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Anleihen / AIF, ECOanlagecheck
Unabhängige Analyse: Klimaschutz-Anleihe der LBBW
Die „Festzins-Anleihe Klimaschutz (gemäß EU-Taxonomie)“ der Landesbank Baden-Württemberg können private Anlegerinnen und Anleger ab 1.000 Euro zeichnen. Das geplante Emissionsvolumen von 400 Millionen Euro soll mittelbar zunächst einem sehr großen Windpark mit über 1.500 Megawatt Leistung und mehreren energieeffizienten Immobilien zugeordnet werden. Der Zinssatz der Anleihe beträgt 3,2 Prozent pro Jahr bei einer Laufzeit von rund zwei Jahren – eine angemessene Rendite?
Emittentin und Anbieterin der Anleihe ist die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Sie unterhält Hauptsitze in Stuttgart, Karlsruhe, Mannheim und Mainz. Die LBBW bietet als mittelständische Universalbank Bankgeschäfte in den Kundensegmenten Private Kunden/Sparkassen, Unternehmenskunden, Immobilien/Projektfinanzierungen sowie im Kapitalmarktgeschäft an. Träger der LBBW sind der Sparkassenverband Baden-Württemberg, das Land Baden-Württemberg, die Landeshauptstadt Stuttgart sowie die Landesbeteiligungen Baden-Württemberg GmbH. Die LBBW möchte nach eigenen Angaben aktiv zum Erreichen der europäischen Umweltziele beitragen.
Der Vertrieb der Anleihe erfolgt über die BW-Bank, ein Unternehmen der LBBW-Gruppe, sowie bundesweit über die Sparkassen. Die Emittentin beabsichtigt, die Schuldverschreibungen ab 6. November 2023 an der Börse Stuttgart handeln zu lassen.
Wie ECOreporter die „Festzins-Anleihe Klimaschutz (gemäß EU-Taxonomie)“ einschätzt, erfahren Sie im Premium-Bereich.
Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.
Wirtschaftliche Lage der LBBW
Die Emittentin hat laut ihrem Konzernabschluss zum 31. Dezember 2022 eine Bilanzsumme von rund 324 Milliarden Euro (Vorjahr: rund 282 Milliarden Euro). Die harte Kernkapitalquote (Common Equity Tier 1 – CET1) beträgt zum 31. Dezember 2022 14,1 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr (14,6 Prozent) hat sie sich etwas verringert, weil die Bilanzsumme in 2022 deutlich gestiegen ist. Laut ungeprüftem Konzern-Halbjahresabschluss zum 30. Juni 2023 beträgt die Bilanzsumme rund 364 Milliarden Euro und die CET1 rund 14,2 Prozent. Die LBBW hat im Geschäftsjahr 2022 einen Konzerngewinn von rund 1,5 Milliarden Euro (2021: rund 0,4 Milliarden Euro) erwirtschaftet. Im ersten Halbjahr 2023 lag der Konzerngewinn bei rund 0,5 Milliarden Euro.
Im Vergleich der Banken des Euroraums liegt die LBBW hinsichtlich der CET1 ungefähr im Mittelfeld. Die aggregierte CET1 im Euroraum lag laut dem Jahresbericht der Europäischen Zentralbank (EZB) Ende des dritten Quartals 2022 bei 14,7 Prozent.
Investitionen
Die Emittentin wird laut den Angaben in der Prospekt-Zusammenfassung den Bruttoemissionserlös aus dem Angebot „Festzins-Anleihe Klimaschutz (gemäß EU-Taxonomie)“ gemäß dem LBBW Pool-Framework verwenden. Dieses sieht vor, dass die LBBW auf der Aktivseite ihrer Bilanz mindestens in Höhe des Brutto-Emissionserlöses der Anleihe und über die Anleihe-Laufzeit hinweg Vermögenswerte (in einem „Pool“) vorhält, die nachhaltige Investitionen im Sinne der EU-Taxonomie-Verordnung beinhalten. Die Zusammensetzung des Pools kann über die Laufzeit variieren. Gemäß den Angaben in den „Endgültigen Bedingungen“ des Anleiheangebotes kommen als für den Pool geeignete Vermögenswerte derzeit nur Darlehen in Betracht, die einer Immobilienfinanzierung oder einer Projektfinanzierung (z. B. einem Windpark) dienen.
Die geeigneten Vermögenswerte des Pools verteilen sich laut den „Endgültigen Bedingungen“ per 30. September 2023 auf den Bereich Erneuerbare Energien mit einem anrechenbaren Volumen im Pool von ca. 81 Millionen Euro und auf den Bereich Energieeffiziente Gebäude mit einem anrechenbaren Volumen im Pool von ca. 344 Millionen Euro. Bei dem Erneuerbare-Energien-Projekt handelt es sich um einen sehr großen Offshore-Windpark in der niederländischen Nordsee, der eine Leistung von über 1.500 Megawatt hat. Die energieeffizienten Gebäude sind nach Angaben der Emittentin vier Bürogebäude in Deutschland „aus den Top 15 Prozent des nationalen Gebäudebestands (Bau bis 31.12.2020)“. Die Emittentin kann nach eigenen Angaben die Projekte nicht konkret benennen, weil die Projekt-Darlehensverträge mit den jeweiligen Darlehensnehmern Vertraulichkeit vorsehen.
Ökologische Wirkung

Mit der "Festzins-Anleihe Klimaschutz" will die LBBW Kredite refinanzieren, unter anderem für einen großen Offshore-Windpark. / Symbolfoto: Pixabay
Die Anleiheerlöse werden laut Produktinformationsblatt (PIB, Stand: 13.10.2023) im allgemeinen Geschäftsbetrieb der LBBW verwendet. Sie werden laut PIB einem Kreditportfolio, bestehend aus neuen und/oder bestehenden Darlehen zur Finanzierung der Wirtschaftsaktivitäten Immobilien und Windparks, zugeordnet, die einen wesentlichen Beitrag zur Verwirklichung des Umweltziels „Klimaschutz“ der EU-Taxonomie-Verordnung leisten.
Gemäß der Taxonomie-Verordnung können auch Atomkraft und Erdgas als nachhaltig eingestuft werden. Demnach könnten Atomkraftwerke und Gaskraftwerke in dem der Anleihe zugeordneten Pool landen. Anlegerinnen und Anleger sollten daher berücksichtigen, dass nicht sichergestellt ist, dass jeder Kredit im Pool ihren persönlichen Nachhaltigkeitspräferenzen entspricht. Gegenüber ECOreporter erklärte die LBBW, dass sie bei der Anleihe Finanzierungen aus den Bereichen Atom- oder Gaskraftwerke bewusst ausgeschlossen habe und diese auch künftig nicht für den Pool vorgesehen seien.
Die LBBW ist keine reine Nachhaltigkeitsbank und hat auch Projekte finanziert, die nicht als ökologisch und nachhaltig gelten können. Die Bank hat gemäß den Angaben in ihrem Geschäftsbericht 2022 zu Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien die folgenden Ausschlüsse definiert: „Die LBBW schließt Firmen aus, welche Streumunition, Verlegesysteme für Streumunition und/oder Antipersonenminen produzieren; auch zieht sich die LBBW aus dem Geschäft mit der Kohleindustrie zurück und vergibt keine Kredite mehr an Unternehmen, die neue Kohlekraftwerke oder -minen bauen. Darüber hinaus wurden für Energieversorger klare Schwellenwerte bezüglich des aus Kohle gewonnenen Energieanteils oder Umsatzes festgelegt.“
Der Erlös der neuen Anleihe wird einem Kreditportfolio mit Nachhaltigkeitsbezug zugeordnet. Es ist nicht sichergestellt, dass die LBBW mit dem Anleiheerlös ihr Finanzierungsvolumen für nachhaltige Projekte ausweitet. Es ist möglich, dass das Kreditportfolio der Bank nur neu sortiert wird, in nachhaltige Kredit-Pools und in nicht nachhaltige Teil-Kreditportfolios, und das Kapital der „Klimaschutz-Anleihe“ keine ökologische Wirkung hat. Die Anlegerinnen und Anleger setzen nach Einschätzung von LBBW jedoch mit der Investition in solche Schuldverschreibungen einen Impuls bei der LBBW, in nachhaltige Vermögenswerte zu investieren, die in den Pool aufgenommen werden können.
Risiken
Die Anlegerinnen und Anleger sind dem Risiko einer Insolvenz, das heißt einer Überschuldung, drohenden Zahlungsunfähigkeit oder Zahlungsunfähigkeit der LBBW ausgesetzt. Im Falle einer Bestandsgefährdung der Emittentin besteht laut PIB sogar ohne eine Insolvenz das Risiko, dass die Emittentin ihre Verpflichtungen aus der Anleihe aufgrund von behördlichen Anordnungen von Abwicklungsmaßnahmen nicht oder nur eingeschränkt erfüllt. Die zuständige Abwicklungsbehörde – in Deutschland die BaFin – hat umfangreiche Eingriffsbefugnisse und kann unter anderem in die Verpflichtungen der LBBW hinsichtlich der Anleihe eingreifen. Sie kann laut PIB beispielsweise die Zahlungsansprüche der Anlegerinnen und Anleger reduzieren und bis auf null herabsetzen, die Anleihe beenden, die Anleihe in Anteile an der LBBW umwandeln oder auf eine von der LBBW unabhängige Partei übertragen. Maßnahmen (z. B. höhere Eigenkapitalanforderungen) kann auch die EZB ergreifen, falls die Emittentin zukünftige Stresstests der EZB nicht bestehen sollte.
Der LBBW-Konzern unterliegt dem Risiko, dass Geschäftspartner (z.B. Kreditnehmer) nicht mehr in der Lage sind, vollumfänglich ihren vertraglich vereinbarten Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Nach Angaben der Emittentin kann ein Wertverfall von Sicherheiten in Kombination mit erhöhten Ausfallwahrscheinlichkeiten zu besonders schwerwiegenden Verlusten führen, insbesondere im Fall von zur Besicherung herangezogenen Wertpapieren oder Immobilien. Bestandsgefährdende Risiken könnten für die Emittentin insbesondere bei umfangreichen und langandauernden volkswirtschaftlichen Krisen entstehen, bei denen beispielsweise Kreditausfälle massiv zunehmen können.
Fazit
Der Anleiheerlös soll mittelbar ein LBBW-Kreditportfolio refinanzieren. Dieses besteht zunächst aus Darlehen zur Finanzierung eines Offshore-Windparks in den Niederlanden und vier energieeffizienter Bürogebäude. Ob diese Projekte erfolgreich verlaufen, ist für die Anlegerinnen und Anleger nicht ausschlaggebend, da die LBBW die Emittentin der Anleihe ist. Für die Anleiherückzahlung ist entscheidend, dass die Emittentin weiterhin solide wirtschaftet und zahlungsfähig bleibt. Das Ausfallrisiko bei der LBBW ist für die Anlegerinnen und Anleger deutlich geringer als bei einer Projektgesellschaft, die einen Windpark oder eine Immobilie finanziert.
Allerdings ist das Ausfallrisiko der Anleihe höher als das einer Spareinlage bei derselben Bank, für die die gesetzliche Einlagensicherung gilt. Die Anleihe der LBBW hat einen Zins von 3,2 Prozent bei einer Laufzeit von rund zwei Jahren. Vergleichbare Konditionen gibt es derzeit auch bei einigen nachhaltigen Banken für Festgeld-Angebote, die der Einlagensicherung unterliegen und eine positive ökologische Wirkung haben. Im Vergleich dazu ist das Anleiheangebot der LBBW zwar ein Schritt zu mehr Nachhaltigkeit, hat aber hinsichtlich Zinshöhe und nachhaltiger Wirkung noch Verbesserungsbedarf.
Basisdaten
Anbieterin und Emittentin: Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), Stuttgart
Anlageform: Anleihe (Inhaber-Schuldverschreibungen)
Emissionsvolumen: 400 Millionen Euro
Mindestzeichnungssumme: 1.000 Euro
Laufzeit: bis zum 10.11.2025
Zinssatz: 3,2 Prozent pro Jahr
Einkunftsart: Einkünfte aus Kapitalvermögen
Prospektbilligung: BaFin
Handelbarkeit: ab 6.11.2023 an der Börse Stuttgart (geplant)
ISIN: DE000LB4LDX8
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