Über Büffelmilch zum Medizinstudium: Kleine Kredite können eine große Wirkung haben. / Foto: Pixabay

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Die Büffelkuh und die Ärzte – Kraft des Geldes Teil 2

Ihr Geld: Ein unbedeutendes Staubkorn im schier unendlichen Universum des Finanzmarktes? Oder der Zellkern für etwas, das Sinn ergibt – ein Stück Krankenhaus, eine Grundlage für ein kleines Unternehmen in einem Schwellenland, ein Kindergarten, ein Teil der Energiewende, eine Stimme mit Einfluss gegen die Regenwaldzerstörung? ECOreporter zeigt Beispiele, wo das möglich wird.

Die nachhaltige, ethische Geldanlage hat Wirkung. Nicht nur auf dem Konto oder im Depot. Sondern auch in der realen Welt, jenseits der Zahlen. Da verändert Geld etwas. Man muss nicht einmal Millionen investieren, damit echte Wirkung entsteht. Denn die Masse kommt durch die Menge der ethisch und nachhaltig Anlegenden zusammen.

Kleine Kredite – Große Wirkung

Der grüne Geldmarkt hat in den letzten Jahren bereits Milliarden in sinnvolle Kanäle gelenkt. In dieser ECOreporter-Serie geben Ihnen sechs Menschen konkrete Beispiele dafür, was Geld geleistet hat und weiterhin bewirken kann, wenn die Richtung und das Engagement stimmen. Aus kleinen Beiträgen Großartiges entstehen lassen: So funktioniert es.

Lesen Sie heute Teil zwei der Serie, in dem es um die Wirkung geht, die Mikrofinanzfonds haben können. Und auch um die Verantwortung, die Geldinstitute mit der Vergabe solcher Kleinkredite haben.

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

Mehrere Berichte haben in den vergangenen Monaten schwere Vorwürfe gegenüber Mikrokreditbanken erhoben, die Kleinstkredite zu sehr hohen Zinssätzen an Menschen vergeben haben, denen es kaum möglich ist, sie zurückzuzahlen. ECOreporter hat sich mit den Vorwürfen hier näher befasst und fünf sehr nachhaltige Mikrofinanzanbieter zu Wort kommen lassen.

Die Fälle zeigen, dass bei der Vergabe von Mikrokrediten verantwortungsvoll gehandelt werden muss. Markus Christ, Direktor der Bank im Bistum Essen, erklärt, wie aus Euros Kühe, Bildung und schließlich Ärzte werden.

ECOreporter: Angenommen, ich investiere 10.000 Euro in einen Ihrer Mikrofinanzfonds. Welchen Weg nimmt dieses Geld, und wie viel davon kommt bei den Endkunden an?

Markus Christ: Wir verleihen die Anlegergelder weltweit als Darlehen an unsere Partner-Mikrofinanzinstitute. Die vergeben die Gelder dann in Form von Kleinstkrediten an die Endverbraucher. Die Kette ist also kurz. Von Ihren 10.000 Euro würden Stand August 8.080 Euro an Kleinstunternehmerinnen und -unternehmer verliehen. 100 Prozent der Gelder zu investieren, ist aus regulatorischer Sicht nicht möglich, da unsere Fonds verpflichtet sind, stets eine bestimmte Barmittelquote vorzuhalten.


Markus Christ, Direktor der Bank im Bistum Essen. / Foto: Bank im Bistum Essen

Wie erzeugen Ihre Fonds konkret nachhaltige Wirkung?

Einen einprägsamen Fall habe ich von meiner letzten Reise nach Indien mitgenommen. Dort habe ich im Bezirk Rohtak Frau Munni Devi (46) getroffen, die verheiratet ist und drei Söhne hat. Sie nahm vor acht Jahren einen ersten Mikrokredit über ungefähr 500 US-Dollar auf und finanzierte damit eine Büffelkuh. Mit der Büffelmilch konnte sie den Eigenbedarf der Familie decken. Durch den Verkauf überschüssiger Milch innerhalb der Dorfgemeinschaft und an eine lokale Molkerei steigerte sie das Familieneinkommen.

So konnte sie die Ausbildung ihrer Söhne unterstützen. Stolz berichtete sie, dass alle drei eine Ausbildung zum Arzt abgeschlossen haben. Der Kredit hat also nicht nur dazu beigetragen, die Ernährungs- und Finanzsituation der Familie zu verbessern. Bildung für die jüngere Generation hat deutlich größere und nachhaltigere Auswirkungen, insbesondere auch für die Gesellschaft.

Wie stellen Sie sicher, dass das Anlegergeld nur positiven Impact erzeugt und nicht beispielsweise zur Überschuldung von Menschen beiträgt?

Wir suchen uns unsere Partnerinstitute sehr genau aus. Wichtig ist uns dabei nicht nur die Mittelverwendung unserer Darlehen für produktive Zwecke, sondern wir achten insbesondere auch auf die Punkte Kundenschutz, Transparenz und Maßnahmen zur Vermeidung von Überschuldung. Beispielsweise wollen wir keine Konsumentenkredite fördern.

Bei der Prüfung vor Ort führen wir ausführliche Gespräche mit den Angestellten des Partnerinstituts. Besonders wichtig sind uns die Besuche bei den Endverbrauchern. So erhalten wir Einblicke in die Lebenswirklichkeiten, die Herausforderungen der Menschen, wofür sie die Kredite verwenden, wie die Mikrofinanzinstitute mit ihnen umgehen und ob ihnen Kredite und die damit zusammenhängenden Verpflichtungen und Kosten verständlich erläutert wurden.

Die übrigen Teil unserer Serie "Kraft des Geldes" finden Sie hier:

Teil 1: Festgeld für die Wachkomastation

Teil 3: Von Kindergärten und Schulen in Finnland

Teil 4: So krempelten private Anlegerinnen und Anleger die Energiebranche um

Teil 5: Stromrebellen gegen Konzerne

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