Einfach E-Mail-Adresse eintragen und auf "Abschicken" klicken - willkommen!

Nachhaltige Aktien, Aktien-Favoriten
Novo Nordisk: Halber Aufsichtsrat geht nach Strategiestreit
Der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk steht vor einem massiven Umbruch im Aufsichtsrat. Beim ECOreporter-Aktien-Favoriten gehen der Chef des Kontrollgremiums und sechs weitere Mitglieder. Hintergrund ist ein Streit mit der Novo Nordisk Stiftung über die Ausrichtung des Konzerns.
Der Aufsichtsratsvorsitzende Helge Lund und sechs weitere unabhängige Mitglieder des Gremiums werden ihre Mandate auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 14. November niederlegen, wie Novo Nordisk mitteilte. Insgesamt hat der Aufsichtsrat aktuell zwölf Mitglieder.
Kritik an US-Strategie
"Nach einem Dialog mit der Novo Nordisk Foundation über die künftige Zusammensetzung des Aufsichtsrats war es nicht möglich, zu einer gemeinsamen Auffassung zu gelangen", sagt der seit 2018 amtierende Helge Lund. Die Novo Nordisk Foundation ist eine gemeinnützige Stiftung und als Mutter der Novo Holding die kontrollierende Aktionärin des Pharmakonzerns.
Der amtierende Aufsichtsrat habe "eine Erneuerung mit ausgewählten neuen Kompetenzen bei gleichzeitiger Kontinuität vorgeschlagen", so Lund weiter. Die Stiftung hingegen habe eine grundlegende Neustrukturierung gewollt. Um welche Fragen es dabei im Detail ging, wurde zunächst nicht bekannt.
Novo Nordisk ist eine ECOreporter-Favoriten-Aktie. Lesen Sie auch unseren Überblick Nachhaltige Dividendenkönige: Bei diesen großen Favoriten-Aktien kann sich der Einstieg jetzt lohnen und unser zweiteiliges Dossier zu nachhaltigen Gesundheitsaktien.
Wie ECOreporter die Novo Nordisk-Aktie aktuell einschätzt, erfahren Sie im folgenden Premium-Bereich.
Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.
Im Mittelpunkt des Streits dürfte die geschäftliche Ausrichtung von Novo Nordisk stehen. Die Novo Nordisk Stiftung will, dass der Konzern sich stärker auf den wichtigen US-Markt konzentriert, um das Umsatzwachstum des Verkaufsschlagers Wegovy anzukurbeln. Insbesondere müsse der Verkauf über boomende Online-Gesundheitsplattformen stärker genutzt werden. Über solche Plattformen können Menschen Medikamente bestellen, ohne zum Arzt zu gehen. Bei fehlender Versicherung werden meist Rabatte angeboten. Dazu kommen weitere buchbare Leistungen wie eine Online-Ernährungsberatung.
Novo Nordisk erklärte, die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung für die Wahl eines neuen Aufsichtsrats liege "im besten Interesse des Unternehmens und seiner Aktionäre", nachdem eine Einigung mit der Stiftung nicht möglich gewesen sei. Die Novo Nordisk Stiftung will auf der Versammlung den früheren Novo-Chef und derzeitigen Stiftungsvorsitzenden Lars Rebien Sørensen als Übergangsvorsitzenden des Aufsichtsrats für zwei bis drei Jahre vorschlagen.
"Angesichts des sich schnell verändernden Umfelds, in dem Novo Nordisk tätig ist, glauben wir, dass es im besten Interesse des Unternehmens und seiner Aktionäre ist, eine Erneuerung des Aufsichtsrats so bald wie möglich vorzunehmen, anstatt bis zur Jahreshauptversammlung im März nächsten Jahres zu warten", erklärte Sørensen.
Der designierte Aufsichtsratschef machte auch klar, wie die Stiftung künftig offenbar mehr operative Kontrolle bei Novo Nordisk ausüben will. Er bezeichnete den US-Markt als "täglich Brot" von Novo Nordisk und kritisierte, dass der Vorstand die Notwendigkeit, Verbraucher direkt anzusprechen, nicht früher erkannt habe.
Bereits im Mai war überraschend Novo Nordisk-Chef Lars Fruergaard Jørgensen zurückgetreten. Hintergrund waren die Kursverluste der Aktie in diesem Jahr – nachdem der Konzern zuvor an der Börse allerdings massiv an Wert gewonnen hatte. Bei Novo Nordisk steht mittlerweile ganz das Geschäft mit den Gewichtssenkern Wegovy und Ozempic im Mittelpunkt. Jørgensens Nachfolger Mike Doustdar hat einen Sparkurs eingeleitet und streicht unter anderem 9.000 Stellen.
Die Novo Nordisk-Aktie ist im Tradegate-Handel aktuell 0,5 Prozent im Minus zum Vortag und kostet 47,10 Euro (Stand: 22.10.2025, 8:54 Uhr). Im Monatsvergleich hat die Aktie 5,8 Prozent eingebüßt, auf Jahressicht ist sie 56,1 Prozent im Minus.
Kurs dürfte vorerst weiter schwanken
Für den Börsenkurs von Novo Nordisk geht es in einem nervösen Markt schon seit Juni letzten Jahres abwärts, unterbrochen von zwischenzeitlichen kurzen Erholungsphasen. Wirtschaftlich bleibt Novo Nordisk hervorragend aufgestellt: Das Unternehmen erzielt Milliardengewinne und ist weiterhin stark aufgestellt bei Medikamenten gegen krankhaftes Übergewicht (Adipositas).
Allerdings steigt der Konkurrenzdruck: Der Konzern hat Marktanteile an den Konkurrenten Eli Lilly verloren, im wichtigen US-Markt kämpfen die Dänen gegen billige sogenannte Compound-Präparate. Diese Nachahmer-Medikamente werden von Apotheken selbst zusammengemischt. Aktuell versucht das Unternehmen, unabhängiger von Wegovy und Ozempic zu werden, in den letzten Wochen kündigte Novo Nordisk zwei milliardenschwere Übernahmen an.
Die Probleme an der Börse liegen hauptsächlich an den Erwartungen von Analysten, die auf jedes Detail wie Studiendaten zu möglichen Wegovy-Nachfolgern, die wachsende Konkurrenz oder Preisdebatten in den USA empfindlich reagieren. In den Vereinigten Staaten wird zudem aktuell angeblich eine Sammelklage gegen Novo Nordisk vorbereitet. Wegen möglicher Nebenwirkungen von Semaglutid, dem Wirkstoff von Wegovy und Ozempic, sollen insgesamt mehr als 1.800 Verfahren gegen Novo Nordisk anhängig sein. Medienberichte sprechen von einer möglichen Gesamthaftung von mehr als 2 Milliarden Dollar.
Langfristig ist die Novo-Aktie weiter gut gelaufen: Auf fünf Jahre betrachtet gewann sie knapp 60 Prozent an Wert. Mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 16 für 2025 ist die lange überteuerte Aktie mittlerweile zudem wieder vertretbar bewertet. Die erwartete Dividendenrendite für 2025 liegt bei guten 3,2 Prozent.
Anlegerinnen und Anleger, die einsteigen möchten, müssen aber Geduld und eine erhöhte Toleranz für Kursschwankungen mitbringen. Aus nachhaltiger Sicht ist zudem kritisch zu sehen, dass Novo Nordisk offenbar anstrebt, Medikamente stärker abseits der medizinischen Notwendigkeit zu verkaufen.
Novo Nordisk ist eine ECOreporter-Favoriten-Aktie aus der Reihe Nachhaltige Dividendenkönige. Zu unserem Unternehmensporträt gelangen Sie hier.
Novo Nordisk A/S: ISIN DK0062498333 / WKN A3EU6F
(Aktuelle Kursdaten zur Aktie erhalten Sie, wenn Sie auf das Symbol hinter der WKN klicken.)