Das Palmblatt-Geschirr von Leef Blattwerk ist laut Unternehmen schnittfest, hochisolierend, ofentauglich, mikrowellenfest, wasserfest, stabil und kompostierbar. / Foto: Leef Blattwerk

  Anleihen / AIF, ECOanlagecheck

Unabhängige Analyse: Anleihe 2023/2028 der Leef Blattwerk GmbH mit 9 % Zins

Die Leef Blattwerk GmbH vertreibt Geschirr aus Palmblatt, unter anderem für die Außengastronomie. Das Unternehmen will seine Produktpalette auch im Non-Food-Segment deutlich ausweiten, beispielsweise auf kompostierbare Kinderspielzeuge. Um insbesondere die Herstellungskapazitäten für die Leef-Palmblatt-Produkte zu erweitern, bietet Leef Blattwerk ab 1.000 Euro Mindestzeichnung Schuldverschreibungen an. Der Zinssatz der börsennotierten Anleihe beträgt 9,0 Prozent pro Jahr bei einer Laufzeit von fünf Jahren.

Emittentin der Anleihe 2023/2028 ist die 2014 gegründete Leef Blattwerk GmbH aus Potsdam. Das Emissionsvolumen der nicht besicherten und nicht nachrangigen Anleihe beträgt bis zu 5 Millionen Euro. Die Emissionskosten betragen laut EU-Wachstumsprospekt (vom 9.11.2023) bis zu ca. 0,5 Millionen Euro. Die Emittentin kann nach den Anleihebedingungen die Schuldverschreibungen insgesamt oder teilweise kündigen und vorzeitig zurückzahlen, erstmals zum 18. Dezember 2025. Die Schuldverschreibungen werden von der Emittentin öffentlich über ihre Website angeboten. Die Anleihe (ISIN: DE000A352ER1) kann auch an der Frankfurter Wertpapierbörse gehandelt werden und notiert dort derzeit bei 99,5 Prozent (Stand: 15.1.2024, 9:21 Uhr).

Palmblätter aus Indien

Leef Blattwerk nutzt laut Prospekt für seine Produkte aktuell die Blätter der Arekapalme, die als Abfallprodukt in der Betelnussproduktion in Indien anfallen und nach Angaben des Unternehmens normalerweise verbrannt werden. Den Angaben nach fallen drei- bis viermal pro Jahr Blätter von der Palme und werden zur weiteren Verarbeitung aufgelesen.

Die Blätter werden bereits in Indien gewaschen, in Form gepresst, geschnitten und verpackt. Laut Prospekt ist der gesamte Prozess frei von chemischer Bearbeitung, und es ist keine Beschichtung erforderlich. Das Arekablatt ist nach Angaben der Emittentin schnittfest, hochisolierend, ofentauglich, mikrowellenfest, wasserfest, stabil und kompostierbar (industriell und im Garten). Im Non-Food-Segment bereitet Leef Blattwerk laut Prospekt derzeit einige Verpackungsprojekte vor, z.B. Verpackungen für hochwertige Kugelschreiber, die zur Aufbewahrung auf dem Schreibtisch verwendet werden können. Auch Kosmetikverpackungen für einen lateinamerikanischen Kunden sind nach Aussage der Emittentin in Vorbereitung. Darüber hinaus gibt es laut Prospekt eine Ausstattungsserie für den Kleintierbereich (u.a. für Nager und Vögel).

Wie steht die Leef Blattwerk GmbH finanziell da? Wie wirkt sich der Klimawandel auf die Produktion in Indien aus? Welche Risiken bestehen für die Emittentin und ihre Anlegerinnen und Anleger? Antworten auf diese und weitere Fragen sowie das Analysefazit von ECOreporter lesen Sie im Premium-Bereich

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Unternehmensprofil Leef Blattwerk

Die Leef Blattwerk GmbH hat laut Prospekt seit ihrer Gründung im Jahr 2014 Strukturen in Herstellungsland Indien aufgebaut und eine langjährige Partnerschaft zu einem Lieferanten aufgebaut. Die Emittentin beschäftigt laut Prospekt 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Standort Potsdam. Alleinige Anteilseignerin des Unternehmens ist die im September 2023 gegründete Leef Holding UG (haftungsbeschränkt).

Die Emittentin betreibt laut Prospekt ein Business-to-Business-Geschäft. Die Produkte werden den Angaben nach in große, etablierte Großhändlerstrukturen verkauft oder an Einzelkunden mit einer Mindestbestellmenge von einem Container. Das Unternehmen baut nach eigenen Angaben in diesem Jahr zudem ein Online-Endkundengeschäft auf.

Die Leef-Gruppe plant, auch im Ausland zu wachsen. Gemäß den Angaben im Jahresabschluss-Anhang für das Geschäftsjahr 2022 hat die Emittentin in 2022 ihre Umsatzerlöse fast ausschließlich im Inland erzielt. Die Umsätze beliefen sich laut Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) für das Geschäftsjahr 2022 auf rund 1,3 Millionen Euro (2021: rund 0,8 Millionen Euro). Die Umsatzerlöse lagen nach Angaben des Unternehmens 2019 mit rund 1,2 Millionen Euro schon mal deutlich höher als 2021.


Die Arekapalmblätter sind ein Abfallprodukt der Betelnussproduktion in Indien. / Foto: Leef Blattwerk

Laut Prospekt wurde der angestrebte Wachstumskurs mit Ausbruch der Corona-Pandemie gestoppt. Zum damaligen Zeitpunkt belieferte die Emittentin nach eigenen Angaben vor allem Gastronomen und Festivals und erlitt dementsprechend erhebliche Umsatzeinbrüche. Die Jahresfehlbeträge des Unternehmens beliefen sich laut ihrer GuV auf rund 1,4 Millionen Euro (2021) und rund 1,3 Millionen Euro (2022). Zum 31. Dezember 2022 weist die Emittentin einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag von rund 2,7 Millionen Euro bei einer Bilanzsumme von rund 3,3 Millionen Euro aus. Der Bilanzverlust erhöhte sich zum 31. Dezember 2022 auf rund 4,2 Millionen Euro. Das Anlagevermögen der Emittentin beträgt laut ihrer Bilanz zum 31. Dezember 2022 rund 80.000 Euro.

Die Leef Blattwerk GmbH hat laut ihrem Jahresabschluss-Nachtragsbericht (vom 27.10.2023) im Jahr 2023 bereits zusätzliches Eigenkapital von 1,22 Millionen Euro eingeworben (davon 360.000 Euro durch Wandlung von Darlehen). Darüber hinaus hat die Gesellschaft laut Nachtragsbericht Nachrangdarlehen von 748.250 Euro eingeworben. Über das Crowdinvesting-Angebot hat ECOreporter hier berichtet. Die Emittentin benötigt laut Prospekt neben dem Kapital aus den Schuldverschreibungen weiteres Geld, um ihre Geschäftstätigkeit auf- und auszubauen.

Geplante Investitionen

Laut Prospekt beträgt der geschätzte Nettoemissionserlös bei Vollplatzierung der Anleihe ca. 4,5 Millionen Euro. Davon sollen etwa 1,5 Millionen Euro in eine Kapitalerhöhung an der Leef India Products Pte. Ltd. fließen. Die durch die Beteiligung an das indische Unternehmen geflossene Liquidität wird laut Prospekt zum Aufbau von Fabrikationsanlagen (2,5 Millionen Euro) zuzüglich einer korrespondierenden Warenvorfinanzierung (1,4 Millionen Euro) benötigt. Zudem werde Kapital bei der Emittentin gebraucht, um die Bereiche Produktentwicklung, Vertrieb und Controlling zu verstärken bzw. aufzubauen (0,6 Millionen Euro). Sollte das Platzierungsvolumen der Anleihe geringer ausfallen, würden laut Prospekt die Ausgaben in den genannten Bereichen analog zum erzielten Emissionsvolumen reduziert.

Ökologische Wirkung

Jedes verkaufte Produkt von Leef ersetzt nach Einschätzung der Emittentin üblicherweise ein Produkt aus Plastik oder eine der mitunter problematischen Alternativen. Zudem verhindert die Emittentin nach eigenen Angaben durch die Weiterverarbeitung das Verbrennen der Palmblätter. Die Leef-Produkte werden nach Angaben der Emittentin von Indien aus mit Containerschiffen nach Deutschland gebracht.

Das Leef-Palmblattgeschirr wird nach Angaben des Unternehmens als Einweggeschirr verkauft, könne aber zu Hause mehrfach verwendet werden. Dafür soll es feucht abgewischt oder per Hand abgewaschen und abgetrocknet werden. Leef Blattwerk empfiehlt allerdings, das Geschirr spätestens nach zehnfacher Verwendung zu entsorgen.

Leef-Palmblattgeschirr kompostiert laut Unternehmen unter natürlichen Umständen üblicherweise binnen drei Monaten. Um eine natürliche Kompostierung zu beschleunigen, empfiehlt Leef Blattwerk, das Geschirr vor der Entsorgung in mehrere Teile zu zerbrechen.

Das Palmblatt-Geschirr kann als ökologische Alternative für Bereiche gelten, in denen der Einsatz von Mehrweggeschirr nicht möglich oder zu aufwendig ist. Für die geplanten neuen Palmblatt-Produktkategorien, z.B. Verpackungen, Ausstattungen für Kleintiere und Kinderspielzeug, liegen noch keine langjährigen Erfahrungswerte beispielsweise hinsichtlich der Haltbarkeit vor, sodass ihre Ökobilanz noch nicht eingeschätzt werden kann.

Hohe Risiken


Mitarbeiterinnen des indischen Lieferanten von Leef Blattwerk. / Foto: Leef Blattwerk

Es besteht das Risiko, dass die Nachfrage nach Produkten der Emittentin nicht wie erwartet steigt. Beispielsweise ist es laut Prospekt möglich, dass Produktneuentwicklungen mit höheren Margen nicht wie geplant auf dem Markt platziert werden können. Im bestehenden Produktsegment Geschirr besteht das Risiko, dass Kundinnen und Kunden Alternativen von Wettbewerbern bevorzugen.

Die Abhängigkeit von Großkunden kann sich laut Prospekt negativ auf den Geschäftsbetrieb der Emittentin auswirken, falls beispielsweise infolge einer Konsolidierung im Großhandel die Nachfrage sinkt.

Die Emittentin ist derzeit abhängig von einem Produktionspartner in Indien. Es besteht laut Prospekt das Risiko, dass die Produktionskapazitäten in Indien nicht wie benötigt ausgeweitet werden können oder die Kosten für den Fabrikbau höher als erwartet ausfallen. Zudem könnte der Fabrikbau nicht die gewünschte Effizienzsteigerungen nach sich ziehen. Die Emittentin hat laut Prospekt Preissenkungen infolge der erhofften Effizienzsteigerungen in ihren Businessplan mit einbezogen.

In Zeiten des Monsuns können die Palmblätter in Indien laut Prospekt nur eingeschränkt oder gar nicht weiterverarbeitet werden, da sie zu nass sind und das Risiko von Schimmelbefall zu hoch ist. Die Produktion sei darauf angewiesen, dass vorher genügend Blätter eingelagert wurden. Traditionell dauert der Monsun in den Gebieten, in denen derzeit die Blätter gesammelt werden, laut Prospekt von ca. Ende Mai bis Ende September. Der Klimawandel hat nach Angaben der Emittentin nachweislich auch einen Einfluss auf die Zeiten des Monsuns. Im Jahr 2021 habe er erstmalig in der Geschichte erheblich länger angehalten, was zur Folge hatte, dass nicht genügend Blätter vorrätig waren. Ein länger werdender Monsun in Indien würde die Produktion erschweren und den Druck auf die Produktionserweiterung in andere Regionen erhöhen.

Es besteht laut Prospekt das Risiko, dass Importzölle erhoben werden (Europa) oder sich die Importzölle erhöhen (Lateinamerika). Nach Angaben der Emittentin ist es nicht auszuschließen, dass sich in naher Zukunft Änderungen ergeben, z.B. Verpackungssteuern, CO2-Abgaben und Einschränkungen für Einmalprodukte.

Es besteht laut Prospekt das Risiko, dass die Emittentin über die Anleihe 2023/2028 nicht genügend Liquidität schöpft, um das erforderliche Wachstum sicherzustellen, und damit der Bestand der Emittentin gefährdet wäre. Die Anleihe befindet sich nach Aussage der Emittentin noch in der Primärplatzierung. Mit dieser Begründung hat das Unternehmen ECOreporter den Platzierungsstand der Anleihe nicht genannt. Bis zu 1 Million Euro des Emissionsvolumens (maximal 5 Millionen Euro) sollten über die Internet-Plattform Econeers vermittelt werden. Nach Angaben von Econeers wurden nur 99.000 Euro gezeichnet und die Zeichnung der Anleihe auf der Econeers-Plattform am 14. Dezember 2023 beendet. Nach Aussage der Emittentin wurden im Zuge der Nachplatzierung am 10. Januar 2024 bereits weitere 500.000 Euro gezeichnet.

Die Emittentin ist zum 31. Dezember 2022 bilanziell überschuldet. Sie wird laut Prospekt Eigenkapital benötigen, um gegebenenfalls eine bilanzielle Überschuldung zu heilen. Falls die bilanzielle Überschuldung nicht geheilt werden kann, besteht die Möglichkeit, dass die Emittentin Insolvenz anmelden muss. Für Anlegerinnen und Anleger bestehen erhebliche Risiken, dass sie ihr eingesetztes Kapital verlieren.

Fazit

Die Leef Blattwerk GmbH hat in rund zehn Jahren Unternehmensgeschichte mit ihrem Palmblatt-Geschirr noch nicht die Gewinnzone erreicht. Mit der Anleiheemission und der geplanten Ausweitung von Produktion und Sortiment versucht sie eine Art Befreiungsschlag. Angesichts der Bilanz- und Kapitalstruktur ist das Unternehmen nach Einschätzung von ECOreporter eher ein Fall für risikofreudige Eigenkapital-Investoren, falls ihnen die Investmentstory der Emittentin gefällt. Das Zins/Risiko-Verhältnis der Anleihe überzeugt nicht.

Basisdaten

Anbieterin und Emittentin: Leef Blattwerk GmbH, Potsdam
Anlageform: Anleihe (Inhaber-Schuldverschreibungen)
Emissionsvolumen: bis zu 5 Millionen Euro
Mindestzeichnungssumme: 1.000 Euro
Laufzeit: 18.12.2023 bis 17.12.2028
Zinssatz: 9,0 Prozent pro Jahr
Einkunftsart: Einkünfte aus Kapitalvermögen
Prospektbilligung: CSSF (Luxemburgische Finanzaufsichtsbehörde)
Handelbarkeit: Börse Frankfurt
ISIN: DE000A352ER1

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