Batteriespeicher von Enertrag in Cremzow in der Uckermark. Das Unternehmen finanziert sich unter anderem durch börsennotierte Anleihen. / Foto: Enertrag

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Enertrag mit 19 Millionen Euro Gewinn und neuen Projekten – wie ist die Prognose?

Die Enertrag SE hat im Geschäftsjahr 2023/2024 einen Umsatz von 114 Millionen Euro und einen Jahresüberschuss von 19 Millionen Euro erwirtschaftet. Der Gewinn liegt deutlich unter dem der beiden Vorjahre, aber weit über den Erwartungen des Vorstands. Wie sind die weiteren Aussichten des Unternehmens?

Enertrag ist auf vier Kontinenten aktiv, Umsatz wurde im abgelaufenen Geschäftsjahr aber nur in drei Ländern auf einem Kontinent gemacht. Das Unternehmen aus dem brandenburgischen Dauerthal entwickelt zudem viele Projekte in einem Land mit sehr problematischen Rahmenbedingungen. Enertrag hat fünf Anleihen platziert, von denen drei börsennotiert sind und zwei vor dem Börsenstart stehen.

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Umsatz in Deutschland, Frankreich und Polen

Der Umsatz der Enertrag SE im Geschäftsjahr 2023/2024 (1. April bis 31. März) resultierte aus der Umsetzung von Projekten (93,7 Millionen Euro), Erlösen aus Stromverkäufen (6,5 Millionen Euro) und aus Dienstleistungen gegenüber verbundenen Unternehmen und Geschäftsführungstätigkeiten sowie aus Erlösen aus Projektentwicklungen (13,8 Millionen Euro).
Die Umsatzerlöse des Geschäftsjahres 2023/2024 von insgesamt 113,9884 Millionen Euro (Vorjahr: rund 209 Millionen Euro) wurden laut Jahresabschluss-Anhang in Deutschland (77,2992 Millionen Euro), Frankreich (25,7289 Millionen Euro) sowie in Polen (10,9603 Millionen Euro) realisiert.

Überplanmäßige Ausschüttungen durch hohe Energiepreise

Die Erträge aus Beteiligungen, anderen Wertpapieren und Zinsen sowie sonstige Erträge beliefen sich in 2023/2024 auf 52,2 Millionen Euro gegenüber 26,4 Millionen Euro im Vorjahr. Der Anstieg geht gemäß den Angaben im Geschäftsjahr-Lagebericht der Enertrag SE (vom 9.9.2024) unter anderem auf Ausschüttungen von Betreibergesellschaften zurück, an denen die Enertrag SE beteiligt ist und die stark vom zwischenzeitlichen Anstieg der Energiepreise in Folge des russischen Angriffs auf die Ukraine profitierten. Der Plan (36,8 Millionen Euro) sah diese Ausschüttungen nur teilweise voraus. Auch deswegen liegt der Jahresüberschuss der Enertrag SE für das Geschäftsjahr 2023/2024 mit 19,1 Millionen Euro über den Erwartungen. Der Vorstand war im Prognosebericht vom 30.6.2023 davon ausgegangen, dass der Gewinn für das Geschäftsjahr 2023/2024 nur 1,6 Millionen Euro betragen wird.

Das Eigenkapital der Enertrag SE beträgt zum Stichtag 31.3.2024 289,7 Millionen Euro (Vorjahr: 270,7 Millionen Euro). Die positive Entwicklung gegenüber dem Vorjahr ist auf den Jahresüberschuss im Geschäftsjahr zurückzuführen. Die Eigenkapitalquote erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr von 68 Prozent auf 72 Prozent.

Enertrag ist laut Lagebericht (datiert auf den 9.9.2024) aktuell in neun Ländern auf vier Kontinenten aktiv: Ausgehend von den europäischen Kernmärkten Deutschland, Frankreich und Polen ergänzen Entwicklungsaktivitäten in Spanien, Südafrika, Namibia, Ghana, Vietnam sowie im lateinamerikanischen Raum das Portfolio.

Ausbau des Projektentwicklungsportfolios in Deutschland


Französischer Windpark von Enertrag. / Foto: Enertrag / Foto: Enertrag

Die Enertrag SE (Emittentin der Enertrag-Anleihen) hat zum Geschäftsjahresende 2023/2024 ein Entwicklungsportfolio von 18,2 Gigawatt (GW) in Planung und Entwicklung, davon ca. 6,3 GW in Deutschland, 1,6 GW in Frankreich, 7,8 GW in Südafrika, ca. 1 GW in Polen und 1,6 GW in weiteren Märkten. Seit Geschäftsjahresbeginn vergrößerte sich damit die Entwicklungspipeline netto um ca. 3,4 GW.

Laut Anleihe-Prospekt hatte die Emittentin schon zum 30. Juni 2023 Projekte mit einem Gesamtvolumen von ebenfalls rund 18,2 GW in Planung und Entwicklung, ca. 5,0 GW davon in Deutschland, ca. 1,6 GW in Frankreich, ca. 9,1 GW in Südafrika und ca. 780 MW in Polen. Demnach wurde das Entwicklungsportfolio in den letzten drei Quartalen des Geschäftsjahres 2023/2024 in Deutschland deutlich ausgebaut, während es sich in Südafrika und Polen verringerte.

Von dem Entwicklungsportfolio (zum 30. Juni 2023) entfallen laut Prospekt rund 12,2 GW auf Windenergieprojekte, rund 2,9 GW auf Solarenergieprojekte und rund 3,2 GW auf Wasserstoffprojekte.

Im Geschäftsjahr 2023/2024 konnte Enertrag Anlagen mit einer Leistungskapazität von 92 MW in Betrieb nehmen. 43 MW der in Betrieb genommenen Leistung stammen aus Deutschland (Vorjahr 7 MW), 16 MW aus Frankreich (Vorjahr 48 MW) und 32 MW aus Polen (keine Inbetriebnahme im Vorjahr).

Südafrika in der Krise

Die politischen Rahmenbedingungen in Südafrika, dem Land mit dem größten Anteil am Enertrag-Projektentwicklungsportfolio, sind risikobehaftet. Südafrika erzeugt seinen Strom hauptsächlich aus Kohle. Das Land verfügt über gute naturgegebene Bedingungen für die Nutzung von Wind- und Solarenergie, steckt aber in einer anhaltend tiefen Stromversorgungskrise.

Investitionshemmend ist laut Lagebericht der Emittentin die fehlende Reform des Elektrizitätsregulierungsgesetzes von 2006, die Privatanbietern die Einspeisung von Strom aus Erneuerbaren Energien ins Stromnetz erleichtern würde. Ohne einer ausdrücklichen politischen Willensbildung, weitere Reformen voranzutreiben, stehe der Ausbau der Erneuerbaren Energien in Südafrika vor großen Herausforderungen.

Nach Einschätzung von Germany Trade & Invest (GTAI, vom 21.6.2024) ist der Kern des südafrikanischen Wachstumsproblems die jahrelange Unterinvestition in kritische Infrastruktur (Transport, Energie, Wasser). Strukturelle Probleme wie die hohe Arbeitslosigkeit, Korruption und Kriminalität beeinträchtigen laut GTAI zunehmend die Wirtschaftsleistung.

Prognose für das Geschäftsjahr 2024/2025

Für das Geschäftsjahr 2024/2025 rechnet die Enertrag SE laut Lagebericht (datiert auf den 9.9.2024) mit über 3 GW an neuen Genehmigungen, Baubeginn für ca. 200 MW und Inbetriebnahmen von ca. 100 MW.

Der Geschäftsplan geht laut Lagebericht für das Geschäftsjahr von einem Umsatz in Höhe von ca. 234 Millionen Euro aus. Hiervon gehen gemäß der Prognose ca. 214 Millionen Euro auf die Realisierung von Projekten mit insgesamt 107 MW Leistung zurück. Die geplanten Personalaufwendungen werden für das Geschäftsjahr auf ca. 63 Millionen Euro geschätzt. Der Enertrag-Vorstand geht im Lagebericht von einem Jahresüberschuss von ca. 14 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2024/2025 aus.

Anleihen notieren an der Börse

Im Jahr 2024 hat die Enertrag SE die beiden Anleihen Enertrag Zins 2030 (ISIN: DE000A351546) und Enertrag Zins 2033 (ISIN: DE000A351553) platziert. Laut Prospekt ist geplant, dass die Anleihen innerhalb von vier Monaten nach dem Ende der Zeichnungsphase in den Freiverkehr an der Börse Düsseldorf einbezogen werden.

Drei andere Anleihen der Enertrag SE sind bereits im Freiverkehr an der Börse Düsseldorf notiert. Die Kurse dieser Anleihen stehen derzeit bei 97,5 Prozent (ISIN DE000A2GSMR2), 81,0 Prozent (DE000A2GSMS0; Stand jeweils: 19.11.2024, 10:45 Uhr) und 98,5 Prozent (DE000A1611C6; Stand: 19.11.2024, 14:47 Uhr). Die Handelsvolumina der Anleihen sind gering, sodass die Aussagekraft der Kurse begrenzt ist. Die bei 81 Prozent notierende Anleihe hat mit Fälligkeit 2037 noch eine lange Restlaufzeit, während die anderen beiden Anleihen bereits 2026 beziehungsweise 2027 fällig sind.

ECOreporter hat die Enertrag SE in diesem Jahr nach Platzierungsstart der Anleihen Enertrag Zins 2030 und Enertrag Zins 2033 ausführlich analysiert.

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