Freuen Sie sich über Dividendenzahlungen - aber schauen Sie genau hin. / Foto: Pixabay

  Nachhaltige Aktien

Warum Dividenden keine Geschenke sind

2024 schütteten Unternehmen weltweit so hohe Dividenden aus wie nie zuvor. Weitere Steigerungen sind wahrscheinlich, aus nachhaltiger Sicht aber nicht unbedingt ein Grund zur Freude.

1,75 Billionen US-Dollar überwiesen Aktiengesellschaften im letzten Jahr an ihre Aktionäre, 5 Prozent mehr als 2023. In Deutschland wurden 2024 knapp 63 Milliarden Euro ausgezahlt. 2025 sollen weltweit mehr als 1,8 Billionen Dollar ausgeschüttet werden. 

Rekorddividenden stehen gerne weit oben in den Pressemeldungen, mit denen Unternehmen ihre guten Geschäftszahlen anpreisen. Allerdings haben hohe Dividenden nicht unbedingt etwas mit geschäftlichem Erfolg zu tun. Viele Firmen schütten zwar in guten Jahren zwischen 40 und 60 Prozent ihrer Gewinne aus. Läuft es dann mal nicht so gut, wollen sie ihre Dividenden aber nicht senken, weil das den Aktienkurs drücken könnte – und manchmal auch die Vorstandsboni. Der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF etwa gab 2024 mehr Geld für Dividenden aus, als er zuvor verdient hatte. Betriebswirtschaftlich sinnvoll? Eher nicht.

Der Tag, an dem die Kurse fallen

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Für Anlegerinnen und Anleger aber noch viel wichtiger: Dividenden sind keine Extrazahlungen, die man zusätzlich zu den Kursgewinnen von Aktien bekommt. Denn wenn ein Unternehmen eine Dividende ausschüttet, verringert sich der Firmenwert. Daher sinkt bei Aktiengesellschaften am Tag einer Ausschüttung der Börsenkurs um die Höhe der Dividende (Finanzprofis sprechen auch vom Ex-Dividende-Tag).

Ein extremes Beispiel: Die dänische Großreederei Moller-Maersk zahlte Ende März 2023 nach einem Rekordgeschäftsjahr eine Dividende von mehr als 600 Euro. Der Börsenkurs brach am gleichen Tag um etwa 500 Euro auf knapp 1.600 Euro ein (rein rechnerisch hätte er bis auf 1.500 Euro absacken müssen, den Kurs beeinflussten damals aber auch noch andere Faktoren).

Dividenden sind nicht die neuen Zinsen

Dividenden sind also keine Geschenke, Anlegerinnen und Anleger bekommen mit den Ausschüttungen letztlich nur ihr eigenes Geld ausbezahlt. Daher ist der gerne verwendete Werbespruch „Dividenden sind die neuen Zinsen“ Unsinn. Denn Dividenden haben ihren Preis (Kursverluste) und sind zudem nicht vertraglich garantiert. Kriselt es bei einem Unternehmen, kann es seine Dividende streichen – seine Zinszahlungen etwa für Anleihen hingegen nicht.

Dennoch setzen viele Anlegerinnen und Anleger auf dividendenstarke Aktien. Auch ECOreporter hat eine Favoriten-Aktien-Rubrik mit nachhaltigen Dividendenkönigen. Renditevorteile bringt der Fokus auf Dividendentitel nicht: Wissenschaftliche Studien belegen seit Jahrzehnten, dass Dividenden kaum einen Einfluss auf Aktienrenditen haben.

Lieber ausschütten oder investieren?

In den zehn Jahren zwischen Juni 2015 und Juni 2025 stieg der globale Aktienindex MSCI World um etwa 164 Prozent. Der MSCI World High Dividend Yield Index, der die dividendenstärksten Aktien des MSCI World enthält, schaffte nur ein Plus von 98 Prozent (Dividenden bei beiden Indizes eingerechnet). In den Jahren zuvor war phasenweise andersherum, da lag der Hochdividenden-Index vor dem herkömmlichen MSCI World. Dass Dividendenkönige zuletzt geringere Renditen brachten, liegt unter anderem daran, dass die großen Kurstreiber der jüngeren Vergangenheit, die US-Tech-Konzerne, kaum Dividenden zahlen.


Linde zahlt seit 30 Jahren steigende Dividenden. / Foto: Linde

Das wichtigste Argument gegen dividendenstarke Aktien: Ausgeschüttetes Geld kann ein Unternehmen nicht mehr investieren. Möglicherweise verpasst es dadurch Wachstumschancen. Andersherum gedacht: Manchmal ist es für eine Aktiengesellschaft sinnvoller, auf Dividenden zu verzichten, um neue Projekte zu finanzieren – und Anlegerinnen und Anleger profitieren auf lange Sicht möglicherweise stärker von Kursgewinnen als von Dividendenzahlungen. Der langjährige ECOreporter-Aktien-Favorit Encavis aus Hamburg beispielsweise hatte 2023 zum ersten Mal seit elf Jahren keine Gewinne ausgeschüttet, weil er davon ausging, mit den stattdessen für das Geld gekauften Wind- und Solarparks attraktive Renditen erzielen zu können.

Also warum dann trotzdem Dividendentitel?

Was für dividendenstarke Unternehmen spricht: Sie erwirtschaften für gewöhnlich hohe Überschüsse – von irgendwoher muss schließlich das Geld für die Ausschüttungen kommen. Steigen die Dividenden über einen längeren Zeitraum, ist dies meistens ein Zeichen, dass das Geschäftsmodell des Unternehmens zukunftsträchtig, lukrativ und krisenresistent ist.

Ein gutes Beispiel dafür ist der US-Konsumgüterriese Procter & Gamble, der auch in unruhigen Zeiten solide Gewinne einfährt und seit mittlerweile fast sieben Jahrzehnten jedes Jahr seine Dividende anhebt. Auch in Europa gibt es solche Firmen, etwa den Industriegase-Wertmarktführer Linde (seit über 30 Jahren steigende Dividenden) oder den IT-Riesen SAP, der seit 15 Jahren seine Ausschüttungen erhöht. Wer langfristig anlegen und dabei kein hohes Risiko eingehen will, fährt mit solchen Dividendenkönigen häufig gut.

Kleine Belohnungen erhalten die Freundschaft

Und auch psychologisch kann es von Vorteil sein, in verlässliche Dividendenzahler zu investieren. Studien zufolge halten insbesondere unerfahrene und vorsichtige Anlegerinnen und Anleger ihre Aktien länger, wenn sie in regelmäßigen Abständen Ausschüttungen erhalten. Die Dividenden fühlen sich wie kleine Belohnungen an, die einem nicht wieder weggenommen werden können. Das hilft dabei, dem Alles-verkaufen-Impuls nachzugeben, wenn es an der Börse gerade mal schlecht läuft. Und wer länger dabei bleibt, erzielt für gewöhnlich auch höhere Renditen.

Nur sollte man dabei immer im Hinterkopf behalten: Dividenden gibt es nicht umsonst, und für langfristige Wertzuwächse eines Unternehmens sind andere Aspekte entscheidend – etwa innovative Produkte, besonders guter Service oder schlanke Kostenstrukturen. Dividenden sollten niemals der wichtigste Kaufgrund für eine Aktie sein.

Welche dividendenstarken Unternehmen ECOreporter derzeit als besonders aussichtsreich einschätzt, lesen Sie in unserem Dossier Nachhaltige Dividendenkönige: Bei diesen Aktien kann sich der Einstieg jetzt lohnen.

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