The nu company vertreibt laut BIB Schokoladenprodukte (Schokoladentafeln und -riegel sowie mit Schokolade ummantelte Früchte und Nüsse). Das Unternehmen möchte nach Angaben der Emittentin seine Vertriebsaktivitäten verstärken und auf weitere Zielländer ausweiten. Der Fokus liege insbesondere auf weiteren Listungen im Lebensmitteleinzelhandel und in Drogerien in der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) sowie einem Ausbau der Markenbekanntheit.
Laufzeit und Rendite
Die Genussscheine werden auf unbestimmte Zeit ausgegeben. Die Anlegerinnen und Anleger sind laut BIB berechtigt, die Genussscheine mit einer Kündigungsfrist von sechs Monaten zum Ende eines Geschäftsjahres zu kündigen (ordentliche Kündigung), jedoch frühestens zum
31. Dezember 2038. Jegliche Kündigung seitens der Genussscheininhaber erfordert laut BIB zu ihrer Wirksamkeit, dass sie von Genussscheininhabern einheitlich erklärt wird, die mindestens 25 Prozent des ausstehenden Genussscheinkapitals auf sich vereinigen.
Ein außerordentliches Kündigungsrecht besteht für die Emittentin unter anderem, wenn sämtliche Geschäftsanteile, die die Emittentin an der Zielgesellschaft hält, an einen oder mehrere Erwerber veräußert worden sind.
Anlegerinnen und Anleger können eine „variable Ausschüttung“ erhalten. Diese setzt sich laut BIB zusammen aus den möglicherweise von der Zielgesellschaft an die Emittentin ausgeschütteten Gewinnen (Dividenden) und den möglichen Gewinnen der Emittentin aus einer Veräußerung der verbrieften Beteiligung, jeweils abzüglich aller vorrangigen Verbindlichkeiten der Emittentin.
Das im BIB dargestellte „Optimistische Szenario“ geht davon aus, dass die Anlegerinnen und Anleger eine jährliche Durchschnittsrendite von 9,2 Prozent erhalten könnten (bei einer Haltedauer von 15 Jahren). Insofern handelt es sich bei der angestrebten jährlichen Rendite von rund 60 Prozent pro Jahr (bei einem Exit nach vier Jahren) um ein mehr als optimistisches Szenario.
Hohe Risiken
The nu company GmbH hat laut ihrem Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2021 einen Jahresfehlbetrag von rund 6,8 Millionen Euro verzeichnet (2020: Jahresfehlbetrag von rund 1,9 Millionen Euro). Der Jahresabschluss für 2022 ist noch nicht im Unternehmensregister veröffentlicht (Stand: 12.9.2023). Es besteht das Risiko, dass die strategische Neuaufstellung der The nu company nicht dazu führt, dass das Unternehmen künftig die Gewinnzone erreicht.
Für Anlegerinnen und Anleger besteht ein erhebliches Risiko, dass sie ihr bei der Emittentin eingesetztes Kapital vollständig verlieren. Neben dem optimistischen Performance-Szenario sind im BIB auch ein Stressszenario, ein pessimistisches Szenario und ein mittleres Szenario dargestellt. Nicht nur beim Stressszenario und beim pessimistischen Szenario, sondern auch beim mittleren Szenario ist das prognostizierte Ergebnis ein Totalverlust für die Anlegerinnen und Anleger.
ECOreporter rät davon ab, die Genussscheine zu erwerben.