Zinsbaustein.de ist auf Immobilien spezialisiert, Wiwin auf Erneuerbare Energie und nachhaltige Start-ups. / Foto: Pixabay

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Crowd-Anbieter: Wiwin und Zinsbaustein fusionieren – Hintergründe, Auswirkungen, Fehlbeträge und Ausfallquoten

Die digitalen Investment-Plattformen zinsbaustein.de und Wiwin haben ihren vollständigen Zusammenschluss bekannt gegeben. Die Fusion soll nach Angaben der Unternehmen die sich ergänzenden Stärken der beiden Plattformen bündeln: Zinsbaustein.de bringe seine Expertise im Immobilienbereich ein, während Wiwin seine Erfahrung bei Erneuerbaren Energien und nachhaltigen Start-ups beisteuere. Es gibt aber auch Schwächen bei den beiden Unternehmen und einen deutlichen Unterschied in einem für Anlegerinnen und Anleger besonders wichtigen Bereich.

Geschäftsführer und Gesellschafter bleiben an Bord

An der Spitze des fusionierten Unternehmens stehen laut den Angaben als gemeinsame Geschäftsführer künftig Markus Kreuter, bisher Geschäftsführer von zinsbaustein.de, und René Theis, bisheriger Geschäftsführer von Wiwin. Kreuter ist seit 2021 bei zinsbaustein.de und bringt den Angaben nach mehr als 30 Jahre Finanzierungserfahrung aus leitenden Funktionen bei Banken und Projektentwicklern mit. Theis war vor seinem Einstieg bei Wiwin 2022 als Leiter Gesamtbanksteuerung der PSD Bank West tätig. Die Gesellschafter beider Unternehmen bleiben die Dr. Peters Group aus Dortmund und die Sontowski & Partner Group aus Erlangen auf Seiten von zinsbaustein.de sowie Matthias Willenbacher bei Wiwin aus Mainz.

Energiewende auch im Immobiliensektor vorantreiben

Zinsbaustein.de erhielt 2023 die ECSP-Lizenz (European Crowdfunding Service Provider), die EU-weit standardisierte Rahmenbedingungen für Crowdinvesting schafft. Wiwin bringt sein "Impact Scoring" ein – ein Nachhaltigkeitsrating-System, das Investments verschiedener Assetklassen nach ihrer ökologischen und sozialen Wirkung vergleicht.

Was bedeutet der Zusammenschluss konkret? Welches Thema, das in der Pressemitteilung nicht thematisiert wird, könnte auch ein sehr wichtiges Argument für die Fusion der beiden Unternehmen sein? In welchem Punkt liegt Wiwin deutlich hinter Zinsbaustein zurück? Antworten dazu und zu weiteren Aspekten finden Sie im Premiumbereich.

Neue Plattform soll Vorteile bringen

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

Beide Plattformen bleiben den Angaben nach für neue Investitionen zunächst wie gewohnt zugänglich. Die Anlegerinnen und Anleger brauchen nach Angaben von Wiwin kein neues Kundenkonto. Das Fusionsteam soll die technische Zusammenführung schrittweise umsetzen, damit Nutzerinnen und Nutzer keine Unterbrechungen oder Einschränkungen erleben. Die neue Plattform soll die Stärken beider Plattformen vereinen und neue Funktionen bieten. Zudem sollen Anlegerinnen und Anleger künftig von einer breiteren Palette an nachhaltigen Anlagemöglichkeiten und einer vereinfachten diversifizierten Portfoliobildung über verschiedene Assetklassen hinweg profitieren. Die beiden Marken Wiwin und Zinsbaustein.de werden laut Wiwin im 2. Halbjahr 2025 von einer gemeinsamen Dachmarke abgelöst werden.

Die Gesellschafter von Wiwin und zinsbaustein.de sind nach Angaben von Wiwin künftig gleichberechtigt an der wiwin GmbH beteiligt. Diese halte 100 Prozent der wiwin Crowd-Investing GmbH (wiwin CI), die ebenfalls über eine ECSP-Lizenz verfügt. Die wiwin CI agiere als Dienstleister für die Zinsbaustein GmbH, die rechtlich weiterexistiere, jedoch in absehbarer Zukunft kein Neugeschäft mehr vermitteln werde.

Mit der Fusion aus der Verlustzone?

Wiwin hat nach eigenen Angaben bislang Kapital von mehr als 160 Millionen Euro an über 100 Projekte vermittelt. Die beiden fusionierten Unternehmen haben demzufolge zusammen mehr als 220 finanzierte Projekte mit einem Gesamtvolumen von über 360 Millionen Euro, verteilt auf mehr als 60.000 Einzelinvestitionen, vorzuweisen.

Diese Größe stellt nach Einschätzung der Unternehmen eine starke Basis für weiteres Wachstum und neue Produktentwicklungen dar. Nicht erwähnt werden in der Pressemitteilung mögliche Synergieeffekte im Kostenbereich durch die Fusion. So könnten beispielsweise die durchschnittlichen Verwaltungskosten je Kunde verringert werden, und die Profitabilität könnte sich erhöhen.

Gemäß den Angaben in den Jahresabschlüssen für 2023 waren beide Unternehmen Ende 2023 noch deutlich davon entfernt, profitabel zu sein. So hatte sich bei der wiwin GmbH der Bilanzverlust von rund 3,4 Millionen Euro (31.12.2022) auf rund 5,7 Millionen Euro zum 31.12.2023 erhöht. Auch der nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag stieg bei der wiwin GmbH in dem Zeitraum von rund 1,6 Millionen Euro auf rund 3,9 Millionen Euro (31.12.2023).

Bei der Zinsbaustein GmbH hatte sich mit einem weiteren Jahresfehlbetrag der Verlustvortrag von rund 10,2 Millionen Euro (31.12.2022) auf rund 12,3 Millionen Euro zum 31.12.2023 erhöht. Der nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag stieg bei der Zinsbaustein GmbH in dem Zeitraum von rund 5,1 Millionen Euro auf rund 8,4 Millionen Euro (31.12.2023).

Gemäß den Angaben in den Jahresabschluss-Anhängen 2023 haben beide Unternehmen zur Deckung des Kapitalbedarfs Darlehen mit qualifiziertem Rangrücktritt von ihren jeweiligen Gesellschaftern erhalten.

Leistungsbilanz von Zinsbaustein

Die Zinsbaustein GmbH hat auf ihrer Webseite eine detaillierte Leistungsbilanz veröffentlicht, in der bisherige Projekte aufgeführt sind, mit ihren Basisdaten und Informationen zur Rückzahlung (zurückgezahlt, Rückzahlung noch ausstehend, Laufzeit noch nicht beendet).

In der Umsetzung der gesetzlichen Verpflichtungen aus der ECSP-Verordnung veröffentlicht Zinsbaustein auch eine Ausfallquote. Sie soll der Transparenz und dem Verbraucherschutz dienen und die Entscheidungsgrundlage für Anlegerinnen und Anleger verbessern.

Als ausgefallen gilt laut Zinsbaustein eine Kreditverpflichtung, wenn der Kreditnehmer am Stichtag mit einer wesentlichen Kreditverpflichtung mehr als 90 Tage im Rückstand ist, oder wenn die Plattform es am Stichtag als unwahrscheinlich ansieht, dass die Projektträger ihre Zahlungsverpflichtungen in voller Höhe leisten oder anderweitig erfüllen wird, ohne dass auf Maßnahmen wie die Verwertung von Sicherheiten zurückgegriffen wird. Eine formelle Insolvenz der Kreditnehmer ist insofern nicht Voraussetzung für die Ausfalleigenschaft.

Seit Gründung 2016 wurden von Zinsbaustein bislang mehr als 110 Projekte mit einem Fundingvolumen von mehr als 195 Millionen Euro mitfinanziert. Davon wurden laut Zinsbaustein-Internetseite (Abruf: 24.4.2025) bislang mehr als 70 Projekte vollständig und teilweise vorzeitig zurückgezahlt. Über den gesamten Betrachtungszeitraum weisen die von zinsbaustein.de vermittelten Darlehen zum Stichtag 31.12.2024 eine Ausfallquote von 9,35 Prozent auf. Die 3-Jahres-Ausfallquote liegt bei 22,8 Prozent. Die Immobilienkrise hat offenbar auch bei den Projekten, die über Zinsbaustein vermittelt wurde, deutliche Auswirkungen: Die tatsächliche 1-Jahres-Ausfallquote lag bis 2021 immer bei 0 Prozent, 2022 bei 15,81 Prozent, 2023 bei 37,97 Prozent und 2024 bei 17,47 Prozent.

Wiwin mit geringer Transparenz

Die Transparenz bei Wiwin, die bislang noch nicht den Verpflichtungen aus der ECSP unterlag, ist deutlich geringer als bei Zinsbaustein. Eine detaillierte Leistungsbilanz oder eine Ausfallquote hat Wiwin bislang nicht veröffentlicht. Auf Rückfrage von ECOreporter teilte Wiwin mit, dass man derzeit an einer "grundsätzlichen Aufstellung" arbeite (Stand: 24.4.2025).

Derzeit gibt es beim Wiwin-Internetauftritt eine Unterseite mit einer Übersicht über abgeschlossene Projekte. In dieser Übersicht gibt es bei Projekten, deren Emittentinnen Insolvenz angemeldet haben, keinen Hinweis auf die Insolvenz. Wie bei anderen Projekten findet sich dort der Vermerk "Erfolgreich abgeschlossen". Mit "Erfolgreich abgeschlossen" ist in der Übersicht offenbar die jeweilige Platzierungsphase gemeint. Die neue Plattform wird für Anlegerinnen und Anleger, die bislang über Wiwin investieren, hinsichtlich der Transparenz bei den platzierten Projekte voraussichtlich eine deutliche Verbesserung darstellen.

Aktuell sind auf der Plattform Wiwin mehrere Projekte eingestellt, die noch in der Platzierung sind. Einschätzungen von ECOreporter zu mehreren dieser Angebote finden Sie hier: Wi Kurzanleihe 01/25 – eine Alternative zu Festgeld?

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