Dieser ETF investiert in Chipkonzerne wie Intel – kann er in Sachen Nachhaltigkeit überzeugen? / Foto: Intel

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ETF-Test: Amundi MSCI Semiconductors UCITS ETF

Mikrochips als Investment-Thema: Darauf konzentriert sich dieser ETF. Und er verspricht, dabei unter anderem auch auf Umwelt und Soziales zu achten. Hält er das Versprechen ein? Wie entwickelt er sich finanziell? ECOreporter hat den Amundi MSCI Semiconductors ETF eingehend getestet.

Anbieter des ETFs ist der Finanzkonzern Amundi, eine Tochter der französischen Großbank Crédit Agricole. Seit Amundi 2021 den ebenfalls französischen Konkurrenten Lyxor geschluckt hat, ist das Unternehmen der größte ETF-Anbieter Europas. Amundi vertreibt unter anderem auch nicht-nachhaltige ETFs, die in Öl, Kohle und Rüstung anlegen.

Finanzen/Risiko

Der ETF startete im März 2007. Auf ein Jahr gesehen legte er 33,9 Prozent zu, der weltweite Aktienindex MSCI World ist 12,0 Prozent im Plus. Auf fünf Jahre betrachtet gewann der ETF 310,4 Prozent an Wert. Der MSCI World legte im selben Zeitraum 108,4 Prozent zu.

Der ETF ist also sehr stark gestiegen, die Wertschwankungen sind aber sehr hoch. Die Jahresgebühren fallen mit 0,35 Prozent ETF-typisch günstig aus. ECOreporter empfiehlt eine Haltedauer von mindestens sieben, besser zehn Jahren.

Nachhaltigkeitskonzept

Der ETF bildet einen Index des US-Finanzkonzerns MSCI nach. Hierfür investiert er in 67 Unternehmen, die nach der Definition von MSCI zum Industriesektor Halbleiter gehören, also Chips oder Halbleiterausrüstung herstellen.

Entscheidend ist dabei die Klassifizierung nach dem sogenannten Global Industry Classification Standard (GICS). Der GICS wurde 1999 von MSCI und dem ebenfalls aus den USA stammenden Finanzkonzern Standard & Poor’s (S&P) entwickelt und ordnet jede größere Aktiengesellschaft einem Industriesektor zu. Welche genauen Bedingungen für die Einordnung gelten, etwa wie viel Umsatz mit der Herstellung von Halbleitern oder Technologie für die Herstellung von Halbleitern erzielt werden muss, erklärt MSCI nicht.

Um als Halbleiter-Unternehmen für diesen ETF ausgewählt werden zu können, müssen Firmen eine Nachhaltigkeitsnote von MSCI erhalten. Allerdings: egal, welche. Hier gilt kein Mindestanspruch – entscheidend ist nur, dass überhaupt eine Bewertung stattfindet. Außerdem gelten Ausschlusskriterien.

Ausschlusskriterien

Der ETF schließt unter anderem Investments in Unternehmen aus, die Geld mit geächteten Waffen verdienen, mit Waffenherstellung für den zivilen Markt oder mit Tabakproduktion. Ausgeschlossen sind auch Konzerne, wenn sie Öl und Gas in der Arktis fördern. Wie sollen Waffen- oder Ölkonzerne in einen ETF gelangen, der auf Mikrochips spezialisiert ist? Das ist beispielsweise bei Mischkonzernen möglich, die mehrere Geschäftsfelder haben.

Wenn Unternehmen im ETF Umsätze etwa mit der Erzeugung von Kohlestrom oder dem Verkauf von Tabakprodukten erzielen, müssen diese unter der Schwelle von 5 Prozent des Gesamtumsatzes liegen. Bei Herstellung und Vertrieb von Waffen für Militär und Sicherheitskräfte liegt diese Umsatzschwelle bei 10 Prozent. Eine Liste der vollständigen Ausschlusskriterien finden Sie im Premium-Bereich.

Wie nachhaltig sind die Aktien in diesem ETF?

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

Dass Aktiengesellschaften aus dem Halbleitersektor Kohle verstromen oder Öl und Gas fördern, ist eher nicht zu erwarten. Dementsprechend finden sich auch keine Geschäfte mit fossiler Energie im ETF. Ein kritischer Bereich sind hingegen mögliche Geschäfte mit dem Militärsektor. Hier lässt sich festhalten: Kein Unternehmen im ETF liefert essenzielle Bestandteile von Waffentechnologie, also etwa Steuerungschips für Raketen. Auch wesentliche Geschäfte mit der Nuklearindustrie gibt es nicht.

Den Großteil der Aktien machen Chiphersteller beziehungsweise -entwickler mit einem Anteil von knapp 82 Prozent aus. Hierzu gehören etwa Taiwan Semiconductor (TSMC) oder Intel, Nvidia und AMD aus den USA. Diesen und auch weiteren Unternehmen im ETF bescheinigt ECOreporter eine gute Nachhaltigkeitsbilanz.

Zu den Halbleiter-Ausrüstern, die die restlichen 18 Prozent der Aktien im ETF stellen, zählen nach Definition von MSCI auch die Solarunternehmen First Solar und Enphase Energy aus den USA, SolarEdge aus Israel und Xinyi Solar aus China. Warum, bleibt unklar, die Unternehmen werden im GICS aber ins Halbleiter-Segment eingeordnet

Ein wesentliches Risiko im ETF ist politischer Natur: Hinter den USA mit 73 Prozent stellt Taiwan mit knapp 13 Prozent die zweitmeisten Unternehmen im ETF. Die chinesische Führung betrachtet Taiwan als abtrünnige Provinz und droht seit Jahren mit einer Annexion. Da Taiwan bei Chips technologisch überlegen ist, könnte ein Einmarsch dem chinesischen Staat auch wirtschaftliche Vorteile bringen.

Transparenz

Amundi veröffentlicht das vollständige Portfolio des ETFs auf seiner Webseite. Das Aktienauswahlprinzip und die Ausschlusskriterien stellt der Finanzkonzern online knapp dar. Der Indexanbieter MSCI liefert weitere Informationen zum Auswahlverfahren des abgebildeten Index. Zur Nachhaltigkeit der Aktien im ETF finden Anlegerinnen und Anleger in den öffentlich zugänglichen Dokumenten des ETFs mit vertretbarem Zeitaufwand keine Informationen.

Nachhaltige Wirkung

In einem jährlich erscheinenden "Stewardship Report" (deutsch etwa "Bericht über wahrgenommene Verantwortung") dokumentiert Amundi sein Abstimmungsverhalten zu ESG-Themen auf den Hauptversammlungen von Aktienunternehmen. ESG steht für die Kriterien Ökologie (E wie Environment), Soziales (S wie Social) und gute Unternehmensführung (G wie Governance). Dabei bietet Amundi eine Übersicht, an welchen Hauptversammlungen teilgenommen wurde, und nennt Abstimmungsbeispiele, etwa wenn ein Vorstand wegen nicht erreichter Nachhaltigkeitsziele nicht entlastet wurde. Die Übersicht ist allerdings sehr grob gehalten. Amundi macht keine Angaben zu Dialogen mit Unternehmen.

Stärken

  • Keine Investments in kontroverse Geschäftsfelder

Schwächen

  • Unklares Auswahlverfahren zur Nachhaltigkeit
  • Geringe Streuung mit nur 67 Aktien
  • Aktien aus Taiwan als Risiko

Fazit

Der ETF investiert in Chipkonzerne. Kritische Geschäfte etwa mit Militär und Nuklearindustrie bleiben dabei außen vor. Es finden sich auch Solarunternehmen im Aktienpaket. Die Streuung ist mit 67 Papieren recht gering. Ein ETF, der den Begriff ESG im Namen führt und schon das reine Vorhandensein einer Nachhaltigkeitsbewertung ausreichen lässt für die Aufnahme in seinen Aktienkorb, ist heute nicht mehr zeitgemäß.

ECOreporter-Noten:

Finanzen: 1,6

Nachhaltigkeit: 3,0

Details zum Benotungssystem von ECOreporter finden Sie hier.

Alle bisherigen ETF-Tests finden Sie hier.

Ausschlusskriterien

Ausschlusskriterien ohne Umsatzschwelle:

  • Geächtete Waffen
  • Atomwaffen
  • Herstellung zivile Waffen und Munition
  • Förderung Öl und Gas in der Arktis
  • Herstellung Tabakprodukte
  • Verstöße gegen den UN Global Compact

Ausschlusskriterien mit Umsatzschwelle:

  • Vertrieb zivile Waffen und Munition (5%)
  • Vertrieb von Tabakprodukten (5%)
  • Kohlebergbau (5%)
  • Erzeugung von Kohlestrom (5%)
  • Geschäfte mit in der Arktis gefördertem Öl und Gas (5%)
  • Herstellung Waffen für Militär und Sicherheitskräfte (10%)
  • Vertrieb Waffen für Militär und Sicherheitskräfte (10%)

Andere Ausschlusskriterien:

  • Stromerzeuger mit Kohlestromanteil ab 10 %


Daten und Fakten

Stichtag des Tests Nachhaltigkeit: 18.10.2023

Stichtag des Tests Finanzen: 29.10.2025

Name des ETFs: Amundi MSCI Semiconductors ESG Screened UCITS ETF Acc

ISIN: LU1900066033 / WKN: LYX018

Nachgebildeter Index: MSCI ACWI Semiconductors & Semiconductor Equipment ESG Filtered NET USD

Start des ETFs: 28.3.2007

Jährliche Gebühren: 0,35% (Gesamtkosten)

Replikationsmethode: physisch (Indexnachbildung durch Kauf der Aktien)

Ertragsverwendung: thesaurierend

Fondsvolumen: 132,5 Millionen Euro (10/2023)

Internet: amundietf.de

Risiko: Totalverlust unwahrscheinlich, Teilverluste möglich

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