Einfach E-Mail-Adresse eintragen und auf "Abschicken" klicken - willkommen!

Nachhaltige Aktien, Erneuerbare Energie
Meyer Burger schreibt tiefrote Zahlen – Fokus auf die USA
Der Schweizer Solarkonzern Meyer Burger hat für das erste Halbjahr einen unerwartet niedrigen Umsatz und einen hohen Verlust gemeldet – laut Unternehmen liegt das auch an der viel zu günstigen Konkurrenz. Beim Ausbau des Geschäfts muss sich Europa nun hinter den USA anstellen.
Meyer Burger gab am heutigen Donnerstag einen Halbjahresumsatz von 96,9 Millionen Schweizer Franken bekannt und enttäuschte damit deutlich. Analysten waren der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zufolge im Schnitt von einem Umsatz von 129,7 Millionen Franken ausgegangen.
Konkurrenz aus China "flutet" den Markt
Mit 43,3 Millionen Franken fiel auch der Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) höher aus als prognostiziert. Im Juli hatte Meyer Burger noch erklärt, von einem operativen Verlust von rund 42 Millionen Franken auszugehen.
Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.
Meyer Burger hat die Verkaufspreise im ersten Quartal eigenen Angaben zufolge nahezu stabil auf dem Niveau des Vorjahres halten können. Im zweiten Quartal sei man aber gezwungen gewesen, aufgrund des allgemeinen Preisverfalls bei Solarmodulen die seine Preise "ebenfalls relativ zum Preisniveau zu senken".
Meyer Burger baute die Produktionskapazitäten in Deutschland im ersten Halbjahr weiter aus und fertigte Solarmodule mit einer Kapazität von 302 Megawatt. Damit habe man nahezu die Gesamtleistung des Vorjahres bereits in den ersten sechs Monaten erreicht. Im März hatte das Management seine Produktionsziele senken müssen.
Ein wesentliches Problem war in den letzten Monaten laut Unternehmen der Konkurrenzdruck. "Wie alle europäischen Hersteller stand Meyer Burger im ersten Halbjahr unter dem Einfluss der Angebotspolitik chinesischer Anbieter", so der Konzern in der Mitteilung zu den neuen Zahlen. Diese Anbieter hätten den europäischen Markt in der ersten Jahreshälfte mit Solarmodulen zu Preisen weit unter Herstellkosten "geflutet".
Meyer Burger erklärte, den Fokus beim Ausbau des Geschäfts künftig auf die USA legen zu wollen. Die Expansion in Europa solle erst bei besseren Marktbedingungen vorangetrieben werden.
"Durch fehlenden Schutz gegenüber Herstellern, die Module deutlich unter ihren Produktionskosten anbieten, besteht für Anbieter wie Meyer Burger derzeit kein Anreiz mehr, weitere Kapazitäten aufzubauen", erklärte das Unternehmen. Der Schritt kommt nicht unerwartet: Meyer Burger hatte in den letzten Monaten mehrfach zu geringe Subventionen in Europa bemängelt und mehr Schutz vor deutlich günstigeren Konkurrenten aus China gefordert. ECOreporter berichtete etwa hier.
Erst im Juli hatte das Unternehmen mitgeteilt, künftig Hochleistungs-Solarzellen im US-Bundesstaat Colorado zu produzieren und den geplanten Produktionsausbau in Bitterfeld-Wolfen in Sachsen-Anhalt zunächst auf Eis zu legen. Meyer Burger besitzt in Deutschland Produktionsstätten in Sachsen und Sachsen-Anhalt. Dort werden Solarzellen und Solarmodule gefertigt.
An der Börse geht es für Meyer Burger nach Bekanntgabe der schlechten Zahlen weiter abwärts, am Handelsplatz Lang &Schwarz ist die Aktie aktuell 1,2 Prozent im Minus und kostet 0,45 Euro (Stand: 17.8.2023, 10:55 Uhr). Auf Monatssicht notiert die Aktie 29,7 Prozent im Minus, im Jahresvergleich hat sie 13,4 Prozent eingebüßt.
ECOreporter bleibt skeptisch
ECOreporter hat immer wieder betont, dass der Preiskampf mit der chinesischen Konkurrenz die größte Herausforderung für Meyer Burger sein wird. Genau damit hat das Unternehmen nun erhebliche Probleme. Die Redaktion bleibt daher skeptisch, was die Aussichten des Konzerns angeht.
Als sogenannter Pennystock (eine Aktie, die im Cent-Bereich gehandelt wird) ist die Meyer Burger-Aktie zudem anfällig für Spekulationsgeschäfte. Starke Wertschwankungen sind keine Seltenheit. ECOreporter rät defensiven Anlegerinnen und Anlegern daher von einem Kauf ab. Wer hier einsteigt, lässt sich auf eine Wette mit unklarem Ausgang ein.
Investoren aus EU-Ländern müssen zudem beachten: Wie bei allen Schweizer Wertpapieren ist auch der Kauf und Verkauf von Meyer Burger-Aktien seit Sommer 2019 nur noch über außerbörsliche Handelsplätze möglich und damit umständlicher und unter Umständen auch teurer als der Handel an einer Börse. Grund ist ein Streit zwischen der EU und der Schweiz – mehr dazu erfahren Sie hier.
Lesen Sie auch das ECOreporter-Interview mit Meyer Burger-Chef Gunter Erfurt. Einen Überblick über den Solarsektor erhalten Sie mit dem Dossier Das sind die besten Solaraktien – wo sich jetzt der Einstieg lohnt.
Meyer Burger Technology AG: ISIN CH0108503795 / WKN A0YJZX