Dänische Forscher kritisieren das Kosten-Nutzen-Verhältnis bei Novo Nordisks Abnehmpräparat Wegovy. / Foto: imago images, NTB

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Novo Nordisk: Abnehm-Medikament Wegovy in Dänemark unter Druck

Ein dänisches Gremium zur Überwachung von Arzneimitteln hat Ärzten geraten, die Verschreibung des Abnehm-Medikaments Wegovy des dänischen Pharmakonzerns und ECOreporter-Aktien-Favoriten Novo Nordisk einzuschränken. Kosten und Effektivität stehen laut des Gremiums in keinem guten Verhältnis.

Das Medikament sei so teuer, dass es etwa 804.000 Euro kosten würde, um einen einzigen Herzinfarkt, Schlaganfall oder andere schwere Herzprobleme zu verhindern, wie das Institut für rationale Pharmakotherapie erklärte. Das Institut gehört zur dänischen Gesundheitsbehörde und gibt Empfehlungen für einen angemessenen Einsatz von Arzneimitteln. Seine Vorschläge sind allerdings nicht verpflichtend.

Studie unterschiedlich interpretiert

In einem am 6. Juni veröffentlichten Bericht erklärt das Institut, dass Wegovy nicht die erste Wahl eines Arztes sein sollte und dass "nur wenige Patienten" mit der Behandlung beginnen sollten, wie die US-Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet. Wegovy ist ein Medikament zur Reduzierung von krankhaftem Übergewicht (Adipositas). Zusammen mit dem ebenfalls als Abnehmhilfe einsetzbaren Diabetesmittel Ozempic bringen die Verkäufe Novo Nordisk aktuell Milliardengewinne. Beide Medikamente basieren auf dem Wirkstoff Semaglutid, an dem der dänische Pharmakonzern das Patent hält.

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In Dänemark werden laut der Untersuchung fast 80.000 Menschen mit Wegovy behandelt, das sind knapp 1 Prozent der 6 Millionen Einwohner des Landes. Das Medikament kostet in Dänemark umgerechnet etwa 340 Dollar pro Monat, während der Listenpreis in den USA bei etwa 1.350 Dollar pro Monat liegt.

In Dänemark zahlen die meisten Patienten das Medikament selbst, die öffentliche Versicherung übernimmt die Kosten nur in den schwersten Fällen. Eine positive Wirkung von Wegovy bei Herzkrankheiten und anderen mit Fettleibigkeit zusammenhängenden Krankheiten ist eines der Hauptargumente von Novo Nordisk, warum Versicherungen die Kosten für das Medikament übernehmen sollten.

Die dänische Gesundheitsbehörde argumentiert jedoch, dass die Kosten nicht im Verhältnis zum Nutzen stünden. Um ein kardiovaskuläres Ereignis zu vermeiden, müssten dem Bericht zufolge 65 Herzpatienten vier Jahre lang behandelt werden, was die Gesamtkosten für die Verhinderung eines einzigen Herzinfarkts auf etwa 6 Millionen Dänische Kronen (804.000 Euro) bringe.

Novo Nordisk teilte in einer am Donnerstag veröffentlichten Erklärung mit, dass andere Experten, einschließlich der US-Arzneimittelbehörde (US Food and Drug Administration), die Ergebnisse der klinischen Studien zu Wegovy anders bewerten. Das Unternehmen wolle den Bericht prüfen und hoffe, mit der dänischen Gesundheitsbehörde in einen Dialog treten zu können.

Bei den Studienteilnehmern, die Wegovy einnahmen, war die Wahrscheinlichkeit, ein kardiovaskuläres Ereignis zu erleiden, um 20 Prozent geringer als bei denjenigen, die ein Placebo erhielten. Die Gesundheitsbehörde erklärte jedoch, dass eine hohe Abbrecherquote die Ergebnisse verzerrt haben könnte. Zudem sieht sie es kritisch, dass die meisten Probanden in der Studie Männer waren.

Auch der Konkurrenzdruck steigt

Die Kosten von Wegovy werden nicht nur in Dänemark zusehends kritisiert. In den USA erklärte laut Bloomberg der größte Krankenversicherer des Bundesstaates Michigan, dass er die Kostenübernahme für das Medikament ab Januar 2025 einstellen werde.

Die Novo Nordisk-Aktie hatte zum Wochenstart ein weiteres Allzeithoch verzeichnet. Aktuell notiert sie im Xetra-Handel zum Vortag praktisch unverändert bei 131,66 Euro (Stand: 14.6.2024, 12:13 Uhr). Auf Monatssicht ist die Aktie 8,6 Prozent im Plus, im Jahresvergleich hat sie 79,2 Prozent zugelegt. Auf fünf Jahre betrachtet hat sich der Wert der Aktie fast versechsfacht.

Novo Nordisk hat nach einem starken ersten Quartal 2024 seine Prognose angehoben. Allerdings ist der Börsenkurs noch schneller gestiegen als die aktuell sehr hohen Gewinne. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis der Aktie ist mit 40 für 2024 hoch.

Der enorme wirtschaftliche Erfolg sorgt auch für einen steigenden Konkurrenzdruck. So sind in China, einem Markt, in dem sich Novo Nordisk kräftiges Wachstum erhofft, Berichten zufolge bereits mehrere Nachahmer-Präparate in der Entwicklung. Auch westliche Konkurrenten entwickeln eigene Medikamente, die als Alternativen zu Wegovy und Ozempec auf den Markt kommen sollen.

Sollte der Hype um Abnehm-Medikamente zudem grundsätzlich nachlassen, wären Kursrücksetzer bei Novo Nordisk keine Überraschung. Wer die Aktie bereits im Depot hat, sollte aber allenfalls kleine Positionen verkaufen. Wie Sie beim Verkauf von Aktien klug vorgehen, lesen Sie hier. Die erwartete Dividendenrendite für 2024 beträgt ordentliche 1,3 Prozent.

Novo Nordisk ist eine ECOreporter-Favoriten-Aktie aus der Reihe Nachhaltige Dividendenkönige. Zu unserem Unternehmensporträt gelangen Sie hier.

Lesen Sie auch die ECOreporter-Dossiers Nachhaltige Dividendenkönige: Bei diesen Aktien kann sich der Einstieg jetzt lohnen und Nachhaltige Gesundheitsaktien: Wo sich jetzt der Einstieg auszahlen kann

Novo Nordisk A/S: ISIN DK0062498333 / WKN A3EU6F

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