Die Schweizer Stiftung Ethos rät Aktionären, den neuen Nachhaltigkeitsbericht von Roche abzulehnen. / Foto: Roche

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Roche: Schweizer Stiftung Ethos empfiehlt Ablehnung von Nachhaltigkeitsbericht

Die Schweizer Anlagestiftung Ethos hält den Nachhaltigkeitsbericht des Schweizer Pharmakonzerns Roche für ungenügend und empfiehlt Anteilseignern, ihn abzulehnen. Die Stiftung kritisiert unter anderem fehlende wissenschaftliche Ziele und die Vergütung von Managern.

Ethos ist eine Stiftung schweizerischen Rechts, deren Mitglieder schweizerische Vorsorgeeinrichtungen oder gemeinnützige Stiftungen sein müssen. Das Ziel der Ethos Stiftung besteht nach eigener Aussage darin, Pensionskassen bei der nachhaltigen und verantwortungsbewussten Anlagetätigkeit unter Berücksichtigung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien (ESG) zu unterstützen. Ob und in welcher Höhe Ethos Anteile an Roche hält, teilte die Stiftung nicht mit.

Kritik an Klimastrategie und Nachhaltigkeitsbericht

Die Klimastrategie von Roche sei ungenügend, da der Konzern noch keine wissenschaftlich fundierten Ziele zur Reduktion seiner Treibhausgasemissionen im Einklang mit dem 1.5-Grad-Ziel vorgelegt habe, wie Ethos in einer Mitteilung am heutigen Montag erklärte. Zudem seien die sogenannten Scope-3-Emissionen, abgesehen von denjenigen im Zusammenhang mit Geschäftsreisen, nicht von einem externen Prüfer verifiziert worden.

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Ethos ist laut Mitteilung "der Ansicht, dass Roche mehr Details über die konkreten Maßnahmen zur Reduktion der Treibhausgasemissionen bekannt geben sollte". Generell hält die Stiftung die Informationen im Nachhaltigkeitsbericht für begrenzt. So würden beispielsweise Ziele für die Abfallentsorgung und den Wasserverbrauch nicht offengelegt. Diese könnten Anlegerinnen und Anleger nur über die Webseite des Konzerns erfahren, wo sie für 2023 noch nicht aktualisiert wurden.

Auch ist die Stiftung nicht damit einverstanden, dass die Abstimmung über den Nachhaltigkeitsbericht nur konsultativ statt bindend ist. Der Bericht müsse gemäß Obligationenrecht wie der finanzielle Jahresabschluss von der Generalversammlung genehmigt werden, so Ethos. Andere Schweizer Großkonzerne wie das Telekommunikationsunternehmen Swisscom, der Chemiekonzern Givaudan oder der Warenprüfkonzern SGS würden die Interpretation von Ethos bezüglich einer bindenden Natur der Abstimmung teilen, so die Stiftung.

Exzessive Vergütungen?

Neben dem Nachhaltigkeitsbericht empfiehlt die Anlagestiftung zudem die Ablehnung aller Tagesordnungspunkte (Schweizerisch: Traktanden) der Generalversammlung mit Bezug auf die Vergütung. "Abgesehen von der wiederholt mangelnden Transparenz im Vergütungsbericht erachtet Ethos die Vergütung von Severin Schwan (ehemaliger Roche-CEO und heutiger Verwaltungsratspräsident des Konzerns, Anm. d. Red.) für das Jahr 2023 als exzessiv", teilt die Stiftung mit.

Schwan erhalte insgesamt 13 Millionen Schweizer Franken (13,5 Millionen Euro), davon 7,2 Millionen Franken für die Ausübung seiner Funktion als CEO über zweieinhalb Monate (bis Ende März 2023) und 5,8 Millionen Franken für seine neunmonatige Tätigkeit als Verwaltungsratspräsident. Beide Beträge liegen laut Ethos "auf Jahresbasis deutlich über den Vergütungen, die in Unternehmen bezahlt werden, die in Bezug auf Größe und Komplexität mit Roche vergleichbar sind".

Roche hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Laut der Science Based Targets Initiative (SBTi), einem Zusammenschluss globaler Organisationen für Umwelt- und Klimaschutz, hat sich Roche 2023 dazu verpflichtet, innerhalb von 24 Monaten Klimaziele in Einklang mit dem 1,5-Grad-Ziel zur wissenschaftlichen Überprüfung vorzulegen. Die SBTi gilt als anerkannte Autorität bei der unabhängigen Überprüfung von Klimazielen.

Von Roche ist an der Börse hauptsächlich ein aktienähnlicher Genussschein zugänglich. Wie bei allen Schweizer Wertpapieren ist dessen Kauf und Verkauf seit Sommer 2019 für Anlegerinnen und Anleger in der EU nur noch über außerbörsliche Handelsplätze möglich und damit umständlicher und unter Umständen auch teurer als der Handel an einer Börse. Grund ist ein Streit zwischen der EU und der Schweiz – mehr dazu erfahren Sie hier.

Fehlende Corona-Einnahmen belasten

Ein US-Hinterlegungsschein von Roche (American Depositary Receipt; ADR), der ebenfalls wie eine Aktie an Börsen gekauft und veräußert werden kann, ist hingegen an vielen europäischen Handelsplätzen erhältlich. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) und die erwartete Dividendenrendite sind identisch mit denen des Genussscheins. Der Hinterlegungsschein kostet ein Achtel des Genussscheins und verbrieft entsprechend ein Anrecht auf ein Achtel der Dividende. Genussscheine und ADR gewähren beide kein Stimmrecht auf der Hauptversammlung.

Der Roche-ADR ist am Münchner Finanzplatz gettex aktuell zum Freitag 1,3 Prozent im Plus und kostet 31,20 Euro (Stand: 11.3.2024, 12:14 Uhr). Im Monatsvergleich hat der ADR 2,3 Prozent an Wert gewonnen, auf Jahressicht ist er 6 Prozent im Minus.

Das Ende der Corona-Rekordumsätze belastet den Roche-Kurs bereits seit geraumer Zeit. ECOreporter sieht bei dem Konzern insgesamt aber weiterhin gute Aussichten. Roche wächst in vielen zukunftsträchtigen Bereichen, zuletzt etwa durch die milliardenschwere Übernahme des US-Unternehmens Carmot Therapeutics, das auf Medikamente zur Behandlung von krankhaftem Übergewicht spezialisiert ist, und den Kauf der Diagnose-Plattform des britischen Anbieters LumiraDx (die Redaktion berichtete hier). Anfang Januar kündigte Roche zudem die Entwicklung eines Antibiotikums gegen Superkeime an.

Der Roche-ADR ist mit einem erwarteten KGV für 2024 von 14 vertretbar bewertet. Besonders für dividendenorientierte Investoren bleibt Roche attraktiv: Die erwartete Dividendenrendite für das Geschäftsjahr 2024 beträgt aktuell 4,1 Prozent.

Der Roche-Genussschein/ADR zählt zu den ECOreporter-Favoriten-Aktien der Kategorie Nachhaltige Dividendenkönige. Ein Unternehmensporträt finden Sie hier.

Lesen Sie auch: Nachhaltige Dividendenkönige: Bei diesen Aktien kann sich der Einstieg jetzt lohnen

Roche Holding AG Sponsored ADR 1/8 Aktie: ISIN US7711951043 / WKN 891106

Roche Holding AG Genussschein: ISIN CH0012032048 / WKN 855167

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