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Erneuerbare Energie, Anleihen / AIF
Risiko: Wenn Anleihen oder Nachrangdarlehen nicht die Kraftwerke finanzieren (ÖKORENTA-Interview, Teil 2)
Brauchen wir tatsächlich noch mehr Strom? Sind Erneuerbare Energien gar nicht subventioniert? Wenn das Geld aus dem Stromverkauf an die Fonds von ÖKORENTA geht, diese aber den Anlegenden gehören, womit verdient ÖKORENTA dann Geld? Und weshalb ist der Stromverkauf so viel einfacher als der Turnschuhhandel? Im ECOreporter-Interview erklärt Jörg Busboom, Vorstand des grünen Finanzhauses ÖKORENTA Invest AG aus Aurich, das Geschäft mit Erneuerbarer Energie.
ECOreporter: Weltweit werden Wind- und Solarkraft kräftig ausgebaut. Aber benötigen wir zukünftig überhaupt noch so viel Strom?
Jörg Busboom: Zum Energiemarkt hat die neue Wirtschaftsministerin Katherina Reiche eine Studie erstellen lassen. Die Vorausschau geht bis ins Jahr 2040. Im Ergebnis zeigt sich: Überall steigt der Stromverbrauch. Wegen der Digitalisierung, wegen künstlicher Intelligenz und anderer nicht mehr umkehrbarer Entwicklungen wie dem Trend zur Elektromobilität und der Gebäudeenergie – auch dort wird ja die fossile Energie für die Wärmeerzeugung schrittweise auf Wärmepumpen umgestellt und damit elektrifiziert. Industrialisierte Nationen werden künftig deutlich mehr Strom brauchen als in der Vergangenheit.
Es heißt oft, die Preise bei der Erneuerbaren Energie seien subventioniert.
In Deutschland hätte man so eine Argumentation vor zehn oder mehr Jahren vielleicht ein Stück weit – nur ein Stück – gelten lassen können. Heute erzeugen die Erneuerbaren wie gesagt den günstigsten Strom. Und zwar ohne Unterstützung! Die Technologie ist viel weiter, und durch die CO₂-Bepreisung sind andere Stromerzeugungsmethoden zusätzlich teurer geworden. Wenn man die fossilen Erzeugungsmethoden nicht mehr fördern würde, könnte man sogar auf die Einspeisevergütung verzichten. Aber die fossilen Energien – Kohle, Gas, Öl – und die Atomkraft funktionieren überhaupt nur, wenn sie in irgendeiner Form politisch gefördert werden. Bei Atomkraft beispielsweise werden einfach immer die Kosten für die Endlagerung des Atommülls aus der Kostenrechnung herausgenommen und nicht auf den Strompreis geschlagen. Das tragen dann später die Steuerzahlerinnen und -zahler.
Wer kauft den Strom aus den Kraftwerken, die ÖKORENTA mit den Fonds verwaltet?
Entweder geht das über die Einspeisetarife des Erneuerbare-Energien-Gesetzes oder, wenn die Preise am Markt höher sind, per Direktvermarktung. Teilweise schließen wir auch langfristige Stromlieferverträge mit Abnehmern selbst, also mit Kunden, die große Mengen Strom brauchen.
Der Stromverkauf, das ist ja alles der Bereich kaufmännische Betriebsführung der Kraftwerke. Liegt die technische Betriebsführung auch bei ÖKORENTA?
Nein, das wäre auch sinnlos, weil die technische Betriebsführung dezentral läuft. Dafür hat man Dienstleister in den Regionen der Kraftwerke. Die müssen schnell vor Ort sein, wenn die Parks technische Probleme haben. Aber für den Bereich der kaufmännischen Betriebsführung haben wir seit 15 Jahren ein eigenes Team im Haus.
Die Verwaltung als sichere Einnahme
Wenn das Geld aus dem Stromverkauf an die ÖKORENTA-Fonds geht, diese aber den Anlegenden gehören, womit verdient denn ÖKORENTA Geld?
Mit der Verwaltung der Fonds. Das ist unsere Haupteinnahmequelle. Und das ist ein großer Vorteil. Wenn man dieses Geschäft seit rund 27 Jahren erfolgreich betreibt, dann hat man einen großen Verwaltungsbestand, also Fonds, die man managt und von denen wir dafür eine Verwaltungsgebühr erhalten – die übrigens transparent in den Prospekten ausgewiesen ist. Das führt dazu, dass wir heute zum Jahresanfang wissen, dass wir über 80 Prozent unserer Kosten – Personal, Räume, Technik, EDV und so weiter – schon gedeckt haben. Daher haben wir nicht den Erfolgsdruck, neue Fonds herauszugeben und zu verkaufen, um beispielsweise Gehälter zu zahlen. Das ist wichtig für die Qualität. Aber wir haben uns das auch über lange Zeit erarbeitet.

Serverfarmen, Wärmepumpen, Elektroautos: Der Strombedarf steigt. / Foto: ÖKORENTA Gruppe
Die Verwaltung der Fonds deckt einen großen Teil unserer Kosten. Also den Personalaufwand, die Kosten für EDV, die in den letzten Jahren stark gestiegen sind, die Kosten für die sogenannte Regulierung, also die aus gesetzlichen Gründen einzuhaltenden Formalien. Wir wollen auch nicht die billigsten Anbieter am Markt sein, weil wir ganz bewusst sagen, Qualität kostet Geld. Von unseren mehr als 60 Beschäftigten sind sehr viele echte Fachspezialisten. Am Ende erheben wir eine laufende Verwaltungsgebühr, die im Marktvergleich völlig in Ordnung ist: In der Regel sind es deutlich unter zwei Prozent.
Zwei Prozent bezogen auf was?
Das ist gesetzlich vorgegeben, es wird am sogenannten „Net Asset Value“ festgemacht. Einfach gesagt: Zwei Prozent des Wertes dessen, was im Fonds ist. Also bei uns zwei Prozent des Wertes der Kraftwerke oder Speicher. Der Wert wird jedes Jahr neu untersucht. Das Verfahren ist fair, denn wenn Anlagen im Fonds weniger wert werden, beispielsweise, weil sie ja auch altern, dann sinkt auch die Verwaltungsgebühr der Anlegenden.
Welche Rolle spielt der Strompreis für die Anlegenden?
Er bestimmt einen Teil der Gesamtrendite. Die setzt sich aus mehreren Faktoren zusammen. Zum einen: Wie viel Strom kann ich verkaufen? Und zu welchen Preisen? Was davon nach Kosten für einen Fonds übrig bleibt, kann ich ja durch Entnahmen ausschütten. Zudem wird am Ende der Fondslaufzeit verkauft, was der Fonds an Assets hat, also an Werten. Und je besser die Kraftwerksparks gemanagt und gepflegt sind, je günstiger sie finanziert sind, desto höhere Preise erziele ich.
Keiner will das Ende
Wie zufrieden sind die Kunden mit den Fonds aus der Vergangenheit?
Als Haus, das seit so vielen Jahren in dem Markt ist, lassen wir uns an der Vergangenheit messen. Zunächst einmal: Wir haben die Kapitalverwaltungsgesellschaft mit den Fonds aus der sogenannten regulierten Welt, sprich alles, was wir ab 2015 aufgelegt haben. Aber die ÖKORENTA gibt es schon seit 1999, und wir haben auch schon vor der Zeit des Kapitalanlagegesetzbuches Fonds aufgelegt. Davon gibt es noch sechs. Sie wären alle Ende dieses Jahres ausgelaufen, wir hätten sie auflösen können. Von vielen Anlegern kam der Wunsch nach Verlängerung. Nun ist in diesen Fonds noch eine Menge Substanz. Im Frühjahr haben wir die Anleger gefragt, und 95 bis 99 Prozent wollten in den Fonds bleiben. Wir haben sieben Jahre Verlängerung vorgeschlagen – da haben nahezu 100 Prozent der Anleger zugestimmt: ein schöner Vertrauensbeweis.
Wie läuft das ÖKORENTA-Geschäft konkret?
Wir haben die gesamte Dienstleistung rund um die Fonds im Haus. Das fängt bei der Ankaufsabteilung für die Kraftwerke an. Unsere Experten haben ein hohes Fachwissen, so können wir sauber bewerten und gut verhandeln. Die Due Diligence-Abteilung klopft alle Verträge und wirtschaftlichen Grundlagen auf Herz und Nieren ab. Wenn wir dann gekauft haben, beginnt die Verwaltung. Ein Fonds muss auch aufsichtsrechtlich verwaltet werden. Das sind hochregulierte Produkte, und wir haben dafür eine eigene Kapitalverwaltungsgesellschaft. Deren Struktur kann man in vielen Bereichen mit einer Bank vergleichen; wir stehen schließlich unter der direkten Aufsicht der Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin.
Wenn wir ein Fondsportfolio aufbauen, achten wir auf ein vernünftiges, sauberes Verhältnis zwischen Wind und Photovoltaik. Das macht das Portfoliomanagement. Und wir haben das Risikomanagement, da werden Stresstests für die einzelnen Energieparks durchgeführt: Was, wenn wir beispielsweise 20 Prozent weniger Wind bekommen? Oder: Welche Risiken gibt es bei einer Anschlussfinanzierung? Dann gibt es die Buchhaltung, es gibt den Vertrieb, das Marketing, die strategische Weiterentwicklung … und eine fünfstellige Anzahl von Kundinnen und Kunden ist zu betreuen. Das macht die Anlegerverwaltung, eine eigene Abteilung. Da sind beispielsweise Gesellschafterversammlungen vorzubereiten.
Warum es für die Anlegenden so riskant ist, wenn Anleihen oder Nachrangdarlehen nicht die Kraftwerke finanzieren

Stetiges Geschäft: Die Verwaltung der Fonds deckt bei ÖKORENTA schon 80 Prozent der Jahreskosten. / Foto: ÖKORENTA Gruppe
Gibt ÖKORENTA auch, wie manche Wettbewerber, Anleihen oder Nachrangdarlehen heraus, die das Unternehmen selbst finanzieren und nicht konkrete Kraftwerke?
Nein, das ist zwar ein übliches Geschäftsmodell, aber keines für uns. Mit solchen Produkten setzen Anleger darauf, dass das Management des Unternehmens das Geld so sinnhaft investiert, dass die versprochenen Zinsen hereinkommen. Wenn das Unternehmen aber Probleme bekommt, dann besteht das große Risiko, Kapital zu verlieren. Unser System ist völlig anders, weil unsere Fonds mit den Wind- und Solaranlagen den Anlegenden gehören, nicht uns. Würde bei der ÖKORENTA etwas schief laufen, dann blieben die Investitionen der Kunden gesichert, weil sie abgespalten sind von unserer wirtschaftlichen Tätigkeit. Das ist ein ganz anderes Sicherheitsniveau.
Auch rein rechtlich ist es so, dass wir selbst gar nicht an unseren Fonds beteiligt sein dürfen, weil die Finanzdienstleistungsaufsicht keine Interessenskonflikte zulässt. Wir stehen je Fonds nur mit 1.000 Euro im Handelsregister, denn sonst könnten wir die Kommunikation zu den Kunden nicht aufrecht erhalten. Wir stehen mit all unserem Tun für die Kunden ein und verfolgen abseits davon keine eigenen Interessen.
Was passiert, wenn eine Fondslaufzeit endet?
Konkretes Beispiel: Wir lösen gerade einen Fonds auf, den wir 2015 gestartet hatten. Der Prospekt prognostizierte 157 Prozent Rückzahlung auf das eingesetzte Kapital. Die zehn Jahre sind nun herum, die Kunden werden aber rund 176 Prozent erhalten. Wer 10.000 Euro angelegt hat, wird dann nicht 15.700 Euro zurückbekommen, sondern mindestens 17.600. Mehr als erwartet also. Von diesem Mehrerlös profitieren auch wir. Erreichen wir „nur“ prognostizierte Ergebnisse, erhalten wir keine zusätzlichen Erlöse.
Wer Turnschuhe oder Autos verkauft, braucht dazu heute ein sehr aufwendiges Marketing. Dagegen stelle ich mir den Stromverkauf recht einfach vor: Entweder verlässt man sich auf die festgelegte Einspeisevergütung, oder man verhandelt mit einem Abnehmer den Preis. Mehr nicht. Keine Werbung, keine Scharen an Verkaufspersonal, keine Moden, keine Schlussverkäufe und schon gar keine Black Fridays.
So ganz falsch ist das nicht. Das ist ja sogar einer der großen Vorteile einer Kapitalanlage im Bereich Stromerzeugung mit Erneuerbarer Energie: Du kannst den Strom verkaufen, weil der Bedarf da ist. Sogar immer da, unabhängig davon, ob ich konjunkturell gerade gute oder schlechte Zeiten habe. Da sind höchstens leichte Wellenbewegungen, mal ein paar Prozent mehr oder weniger Strombedarf. Eigentlich ist das wie Essen und Trinken: Ohne geht es nicht. So ganz banal ist der Stromverkauf aber nun auch nicht. In der Betriebsführung für die Kraftwerke haben wir beispielsweise jemanden, der macht das seit vielen Jahren. Es gibt wenige in Deutschland, die so einen Marktüberblick über Stromerzeugung im Bereich Windkraft an Land haben, wenige, die alle technischen Themen kennen und dann auch die kaufmännischen.
Daten, Daten, Daten: das Risikomanagement

Firmensitz in Aurich: „Es geht nicht einfach um nacktes wirtschaftliches Handeln." / Foto: ÖKORENTA Gruppe
Aber wir haben natürlich auch andere Bereiche, die schwierig sind, und wir haben unsere Spezialisten dafür. Beispielweise das Risikomanagement: Da bin ich immer wieder begeistert, was wir für einen Datenstand haben. Die Kennziffern, die aus unserem Risikomanagement kommen, helfen uns oft, Situationen in Minutenschnelle bewerten zu können. Letztlich hört es sich vielleicht einfach an, wenn wir sagen, wir verwalten – aber dahinter steckt hochprofessionelles Management mit jahrzehntelanger Erfahrung.
Gibt es ein Beispiel?
Wenn uns Windkraftanlagen angeboten werden, können wir in kürzester Zeit entscheiden, ob wir das Angebot ablehnen oder uns damit näher beschäftigen. Wir kennen die Hersteller, wir wissen um die Fallstricke. Bei Photovoltaik ist das ähnlich. Auch wenn die Solarmodule fast alle gleich aussehen, sind sie doch im Kern sehr unterschiedlich. Und wir beurteilen natürlich auch die Standorte, die Wechselrichter, die Leitungen und die andere nötige Technik.
Ist der Windstrom eigentlich wertvoller als der Sonnenstrom, weil er auch nachts produziert werden kann?
Das würde ich so nicht sagen. Tatsächlich erzeugt eine Windkraftanlage den meisten Strom in den Herbst- und Wintermonaten. Im Sommer kannst du sie, überspitzt gesagt, eigentlich auch abschalten, weil sie da so wenig zum Jahresertrag beisteuert. Aber da liefert dann halt die Photovoltaikanlage. Und deswegen ist es auch so sinnvoll, beide Typen in einem Portfolio eines Fonds zu mischen.
Sparkasse und Volksbank ziehen bei ÖKORENTA am selben Strang
Nun hat das Haus ÖKORENTA selbst neue Investoren. Warum sind die eingestiegen?
Unsere Holding ist inzwischen eine Aktiengesellschaft, aber unsere Aktien sind nicht an der Börse notiert. Die Investoren schätzen, wie professionell wir arbeiten und dass wir ein Geschäftsmodell aufgebaut haben, in dem wir wenig Interessenskonflikte haben, das jedoch wegen stetig laufender Verwaltungseinnahmen – die Fonds laufen in der Regel mindestens zehn Jahre – sehr planbar ist. Unseren Investoren ist wichtig, dass es bei uns nicht einfach um nacktes wirtschaftliches Handeln geht. Wir haben hier eine hohe Werteorientierung. Klar, wir sind ein Wirtschaftsunternehmen, wir wollen erfolgreich sein. Aber auch unserem Gründer Tjark Goldenstein war immer wichtig, dass wir nicht gewinnmaximierend unterwegs sind. Tjark ist nun aus dem operativen Geschäft ausgeschieden, nun bilden Karen Kurp, Jörg Schmeding und ich die Führung. Und wir sehen und handhaben das genauso. Zu gutem wirtschaftlichen Handeln, das auf Langfristigkeit ausgerichtet ist, gehört ein Miteinander zwischen Kunden, Eigentümern, Mitarbeitenden. Wenn es so läuft, dann kann das sehr erfolgreich sein.
Vielleicht nimmt man einmal die letzten 20 Prozent Unternehmensgewinn nicht mit, weil man in einer Situation für die Anleger oder Mitarbeiter mehr tut, als man formal müsste. So war das zum Beispiel während der Coronazeit. Aber dann ist das eben so. Deswegen steht das Unternehmen trotzdem auf gesunden Füßen. Wir können uns das glücklicherweise erlauben. Werteorientierung ist wichtig, und dafür stehe ich auch persönlich ein – in der Nachfolge für Tjark Goldenstein. Und das alles wissen auch unsere neuen Aktionäre: zwei Banken, die hervorheben, wie wichtig ihnen unsere Werteorientierung ist.
Welche Banken sind das?
Die Sparkasse Aurich-Norden, quasi unsere Hausbank, wir haben ja unseren Hauptsitz in Aurich. Und als zweites ist das die Ostfriesische Volksbank. Die sitzt an unserem Standort in Leer. Das ist für sich schon etwas Besonderes, dass sich eine Sparkasse und eine Volksbank gemeinsam an einem Unternehmen beteiligen. Bei uns wird es keine Finanzinvestoren geben, die das Ruder übernehmen und einen anderen Geist einziehen lassen. Denn unsere Aktionäre sind uns verbunden, haben die gleiche Werteorientierung, und keiner hält mehr als ca. 11 Prozent, außer unserem Gründer Tjark Goldenstein, der rund 19 Prozent hält. Also kann keiner dominante Entscheidungen treffen, die letztendlich nicht im Sinne der anderen sind.
Danke Ihnen!
