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Anleihen / AIF, ECOanlagecheck, Windenergie-Investments
Unabhängige Analyse: Anleihe 2024 der WEB Windenergie AG – überzeugt das Angebot?
Die WEB Windenergie AG plant, mit dem Kapital ihrer Anleihe 2024 insbesondere neue Wind- und Solaranlagen zu realisieren. Derzeit besitzen das österreichische Unternehmen und seine Tochtergesellschaften über 260 Windräder und rund 50 Solaranlagen in Europa und Nordamerika. Die Anleihe bietet einen Zinssatz von 4,75 Prozent pro Jahr bei einer Laufzeit von zehn Jahren. Die Mindestzeichnung beträgt 1.000 Euro. ECOreporter hat das Anleiheangebot ausführlich analysiert.
Börsenhandel geplant
Bei der Anleihe der WEB Windenergie AG (Emittentin) handelt es sich um Inhaber-Schuldverschreibungen (Teilschuldverschreibungen). Diese werden laut Prospekt in Österreich und Deutschland vom 5. August 2024 bis voraussichtlich 16. September 2024 öffentlich zur Zeichnung angeboten. Die Emittentin beabsichtigt, die Schuldverschreibungen in den Vienna MTF der Wiener Börse AG, Marktsegment corporates prime (ESG Bonds), einbeziehen zu lassen. Der Handelsstart soll am oder um den Laufzeitbeginn (26. September 2024) herum erfolgen.
Das Gesamtemissionsvolumen der Anleihe beträgt bis zu 30 Millionen Euro mit Aufstockungsmöglichkeit auf bis zu 50 Millionen Euro. Der Zinssatz liegt bei 4,75 Prozent pro Jahr, bezogen auf den jeweils ausstehenden Gesamtnennbetrag. Gemäß den Anleihebedingungen sind Teiltilgungen von jährlich 10 Prozent des Nennbetrages vorgesehen.
Umfangreiche Projektpipeline
Die 1999 gegründete WEB Windenergie AG ist das Mutterunternehmen der W.E.B-Gruppe. Haupttätigkeiten der Gruppe sind die Projektentwicklung und der Betrieb von Kraftwerken für Erneuerbare Energien mit einem deutlichen Schwerpunkt auf Windkraft. Angesichts der vorliegenden Informationen zur Projektpipeline ist zu erwarten, dass der Solaranteil und auch die internationalen Märkte (außerhalb Österreichs und Deutschlands) in der Gruppe weiter an Bedeutung gewinnen werden. Das gilt für Nordamerika, aber beispielsweise auch für Italien, wo die W.E.B-Gruppe im Juli 2024 die Inbetriebnahme des bislang größten Windparks ihrer Unternehmensgeschichte (84 Megawatt, MW) vermeldet hat.
Wie sieht das Geschäftsmodell der WEB Windenergie AG und ihrer Gruppe konkret aus? Wie hat sich der Preis der Aktien des Unternehmens entwickelt? 2023 erzielte der Konzern der Emittentin einen Gewinn von über 50 Millionen Euro: Wie sind die Perspektiven? Welche Stärken und Schwächen haben die WEB Windenergie AG und ihr Anleiheangebot? Antworten auf diese und weitere Fragen sowie das Fazit von ECOreporter erhalten Sie nachfolgend im Premium-Bereich in der ausführlichen Analyse.
Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.
Unternehmensprofil WEB Windenergie AG
Die WEB Windenergie AG mit Sitz in Pfaffenschlag in Niederösterreich ist das Mutterunternehmen der W.E.B-Gruppe (W.E.B-Konzern). Die Gruppe begeht in diesem Jahr ihr 30-jähriges Firmenjubiläum. W.E.B ist das Kürzel für die 1994 gegründete Windkraftanlagen Errichtungs- und Betriebsgesellschaft mbH.
Die Emittentin ist gemäß der österreichischen Rechtsordnung tätig. Laut Wertpapierprospekt (Billigung am 3. Juli 2024) unterliegen Form und Inhalt der Anleihe sowie sämtliche aus den Anleihebedingungen entstehende Rechte und Pflichten der Anleihegläubiger und Emittentin österreichischem Recht.

Der Vorstand der WEB Windenergie AG (v.l.n.r.): Florian Müller, Stefanie Markut, Michael Trcka, Roman Prager. / Foto: Astrid Knie, www.astridknie.at
Der Vorstand der Emittentin besteht inzwischen aus vier Mitgliedern, die jeweils seit über zehn Jahren in der W.E.B-Gruppe in führenden Positionen tätig sind. Stefanie Markut, Florian Müller und Roman Prager gehören dem Vorstand erst seit diesem Jahr an, Finanzvorstand Michael Trcka ist bereits seit 2009 Vorstandsmitglied der Emittentin. Der W.E.B-Konzern hat laut seinem Lagebericht zum 31.12.2023 156 Mitarbeiter und 99 Mitarbeiterinnen, davon insgesamt 180 in Österreich.
Der Emittentin ist nach eigenen Angaben seit Beginn ihrer Tätigkeit das Fundament einer breiten Bürgerinnen- und Bürgerbeteiligung sehr wichtig. Die Aktien des Unternehmens befinden sich im Streubesitz; zum 31.12.2023 hat die WEB Windenergie AG 6.655 Aktionäre. Die größte der Emittentin bekannte Beteiligung eines einzelnen Aktionärs beträgt 2,55 Prozent am Grundkapital des Unternehmens. Die Dividendenpolitik der Emittentin zielt auf eine möglichst stabile Ausschüttungsquote ab. Es soll ein Drittel des Konzernergebnisses ausgeschüttet werden.
Bei den Aktien handelt es sich um vinkulierte Namensaktien, die nicht an der Börse notieren. Ihre Übertragung ist gemäß Satzung an die Zustimmung der Gesellschaft gebunden, die durch den Vorstand in Rücksprache mit dem Aufsichtsrat erteilt werden kann. Gemäß Satzung wird das Stimmrecht für einen Aktionär oder eine Aktionärin, die mehr als 10 Prozent der Aktien besitzen, dahingehend beschränkt, dass es nur für Aktien im Ausmaß von maximal 10 Prozent des Grundkapitals der Emittentin ausgeübt werden kann.
Da die W.E.B-Aktie nicht börsennotiert ist, wird auch kein Kurs gebildet. Eine Kauf- bzw. Verkaufsabwicklung wird aber kostenlos auf einer Online-Plattform, dem Traderoom von W.E.B, angeboten. Der Jahresdurchschnittspreis der Aktie im Traderoom für 2023 lag bei 173,50 Euro (2022: 196,52 Euro; 2021: 112,97 Euro). Der nach dem starken Preisanstieg in 2022 folgende Rückgang hat sich auch in 2024 fortgesetzt. So lag der Durchschnittspreis der Aktie im zweiten Quartal 2024 nur noch bei 147,76 Euro, aber immer deutlich höher als drei Jahre zuvor (104,98 Euro). Die Durchschnittspreise werden von W.E.B aus den Transaktionen via Traderoom ermittelt. 2023 wechselten laut Geschäftsbericht insgesamt 52.472 Aktien mit einem Volumen von rund 9 Millionen Euro mit Unterstützung des Traderooms ihre Besitzerinnen und Besitzer.
Geschäftsfelder und Märkte der W.E.B.-Gruppe
Die W.E.B-Gruppe beschäftigt sich mit der Projektentwicklung und dem Betrieb von Kraftwerken auf Basis Erneuerbarer Energien. Dazu zählen insbesondere Projekte und Anlagen in den Bereichen Windkraft und Photovoltaik. Die Emittentin betreibt laut Prospekt auch zwei Wasserkraftwerke in Österreich. Die dritte Säule der Gruppe neben Projektentwicklung und Kraftwerksbetrieb ist nach Angaben der Emittentin inzwischen die Stromvermarktung (direkter Stromvertrieb). Zudem erbringt die Gruppe technische Dienstleistungen im Zusammenhang mit dem Betrieb von Kraftwerken, insbesondere für die eigenen Windkraftanlagen, und ist im Bereich Elektromobilität tätig.
Die W.E.B-Gruppe ist laut Konzernlagebericht in acht Ländern in Europa und Nordamerika aktiv: in Österreich, Deutschland, Frankreich, Italien, der Tschechischen Republik und der Slowakei sowie in Kanada und den USA. In den USA konzentriert sie sich vor allem auf die Bundesstaaten im Nordosten (Maine, New York, Massachusetts, Virginia).
Bis 2030 will die W.E.B-Gruppe in Europa und Nordamerika ihren Marktanteil im Erneuerbaren-Bereich deutlich ausbauen, die Rentabilität hochhalten und innovative Wege bei der Stromvermarktung und Stromspeicherung gehen. In ihrem geplanten Wachstumsprozess setzt sie nach eigenen Angaben weiterhin auf einen Mix aus Wind- und Sonnenenergie sowie auf nationale und internationale Kapazitätserweiterungen.
Das Anlagenportfolio der W.E.B-Gruppe umfasst (Stand: 31.12.2023) insgesamt 312 Anlagen (darunter 263 Windkraftanlagen). 166 Anlagen davon befinden sich in Österreich und 46 in Deutschland. Die übrigen Anlagen sind auf Frankreich (44 Anlagen), Kanada (25 Anlagen), Tschechien (acht Anlagen), die USA (zwölf Anlagen) sowie Italien (elf Anlagen) verteilt. Zum 31.12.2023 besaß die Emittentin selbst oder durch Tochtergesellschaften 46 Photovoltaikanlagen.
Geschäftszahlen

Der bislang größte Windpark der W.E.B-Gruppe (84 MW) ist diesen Sommer in Ariano, rund 75 Kilometer von Neapel entfernt, in Betrieb gegangen. / Foto: NoNoise
Der Jahresabschluss des Konzerns der WEB Windenergie AG ist nach den Regeln der in der EU anzuwendenden Internationalen Standards für die Finanzberichterstattung (International Financial Reporting Standards – IFRS) aufgestellt. Im Geschäftsjahr 2023 konnte der Konzern seine Umsatzerlöse deutlich auf rund 232 Millionen Euro erhöhen (2022: rund 174 Millionen Euro). Hauptgrund für die Steigerung waren nach Unternehmensangaben die im Vergleich zum Vorjahr höheren Strompreise für die direkt vermarkteten Kraftwerke, insbesondere im Heimatmarkt Österreich und in Deutschland.
Laut Konzernlagebericht entfielen vom Umsatz in 2023 rund 182 Millionen Euro auf den Windenergiebereich, rund 31 Millionen Euro auf Erlöse aus dem Verkauf von Strom direkt an Endkunden und aus dem Stromvertrieb, rund 10 Millionen Euro auf Spotgutschriften und rund 8 Millionen Euro auf den Bereich Photovoltaik. Aufgeteilt nach Ländern dominierte 2023 Österreich mit einem Umsatzanstieg um 85 Prozent auf rund 148 Millionen Euro. Danach folgten Frankreich (24 Millionen Euro), Deutschland (22 Millionen Euro), Kanada (14 Millionen Euro), Italien (11 Millionen Euro) und die USA (8 Millionen Euro).
Gemessen an der Stromerzeugung (in Kilowattstunden, kWh) und den langfristigen Vermögenswerten des Konzerns dominieren die österreichischen Kraftwerke das Portfolio des Konzerns aber nicht in dem Umfang, wie es die Umsatzverteilung vermittelt. Rund 57 Prozent der Stromproduktion kam 2023 von Wind- und Solaranlagen außerhalb Österreichs. Gemessen an den langfristigen Vermögenswerten des Konzerns ist der Anteil der österreichischen Kraftwerke mit rund 35 Prozent noch geringer.
Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die Anlagen des Konzerns in Österreich, wo W.E.B bereits seit 30 Jahren aktiv ist, im Durchschnitt deutlich älter sein könnten als in den ausländischen Märkten. Laut Prospekt gehören die meisten Windenergieanlagen der Emittentin in die Leistungsklasse von nur 2 MW. Der überwiegender Teil der Windkraftanlagen der Emittentin stammt laut Prospekt vom Hersteller Vestas. Im Zuge von Repowering-Projekten werden diese alten Windenergieanlagen nach Angaben der Emittentin laufend abgebaut und durch neue, leistungsfähigere Anlagen mit über 4 MW ersetzt. Von den 263 Windenergieanlagen, die die Emittentin zum 31.12.2023 betrieb, gehören laut Prospekt bislang neun Windenergieanlagen der neuesten Generation an.
Neben dem Umsatz hängt auch die Entwicklung des Ergebnisses des W.E.B-Konzerns maßgeblich von der Stromerzeugung durch die Kraftwerke und vom Strompreis ab. Die Stromerzeugung wird vorrangig vom Windaufkommen in den Standortregionen bestimmt. Da der Konzern einen Teil des produzierten Stroms, beispielsweise über Direktvermarktungsmodelle in Kombination mit Fördersystemen, am freien Markt verkauft, zeigt sich die Änderung der Marktpreise in den Ergebnissen. Der Anteil der Strommenge von Anlagen, die gänzlich ohne Förderung errichtet wurden und deren Stromertrag über Stromabnahmeverträge (Power Purchase Agreements, PPAs) verkauft wird, ist laut Prospekt in der Gruppe mit weniger als 2,5 Prozent derzeit noch gering.
Der Gewinn des Konzerns erhöhte sich für das Geschäftsjahr 2023 auf rund 52,7 Millionen Euro (2022: rund 29,7 Millionen Euro). Da die Energiepreise mittlerweile wieder gesunken sind, werden die Konzernergebnisse 2024 und 2025 nach Einschätzung des Finanzvorstandes (im Geschäftsbericht 2023) mit Sicherheit schwächer ausfallen.
Die Eigenkapitalquote liegt – nach Angaben des Konzerns aufgrund der hohen Investitionen im Jahr 2023 – zum 31.12.2023 mit 27,2 Prozent unter dem Wert von 2022 (28,2 Prozent). Die Bilanzsumme des Konzerns stieg von rund 740 Millionen Euro (zum 31.12.2022) auf rund 883 Millionen Euro (zum 31.12.2023). In 2023 hat die WEB Windenergie AG eine teiltilgende Anleihe (Anleihe 2023–2033, ISIN: AT0WEB2310A6) mit einem Ausgabebetrag von 38,251 Millionen Euro, einer Laufzeit von zehn Jahren und einem Zinssatz von 4,5 Prozent begeben. Diese notiert an der Wiener Börse bei 100 Prozent ihres Nennwertes (Stand: 29.7.2024, 14 Uhr) und an der Börse Frankfurt bei 101 Prozent (Stand: 1.8.2024, 17 Uhr).
Investitionen
Den Nettoemissionserlös der neuen Anleihe schätzt die Emittentin zum Prospektdatum auf zwischen 29,2 und 49,2 Millionen Euro, abhängig vom Platzierungsvolumen und einer möglichen Aufstockung des Emissionsvolumens.
Die Emittentin beabsichtigt laut Prospekt, den erzielten Nettoemissionserlös zur Unterstützung des Ausbaus bzw. des organischen und externen Wachstums im Bereich der Erneuerbaren Energien der W.E.B-Gruppe (bzw. deren Vermarktung), zur Verbesserung der Kapitalausstattung sowie gegebenenfalls zur Rückführung bestehender Verbindlichkeiten zu verwenden und durch gezielte Akquisitionen sowie weitere Projektentwicklung oder die Etablierung von Vermarktungsformen die Marktposition der Emittentin in diesen Märkten zu verbessern.
Die Projektentwicklung im Geschäftsjahr 2023 hat die Emittentin nach eigenen Angaben in allen Ländern, in denen sie tätig ist, in den Kerntechnologien Wind und Photovoltaik forciert. Laut Bericht des Vorstandes (PDF-Dokument am 6.5.2024 erstellt) umfasst die Pipeline 108 Projekte mit einem Volumen von insgesamt ca. 3.500 MW. Diese Projektentwicklungspipeline wird im Vorstandsbericht grafisch ohne Zahlenangaben unterteilt. Demnach verteilt sich die Pipeline schätzungsweise zu ungefähr 65 Prozent auf den Bereich Wind und ungefähr zu 35 Prozent auf den Solarbereich.
Die Länderverteilung der Projektentwicklungspipeline ist anhand der Grafik grob geschätzt wie folgt: 50 Prozent USA und Kanada, 35 Prozent Italien und Frankreich, 20 Prozent Österreich und Deutschland und 5 Prozent Slowakei und Tschechien. Von der 3.500-MW-Pipeline wurden laut Vorstandsbericht für ungefähr 2.500 MW die Grundstücke gesichert und davon für ca. 1.300 MW die Netzverfügbarkeit geklärt. Ungefähr 700 MW befinden sich bereits in der Phase „Einreichung/Genehmigung“ und 300 MW in der Phase „Ausschreibungsteilnahme“.
Ökologische Wirkung

Das Hybridkraftwerk von W.E.B in Grafenschlag in Österreich besteht aus Windrädern und einer Photovoltaikanlage. / Foto: W.E.B
Die Emittentin betrieb Ende 2023 selbst oder durch ihre Tochtergesellschaften 263 Windkraftanlagen. Die Jahresproduktion dieser Anlagen betrug 2023 laut Prospekt rund 1,426 Milliarden kWh (entspricht 1.426 Gigawattstunden, GWh). Mit den weiteren Anlagen (Solar, Wasser) kam die W.E.B-Gruppe auf eine Stromproduktion von 1.468 GWh. Damit hat die Gruppe nach eigenen Angaben CO2-Emissionen von rund 730.000 Tonnen vermieden – das entspricht den Angaben nach dem Jahresausstoß von rund 400.000 Einfamilienhäusern mit Ölheizung. Mit dem Anleihekapital wird voraussichtlich hauptsächlich die Entwicklung und der Bau neuer Wind- und Solaranlagen mittelbar finanziert, sodass eine deutlich positive ökologische Wirkung zu erwarten ist.
Risiken
Die Emittentin entwickelt und errichtet hauptsächlich Wind- und Solaranlagen. Insbesondere in frühen Projektentwicklungsphasen kann ein hohes Risiko bestehen, dass Projekte sich deutlich verzögern oder scheitern. Aber auch in späteren Entwicklungs- und in Bauphasen, in denen in der Regel bereits hohe Kosten angefallen sind, können Projekte noch scheitern. Es ist auch möglich, dass bereits entwickelte Projekte nicht mehr wirtschaftlich realisiert werden können, weil zwischenzeitlich die Bau- und Finanzierungskosten gestiegen sind und/oder der Strommarktpreis gesunken ist.
Für die Emittentin besteht das Risiko, dass sich die Rahmenbedingungen in ihren wichtigen Märkten ungünstig entwickeln, beispielsweise infolge von Regierungswechseln. Die Emittentin ist wesentlich von dem für Strom erzielbaren Preis, dessen Vermarktungsstruktur und den (auch regulatorischen) Rahmenbedingungen auf den Energiemärkten abhängig.
Die Emittentin hat die von ihr realisierten Anlagen in der Regel nicht an externe Investoren verkauft, sondern in den Eigenbestand der W.E.B-Gruppe übernommen. Sie ist daher wesentlich vom nicht abschließend prognostizierbaren Windaufkommen abhängig, das starken Schwankungen unterliegen kann.
Die Emittentin hat im Lauf der Zeit zunehmend Projekte außerhalb ihres Heimatmarktes Österreich entwickelt. Die Projekte in der aktuellen Entwicklungspipeline befinden sich zu mehr als 80 Prozent außerhalb Österreichs. In den ausländischen Märkten hat die Emittentin laut Prospekt den Nachteil geringerer Marktkenntnisse. Die W.E.B-Gruppe konkurriert bei der Projektentwicklung von Wind- und Solarparks mit starken Wettbewerbern um attraktive Anlagenstandorte, wodurch es zu Preisanstiegen (z. B. höhere Pachten für Standorte) kommen kann.
Die W.E.B-Gruppe hat hohe Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten. Insbesondere die Baukosten von Wind- und Solarparks werden in der Regel hauptsächlich mit Bankkapital finanziert. Die Kreditverträge sehen laut Prospekt großteils die Bestellung von Sicherheiten durch die Emittentin oder eine ihrer Tochtergesellschaften vor. Die Anleihe ist dagegen nicht besichert. Nach Angaben des Konzerns werden in den Jahren 2024 bis 2027 geplante Tilgungen in Höhe von rund 160 Millionen Euro anfallen.
Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich während der Laufzeit der Anleihe die Rahmenbedingungen in mehreren Märkten der Emittentin verschlechtern, die Emittentin ihren Kapitalbedarf nicht decken kann oder es zu großen weltwirtschaftlichen Krisen kommt. Diese und andere Entwicklungen könnten dazu führen, dass die Emittentin Zinszahlungen nicht leisten kann und/oder die Anleihe nicht oder nicht vollständig zurückzahlen kann.
Stärken
- W.E.B-Gruppe schon seit 1994 im Windkraftmarkt aktiv
- Inzwischen Diversifizierung über mehrere Länder
- Umfangreiche Projektpipeline
- Weiterer Ausbau des Solarbereichs geplant
- Hoher Eigenbestand an Windkraftanlagen
- Wirtschaftlich sehr erfolgreiches Konzern-Geschäftsjahr 2023
Schwächen
- Projektentwicklungsrisiken
- Baurisiken mit gestiegenen Bau- und Finanzierungskosten
- Erträge aus dem Windkraftanlagen-Betrieb mit Schwankungen
Fazit
Finanziell
Die W.E.B-Gruppe verfügt über 30 Jahre Erfahrung im Windenergiebereich in ihrem Heimatmarkt Österreich. In den letzten Jahren hat sich die Gruppe deutlich breiter aufgestellt und inzwischen in mehreren Ländern Projekte realisiert, zuletzt einen großen Windpark in Italien. Zudem investiert die Gruppe verstärkt auch in Solarprojekte, sodass sich die Abhängigkeit vom Windkraftbereich künftig deutlich verringern könnte. Als Projektentwicklerin ist die Emittentin den Marktproblemen mit gestiegenen Bau- und Finanzierungskosten und inzwischen wieder geringeren Strompreisen ausgesetzt. Aufgrund der gesunkenen Strompreise rechnet der Vorstand für 2024 und 2025 mit geringeren Gewinnen als im Ausnahmejahr 2023.
Nachhaltigkeit
Das Anleihekapital soll voraussichtlich hauptsächlich die Entwicklung und Realisierung von Windkraft- und Solarprojekten finanzieren. Eine deutlich positive Nachhaltigkeitswirkung des Anleihekapitals ist daher zu erwarten.
ECOreporter-Empfehlung
Die W.E.B-Gruppe hat den Vorteil, dass sie durch den hohen Eigenbestand an Windparks über relativ kontinuierliche Einnahmen verfügt. Damit können Schwankungen im Bereich Projektentwicklungen teilweise kompensiert werden, wodurch sich die finanzielle Stabilität der Gruppe erhöht. Das Zins/Risiko-Verhältnis der Anleihe kann nach Einschätzung von ECOreporter noch als marktgerecht gelten.
Basisdaten
Anbieterin, Prospektverantwortliche und Emittentin: WEB Windenergie AG, Pfaffenschlag bei Waidhofen an der Thaya, Österreich
Anlageform: Anleihe (Inhaberschuldverschreibungen)
Emissionsvolumen: bis zu 30,0 Millionen Euro
Mindestzeichnungssumme: 1.000 Euro
Agio: 0 Prozent
Laufzeit: 26. September 2024 bis 26. September 2034
Zinssatz: 4,75 Prozent pro Jahr
Prospektbilligung: FMA (Österreichische Finanzmarktaufsichtsbehörde)
Handelbarkeit: voraussichtlich ab Ende September 2024 an der Wiener Börse (Plan)
ISIN: AT0WEB2410A4