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Nachhaltige Aktien, Fonds / ETF
Was bedeutet die Taiwan-Wahl für nachhaltige Geldanlagen?
In Taiwan hat die chinakritische Demokratische Fortschrittspartei (DPP) die Präsidentschaftswahl gewonnen. Die chinesische Regierung droht weiterhin mit der „unausweichlichen Wiedervereinigung“ der beiden Länder. Was nachhaltige Anlegerinnen und Anleger jetzt beachten sollten.
Die DPP befürwortet die Unabhängigkeit Taiwans. China hingegen sieht das Nachbarland als abtrünnige Provinz an. Der Konflikt reicht bis ins Jahr 1949 zurück: Damals riefen Mao Zedongs Kommunisten nach dem chinesischen Bürgerkrieg die Volksrepublik China aus. Die unterlegenen Nationalisten flohen auf die Insel Taiwan und erklärten sie zur Republik China. Nach vier Jahrzehnten der Einparteienherrschaft begann Ende der 1980er Jahre die schrittweise Demokratisierung.
Taiwan wird bis heute nur von wenigen Ländern als eigenständiger Staat anerkannt. Auch Deutschland bezeichnet Taiwan lediglich als „Wertepartner“ und unterhält keine diplomatischen Beziehungen zur Regierung in Taipeh.
Taiwan soll de facto unabhängig bleiben
Der chinesische Staatschef Xi drängt stärker als seine Vorgänger darauf, Taiwan in die Volksrepublik einzugliedern. Im Vorfeld der Präsidentschaftswahl hatte China mit Luft- und Seemanövern, Fake News-Kampagnen und offenen Drohungen versucht, die taiwanesische Bevölkerung zu verunsichern und der chinafreundlichen Oppositionspartei KMT zum Sieg zu verhelfen. Dennoch gewann die DPP die Wahl. Der designierte neue Präsident Lai Ching-te möchte am Status quo festhalten. Heißt: Taiwan will sich weiterhin als unabhängig bezeichnen, ohne dies jedoch formell zu bestätigen.
Nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses erklärte die chinesische Regierung, sie werde keine „separatistischen Aktivitäten“ in Taiwan dulden. „Ausländische Einmischung“ in den Konflikt lehne man strikt ab. Dazu zählten auch Glückwünsche an die DPP zur gewonnenen Wahl.
Ostasienexperten sehen weiter die Gefahr, dass China versuchen wird, Taiwan durch eine Truppeninvasion unter seine Kontrolle zu bringen. Denkbar sei auch eine Seeblockade, die Taiwans exportorientierte Wirtschaft zum Erliegen bringen und das Land zur Kapitulation zwingen könnte.
Müssen nachhaltige Investoren jetzt reagieren?
Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.
Die Spannungen zwischen China und Taiwan haben sich in den letzten Jahren verschärft. An den Finanzmärkten ist dies in vielen Aktienkursen aus beiden Ländern bereits eingepreist. Sollte es tatsächlich zur offenen Eskalation kommen, dürften aber viele Papiere noch einmal deutlich an Wert verlieren.
Viele nachhaltige taiwanesische Aktien wie beispielsweise der Fahrradhersteller Giant sind für private Anlegerinnen und Anleger kaum handelbar, weil sie keine westliche Börsenzulassung haben. Eine Ausnahme bildet der Halbleiterkonzern Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC), dessen Aktie als US-Hinterlegungsschein (ADR) problemlos an europäischen Finanzplätzen gekauft werden kann.
China hätte gerne ein Unternehmen wie TSMC

TSMC ist nach Nvidia der zweitwertvollste Chipkonzern der Welt. Das Unternehmen hat bei der Auftragsfertigung von hochwertigen Halbleitern einen globalen Marktanteil von mehr als 50 Prozent. / Foto: TSMC
TSMC ist der größte und fortschrittlichste Chip-Auftragsfertiger der Welt und vermutlich einer der Hauptgründe, warum China den Druck auf das Nachbarland stetig erhöht. Das Regime in Peking benötigt für sein technologisch rückständiges Militär Hochleistungshalbleiter, die Weltmarktführer wie Nvidia nicht mehr nach China exportieren dürfen. Sollte die chinesische Regierung die Kontrolle über TSMC erlangen, könnte sie eine eigene High-End-Chipproduktion aufbauen. Bislang ist China nicht in der Lage, selbst Hochleistungshalbleiter herzustellen.
TSMC ist hoch profitabel, ECOreporter schätzt die Aktie grundsätzlich als attraktive Geldanlage ein. Mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2024 von 15 und 12 für 2025 ist sie nicht teuer, angesichts der aktuellen politischen Lage aber ein Investment mit deutlichen Unsicherheiten. Defensiven Anlegerinnen und Anlegern rät die Redaktion von einem Einstieg ab. Risikofreudigere Investoren sollten darauf achten, dass sie die Aktie in ihrem Portfolio nicht zu hoch gewichten.
Chinesische Firmen sind letztlich Staatsunternehmen
Auch bei nachhaltigen chinesischen Aktien sind die Risiken durch den Taiwan-Konflikt gestiegen. Sollte es zu einer Invasion kommen, werden westliche Staaten weitere wirtschaftliche Sanktionen gegen China verhängen. Darunter dürften vor allem international ausgerichtete Aktiengesellschaften wie die Elektroautobauer BYD und Nio oder die Solarkonzerne Jinko Solar und Daqo leiden. Auch bei diesen Unternehmen sieht ECOreporter derzeit erhöhte Risiken.
Hinzu kommt: Chinesische Firmen sind deutlich stärker von ihrer Regierung abhängig als Unternehmen in demokratischen Ländern. Das totalitäre Regime in Peking nimmt in seiner Wirtschaftspolitik wenig Rücksicht auf einzelne Konzerne oder deren Aktionäre. Selbst die Internet-Giganten Tencent und Alibaba mussten das schon schmerzhaft erfahren.
Letztlich betrachtet die Kommunistische Partei die Firmen ihres Landes als ihr Eigentum, das sie nach Belieben einsetzen kann, um ihre Macht zu erhalten. Das und Vorwürfe der Zwangsarbeit machen chinesische Aktien auch unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten zu problematischen Investments. Lesen Sie dazu das ECOreporter-Dossier Können chinesische Aktien nachhaltige Geldanlagen sein?.
Ähnlich wie bei TSMC empfiehlt die Redaktion: Halten Sie sich von chinesischen Aktien fern, wenn Sie Ihr Geld eher vorsichtig anlegen wollen, und achten Sie ansonsten darauf, keine zu großen Positionen aufzubauen. Und klären Sie vorher für sich selbst, ob Sie Investments in chinesische Unternehmen grundsätzlich vertreten können.
Und was ist mit Fonds und ETFs?
Die gleiche Frage stellt sich bei Aktienfonds und ETFs, die viele chinesische Papiere enthalten. In der nachhaltigen Geldanlage betrifft dies zumeist Erneuerbare-Energien-Fonds mit hohem Solaranteil – China ist mit Abstand der wichtigste Solarmarkt der Welt, breit gestreute Investments sind in diesem Segment kaum ohne chinesische Aktien möglich.
Aber auch abseits ethischer Überlegungen rät ECOreporter dazu, sich solche Fonds nur als Beimischung ins Depot zu holen: Erneuerbare-Energien-Fonds schwanken stark, weil sie auf Zukunftsthemen setzen, deren Perspektiven sich durch politische Entscheidungen drastisch verändern können.
Sie suchen solide grüne Basisanlagen? Vier ECOreporter-Vorschläge finden Sie hier.