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Anleihen / AIF, ECOanlagecheck, Windenergie-Investments, Solarenergie-Investments
Unabhängige Analyse: Enertrag Zins 2030 und Enertrag Zins 2033 – grüne Anleihen mit variablem Zins
Die Enertrag SE entwickelt viele Projekte in den Bereichen Wind- und Solarenergie sowie grüner Wasserstoff. Die Unternehmensgruppe hat zudem mehrere hundert Energieanlagen, hauptsächlich Windkraftanlagen in Deutschland, im Eigenbestand und in der Betriebsführung. Zwei neue Anleihen sollen das geplante Wachstum von Enertrag mitfinanzieren und bieten einen variablen Zinssatz. Dieser beträgt für 2024 5,72 Prozent (Enertrag Zins 2030) und 6,47 Prozent (Enertrag Zins 2033). Anlegerinnen und Anleger können ab 3.000 Euro einsteigen. ECOreporter analysiert das Angebot im ECOanlagecheck.
Das Emissionsvolumen beträgt bei der Anleihe Enertrag Zins 2030 (Tranche A) bis zu 10 Millionen Euro und bei der Anleihe Enertrag Zins 2033 (Tranche B) bis zu 5 Millionen Euro. Gemäß den Anleihebedingungen ist zudem eine Aufstockung auf bis zu 20 Millionen Euro bei Tranche A und auf bis zu 10 Millionen Euro bei Tranche B möglich. Die Nebenkosten der Angebote betragen laut Prospekt bei Vollplatzierung (ohne Aufstockung) schätzungsweise bis zu rund 6,4 Prozent des Emissionsvolumens.
Börsenhandel ist vorgesehen
Die Laufzeit der Anleihen, bei denen es sich um Inhaber-Schuldverschreibungen handelt, beträgt bei der Tranche A sieben Jahre bis Ende 2030, bei der Tranche B zehn Jahre bis Ende 2033. Die Emittentin kann die Schuldverschreibungen mit einer Frist von drei Monaten zum Ende eines Quartals teilweise oder vollständig ordentlich kündigen und vorzeitig zurückzahlen. Die Anlegerinnen und Anleger können während der Laufzeit nicht ordentlich kündigen. Laut Prospekt ist geplant, dass die Anleihen innerhalb von vier Monaten nach dem Ende der Zeichnungsphase in den Freiverkehr an der Börse Düsseldorf einbezogen werden.
Der Zinssatz der Anleihen beträgt für dieses Jahr 5,72 Prozent bzw. 6,47 Prozent. Wie weit könnte der Zins der beiden Anleihen während der Laufzeit sinken? Warum ist für das aktuelle Geschäftsjahr ein deutlicher Gewinneinbruch bei der Enertrag SE zu erwarten? Ungefähr die Hälfte des Projektentwicklungsportfolios der Emittentin befindet sich in einem Land, das 2023 den nationalen Notstand ausgerufen hat. Welche Risiken bestehen für die Enertrag SE? Welche Stärken und Schwächen haben das Unternehmen und sein Anleiheangebot? Antworten auf diese und weitere Fragen und ein Fazit lesen Sie im Premium-Bereich in unserer ausführlichen Analyse.
Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.
Variabler Euribor plus festem Zinsaufschlag ergibt Anleihezins
Der Zinssatz der Schuldverschreibungen ist variabel und wird für jede Zinsperiode (jeweils das Kalenderjahr) neu festgelegt. Der Zinssatz der Anleihen ergibt sich aus dem Euribor-Zinssatz (12 Monate) zuzüglich eines Aufschlages von 2,0 Prozent pro Jahr für die Tranche A bzw. 2,75 Prozent für die Tranche B. Abgesehen vom Zinssatz und der Laufzeit bestehen zwischen den beiden Tranchen laut Prospekt keine Unterschiede.
Der Euribor (Euro Interbank Offered Rate) ist der Zinssatz, zu dem sich Kreditinstitute auf dem unbesicherten Interbanken-Geldmarkt Finanzmittel in Euro beschaffen können. Die Euribor-Zinssätze werden für Kredite mit fünf unterschiedlichen Laufzeiten berechnet: eine Woche sowie ein, drei, sechs und zwölf Monate. Für die Enertrag-Anleihen ist laut Prospekt der Zwölfmonatsgeld-Zinssatz maßgeblich, der für den zehnten Geschäftstag vor dem Beginn einer neuen Zinsperiode veröffentlicht wird. Dieser hat am 14. Dezember 2023 3,719 Prozent betragen. Damit ergibt sich ein Anleihezins für das gesamte Jahr 2024 von 5,72 Prozent (Tranche A) und 6,47 Prozent (Tranche B).
Es ist möglich, dass sich der Euribor-Zinssatz und damit die Anleihezinsen während der Laufzeit deutlich verändern. Negative Anleihezinsen, die bei einer extremen Euriborzins-Entwicklung künftig möglich gewesen wären, sind laut Prospekt ausgeschlossen. Seit 2000 gab es einige Zins-Schwankungen: Zwischen 2000 und 2009 hat der Zwölfmonats-Euribor über 2 Prozent gelegen und war zwischendurch auf über 5 Prozent gestiegen, wogegen er ab 2016 unter 0 Prozent fiel und Ende 2021 mit rund minus 0,5 Prozent einen Tiefststand erreichte. 2022 folgte ein deutlicher Zinsanstieg bis auf über 4 Prozent im zweiten Halbjahr 2023. Insbesondere aufgrund der Erwartungen der Marktteilnehmer, dass infolge einer rückläufigen Inflationsrate die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Leitzinsen noch in diesem Jahr senken könnte, ist der Zwölfmonats-Euribor inzwischen auf rund 3,6 Prozent (Mitte Januar 2024) gesunken.
Unternehmensprofil Enertrag SE

Jörg Müller ist Gründer der Enertrag-Gruppe und Aufsichtsratsvorsitzender der Enertrag SE. / Foto: Enertrag
Emittentin und Anbieterin der Anleihen ist die Enertrag SE mit Sitz in Dauerthal in Brandenburg. Die Europäische Gesellschaft SE (Societas Europaea) ist eine Rechtsform für Aktiengesellschaften, die es ihnen nach EU-Angaben ermöglicht, ihre Geschäftstätigkeit in verschiedenen europäischen Ländern mit einem einheitlichen Regelwerk zu betreiben. Für die Emittentin gilt laut Wertpapierprospekt (vom 28. November 2023) das Recht der Bundesrepublik Deutschland.
Alleinaktionärin der Emittentin ist die Uckerwerk Energietechnik GmbH aus Dauerthal. Deren geschäftsführender Gesellschafter mit einem Anteil von 51 Prozent ist Jörg Müller, Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender der Emittentin. Die Vorstände der Enertrag SE sind Dr. Gunar Hering (Vorsitzender), Matthias König und Simon Hagedorn. Dr. Gunar Hering (Jahrgang 1972) und Matthias König (Jahrgang 1968) sind bereits langjährig (10 bzw. 19 Jahre) im Vorstand der Emittentin, sodass hier eine Kontinuität besteht. Simon Hagedorn (Jahrgang 1984), Vorstandsmitglied seit April 2021, war schon seit 2015 Prokurist der Emittentin. Enertrag hat zudem bekannt gegeben, dass Dr. Tobias Bischof-Niemz mit Wirkung zum 1. April 2024 in den Vorstand der Enertrag SE berufen und das neu geschaffene Vorstandsressort “Projekte International & Technologie” verantworten wird.
Die Emittentin hatte laut Prospekt zum 31. März 2023 528 Beschäftigte (Vorjahr: 445), davon 97 in Frankreich. Der Anstieg ging den Angaben nach zu über 80 Prozent auf den Aufbau der Projektentwicklung zurück. Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2023/2024 (1. April bis 30. März) waren nach Angaben des Unternehmens bereits durchschnittlich 694 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt.
Das Grundkapital der nicht börsennotierten Enertrag SE beträgt 5,8 Millionen Euro. Das Eigenkapital des Unternehmens lag laut geprüftem Jahresabschluss zum 31. März 2023 bei rund 271 Millionen Euro (davon rund 263 Millionen Euro Bilanzgewinn) und die Bilanzsumme bei rund 397 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote ist gegenüber dem Vorjahr von rund 57 Prozent auf rund 68 Prozent zum 31. März 2023 gestiegen. Insbesondere die hohen Jahresüberschüsse der Emittentin von rund 57 Millionen Euro (2022/2023) und rund 64 Millionen Euro (2021/2022) führten zu dem Anstieg. Laut der ungeprüftem Halbjahresbilanz zum 30. September 2023 beträgt nach einem Halbjahresergebnis von rund 3 Millionen Euro die Eigenkapitalquote der Emittentin rund 73 Prozent. Die liquiden Mittel der Emittentin beliefen sich zum 30. September 2023 auf rund 93 Millionen Euro.
Die Umsatzerlöse der Enertrag SE basieren im Wesentlichen (über 80 Prozent in 2022/2023) auf Generalübernehmerleistungen im Rahmen der Errichtung von Energieanlagen. Vom Umsatz im Geschäftsjahr 2022/2023 von rund 209 Millionen Euro (Vorjahr: 251 Millionen Euro) wurden laut Jahresabschluss-Anhang rund 44 Millionen Euro in Deutschland, 93 Millionen Euro in Frankreich sowie 72 Millionen Euro in Polen realisiert. Im Geschäftsjahr 2022/2023 hat die Emittentin Erneuerbare-Energien-Projekte mit einer Leistung von 55 Megawatt (MW) in Betrieb genommen, 7 MW davon in Deutschland und 48 MW in Frankreich. Im Vorjahr 2021/2022 belief sich die Leistung der in Betrieb genommenen Erneuerbare-Energien-Projekte auf 281 MW, wobei 186 MW auf polnische Windenergieprojekte entfielen, die auch im Folgejahr noch umsatzrelevant waren. In den Geschäftsjahren vor 2021/2022 hat die Emittentin Umsätze hauptsächlich mit der Umsetzung von Windenergieprojekten in Deutschland und Frankreich realisiert.
Konzernprofil Uckerwerk Energietechnik
Mittlerweile hat die Emittentin laut Prospekt international über 840 Windenergieanlagen an Land mit einer Gesamtnennleistung von mehr als 1.800 MW errichtet. Auch hat sie 2023 in Deutschland ihre ersten beiden Solarprojekte mit einer Leistung von insgesamt 20 MW, ergänzt durch einen 3,6 MW großen Batteriespeicher, in Betrieb genommen. Viele von ihr in Deutschland errichtete Windenergieanlagen hält sie über Tochtergesellschaften im Eigenbestand. Dabei handelt es sich nach Angaben der Emittentin zum 31. März 2023 um Mehrheits- oder Minderheitsbeteiligungen an insgesamt 380 Energieanlagen mit zusammen 809 MW Nennleistung. Zudem hält die Enertrag SE 100 Prozent der Anteile an der Enertrag Betrieb GmbH, die nach Angaben der Emittentin 1.097 Energieerzeugungsanlagen (Stand: 31. März 2023) in der technischen Betriebsführung hat. Bei 493 dieser Anlagen handelt es sich den Angaben nach um externe Energieanlagen, die nicht zur Enertrag-Gruppe gehören.
Die Umsatzerlöse aus den Bereichen Stromverkauf und technische Betriebsführung sind überwiegend nicht im Einzel-Jahresabschluss der Emittentin verbucht, sondern entstehen bei ihren Tochtergesellschaften und sind im Konzern-Jahresabschluss der Uckerwerk Energietechnik GmbH (Muttergesellschaft der Emittentin) enthalten. Die Emittentin und ihre Tochtergesellschaften sind zwar der Hauptbestandteil des Uckerwerk Energietechnik Konzerns, dieser hat aber noch weitere Gesellschaften. Daher sind beispielsweise die Umsatzerlöse des Konzerns nicht vollständig der Unternehmensgruppe der Emittentin zuzurechnen. Der Konzern hat gemäß den Angaben in seinem Konzernabschluss-Anhang für das Geschäftsjahr 2022/2023 Umsatzerlöse von rund 447 Millionen Euro erwirtschaftet. Von diesen entfielen 258 Millionen Euro auf den Verkauf von Energie, 152 Millionen Euro auf den Verkauf von Projekten und 37 Millionen Euro auf Dienstleistungen und sonstige Erlöse (insbesondere aus dem Bereich Service und Instandhaltung von Windkraftanlagen).
Die Umsatzerlöse des Konzerns in 2022/2023 wurden überwiegend in Deutschland (363 Millionen Euro) und Frankreich (82 Millionen Euro) erzielt. Die Erlöse aus der Energieerzeugung stiegen hauptsächlich aufgrund der zwischenzeitlich hohen Strommarktpreise im Vergleich zum Vorjahr um 39 Prozent. Insbesondere deswegen erhöhte sich auch der Konzernüberschuss für das Geschäftsjahr 2022/2023 auf rund 97 Millionen Euro (Vorjahr: 43 Millionen Euro).
Mit den Umsatzerlösen aus dem Stromverkauf bedienen die jeweiligen Windpark-Betreibergesellschaften des Konzerns vorrangig ihre (besicherten) Bankdarlehen und bezahlen unter anderem die Vergütungen für Pacht, Wartung und Betriebsführung. Windpark-Betreibergesellschaften finanzieren sich in der Regel hauptsächlich mit langfristigem Fremdkapital, sodass die Eigenkapitalquote des Konzerns Uckerwerk Energietechnik GmbH zum 31. März 2023 mit rund 22 Prozent (Vorjahr: 16 Prozent) geringer ist als die der Emittentin mit rund 68 Prozent.

Windwärmespeicher von Enertrag in der Uckermark. / Foto: Enertrag
Investitionen
Der Netto-Emissionserlös aus den beiden neuen Anleihen beträgt laut Prospekt, wenn sie vollplatziert und nicht aufgestockt werden, rund 14 Millionen Euro. Dieses Geld plant die Emittentin als Bestandteil der Gesamtfinanzierung in ihr weiteres Wachstum zu investieren. Konkrete Erneuerbare-Energien-Projekte, in die das Anleihekapital investiert werden soll, stehen laut Prospekt noch nicht fest. Sollte das Anleihekapital nicht für Investitionszwecke benötigt werden, hält sich die Emittentin eine Ablösung von Darlehen sowie von sonstigem für Finanzierungszwecke aufgenommenem Kapital vor.
Die Enertrag SE verfügt aber über ein umfangreiches Entwicklungs-Portfolio an Erneuerbare-Energien-Projekten, in die das Anleihekapital investiert werden könnte. Laut Prospekt hat sie zum 30. Juni 2023 Projekte mit einem Gesamtvolumen von rund 18,2 Gigawatt (GW) in Planung und Entwicklung, ca. 5,0 GW davon in Deutschland, ca. 1,6 GW in Frankreich, ca. 9,1 GW in Südafrika und ca. 780 MW in Polen. Zudem entwickelt die Emittentin laut Prospekt auch Windenergieprojekte in Spanien, Namibia, Ghana, Uruguay und Vietnam und verfügt in diesen Ländern über ein Entwicklungsportfolio von ca. 1,7 GW. Weiterhin erfolgen nach Angaben des Unternehmens erste vorbereitende Tätigkeiten für mögliche Markteintritte in weitere Länder.
Von dem Entwicklungsportfolio (zum 30. Juni 2023) entfallen laut Prospekt rund 12,2 GW auf Windenergieprojekte, rund 2,9 GW auf Solarenergieprojekte und rund 3,2 GW auf Wasserstoffprojekte. Alleine im Laufe des Geschäftsjahres 2022/2023 wurden laut Prospekt Erneuerbare-Energien-Projekte mit insgesamt 2,15 GW genehmigt, davon 24 MW in Deutschland, 131 MW in Frankreich und 2,0 GW in Südafrika. Von ihrem Portfolio-Gesamtvolumen zum 30. Juni 2023 sind nach Angaben der Emittentin rund 10,6 GW in früher Entwicklung, rund 5,0 GW im Genehmigungsverfahren und rund 2,6 GW bereits genehmigt.
Ökologische Wirkung
Die Enertrag SE betreibt über Tochtergesellschaften rund 380 eigene Windenergieanlagen, die nach Angaben des Unternehmens ungefähr 2,0 Terawattstunden Strom pro Jahr produzieren. Das sind 2.000 Millionen Kilowattstunden Ökostrom, womit bei einem durchschnittlichen Stromverbrauch von 3.500 kWh pro Jahr rechnerisch rund 570.000 Haushalte versorgt werden können. Das Anleihekapital finanziert voraussichtlich unter anderem auch die Entwicklung weiterer Windpark- und Solarprojekte. Abhängig von der Entwicklungsdauer der einzelnen Projekte kann das Anleihekapital während der Laufzeit der Anleihen somit voraussichtlich mehrfach für ökologisch sinnvolle Projekte eingesetzt werden.
Enertrag entwickelt verstärkt Projekte auch im Bereich grüner Wasserstoff, Speichertechnologien und Sektorenkopplung. Bereits 2011 hatte das Unternehmen zusammen mit Partnern ein Hybridkraftwerk in Betrieb genommen, das mittels eines Elektrolyseurs mit Wind- und Biogasstrom Wasserstoff aus Wasser herstellt. Zu Wasserstoff umgewandelter Windstrom kann ein Lösungsansatz im Bereich Sektorenkopplung sein. Unter Sektorenkopplung ist die Verzahnung von Strom, Wärme, Industrie und Verkehr zu verstehen, damit Erneuerbare Energien bestmöglich genutzt und integriert werden können. Im Vergleich zum Stromsektor gibt es in den Bereichen Wärme, Industrie und Verkehr noch erheblichen Nachholbedarf hinsichtlich der Reduzierung von CO2-Emissionen. Die Emittentin arbeitet mit einer neu geschaffenen Fachabteilung derzeit an mehreren Projekten im Bereich der Sektorenkopplung, sodass auch in diesem Unternehmensbereich eine weitere positive ökologische Wirkung in Aussicht ist.
Neben der eigenen Projektentwicklung im Bereich der Sektorenkopplung entwickelt Enertrag auch mehrere Projekte im Rahmen von Kooperationen mit. Dazu gehören laut Prospekt unter anderem der 2019 fertiggestellte große Lithium-Ionen-Batteriespeicher Cremzow in Brandenburg mit einer Leistung von 22 MW, ein in der Entwicklung befindliches Pilotprojekt für emissionsfreien Schienenverkehr (mit Brennstoffzellenantrieb) auf der Heidekrautbahn-Strecke bei Berlin und der Aufbau eines bundesländerübergreifenden Netzes für grünen Wasserstoff in Ostdeutschland. Auch im Ausland entwickelt die Gruppe der Emittentin grüne Wasserstoffprojekte, darunter mit einem Entwicklungspartner das Großprojekt „Hyphen“ in Namibia. Bei dem Projekt sollen laut Prospekt bis 2029 auf einer Fläche von bis zu 4.000 km², dem Anderthalbfachen der Fläche des Saarlandes, Solar- und Windenergieprojekte mit einer Kapazität von bis zu 7 GW entstehen.
Risiko
Die Emittentin entwickelt und errichtet Erneuerbare-Energien-Anlagen. Insbesondere in frühen Projektentwicklungsphasen kann ein hohes Risiko bestehen, dass Projekte sich deutlich verzögern oder scheitern. Aber auch in späteren Entwicklungsphasen, in denen in der Regel bereits höhere Kosten angefallen sind, können Projekte noch scheitern. Es ist auch möglich, dass bereits entwickelte Projekte nicht mehr wirtschaftlich realisiert werden können, weil zwischenzeitlich die Bau- und Finanzierungskosten gestiegen sind und/oder der Strommarktpreis gesunken ist.

Enertrag hat unter anderem den Lithium-Ionen-Batteriespeicher Cremzow in Brandenburg mitentwickelt. / Foto: Enertrag
Für die Emittentin besteht das Risiko, dass sich die Rahmenbedingungen in ihren beiden großen Bestandsmärkten Deutschland und Frankreich ungünstig entwickeln. In Deutschland hat laut Prospekt das verabschiedete Gesetz zur Beschleunigung des Windkraft-Ausbaus zur Folge, dass in der für die Emittentin besonders wichtigen Region Uckermark-Barnim die Regionalpläne alle neu aufgestellt werden müssen, wodurch sich die Planungszeiten für neue Projekte verlängern. In Frankreich setzt Präsident Macron laut Prospekt inzwischen vor allem auf den Ausbau der Atomkraft und im Bereich Erneuerbare Energien auf Windenergie auf See. Es besteht das Risiko, dass die Emittentin mögliche Rückgänge im Windenergie-Neugeschäft nicht durch den Ausbau des Solargeschäfts kompensieren kann.
Ungefähr die Hälfte des gesamten Entwicklungs-Portfolios und drei Viertel der genehmigten Projekte des Portfolios der Emittentin entfallen auf Projekte in Südafrika. Das Land verfügt über gute naturgegebene Bedingungen für die Nutzung von Wind- und Solarenergie und steckt in einer anhaltend tiefen Stromversorgungs-Krise, weswegen die Regierung 2023 den nationalen Notstand ausgerufen hat. Insofern besteht großer Bedarf an neuen Wind- und Solaranlagen, aber unter anderem politische Instabilitäten, Korruption und marode vernachlässigte Infrastrukturen behindern einen zügigen Ausbau. Nach Angaben von Germany Trade & Invest (GTAI, Juni 2023) sind in der für Wind- und Solaranlagen naturräumlich besonders geeigneten Nordwest-Provinz die Übertragungskapazitäten für Strom erschöpft. Es besteht das Risiko, dass sich die wirtschaftlichen Erwartungen der Emittentin an ihre Projekte in Südafrika nicht erfüllen, Projekte sich verzögern oder nicht umgesetzt werden können.
Auch in den neuen Ländermärkten der Emittentin besteht grundsätzlich das Risiko, dass sich die Erwartungen nicht erfüllen. Der Eintritt in neue Märkte ist mit Kosten verbunden, beispielsweise Personalkosten für den Aus- und Aufbau der Projektentwickler-Teams. Umsätze werden aber im Erfolgsfall in der Regel erst einige Jahre nach Markteintritt in größerem Umfang erwirtschaftet. Auch große Projekte im Bereich Wasserstoff können einen erheblichen Kapitalbedarf haben, Umsätze und Gewinne im Erfolgsfall aber erst einige Jahre später fließen. Der Vorstand der Emittentin geht im Jahresabschluss-Prognosebericht (vom 30. Juni 2023) davon aus, dass der Gewinn des Unternehmens für das Geschäftsjahr 2023/2024 nur 1,6 Millionen Euro betragen wird, und erklärt dazu: „Das Ergebnis zeugt von der hohen Bereitschaft, heute in Mitarbeiter und Projekte zu investieren, deren Erfolge sich erst in den kommenden Jahren einstellen werden.“
Im Vergleich zur Wind- und Solarenergie handelt es sich bei grünem Wasserstoff um eine junge Branche mit teilweise erhöhten Unsicherheiten. Beispielsweise ist offen, ob grüner Wasserstoff, der in Namibia produziert, in grünen Ammoniak umgewandelt und nach Europa verschifft wird, preislich wettbewerbsfähig sein wird. Das Geschäftsmodell hängt beispielsweise auch davon ab, dass eine entsprechende Infrastruktur für Wasserstoff in den Industrieländern aufgebaut wird.
Grundsätzlich kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich während der Laufzeit der Anleihen die Rahmenbedingungen in mehreren Märkten der Emittentin verschlechtern, die Emittentin ihren Kapitalbedarf nicht decken kann oder es zu großen weltwirtschaftlichen Krisen kommt. Diese und andere Entwicklungen könnten dazu führen, dass die Emittentin die Anleihen nicht oder nicht vollständig zurückzahlen kann.
Stärken
- Sehr erfahrene und am Markt etablierte Enertrag-Gruppe
- Hohe Eigenkapitalquote der Emittentin
- Umfangreicher Eigenbestand an Windpark-Beteiligungen
- Diversifizierung durch Ausbau des Solargeschäfts
- Umfangreiche Projektpipeline
- Hohe Jahresüberschüsse in den letzten vier Geschäftsjahren
- Tochter mit über 1.000 Windkraftanlagen in der Betriebsführung
Schwächen
- Projektentwicklungs- und Baurisiken
- Geschäftsbereich grüner Wasserstoff teilweise mit erhöhten Risiken
- Problematische Lage in Südafrika
- Kündigungsregelung der Anleihe
Fazit:
Finanziell
Die Enertrag SE hat in den letzten vier abgeschlossenen Geschäftsjahren Überschüsse von zusammen rund 163 Millionen Euro erzielt. Aufgrund der nicht ausgeschütteten Gewinne ist die Eigenkapitalquote der Emittentin deutlich gestiegen auf 73 Prozent. Sie kann somit aus einer Position der Stärke agieren, wenn sie ihre nachhaltigen Geschäftsbereiche weiterentwickelt und Kooperationen eingeht. Das Erschließen neuer Märkte birgt aber auch Risiken und erfordert hohe Investitionen, sodass in den nächsten Jahren deutlich geringere Jahresergebnisse bei der Emittentin möglich sind. Die Enertrag SE verfügt aber über einen hohen Eigenbestand an Windenergieanlagen, über den sie mittelbar relativ stabile Einnahmen erzielen kann. Dadurch reduziert sich die Abhängigkeit von den gegebenenfalls stark schwankenden Erlösen aus dem Projektentwicklungsgeschäft.
Nachhaltigkeit
Die Enertrag SE entwickelt und errichtet Erneuerbare-Energien-Anlagen mit dem Schwerpunkt Windkraft und erzielt so eine hohe positive ökologische Wirkung. Zudem entwickelt das Unternehmen innovative Projekte im Bereich Sektorenkopplung und grüner Wasserstoff. Diese Projekte sind ökologisch und volkswirtschaftlich für eine ganzheitliche Energiewende wichtig, damit Erneuerbare Energien nicht nur im Strombereich, sondern künftig auch bei der Wärmeversorgung, im Industriebereich und im Verkehrssektor dominieren können.
ECOreporter-Empfehlung
Der Zinssatz der Anleihen für das Jahr 2024 von 5,72 Prozent (Tranche A) und 6,47 Prozent (Tranche B) wirkt marktgerecht. Der Zinssatz ist variabel und wird jeweils im Dezember an das dann aktuell vorliegende Marktzinsniveau angepasst. Das hat zur Folge, dass das Zins/Risiko-Verhältnis der Anleihen in den folgenden Jahren weiterhin als marktgerecht gelten könnte, wenn sich die wirtschaftliche Lage der Emittentin während der Anleihelaufzeit nicht deutlich verändert.
Basisdaten
Anbieterin und Emittentin: Enertrag SE, Dauerthal
Anlageform: Inhaber-Schuldverschreibungen (Anleihe)
Mindestzeichnungssumme: 3.000 Euro
Agio: 0 Prozent
Emissionsvolumen: bis zu 10 Millionen Euro (Tranche A), bis zu 5 Millionen Euro (Tranche B)
Laufzeit: bis zum 31. Dezember 2030 (Tranche A), bis zum 31. Dezember 2033 (Tranche B)
Zinssatz: variabel, für 2024 5,72 Prozent (Tranche A) und 6,47 Prozent (Tranche B)
Einkunftsart: Einkünfte aus Kapitalvermögen
Prospektbilligung: CSSF (luxemburgische Finanzaufsichtsbehörde)
Handelbarkeit: Börse Düsseldorf innerhalb von vier Monaten nach Ende der Zeichnungsphase (Plan)
ISIN: DE000A351546 (Tranche A), DE000A351553 (Tranche B)
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04.05.26
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