Ein neues, staatlich gefördertes Depot soll dabei helfen, privat fürs Alter vorzusorgen. / Foto: imago, Panthermedia

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Riester 2.0: Wie attraktiv ist das Altersvorsorge-Depot?

Die Riester-Rente ist gescheitert. Mit dem Nachfolger, dem Altersvorsorge-Depot, soll jetzt alles besser werden. Für wen wird sich das Angebot lohnen? Und wie sieht es mit der Nachhaltigkeit aus?

An der Riester-Rente gibt es schon seit ihrer Einführung 2002 massive Kritik: zu teuer, zu unrentabel, zu kompliziert, zu wenig flexibel. An zahlreichen Riester-Produkten verdienen letztlich nur die Anbieter, viele Verträge werden vorzeitig gekündigt. Ihren Zweck, Menschen bei der privaten Altersvorsorge zu unterstützen, erfüllt die Riester-Rente häufig nicht. 

Deshalb hat der Bundestag Ende März das staatlich geförderte Altersvorsorge-Depot beschlossen, quasi ein Riester 2.0, das ohne die Schwächen des bisherigen Systems auskommen soll. Der Bundesrat muss dem entsprechenden Gesetz noch zustimmen. Das ist geplant:

In was wird investiert?

Kern des Altersvorsorge-Depots sind staatlich zertifizierte Vorsorgeverträge, die ab 1. Januar 2027 als Sparpläne bei zahlreichen Depot-Anbietern abgeschlossen werden können, etwa Banken, Neobrokern und Lebensversicherern. Investiert werden darf nach derzeitigem Stand in Staatsanleihen sowie in nachhaltige und herkömmliche Fonds und ETFs mit den Risikokategorien 1 bis 5 nach dem Synthetic Risk Reward Indicator (SRRI). Dieser Indikator, der in den Basisinformationsblättern der Produkte ausgewiesen wird, reicht bis 7 – überdurchschnittlich riskante Fonds und ETFs sind damit vom Altersvorsorge-Depot ausgeschlossen. Nicht investiert werden darf zudem in Einzelaktien, Kryptowährungen und komplexe Finanzprodukte wie etwa Derivate oder Zertifikate. 

Die Finanzindustrie soll dazu verpflichtet werden, für unerfahrene Anlegerinnen und Anleger auch einfache Standardprodukte mit zwei vorausgewählten Fonds oder ETFs anzubieten: Einer muss in die Risikoklasse 1 oder 2 fallen, also beispielsweise Staatsanleihen enthalten, der andere hat die Risikoklasse 3, 4 oder 5, darunter fallen etwa breit gestreute Aktien-Fonds und -ETFs. Über die Aufteilung des Kapitals zwischen den beiden Fonds entscheidet der Anbieter. Auch der Staat will selbst Standardprodukte auflegen.

Die Jahreskosten sind nach der aktuellen Planung bei allen Standardprodukten auf 1 Prozent gedeckelt, ansonsten können sie auch höher ausfallen. Medienberichten zufolge bereiten mehrere Anbieter Standardprodukte mit Jahreskosten von nur 0,2 Prozent vor – das ist nicht mehr, als viele ETFs kosten.

Wie hoch ist die Förderung?


Das neue Depot lohnt sich ganz besonders für Menschen mit Kindern. / Foto: imago, Westend61

Lukrativ wird das Altersvorsorge-Depot vor allem durch die staatliche Förderung. Diese können grundsätzlich fast alle Arbeitnehmer, Selbstständigen, Studenten und Auszubildenden erhalten, aber auch Wehrdienstleistende, Arbeitslose, Bürgergeld-Empfänger und Menschen, die Angehörige pflegen. Die deutsche Staatsbürgerschaft ist ebenso wenig erforderlich wie ein Wohnsitz in Deutschland – es reicht, hierzulande unbeschränkt steuerpflichtig zu sein.

Die Fördersätze des Alters-Vorsorgedepots sind für die meisten Anlegerinnen und Anleger attraktiver als im alten Riester-System: Bis zu jährlichen Sparsummen von 360 Euro gibt der Staat 50 Prozent dazu, also maximal 180 Euro. Danach gilt bis 1.800 Euro ein Fördersatz von 25 Prozent, sprich maximal 360 Euro. Die jährliche Grundförderung beträgt damit insgesamt bis zu 540 Euro.

Hinzu kommt für jeden eingezahlten Euro 1 Euro Förderung je Kind – bis maximal 300 Euro pro Kind. Wer zwei Kinder hat und die maximal förderfähigen 1.800 Euro in sein Altersvorsorge-Depot einzahlt, erhält also eine jährliche Gesamtförderung von 1.140 Euro (540 Euro plus zweimal 300 Euro). Um überhaupt Zuschüsse zu bekommen, müssen mindestens 10 Euro pro Monat eingezahlt werden. Alle Zuschüsse fließen direkt ins Depot.

Ist ein Wechsel aus einem Riester-Vertrag möglich? 

Wer einen Riester-Vertrag hat, soll die Option erhalten, ohne den Verlust der bisherigen Förderung auf ein Altersvorsorge-Depot umzusteigen. Bestehende Riester-Produkte können aber auch weiter bespart werden. Nach einer Laufzeit von fünf Jahren ist vorgesehen, mit dem Depot kostenlos zu einem anderen Anbieter wechseln zu können. Vorher darf ein Depotwechsel maximal 300 Euro kosten. Grundsätzlich soll es möglich sein, beliebig oft zu wechseln, auch in andere Produkte des gleichen Anbieters.

Wie wird das Geld am Ende ausgezahlt?

Das Kapital des Altersvorsorge-Depots kann ab dem 65. Lebensjahr (oder zum etwaigen früheren Beginn der gesetzlichen Altersrente) in Form einer lebenslangen Rente oder eines Auszahlungsplans bis zum Alter von mindestens 85 Jahren ausgezahlt werden. Zusätzlich soll es möglich sein, zu Beginn der Auszahlungsphase einmalig bis zu 30 Prozent des Geldes auf einen Schlag zu erhalten. Alle Auszahlungen sind im Normalfall mit dem persönlichen Steuersatz zu versteuern. Die genauen Modalitäten der Auszahlungen hängen von den Konditionen des jeweiligen Anbieters und Produkts ab. 

Die Vorteile des Altersvorsorge-Depots

Dank der staatlichen Zuschüsse sind die zu erwartenden Renditen der Altersvorsorge-Depots deutlich höher, als wenn man die gleichen Fonds, ETFs oder Anleihen ohne Förderung kaufen würde. Den größten positiven Effekt haben die Kinderzulagen, aber auch für Kinderlose lohnen sich geförderte Depots, solange Verträge mit niedrigen Jahreskosten gewählt werden.

Was ebenfalls die Rendite verbessert: Das Umschichten in andere Fonds und das Ändern der Gewichtung zwischen einzelnen Fonds in einem Depot ist im staatlich geförderten Modell steuerfrei. Bei herkömmlichen Depots fallen auch in der Ansparphase schon Gewinnsteuern an, wenn Fondsanteile verkauft werden. Das schmälert die Gesamtrendite, weil ein Teil des investierten Geldes nicht bis zum Ende der Laufzeit Erträge erzielen kann.

Die Nachteile 

Wie Riester-Verträge sind auch Altersvorsorge-Depots unflexibel. Wer vor dem 65. Lebensjahr sein Depot kündigt, muss alle erhaltenen Zuschüsse zurückzahlen.

Geringverdiener mit mehreren Kindern fahren zudem oft besser, wenn sie bestehende Riester-Verträge weiterführen, weil sie nach dem alten System mehr Förderung erhalten und zudem weniger einzahlen müssen (60 Euro statt 120 Euro pro Jahr).

Fazit

Für das Altersvorsorge-Depot werden Sie voraussichtlich aus zahlreichen nachhaltigen Fonds und ETFs wählen können. Sind die Kosten der Verträge nicht viel höher als die der besparten Fonds und ETFs, wird sich das Depot für die meisten Anlegerinnen und Anleger lohnen und zudem attraktiver sein als der Großteil der Riester-Verträge. Daher sollten Sie sich Ende 2026 die dann vorliegenden Depot-Angebote genauer ansehen. ECOreporter wird berichten, falls sich an dem bisherigen Gesetzesentwurf noch etwas ändern sollte, und Depot-Produkte testen, sobald sie erhältlich sind.

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