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Anleihen / AIF, Finanzdienstleister, Fonds / ETF
Nachhaltige Geldanlage: Anleger wollen klarere Regeln
Auch wenn das Thema Nachhaltigkeit gerade nicht die Schlagzeilen beherrscht: Zwei Drittel der Deutschen interessieren sich für grüne Investments – und viele fordern strenge Kriterien.
Die Bundesfinanzaufsicht BaFin hat im Juni mehr als 1.500 Menschen zum Thema nachhaltige Geldanlage befragt. Das Ergebnis dürfte Kritiker überraschen: 65 Prozent der Befragten gaben an, sich für nachhaltige Finanzprodukte zu interessieren, und 29 Prozent haben auch bereits solche Produkte gekauft.
Greenwashing unerwünscht
Wichtig sind Anlegerinnen und Anlegern dabei vor allem verbindliche Standards und Transparenz. Mehr als die Hälfte der an Nachhaltigkeit interessierten Befragten möchte, dass etwa geächtete Waffen, Menschenrechtsverletzungen und Kohlestrom grundsätzlich aus grünen Finanzprodukten ausgeschlossen werden. Kerngrün müssen die Produkte nicht unbedingt sein: Die erwartete Mindestquote nachhaltiger Aktien oder Anleihen in Fonds lag in der Umfrage bei nur 57 Prozent. Immerhin ein Drittel der Umfrageteilnehmer plädiert für eine Mindestquote von 75 Prozent.
Die meisten Befragten möchten jedoch keine Produkte, bei denen Greenwashing Tür und Tor geöffnet ist. Fonds, die nur einige Branchen ausschließen, aber ansonsten keinen nachhaltigen Ansatz verfolgen, sind für mehr als 60 Prozent der Anlegerinnen und Anleger nicht nachhaltig. Und Produkte, die vor allem auf Ausschlüsse und Transformationsunternehmen setzen, bewerten sogar 70 Prozent als nicht grün. Beides, Ausschluss- und Mischprodukte, will die EU möglicherweise als neue Produktkategorien im Rahmen ihrer überarbeiteten Nachhaltigkeitsvorgaben einführen.
„Produktkategorien, die keine eindeutigen Ziele in den Dimensionen Ökologie, Soziales und Unternehmensführung verfolgen, nimmt die Mehrheit der an Nachhaltigkeit interessierten Befragten nicht als nachhaltig wahr“, heißt es von der BaFin. Daher würden Anlegerinnen und Anleger auch Fonds, die nach Artikel 8 der EU-Offenlegungsverordnung als nachhaltig ausgewiesen sind, als nicht sonderlich nachhaltig wahrnehmen. Artikel-8-Produkte berücksichtigen Nachhaltigkeitsaspekte, verfolgen aber kein nachhaltiges Ziel.
Mehr Transparenz bitte!
Fast alle an Nachhaltigkeit interessierten Umfrageteilnehmer (97 Prozent) wünschen sich mehr Informationen zu grünen Finanzprodukten. 60 Prozent möchten, dass die Anbieter diese Informationen deutlich herausstellen, und 70 Prozent empfinden es als irreführend, wenn keine Angaben dazu gemacht werden, wie hoch der Anteil von nicht nachhaltigen Investments in einem als grün ausgewiesenen Fonds ist.
Die bisherigen Vorgaben zur Verbraucheraufklärung schätzen Anlegerinnen und Anleger teilweise als wenig hilfreich ein. Besonders unbeliebt ist die in Beratungsgesprächen gestellte, für Laien kaum verständliche Standardfrage „Wollen Sie in Ihrem Finanzprodukt ökologisch nachhaltige Investitionen gemäß der Taxonomie-Verordnung, nachhaltige Investitionen gemäß der Offenlegungsverordnung oder/und Investitionen, die nachteilige Nachhaltigkeitsauswirkungen berücksichtigen?“.
ECOreporter informiert seit 1999 zu wirklich nachhaltigen Geldanlagen und warnt auch regelmäßig vor Mogelpackungen. Lesen Sie für einen Überblick unser Dossier Nachhaltige Geldanlage: 10 ECOreporter-Tipps für richtig grüne Investments.