Unternehmenszentrale von Nvidia. Der KI-Boom hat den Chipentwickler zum wertvollsten Konzern der Börsengeschichte gemacht. / Foto: Nvidia

  Aktientipps, Nachhaltige Aktien

Nachhaltige KI-Aktien: Wo es jetzt noch Einstiegschancen gibt

Künstliche Intelligenz (KI) boomt: Unternehmensgewinne sprudeln, Aktienkurse erreichen neue Rekordmarken. Zeit zum Innehalten und tief Durchatmen. Wie überhitzt ist der KI-Sektor mittlerweile? Und wo liegen aus nachhaltiger Sicht die Schattenseiten? ECOreporter hat sich Aktien aus dem Sektor angesehen: Chip-Konzerne, Maschinenbauer und Unternehmen, deren Geschäftsmodelle direkt von KI-Anwendungen betroffen sind. Die Redaktion verrät, wo ein Einstieg eine gute Idee sein kann und wo nicht – trotz teils fantastischer Kursentwicklung.

Bis 2031 soll der Markt für KI nach Auswertungen des Portals Statista bis auf rund 1,6 Billionen US-Dollar anwachsen. Aktuell liegt sein Volumen schätzungsweise bei 237 Milliarden Dollar – im Laufe des Jahres wurden beide Werte bereits kräftig erhöht. Seit dem Start des Chatbots ChatGPT 2022 hat der KI-Sektor einen enormen Hype erfahren, die Aktienkurse einiger Unternehmen sind extrem gestiegen. Nach Beginn des Iran-Kriegs befürchteten Marktbeobachter im März, das Investitionstempo im KI-Sektor könnte abnehmen. Doch auch diese Sorge verflüchtigte sich mit den ersten wichtigen Quartalszahlen aus der Branche.

Sind die Erwartungen zu hoch?

Konzerne wie Alphabet (Google), Meta (Instagram, Facebook) und Microsoft investieren Milliarden in KI-Rechenzentren. Die US-Regierung will im Zuge eines "AI Action Plan" 90 Milliarden Dollar in die Branche pumpen. So sollen etwa "KI-Exzellenzzentren" im ganzen Land helfen, dass Unternehmen und Behörden KI-Modelle schneller einführen können. Die Nachfrage nach KI-Beschleunigern und Speicherchips bleibt hoch, Umsätze und Gewinne gerade von Chipentwicklern und -herstellern steigen weiter. Der Ausbau von Kapazitäten sorgt für eine hohe Nachfrage nach Maschinen zur Chipherstellung. Und auch andere Zulieferer für Rechenzentren hoffen auf gute Geschäfte.

Aber welche echten Werte schafft KI eigentlich? Marktforscher sind mittlerweile der Ansicht, dass KI anfängt, sich positiv auf die Produktivität von Unternehmen auszuwirken. So setzen etwa Beraterkonzerne auf Umsatzsteigerung durch Personalabbau und Automatisierung mittels KI. Auch im Kundensupport und beim Einkauf wird die Technologie branchenübergreifend wichtiger. Laut Sam Altman, Chef des ChatGPT-Entwicklers OpenAI, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis dank KI-gesteuerter Prozesse erstmals ein Ein-Personen-Unternehmen eine Milliardenbewertung erreichen wird. Und Nvidia-Chef Jensen Huang erklärte im Oktober letzten Jahres, KI-Modelle seien mittlerweile so gut, dass Unternehmen bereit seien, dafür Geld auszugeben. Das soll die aktuell enormen Investitionen in Rechenzentren rechtfertigen und neue Werte schaffen.

Allerdings sorgt das KI-Geschäft zwar für teils hohe Börsengewinne – aber kaum neue Jobs. Ein Großteil des Booms fußt auf der Hoffnung auf künftige Geschäfte. Und die Kurseinbrüche aus dem Frühjahr zeigen, wie nervös die Branche weiterhin ist und wie schnell die Stimmung drehen kann. Auch in den letzten Wochen kam es mehrfach zu leichten Rücksetzern an der Börse.

Auf Nachhaltigkeit geprüft

Und dann ist da noch die Nachhaltigkeit. Denn KI bringt auch viele Probleme mit sich: Verstöße gegen Datenschutzbestimmungen und Urheberrechte, Potenzial zur Verbreitung von Falschnachrichten und vieles mehr. Sogar KI-Entwickler selbst sehen Gefahren. Und Techriesen wie Alphabet oder Meta sind auch abseits ihrer KI-Aktivitäten keine kerngrünen Vorzeigeunternehmen.

Das größte ökologische Nachhaltigkeitsrisiko ist der enorme Energiehunger und Kühlwasserdurst der KI-Rechenzentren. Im Wettbewerb setzen die Techkonzerne auf immer mehr Rechenleistung und bauen dafür immer größere Datenfabriken, deren Strombedarf dem ganzer Städte entspricht. Und weil die Server gekühlt werden müssen, ist mancherorts in den USA bereits das Grundwasser knapp geworden. Was wie Science-Fiction klingt, ist längst Realität. ECOreporter hat die Thematik hier ausführlich beschrieben.

Weil Strom aus Wind- und Solarparks konkurrenzlos günstig ist und die Anlagen verhältnismäßig schnell installiert werden können, entstehen momentan immerhin viele neue, teils sehr große Grünstromparks zur Versorgung der Rechenzentren. Auch die Nachfrage nach Brennstoffzellen steigt. Allerdings darf hinterfragt werden, wie nachhaltig es wirklich ist, wenn Erneuerbare-Energien-Parks ausschließlich zur Versorgung von Datencentern dienen.

Was kann überhaupt nachhaltig sein an Computerchips und KI? Vielleicht das, wozu die Geräte und Programme dienen, die damit arbeiten? Nein, denn wer Computerchips herstellt, weiß oft nicht, ob sein Kunde sie in Waffen verbaut oder in Solaranlagen. Und mit KI lassen sich auch Bomben entwickeln und Netzwerke lahmlegen. Wichtig sind daher andere Faktoren: die Energieeffizienz bei der Produktion, die Überwachung von Lieferketten, umfassende Umweltschutzkonzepte, technische Innovationen und soziale Standards. Die von ECOreporter ausgesuchten Unternehmen erfüllen dabei strenge Kriterien. Alle sind in grünen Fonds vertreten, die ebenfalls nach strengen Vorgaben zusammengestellt werden.

ECOreporter stellt im Folgenden zehn Aktien aus unterschiedlichen Bereichen vor, für die KI aktuell eine wichtige Rolle spielt. Nicht dabei sind allerdings Konzerne, die auf die KI-Anwendungen selbst spezialisiert sind. Denn das sind wenig nachhaltige Techriesen oder Start-ups, die (noch) nicht börsennotiert sind.

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