Jörg Busboom: „Gaskraftwerke funktionieren preislich nur, wenn sie politisch subventioniert sind, sonst würde der Strompreis komplett durch die Decke gehen.“ / Foto: ÖKORENTA Gruppe

  Erneuerbare Energie, Anleihen / AIF

„Erneuerbare Energien erzeugen den günstigsten Strom!“ (ÖKORENTA-Interview)

Warum die Vorteile der Erneuerbaren Energie verkannt werden und wie günstig der grüne Strom in Wahrheit ist, erläutert Jörg Busboom im Interview. Der Vorstand der ÖKORENTA Invest AG aus Aurich erklärt auch, warum der Fondsanbieter keine Kraftwerksparks selbst projektiert, sondern einkauft: Der bestmögliche Einkaufspreis für die Kunden sei das Ziel, so Busboom.

ECOreporter: Wenn ich eine ÖKORENTA-Broschüre in die Hand nehme, dann sehe ich Bilder mit Windkraftwerken, mit Solaranlagen, ich erkenne Batteriespeicher. Was macht ÖKORENTA genau im Bereich Erneuerbare Energie?

Jörg Busboom: Wir sind in erster Linie ein Finanzhaus – aber mit dem Schwerpunkt auf Erneuerbare Energie. Wer Geld in diesem Bereich mit Rendite anlegen möchte, für diejenigen bieten wir Kapitalanlagen. Und zwar ab 5.000 Euro. Nachhaltigkeitsaspekte sind für uns selbstverständlich und Prinzip. Wir würden beispielsweise nicht auf andere Bereiche wie die Rüstungsindustrie umschwenken, das ist mit unseren Werten nicht vereinbar.

Der Erneuerbare-Energie-Sektor ist ja mittlerweile groß. Hat sich ÖKORENTA spezialisiert?

Wir sind ein Fondsanbieter. Aber wir setzen auf Erfahrung und Sicherheit und gehen keine großen Risiken ein. Daher haben wir – anders als andere Fondsanbieter – nie in Projektentwicklungen investiert. Das ist eine andere Risikoklasse. Wind- oder Solarkraftwerke planen, entwickeln, Genehmigungen einholen, den Bau starten – das muss natürlich alles sein, aber hier investieren wir das Geld unserer Anleger nicht. Ich betone das so, weil viele den großen Unterschied zwischen Projektentwicklung und dem Kauf fertiger Anlagen nicht einschätzen können. Noch einmal zur Verdeutlichung: Wir investieren in Anlagen, die entweder schon in Betrieb oder samt terminierter Inbetriebnahme durchgeplant und im Werden sind.


ÖKORENTA investiert in Windkraftanlagen an Land, nicht in Offshore-Kraftwerke. / Foto: ÖKORENTA Gruppe

Projektieren kann doch ein lukratives Geschäft sein.

Ja, aber wir wollen keine Interessenskonflikte. Wenn man Erneuerbare-Energie-Kraftwerke projektiert und baut, dann will man damit Geld verdienen. Wir stehen auf der anderen Seite: Wir haben Fonds, in die Kunden Geld investieren, damit sie Rendite erwirtschaften. Also brauchen wir attraktive Kaufpreise, um eine möglichst gute Rendite zu erzielen. Und das beißt sich natürlich, wenn man auf beiden Seiten aktiv ist: Erst Anlagen projektieren und bauen und dann möglichst teuer verkaufen. Da kann man schwerlich den besten Einkaufspreis im Sinne der Anleger weitergeben. Deswegen erwerben wir die Anlagen. So können wir beim Einkauf im Dienst unserer Kunden kritisch sein und am Ende des Tages durch unsere Prüfung und Bewertung den günstigst möglichen Preis erzielen.

Wie viele Anlagen hat so ein Fonds?

Uns ist Risikostreuung wichtig. Deshalb haben wir Fonds, die in bis zu 30 verschiedene Wind- und Solarparks investieren, genauer: in Onshore-Windkraftwerke sowie in Photovoltaik-Freiflächenparks, jedes fast ausschließlich in Deutschland. Nicht in Offshore-Wind, das ist uns zu risikobehaftet, ebenso wie nicht in Solar-Aufdachanlagen, das ist uns zu kleinteilig.

„60 Prozent legen wieder bei uns an“

Dafür braucht man viele Anleger.

Wir haben inzwischen rund 15.000 Anlagemandate, und etwa 60 Prozent unserer Kunden haben schon mehr als ein Mal bei uns investiert. Das spiegelt ja wider, dass sie zufrieden sind und uns vertrauen. Und ÖKORENTA ist im nächsten Januar seit 27 Jahren am Markt. Auch das ist eine Besonderheit in unserer Branche.

Welche Rolle spielen Batteriespeicher?

Batteriespeicher brauchen wir für Ertragsspitzen beispielsweise in sonnenreichen Mittagsstunden, ohne diese würden wir unsere sowieso zu modernisierenden Leitungsnetze überlasten. Wir produzieren zeitweise mehr Strom, als wir verarbeiten können, müssen den Strom ins Ausland abgeben und dafür ohne entsprechende Speicherlösungen auch noch Geld bezahlen. Das sind natürlich Stilblüten des Energiemarktes. Mit sogenannten Standalone-Speichern an einem einzelnen Photovoltaik- oder Windpark lässt sich das lösen bzw. minimieren. Wir betreiben bereits einige Photovoltaikparks mit solchen Speichern. Oder große Speicher, die an den Knotenpunkten der Stromautobahnen installiert werden. Das wird künftig häufiger der Fall sein. Meistens ist so ein Wetterspuk ja nach zwei, drei Stunden erledigt, dann geht die Stromproduktion herunter, und da sollen dann mehr und mehr Speicher das Netz füttern. Das würde auch die preislichen Spitzen aus dem Strommarkt nehmen.

Sind auch Speicher rentabel zu betreiben?

Ja, man kann Strom zu den Zeiten speichern, zu denen er billig ist, und ihn aus den Speichern abgeben, wenn er teurer ist. Die Börsenstrompreise ändern sich ja permanent, oft in Wellenbewegungen. Abends kann man den Strom in aller Regel am gewinnbringendsten absetzen.

Anlegende wollen Geld verdienen. In der Öffentlichkeit und in manchen Medien gilt Erneuerbare Energie oft als teuer. Wie passt beides zusammen?

Na ja, das sind teilweise Diskussionen und Aussagen, die haben noch nicht mal Stammtisch-Niveau, weil die Menschen, die das herausposaunen, sich nicht mit den Fakten beschäftigt haben. Es gibt Studien und wissenschaftliche Ausarbeitungen dazu, was welche Stromerzeugungsmethode kostet. Das Ergebnis ist: Erneuerbare Energien, vorrangig Windkraft an Land und Photovoltaik-Freifläche, sind die mit Abstand günstigsten Stromerzeugungsmethoden. Auch gegenüber Gaskraftwerken.

Da hat unsere neue Wirtschaftsministerin Katherina Reiche gerade noch vehement gefordert, ganz viele zu bauen.

Der teure Strom aus den Gaskraftwerken

Sonnenstrom aus Deutschland ist in der Produktion günstiger als französischer Atomstrom. / Foto: ÖKORENTA Gruppe

Fakt ist aber, dass der Strom aus den Gaskraftwerken dreifach teurer ist als der aus einer Wind- oder Photovoltaik-Anlage. Gaskraftwerke funktionieren preislich nur, wenn sie politisch subventioniert sind, sonst würde der Strompreis am Markt komplett durch die Decke gehen. Denn Gaskraftwerke können Strom nicht unter 17 bis 30 Cent pro Kilowattstunde produzieren.

Als Privatmensch zahlt man um die 30 Cent für die Kilowattstunde Strom. Was kostet der Strom aus Windkraft und Freiflächen-Photovoltaik in der Herstellung?

Eine moderne Photovoltaikanlage kann Strom für 4,5 Cent pro Kilowattstunde produzieren. Wenn man 5 Cent bekommt, macht das noch mehr Spaß. Zum Vergleich: Die alten, schon abgeschriebenen Atomkraftwerke selbst in Frankreich produzieren für 5,5 bis 7 Cent. Neue Atomkraftwerke können den Strom nicht mehr unter 15 Cent pro Kilowattstunde herstellen. Hinzu kommen immer die Milliarden-Kosten für die spätere Stilllegung der Atomkraftwerke und für die Lagerung des Atommülls. Selbst ohne diese einzubeziehen, sind die Kosten für Atomstrom in den letzten Jahren um etwa 47 Prozent gestiegen. Für Solarenergie sind sie hingegen um 80 Prozent gesunken, für Windenergie um 60 Prozent. Und Atomkraftwerke haben hohe Wartungskosten und müssen im Sommer oft abgeschaltet werden, weil das Kühlwasser aus den Flüssen fehlt. Letztlich: Die neuesten Atomkraftwerke in Frankreich und England wurden erst nach 17 Jahren Bauzeit in Betrieb genommen!

Frankreich: Hohe Staatsverschuldung durch Atomstrom

Trotzdem ist in Frankreich der Strom günstiger als bei uns…

…was ja bei Stammtisch-Diskussionen gerne als Beispiel herangezogen wird. Aber der Strompreis in Frankreich ist ein rein politischer Preis, der hat nichts mit den Herstellungskosten zu tun! Der Staat subventioniert den Atomstrom quer. Unter anderem deshalb ist der französische Staat so hoch verschuldet. In Deutschland muss sich die Stromproduktion rechnen, da ist der Strompreis marktwirtschaftlich getrieben. Hier ist es sogar umgekehrt, hier will der Staat noch Geld mit Strom verdienen: Ein Drittel des Strompreises ist ja im Prinzip die Stromsteuer. Dann kommen die Netzentgelte dazu, die Verteilung, die Abrechnung und, und, und. Und dann haben wir am Ende die 30 Cent pro Kilowattstunde. Die reine Stromerzeugung ist nur ein kleiner Teil des Strompreises, und hier sind die Erneuerbaren Energien nicht mehr schlagbar.

In der Öffentlichkeit wird das meist etwas anders dargestellt.

Ja, aber Fakt ist nun einmal: Photovoltaik auf der Freifläche und Windkraft an Land sind die günstigsten Stromerzeugungsmethoden. Und was in der Produktion am günstigsten ist, das setzt sich in einer Marktwirtschaft am Ende durch. Also muss ich als Erneuerbare-Energie-Investor eigentlich wenig Sorgen haben.


Brauchen wir überhaupt noch mehr Strom? Sind Erneuerbare Energien gar nicht subventioniert? Wenn das Geld aus dem Stromverkauf an die ÖKORENTA-Fonds geht, diese aber den Anlegenden gehören, womit verdient ÖKORENTA Geld? Ein großer Sicherheitsunterschied: Anleihen oder Nachrangdarlehen zeichnen, die Unternehmen selbst finanzieren oder nur die Kraftwerke? Und letztlich: Darum ist der Stromverkauf so viel einfacher als der Turnschuhhandel – all das lesen Sie im zweiten Teil des ECOreporter-Interviews mit Jörg Busboom, dem Vorstand der ÖKORENTA Invest AG.

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