Das britische Finanzunternehmen Han-ETF möchte erstmals einen Waffen-ETF als nachhaltig einstufen lassen. / Foto: Pixabay

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Anbieter Han-ETF will Rüstungs-ETF als nachhaltig einstufen lassen

Der britische Finanzkonzern Han-ETF will den ersten angeblich nachhaltigen Rüstungs-ETF anbieten. Der Umbau des Future of European Defence ETF soll eine Einstufung als nachhaltiges Finanzprodukt nach Artikel 8 der EU-Offenlegungsverordnung möglich machen.

Dazu wird das Unternehmen den Index ändern, den der Future of European Defence ETF nachbaut. Vom bisher verwendeten VettaFi Future of Defence Ex US Index soll auf den VettaFi European Future of Defence Screened Index gewechselt werden. Der neue Index beschränkt sich laut Han-ETF auf Unternehmen mit Hauptsitz in europäischen NATO-Staaten. Zudem sollen bei der Indexzusammensetzung strengere Ausschlusskriterien angewendet werden, unter anderem für geächtete Waffen.

Nachhaltige Anbieter gegen Waffen-Investments

Han-ETF will damit nach eigener Aussage auf eine wachsende Nachfrage von Investoren reagieren, die ein Engagement im europäischen Verteidigungssektor wünschen, zugleich aber "Wert auf verantwortungsvolle Anlagekriterien legen". Finanziell soll das Produkt von der europäischen Aufrüstung profitieren.

Die Zahl der Rüstungs-Investments durch als nachhaltig eingestufte Fonds ist im ersten Halbjahr 2025 bereits deutlich gestiegen. Allerdings gibt es bislang keinen ganz auf Waffen ausgerichteten Fonds oder ETF mit Artikel 8-Einstufung.

"Immer mehr Investoren erkennen, dass Sicherheit und Nachhaltigkeit keine Gegensätze sind, sondern eng miteinander verbunden", sagt Hector McNeil, Mitgründer und Co-CEO von Han-ETF. Ein gut ausgestatteter und verantwortungsvoll geführter Verteidigungssektor sei entscheidend für Frieden, Stabilität und Rechtsstaatlichkeit.

Kerngrüne Anbieter von Investmentprodukten sehen das anders. Im April hatten mehrere nachhaltige Banken ein Positionspapier veröffentlicht, in dem sie sich dagegen aussprechen, Auswahlkriterien für nachhaltige Finanzprodukte aufzuweichen und Investments in Rüstungskonzerne zuzulassen. Rüstung ist nach Ansicht der Geldhäuser zwar notwendig, aber nicht nachhaltig.

"Erstens: Wer in Hersteller von Rüstungsgütern und Waffen investiert, geht das Risiko ein, dass diese Produkte nicht nur zu Abschreckungszwecken eingesetzt werden. Zweitens: Finanzinvestitionen in Rüstungskonzerne sind nach unserer Einschätzung überwiegend renditeorientiert und spekulativ. Wir möchten von möglichen Gewinnen dieser Branche nicht profitieren", erklärte etwa Ekkehard Thiesler, Vorstandsvorsitzender der Dortmunder Bank für Kirche und Diakonie (KD-Bank).

ECOreporter sieht Kriterien für Artikel 8-Einstufung kritisch

Auch ECOreporter hat sich wiederholt mit dem Thema beschäftigt und schließt sich der Position der nachhaltigen Banken an. Für die Redaktion sind Investments in eine Waffenproduktion, die mit dem Ziel der Gewinnmaximierung erfolgt, nicht nachhaltig.

Dass ein Waffen-ETF nun bald offiziell als nachhaltig gelten könnte, zeigt nach Einschätzung von ECOreporter ein grundsätzliches Problem mit den EU-Regeln für die Kennzeichnung grüner Investments. Eine aktuelle Umfrage der Bundesfinanzaufsicht BaFin zeigt, dass sich auch Anlegerinnen und Anleger strengere Kriterien wünschen. ECOreporter berichtete hier.

Laut BaFin nehmen private Anlegerinnen und Anleger Fonds, die nach Artikel 8 der EU-Offenlegungsverordnung als nachhaltig ausgewiesen sind, als nicht sonderlich nachhaltig wahr. Artikel-8-Produkte berücksichtigen Nachhaltigkeitsaspekte, verfolgen aber kein nachhaltiges Ziel.

ECOreporter informiert seit 1999 zu wirklich grünen Geldanlagen und warnt auch regelmäßig vor Mogelpackungen. Lesen Sie für einen Überblick unser Dossier Nachhaltige Geldanlage: 10 ECOreporter-Tipps für richtig grüne Investments.

Eine Übersicht zu allen bisher von ECOreporter getesteten ETFs finden Sie hier.

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