reconcept-Windpark Hilpensberg in Baden-Württemberg. Die reconcept GmbH bietet eine neue Anleihe an. / Foto: reconcept/Jonas Werle

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Unabhängige Analyse: reconcept Green Bond III mit 6,75 % Zins – das rät ECOreporter

Die reconcept Gruppe plant, in weitere Projektentwicklungen im Bereich Wind- und Solarkraft zu investieren. Kernmärkte sind Deutschland, Finnland und Kanada. Um die Vorhaben zu finanzieren, bietet die reconcept GmbH den „reconcept Green Bond III“ an. Der Zinssatz der Anleihe beträgt 6,75 Prozent pro Jahr bei einer Laufzeit von sechs Jahren. Eine Zeichnung ist ab 1.000 Euro möglich.

Bei der Anleihe handelt es sich um Inhaber-Schuldverschreibungen der Emittentin reconcept GmbH. Das Emissionsvolumen des reconcept Green Bond III beträgt laut Wertpapierprospekt (vom 14.3.2024) bis zu 20 Millionen Euro. Das Angebot umfasst ein öffentliches Angebot, ein Umtauschangebot und eine Privatplatzierung. Bei einer Zeichnung vor Laufzeitbeginn der Anleihe gibt es nach Angaben der Emittentin eine Ermäßigung, die beispielsweise in der ersten Maihälfte 27 Euro pro 1.000 Euro (Nennbetrag) beträgt.

Umtauschangebot und Börsenhandel vorgesehen

Die Laufzeit der Anleihe beginnt am 30.9.2024 und endet am 30.9.2030. Die reconcept GmbH ist berechtigt, die Schuldverschreibungen vorzeitig zurückzuzahlen, erstmals zum 30.9.2027. Die Anleihe wird laut Prospekt voraussichtlich am 3.3.2025 in den Freiverkehr der Frankfurter Wertpapierbörse einbezogen.

Das Umtauschangebot soll im September 2024 erfolgen und richtet sich an die Inhaberinnen und Inhaber der von der Emittentin begebenen Anleihe 2020/2025 (Zinssatz: 6,75 Prozent, Emissionsvolumen: 13,5 Millionen Euro). Je getauschter Schuldverschreibung 2020/2025 (Nennbetrag jeweils 1.000 Euro) erhalten Anlegerinnen und Anleger gemäß Umtauschangebot einen Zusatzbetrag von 20 Euro und die Stückzinsen bis zum 30.9.2024 (ausschließlich).

Wie sieht das Geschäftsmodell der reconcept GmbH und ihrer Firmengruppe konkret aus? Was fällt an den Geschäftszahlen des Unternehmens auf? In welche Bereiche könnte das Kapital der Anlegerinnen und der Anleger fließen? Welche Stärken und Schwächen hat das Anleiheangebot? Antworten auf diese und weitere Fragen sowie das Fazit von ECOreporter lesen Sie im Folgenden im Premium-Bereich des ausführlichen ECOanlagechecks.

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

Unternehmensprofil reconcept GmbH

Die Emittentin der Anleihe, die reconcept GmbH mit Sitz in Hamburg, ist die Muttergesellschaft (Holding) der reconcept Gruppe. Geschäftsführer und mittelbar alleiniger Gesellschafter der Emittentin ist Karsten Reetz (Jahrgang 1968), der laut Prospekt das Management der reconcept Gruppe in geschäftsführender Position seit 2006 leitet. Die Emittentin hat im Geschäftsjahr 2023 durchschnittlich 21 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Laut Performancebericht sind es in der reconcept Gruppe (ohne Team Helsinki und Team Toronto) 22 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum 30.9.2023. Demnach haben die Tochter- und Enkelgesellschaften der Emittentin in der Regel kein eigenes Personal, da es sich bei ihnen hauptsächlich um Finanzierungs- und/oder Projektgesellschaften handelt beziehungsweise um Unternehmen, die auf Basis von Dienstleistungsverträgen von dem Personal der Emittentin verwaltet werden.

Die reconcept GmbH wurde 1998 als Tochter der WKN Windkraft Nord GmbH (heutige WKN AG) gegründet. Sie konzeptionierte und vermarktete Windenergiebeteiligungen. Seit 2009 ist die reconcept GmbH eigenständig und inzwischen ein auf Kapitalanlagen spezialisierter Asset Manager im Bereich der Erneuerbaren Energien. Darüber hinaus agiert reconcept als Projektentwickler in Eigenregie am Standort Deutschland und Kanada sowie über eine Tochtergesellschaft (Tuulialfa Oy) mit Projektentwicklern in Finnland.

Die reconcept Gruppe finanziert ihre Geschäftstätigkeit überwiegend mit Kapital von Anlegerinnen und Anlegern. Im Zeitraum 2024 bis 2029 sind laut Prospekt aus den bisher begebenen Anleihen und Vermögensanlagen der Emittentin Tilgungen von 42,52 Millionen Euro vorgesehen, zu denen Zinsbelastungen von rund 9,6 Millionen Euro hinzukommen – somit liegen die Zahlungsverpflichtungen bis 2029 bei insgesamt 52 Millionen Euro. Zudem hat die reconcept Solar Deutschland GmbH, eine Tochtergesellschaft der Emittentin, Anleihen mit einem Volumen von zusammen 26,5 Millionen Euro begeben, die 2029 fällig sind. Darüber hinaus haben weitere Tochter- und Enkelunternehmen Anleihen bzw. Vermögensanlagen begeben, von denen laut Prospekt rund 35 Millionen Euro zwischen Ende 2024 und Mitte 2027 endfällig sind.

Es war bzw. ist nach Angaben von reconcept vorgesehen, das Kapital der Anlegerinnen und Anleger hauptsächlich mit Erlösen aus dem Verkauf von Projekten zurückzuzahlen, die bis zur Baureife entwickelt werden. Bei mehreren Projekten in mehreren Märkten von reconcept gab es aber in den letzten Jahren Probleme, beispielsweise Projektverzögerungen, sodass die Emittentin bis 2022 wenig Rückflüsse aus den Projekten erhalten hat.

Geschäftszahlen


Von reconcept gekaufte Windenergieanlage Pfaffengrün im sächsischen Vogtlandkreis. Die Nordex-Anlage mit einer Nennleistung von 2,4 MW ist seit Ende August 2016 in Betrieb. / Foto: reconcept

2023 sind der Emittentin nach einem Verkauf aus dem finnischen Wind-Projektentwicklungsportfolio Ausschüttungen von 4,845 Millionen Euro zugeflossen. Da die Emittentin zudem Kundenstammdaten für 2,75 Millionen Euro an ihre Tochtergesellschaft reconcept Consulting GmbH veräußert hat, konnte sie für 2023 einen Jahresüberschuss von rund 4,3 Millionen Euro ausweisen. Ende 2022 hat die Emittentin mit dem Verkauf von Solar-Projektentwicklungen an ihre Tochtergesellschaft reconcept Solar Deutschland GmbH 9,2 Millionen Euro erzielt, wodurch sie für das Geschäftsjahr einen Jahresüberschuss von 3,6 Millionen Euro ausweisen konnte. Auch 2019 und 2020 konnte die Emittentin mit einem Verkauf an eine Tochtergesellschaft (reconcept Finnland GmbH) einen Jahresverlust vermeiden.

Die Eigenkapitalquote der Emittentin beträgt zum 31.12.2023 rund 17 Prozent. In einem Konzernabschluss, der auch die Tochter- und Enkelgesellschaften der Emittentin umfasst, könnte die Eigenkapitalquote geringer ausfallen. Aufgrund der zahlreichen gruppeninternen Geschäfte würde ein Jahresabschluss für den Konzern der reconcept GmbH für mehr finanzielle Transparenz sorgen. Einen (freiwilligen) Konzernabschluss hat die reconcept GmbH aber bislang nicht veröffentlicht.

Gemäß den Angaben im Finanzbericht 2023 wurde auf der Gesellschafterversammlung der Emittentin vom 24.1.2023 eine Vorabausschüttung von 1,8 Millionen Euro auf das voraussichtliche Jahresergebnis 2022 beschlossen. Eine weitere Ausschüttung von 2,6 Millionen Euro auf das voraussichtliche Jahresergebnis 2023 hat der Gesellschafter am 19.12.2023 beschlossen. Auch aufgrund dieser Auszahlungen von zusammen 4,4 Millionen Euro hat sich die Liquidität der Emittentin von rund 11,5 Millionen Euro (zum 31.12.2022) auf rund 1,0 Millionen Euro (zum 31.12.2023) reduziert.  Aufgrund der Liquiditätssituation und der bislang geringen Rückflüsse aus Projekt(rechte)verkäufen wäre es aus Sicht von Anlegerinnen und Anlegern vertrauensstiftend gewesen, wenn die Ausschüttungen noch nicht erfolgt wären.

Gemäß dem geprüften Jahresabschluss der Emittentin für ihr Geschäftsjahr 2023 setzen sich die Aktiva des Unternehmens zum 31.12.2023 aus rund 28,4 Millionen Euro Anlagevermögen und rund 16,5 Millionen Euro Umlaufvermögen zusammen. Das Finanz-Anlagevermögen der Emittentin enthält insbesondere die 100-prozentige Beteiligung an der reconcept Finnland GmbH von rund 17,1 Millionen Euro. Die reconcept Finnland GmbH hält eine Beteiligung (50 Prozent stimmrechtlich; 47,5 Prozent wirtschaftlich) an der finnischen Tuulialfa Oy, die Windparkprojekte in Finnland entwickelt. Wesentlich ist zudem die 100-prozentige Beteiligung der Emittentin an der 2022 neu gegründeten reconcept Solar Deutschland GmbH. Die Emittentin hat bei der reconcept Solar Deutschland GmbH 4 Millionen Euro in die Kapitalrücklagen eingezahlt und ihr ein Gesellschafterdarlehen von 8,4 Millionen Euro gewährt.

Geplante Investitionen

Das Emissionsvolumen der Anleihe reconcept Green Bond III beträgt laut Prospekt bis zu 20 Millionen Euro.  Die Kosten bei einer Vollplatzierung schätzt die Emittentin auf bis zu 1,7 Millionen Euro, davon 1,4 Millionen Euro variable Kosten (Vertriebsprovisionen). Von den verbleibenden 18,3 Millionen Euro ist dann noch das Volumen des Umtauschangebotes (bis zu 13,5 Millionen Euro) abzuziehen, um den Nettoemissionserlös zu ermitteln. Die Schuldverschreibungen 2020/2025, für die das Umtauschrecht ausgeübt wird, muss die Emittentin im nächsten Jahr nicht zurückzahlen. Insofern wird der durch das Umtauschangebot verringerte Nettoemissionserlös dadurch kompensiert, dass der Emittentin 2025 mehr Kapital zur Verfügung steht.

Die reconcept GmbH beabsichtigt laut Prospekt, den Nettoemissionserlös zur Finanzierung und Refinanzierung ihres Geschäftsbetriebes im Bereich der Erneuerbaren Energien und für den Ausbau der reconcept Gruppe zu verwenden. Es ist daher möglich, dass ein Teil des Anleihekapitals mittelbar in Projekte aus der Entwicklungspipeline fließt.

Innerhalb des Segments der Erneuerbaren Energien konzentriert sich die reconcept Gruppe laut Prospekt auf Investments in Windenergie, Photovoltaik sowie in deutlich geringerem Umfang in Wasserkraft, Letztere mit Schwerpunkt auf Flusslaufkraftwerke sowie auf Meeresenergie bzw. Gezeitenströmungskraftwerke. Die reconcept-Projektentwicklungen im Bereich Flusslaufkraft und Gezeitenkraft befinden sich in Kanada und sind mit gravierenden Problemen behaftet, die zum Scheitern der Projekte führen können. In Kanada stehen nun für reconcept nach eigenen Angaben vor allem sogenannte „Greenfield-Projekte“ im Photovoltaik- und Windenergiebereich im Vordergrund. Greenfield-Projekte befinden sich in einer frühen Entwicklungsphase, in der es laut reconcept zunächst um die Akquise und Sicherung von interessanten Flächen geht.

Die gesamte Projektentwicklungspipeline umfasst laut reconcept rund 3.900 Megawatt (MW; Stand 30.9.2023). Davon entfallen den Angaben nach rund 3.000 MW auf Windkraftprojekte in Finnland und 870 MW auf Photovoltaikprojekte in Deutschland mit Schwerpunkt auf Nord- und Ostdeutschland. Neue Wind- und Solarstandorte in Deutschland entwickelt reconcept über ein Projektentwicklungsteam von Berlin aus. Laut Prognosebericht der reconcept Solar Deutschland GmbH vom 9.2.2024 wird erwartet, dass erste Solarprojekte 2024 die Baureife erreichen.


Die reconcept Gruppe entwickelt Solarprojekte vor allem in Nord- und Ostdeutschland. / Symbolfoto: Pixabay

Die Projektentwicklung der Windkraftprojekte in Finnland erfolgt über die finnische Tuulialfa Oy. Die reconcept Gruppe übernimmt hierbei laut Prospekt die Finanzierungsfunktionen, indem sie insbesondere das eingeworbene deutsche Anleihekapital an das finnische Joint Venture und dessen Projektgesellschaften weiterleitet, sowie das Projektmanagement bzw. die Projektüberwachung.

Es ist möglich, dass die Emittentin während der Anleihelaufzeit mittelbar in Projekte auch außerhalb von Deutschland, Finnland und Kanada investiert. In den vergangenen drei bis fünf Jahren hatte die reconcept Gruppe unter anderem weitere EU-Länder, das Baltikum, Südostasien und Großbritannien als mögliche Investitionsstandorte angedacht. In Zypern war reconcept zwischenzeitlich investiert. Konkret als mögliche neue Investitionsländer im Prospekt benannt werden aber nur Spanien, wo reconcept früher schon einmal aktiv war, und Chile, wo reconcept sich eigenen Angaben zufolge aktuell in Sondierungsgesprächen befindet.

Die geplante Mittelverwendung im Bereich der Erneuerbaren Energien steht laut Prospekt „unter dem Vorbehalt von veränderten Umständen, die möglicherweise andere Investitionen in Erneuerbare Energien als vorzugswürdig erscheinen lassen“. Es ist auch möglich, dass sich Projektentwicklungen und der Verkauf von Projektrechten verzögern. Das kann zur Folge haben, dass von reconcept einzuwerbendes neues Kapital hauptsächlich zur Rückzahlung der Altanleihen benötigt wird.

Ökologische Wirkung

Die reconcept GmbH beabsichtigt laut Prospekt, die Emissionserlöse ausschließlich im Bereich der Erneuerbaren Energien zu verwenden. Nach den ICMA Green Bond Principles ist aber nicht nur die Verwendung in einem „grünen Bereich“ erforderlich, sondern es werden zur Transparenz auch ein Framework und eine Beurteilung durch einen unabhängigen Dritten empfohlen. Eine solche Zweitmeinung (Second Party Opinion) will die Emittentin aber nach eigenen Angaben aufgrund der mit einer derartigen externen Überprüfung verbundenen Kosten aktuell (Prospektstand) nicht beauftragen.

Insoweit wird beim reconcept Green Bond III den Green Bond Principles nicht gefolgt. Das Anleiheangebot entspricht aber nach Einschätzung der Emittentin insbesondere durch den ausschließlichen Fokus auf Erneuerbare-Energien-Impact-Investments den Rahmenbedingungen der EU-Taxonomie und der EU-Offenlegungsverordnung (Art. 9) für nachhaltige Investments. Die Entwicklung von Wind- und Solarprojekten ist ein Beitrag zur Abschwächung des Klimawandels.

Risiko

Die Emittentin der Anleihe, die reconcept GmbH, und ihre Tochtergesellschaften bieten Kapitalanlagen an, mit denen insbesondere Projektentwicklungen im Bereich Wind- und Solarenergie und im geringeren Umfang Wasserkraft finanziert werden. Es besteht das Risiko, dass sich das Platzierungsvolumen der reconcept-Kapitalanlagen künftig rückläufig entwickelt, falls vermehrt Projekte scheitern und das zu einem Reputationsverlust führen sollte.

Insbesondere in frühen Projektentwicklungsphasen kann ein hohes Risiko bestehen, dass Projekte sich deutlich verzögern oder scheitern. Aber auch in späteren Entwicklungsphasen können Projekte noch scheitern. Es ist auch möglich, dass bereits bis zur Baureife entwickelte Projekte nicht wirtschaftlich realisiert werden können, weil zwischenzeitlich die Bau- und Finanzierungskosten gestiegen sind und/oder der Strommarktpreis gesunken ist.

Die reconcept Gruppe finanziert ihre Geschäftstätigkeit überwiegend mit Kapital von Anlegerinnen und Anlegern. Allein die Emittentin hat bis 2029 Zins- und Rückzahlungsverpflichtungen aus Altanleihen von rund 50 Millionen Euro. Es besteht das Risiko, dass die Emittentin Rückflüsse aus Projekten ihrer Tochtergesellschaften nicht in dem erwarteten Umfang erhält, wenn (vermehrt)  Projektentwicklungen scheitern oder sich verzögern. In dem Fall kann das Risiko bestehen, dass Zins- und Rückzahlungen nicht vollständig geleistet werden können, wenn die Emittentin nicht ausreichend neues Kapital zu vertretbaren Konditionen einwerben kann.

Die Emittentin ist in Finnland, dem gemäß ihrer Bilanz wichtigsten Markt, mittelbar von dem finnischen Joint-Venture-Partner abhängig, der das operative Geschäft der Projektentwicklungen leitet. Finnland will die Energieerzeugung aus Windkraft deutlich ausbauen. Allerdings gibt es laut der staatlichen deutschen Agentur Germany Trade & Invest (GTAI, Angaben vom 25.10.2023) auch Probleme, beispielsweise aufgrund hoher Kreditzinsen und Materialkosten. Zudem drücke die inzwischen schon deutlich gestiegene Anzahl der Windräder den finnischen Strompreis, was die Wirtschaftlichkeit neuer Windkraftprojekte in Finnland infrage stelle. In Finnland werden Windkraftprojekte in der Regel auf der Basis von Stromlieferverträgen (Power Purchase Agreement, PPA) umgesetzt.

Der Geschäftsführer der Emittentin ist mittelbar auch deren alleiniger Gesellschafter. Es besteht ein Potenzial für Interessenskonflikte, da ein Gesellschafter beispielsweise ein Interesse an hohen kurzfristigen Ausschüttungen haben könnte, während ein Geschäftsführer zunächst das Unternehmen und dessen Gruppe finanziell stabilisieren möchte, bevor Ausschüttungen erfolgen. Der Geschäftsführer der Emittentin ist auch geschäftsführender Gesellschafter von zwei Unternehmen, die nicht zur Gruppe der reconcept GmbH gehören, aber mit dieser geschäftlich verbunden sind (Verkauf von Solarprojekten an die Gruppe, Vermittlung von Kapitalanlagen).

Die Emittentin ist laut Prospekt alleinige Gesellschafterin von 15 Unternehmen, darunter beispielsweise auch kanadische Wasserkraft-Gesellschaften. Ein freiwilliger Konzernabschluss der reconcept GmbH würde einen fundierten Einblick in die wirtschaftliche Gesamtsituation des Konzerns der reconcept GmbH bieten. Ein Konzernabschluss wurde aber nicht erstellt. Daher ist die finanzielle Transparenz der reconcept Gruppe gering. Auch weil kein Konzernabschluss veröffentlicht wurde, lässt sich nicht konkret nachvollziehen, in welchem Umfang dem Anlegerkapital Werte und Vermögen gegenüberstehen. Für Anlegerinnen und Anleger kann ein erhebliches Risiko bestehen, dass sie ihr bei der Emittentin investiertes Kapital teilweise oder vollständig verlieren.

Stärken                

  • Langjährige Erfahrungen der reconcept Gruppe im Bereich Erneuerbare Energien
  • Wachstumsmärkte Photovoltaik in Deutschland und Windkraft in Finnland
  • Bestehende Projektentwicklungspipeline

Schwächen

  • Hohe Abhängigkeit vom Projektentwicklungsgeschäft
  • Geringe finanzielle Transparenz der reconcept Gruppe
  • Finanzkräftigere Wettbewerber in Deutschland und Finnland
  • Erhöhte Risiken bei Wasserkraftprojekten in Kanada möglich
  • Potenzial für Interessenskonflikte

Fazit:

Finanziell

Die reconcept GmbH hat als Holding zahlreiche Tochtergesellschaften, mit denen sie eng verflochten ist. Ein Jahresabschluss für den reconcept-Konzern liegt aber nicht vor, sodass die finanzielle Transparenz der Emittentin und damit auch des Anleiheangebotes verringert ist. Die für die reconcept Gruppe derzeit wichtigsten Projektentwicklungs-Märkte sind Windkraft in Finnland und Photovoltaik in Deutschland. Beide Märkte bieten ein hohes Wachstumspotenzial, und die Emittentin hat 2023 erste mittelbare Rückflüsse aus der finnischen Projektentwicklungspipeline erhalten. Im Prospekt wird aber nicht aufgeführt, in welchen Entwicklungshasen sich die Projekte der aktuellen Pipeline der reconcept Gruppe befinden. Daher lässt sich nicht einschätzen, in welchem Umfang die Emittentin in den nächsten Jahren Rückflüsse aus dem mittelbaren Verkauf von Projektrechten erhalten könnte. Um die bestehenden Anleihen und die neue Anleihe in den nächsten Jahren vollständig bedienen zu können, sind die Emittentin und ihre Gruppe voraussichtlich darauf angewiesen, in höherem Umfang Erträge aus dem Projektentwicklungsgeschäft zu erhalten. Die reconcept GmbH erwartet laut Prognosebericht (vom 15. Februar 2024) aus Beteiligungen 2024 weitere Erträge, die nicht beziffert werden.

Nachhaltigkeit

Die Emittentin finanziert hauptsächlich die Entwicklung von Wind- und Solarprojekten. Diese haben im Erfolgsfall, wenn sie bis zur Baureife entwickelt und errichtet werden, eine hohe positive ökologische Wirkung. Die Anleihe wird von der Emittentin als Green Bond bezeichnet, eine Second Party Opinion gemäß den Green Bond Principles liegt aber nicht vor.

ECOreporter-Empfehlung

Die reconcept GmbH ist hauptsächlich abhängig von Erträgen aus dem Projektentwicklungs-Geschäft, das mit erheblichen Unsicherheiten verbunden ist. Hinzu kommen für Anlegerinnen und Anleger Unwägbarkeiten wegen der eingeschränkten Transparenz. Es kann ratsam sein abzuwarten, ob der Emittentin und ihrer Gruppe in diesem Jahr Erträge aus Beteiligungen in höherem Umfang zufließen.

Basisdaten

Emittentin: reconcept GmbH, Hamburg
Anlageform: Anleihe (Inhaber-Schuldverschreibungen)
Emissionsvolumen: bis zu 20 Millionen Euro
Mindestzeichnungssumme: 1.000 Euro
Laufzeit: 30.9.2024 bis 30.9.2030
Zinsen: 6,75 Prozent pro Jahr
Prospekt-Billigung: CSSF (luxemburgische Aufsichtsbehörde des Finanzsektors)
Handelbarkeit: ab 3.3.2025 an der Frankfurter Wertpapierbörse (Plan)
ISIN: DE000A382897

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