Wacker Chemie bekommt einen Einbruch der Nachfrage deutlich zu spüren. / Foto: imago images, imagebroker

  Nachhaltige Aktien

Wacker Chemie: Umsatz und Gewinn brechen ein

Der Münchner Chemiekonzern Wacker Chemie leidet unter der Krise im Baugewerbe und in der Solarbranche. Nach dem Rekordjahr 2022 gaben Umsatz und Ergebnis 2023 deutlich nach. Besserung ist laut Konzern vorerst nicht in Sicht.

Der Umsatz brach im letzten Jahr nach vorläufigen Zahlen um 22 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro ein und verfehlte damit sogar die bereits reduzierten Erwartungen, wie Wacker am Montag mitteilte. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) sank im Vergleich zum Rekordjahr 2022 um 60 Prozent auf 824 Millionen Euro.

Wann erholt sich die Nachfrage?

Zuletzt hatte Wacker beim EBITDA eine Spanne von 800 bis 900 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Die bisherigen Einsparungen aus einem Effizienzprogramm konnten die negativen Effekte nicht auffangen. Netto verdiente Wacker 2023 rund 330 Millionen Euro – ein Rückgang um 74 Prozent.

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In den Zahlen spiegelt sich Wacker zufolge vor allem die Krise am Bau und in der deutschen Solarindustrie wider. Vorstandschef Christian Hartel machte in einer Mitteilung den Preisverfall, die hohen Energiekosten und die schlechte Auslastung für den Einbruch verantwortlich.

"Der Preisdruck war hoch, die zu Beginn des Jahres erhoffte Erholung der Nachfrage auf Kundenseite hat nicht stattgefunden", so Hartel. Eine Trendwende sei zurzeit nicht in Sicht. Wacker werde darauf "mit einem verstärkten Fokus auf Effizienz und Kostendisziplin" reagieren.

Den stärksten Einbruch verzeichnete das Geschäft mit Polysilizium, das in der Solarbranche und in der Chipindustrie gebraucht wird. Hier ging der Umsatz um 30 Prozent zurück, das EBITDA um 60 Prozent. Die Produktion verbraucht viel Energie, hinzu kommt die sehr billige Konkurrenz aus China.

In der Silikon-Sparte brach das EBITDA um drei Viertel ein. Die Sparte hat vor allem die Bauindustrie als Kunden und war 2022 noch der größte Gewinnbringer. Rückläufig war auch die Nachfrage nach Polymeren, chemischen Verbindungen, die Basis etwa für Klebstoffe sind oder Bodenbelägen, Farben und Beton beigemischt werden, um deren Eigenschaften zu verändern.

Die Wacker-Aktie startete heute im Tradegate-Handel mit einem Verlust von 2,8 Prozent zum Freitag in den Handel und kostet aktuell 98,00 Euro (Stand: 29.1.2024, 8:53 Uhr). Auf Monatssicht ist die Aktie 14,4 Prozent im Minus, im Jahresvergleich hat sie 27,8 Prozent abgegeben. 

Bei Polysilizium will Wacker künftig stärker auf die Halbleiterindustrie setzen und dazu seine Produktionskapazitäten im oberbayerischen Burghausen deutlich erweitern. Bis 2030 soll sich der Umsatz mit Kunden aus der Chipindustrie verdoppeln. Ob die Rechnung aufgehen wird, ist allerdings unklar – in den nächsten Jahren plant Wacker mit Investitionen von rund 100 Millionen Euro pro Jahr im Halbleitersegment.

Angesichts der unsicheren Perspektiven ist die Aktie mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19 für 2024 nicht günstig. ECOreporter sieht sie als Investment mit erhöhtem Risiko. Die erwartete Dividendenrendite liegt bei guten 3,1 Prozent.

Lesen Sie auch das ECOreporter-Dossier Das sind die besten Solaraktien – wo sich jetzt der Einstieg lohnen kann.

Wacker Chemie AG:  ISIN DE000WCH8881 / WKN WCH888

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