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Nachhaltige Aktien, Aktien-Favoriten
17,50 Euro für die Encavis-Aktie – wie attraktiv ist das Übernahmeangebot?
Die US-Investmentgesellschaft KKR und der hessische Heizungsbauer Viessmann wollen den Hamburger Erneuerbare-Energien-Konzern Encavis übernehmen. Der Angebotspreis für die ECOreporter-Favoriten-Aktie liegt deutlich über dem letzten Börsenkurs – aber ist er wirklich angemessen?
Encavis hat mit KKR eine Investorenvereinbarung getroffen, die ein freiwilliges öffentliches Kaufangebot für alle Encavis-Aktien vorsieht. Ein von KKR geführtes Konsortium, dem auch Viessmann angehört, möchte den Encavis-Aktionären 17,50 Euro je Aktie zahlen. Vorstand und Aufsichtsrat von Encavis „befürworten das Angebot ausdrücklich“.
Geht die Aktie von der Börse?
Das Unternehmen hofft, durch die Übernahme „zusätzliche operative und sektorspezifische Expertise sowie einen besseren Zugang zu Finanzierungskapazitäten“ zu gewinnen, um noch schneller wachsen zu können. Großaktionäre wie Abacon Capital haben laut Encavis bereits verbindliche Vereinbarungen zum Verkauf ihrer Anteile unterzeichnet. Nach der Übernahme soll die Encavis-Aktie möglicherweise von der Börse genommen werden.
„Mit KKR und Viessmann planen wir, Partner an Bord zu holen, die einen langfristigen und unternehmerischen Ansatz verfolgen sowie über umfassende Investitionserfahrung im Kontext der Energiewende verfügen“, erläutert Encavis-Vorstandssprecher Christoph Husmann. „Wir sind überzeugt, dass wir mit der zusätzlichen finanziellen und strategischen Unterstützung unsere Anlagen zur Erzeugung Erneuerbarer Energien und unsere Kompetenzen weiter ausbauen können. Damit heben wir unser Geschäft auf die nächste Stufe, um mit den großen europäischen Akteuren im Markt zu konkurrieren.“
Anlagenbestand soll sich verdoppeln
Das KKR-Konsortium will „das Wachstum in allen Segmenten des Encavis-Konzerns beschleunigen und erhebliche finanzielle Unterstützung leisten, um die Projektpipeline zu stärken, den Kapazitätsausbau zu erhöhen und die Expansion in neue Märkte zu fördern“. Bis Ende 2027 soll Encavis über Stromerzeugungskapazitäten von 7 Gigawatt (GW) verfügen – bislang lag das Ziel bei 5,8 GW. Aktuell betreibt der Konzern Wind- und Solarparks mit ungefähr 3,6 GW.
KKR plant eigenen Angaben zufolge, Encavis mit dem bisherigen Führungsteam weiterzuführen und Arbeitsplätze zu sichern. Die Standorte des Konzerns sollen erhalten bleiben, Gewinnabführungs- und Beherrschungsverträge bis mindestens 2026 ausgeschlossen sein. KKR hält derzeit nach eigenen Angaben weltweit Beteiligungen an Unternehmen, Immobilien und Infrastruktur mit einem Gesamtwert von mehr als 300 Milliarden US-Dollar. Darunter sind auch Investments in Erneuerbare Energien und eine 36-prozentige Beteiligung am Axel Springer Verlag.
Die Unterlagen für das öffentliche Kaufangebot müssen noch von der deutschen Finanzaufsicht BaFin genehmigt werden. Encavis geht davon aus, dass die Übernahme im vierten Quartal 2024 vollzogen werden kann. Das KKR-Konsortium will die Aktien nur kaufen, wenn die Investorengruppe mindestens 54,285 Prozent der Encavis-Papiere in ihren Besitz bringen kann.
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Encavis setzte 2023 nach vorläufigen Zahlen 449 Millionen Euro um und erzielte einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 194,3 Millionen Euro. Für 2024 geht das Management von mehr als 460 Millionen Euro Umsatz und einem EBIT von über 175 Millionen Euro aus. Hauptgrund für die rückläufigen Gewinne seien „geringere Stromgroßhandelspreise in einem herausfordernden Marktumfeld“.
Der Aktienkurs von Encavis lag heute Morgen kurz vor Veröffentlichung der Übernahmepläne bei 13,43 Euro (Stand 14.3.2024, 8:13 Uhr, Tradegate-Handel). Danach stieg er erwartungsgemäß deutlich, aktuell notiert er an der Börse Tradegate bei 17,07 Euro (14.2.2024, 9:46 Uhr).
Hohe Kursgewinne bis Sommer 2022
Die Aktie hat seit August 2022 stetig an Wert verloren, im Jahresvergleich notiert sie 20 Prozent im Minus. Erst seit Bekanntwerden der ersten Übernahmegerüchte Anfang März geht es wieder aufwärts. Langfristig hat sich der Kurs sehr gut entwickelt, auf fünf Jahre gesehen ist er um 128 Prozent gestiegen.
Würde Encavis nach einer Übernahme wie geplant wachsen, dürften sich die Gewinne bis 2027 in etwa verdoppeln. Auf Basis des angebotenen Kaufpreises von 17,50 Euro läge das Kurs-Gewinn-Verhältnis dann nach Berechnungen von ECOreporter bei etwa 17 – ein moderater Wert.
Die Redaktion sieht das Übernahmeangebot als akzeptabel an. Da Großaktionäre bereits den Verkauf von mehr als 30 Prozent der Aktien zugesichert haben, ist es wahrscheinlich, dass das KKR-Konsortium das angestrebte Mindestvolumen für einen Kauf ohne Nachbesserungen beim Angebotspreis erreichen wird. ECOreporter rät dazu, Encavis-Aktien nicht an der Börse für weniger als den Übernahmepreis zu verkaufen. Und steigen Sie jetzt auch nicht neu ein – die Chancen, dass der Kurs noch spürbar weiter steigt, sind gering.
Encavis ist eine ECOreporter-Favoriten-Aktie aus der Kategorie Nachhaltige Mittelklasse. Ein Unternehmensporträt finden Sie hier.
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