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Recycler Carbios vergrößert Verlust, Anlagenbau macht Fortschritte
Der französische Plastik-Recycler Carbios hat wegen höherer Kosten insbesondere bei Forschung und Entwicklung im ersten Halbjahr 2024 mehr Verlust gemacht. Beim Aufbau seines industriellen Recyclinggeschäfts sieht sich das Unternehmen auf Kurs.
Carbios hat das sogenannte PET-Biorecycling entwickelt. Dabei sollen Enzyme Plastikmüll effektiver zersetzen, als es mit aktuellen Recyclingmethoden möglich ist. Aktuell baut das Unternehmen im französischen Longlaville seine erste industrielle Anlage, diese soll ab 2026 jährlich 50 Kilotonnen an Plastikmüll verarbeiten.
Unternehmen sieht sich solide finanziert
Den größten Teil der benötigten Versorgung mit Rohmaterial – sprich Plastikmüll – für die geplante Kapazität hat Carbios nach eigenen Angaben bereits abgesichert. Im ersten Halbjahr schloss das Unternehmen weitere Verträge etwa mit dem Recycler Tomra aus Norwegen und den deutschen Entsorgungsspezialisten Landbell und Hündgen. Diese sollen verschiedene Arten von Kunststoffabfällen liefern, die Carbios sammeln, sortieren und recyceln will. Allerdings sind alle Vereinbarungen noch unverbindlich.
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Der Verlust des Unternehmens stieg in den ersten sechs Monaten des Jahres von 13 Millionen Euro im Vorjahr auf rund 20 Millionen Euro. Das lag laut Unternehmen vor allem an höheren Ausgaben für Forschung und Entwicklung, die um 43 Prozent auf 8,2 Millionen Euro kletterten. Carbios habe seine "Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in allen Innovationsbereichen fortgesetzt, insbesondere im Bereich des Biorecyclings von PET-Kunststoffen und -Fasern", wie das Unternehmen erklärte.
Carbios verfügte zum 30. Juni 2024 nach eigener Angabe über Barmittel in Höhe von 144 Millionen Euro, davon entfallen 23,4 Millionen Euro auf sogenannte Termineinlagen. Dabei handelt es sich um Bankguthaben, über die das Unternehmen in einem vereinbarten Zeitraum nicht verfügen kann, auf die dafür aber höhere Zinsen gezahlt werden. Carbios geht davon aus, seinen Finanzbedarf mit diesen Mitteln über die nächsten zwölf Monate hinaus decken zu können. Zusätzlich erwartet das Unternehmen weitere rund 23 Millionen Euro an öffentlichen Zuschüssen.
Einen Umsatz erwirtschaftet Carbios noch nicht. Einnahmen erzielt das Unternehmen lediglich mit seinen Aktivitäten am Finanzmarkt sowie durch Zinsen. Nach eigenen Angaben investiert das Unternehmen seine Barmittel "systematisch in risikofreie, hochliquide Geldmarktprodukte".
Die Carbios-Aktie ist an der Börse Frankfurt aktuell 0,7 Prozent im Minus zum Vortag und kostet 16,26 Euro (Stand: 2.10.2024, 11:04 Uhr). Auf Monatssicht ist die Aktie 17,9 Prozent im Minus, im Jahresvergleich hat sie 23,6 Prozent ihres Werts eingebüßt.
Spekulatives Investment
Carbios ist ein hochspekulatives Investment, die Aktie eignet sich nur für Anlegerinnen und Anleger, die eine Wette eingehen möchten und auf das eingesetzte Geld verzichten können. Alle anderen sollten mindestens warten, bis das Unternehmen anfängt, echte Umsätze zu erwirtschaften. Erst dann lässt sich die Nachfrage für das Recyclingangebot realistisch einschätzen.
Zudem ist Carbios absehbar auf Fremdfinanzierung angewiesen. Sollten die Kosten dafür unerwartet steigen oder es zu Verzögerungen im Zeitplan, etwa für den Fabrikbau, kommen, könnte Carbios in Schwierigkeiten geraten.
Aus nachhaltiger Sicht ist außerdem zu bedenken: Neue und innovative Recyclingmöglichkeiten für Plastik sind begrüßenswert. Eine wirklich effektive Bekämpfung des Plastikmüllproblems lässt sich aber nur durch stärkere Regulierung und durch eine konsequente Vermeidung erreichen – eine Lösung, die zudem deutlich schneller umsetzbar wäre als der Bau von Biorecycling-Fabriken.
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Carbios S.A.: ISIN FR0011648716 / WKN A1XA4J
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13.02.26
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