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180 ETF-Tests: Die Nachhaltigsten und die finanziell Erfolgreichsten
ECOreporter hat bereits 180 ETF-Tests für Sie durchgeführt. Meist fiel das Ergebnis bei den vorgeblich grünen ETFs ernüchternd aus. Es finden sich jedoch auch Produkte, die anspruchsvolleren Anlegerinnen und Anlegern gefallen können. Ein Überblick.
Eine Liste mit allen bislang von ECOreporter getesteten ETFs finden Sie unter diesem Artikel oder wenn Sie auf diesen Link klicken.
ETFs gehören schon seit Jahren zu den beliebtesten Finanzprodukten. Viele Medien überschlagen sich regelrecht in Lobhudeleien. Wie ETFs generell funktionieren und warum sie meist kostengünstig sind, erläutert der Text im Kasten rechts.
EU kämpft gegen Etikettenschwindel
Weil Nachhaltigkeit für viele Menschen weiterhin ein wichtiges Thema ist, setzt die Finanzbranche verstärkt auf nachhaltige ETFs. Besonders beliebt waren lange vor allem Namenskombinationen mit dem Begriff "ESG". ESG steht für die Bereiche Ökologie (E wie Environment), Soziales (S wie Social) und verantwortungsvolle Unternehmensführung (G wie Governance). Das Kürzel wurde jahrelang genutzt, um pauschal die angebliche Nachhaltigkeit eines Produkts zu signalisieren.
ETFs nannten sich reihenweise "ESG Screened" ("ESG-geprüft"), "ESG Enhanced" ("ESG-verbessert"), "ESG Leaders" ("ESG-Vorreiter") oder auch einfach nur "ESG-ETF". Auch Floskeln wie "Low Carbon" ("kohlenstoffarm") oder "Ex Fossil Fuels" ("ohne fossile Brennstoffe") waren verbreitet, genauso der Hinweis auf "Socially Responsible Investments" (etwa "nachhaltiges Investments"), oft SRI abgekürzt. Wie viel Nachhaltigkeit in den ETFs tatsächlich steckt sieht man aber erst, wenn man sich die Aktien im Portfolio anschaut. Eine Mammutaufgabe bei manchmal mehr als 1.000 Wertpapieren und für Privatleute praktisch nicht zu leisten.
Das hat auch die EU erkannt und bei der Namensgebung neue Fakten geschaffen. Seit dem 21. Mai 2025 untersagen neue Leitlinien der EU-Marktaufsichtsbehörde ESMA Fonds und ETFs, sich nachhaltig oder klimafreundlich zu nennen, wenn sie bestimmte Bedingungen nicht erfüllen. Um Begriffe wie "ESG", "Sustainable" (Nachhaltig), "Impact" (Einfluss) oder "Climate" (Klima) im Namen tragen zu dürfen, müssen die Produkte jetzt unter anderem fossile Unternehmen weitestgehend ausschließen und mindestens 80 Prozent ihres verwalteten Vermögens nach Nachhaltigkeitskriterien investieren.
Hunderte Produkte, vor allem ETFs, änderten aufgrund der neuen Bestimmungen ihren Namen – wenn auch teilweise offenbar zu spät. Sie ersetzten geschützte Nachhaltigkeitsbegriffe durch Marketing-Begriffe wie "Screened", "Selection" oder "Committed". Die klingen vage nachhaltig, fallen aber nicht unter die EU-Vorschriften und ermöglichen weiterhin legales Greenwashing. Die ESMA fordert daher bereits weitere Nachbesserungen.
Atomwaffen und große Ölkonzerne
Doch wie schmutzig sind einige der angeblich nachhaltigen ETFs tatsächlich? Beispiel Nuklearwaffen: Produzenten dieser Massenvernichtungswaffen sind etwa die Konzerne Airbus (französisch-niederländisch), Thales und Safran (beide aus Frankreich). Das belegen Recherchen der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ican) und der Nachhaltigkeits-Ratingagentur EthiFinance.
Aktien aller drei Firmen finden sich aber in einem nachhaltigen ETF, dem L&G Europe ex UK Equity ETF. L&G steht für Legal & General. Das ist der britische Finanzkonzern, der den ETF vertreibt. L&G bewirbt den ETF damit, dass er „eine Reihe von ökologischen und sozialen Merkmalen“ fördere. Wie Massenvernichtungswaffen dazu passen? Das begründet L&G nicht.
Der iShares JP Morgan Advanced $ EM Bond ETF trug anstelle des heutigen "Advanced" ursprünglich ebenfalls ein "ESG" im Namen. Er setzt nicht auf Aktien, sondern auf Anleihen aus Schwellenländern. Die staatlichen oder quasi-staatlichen Anbieter müssen dabei eine Mindestbewertung für ihre Nachhaltigkeit vorweisen. Wie der ETF Nachhaltigkeit definiert, bleibt angesichts seines Portfolios allerdings ein Rätsel: Wer diesen ETF kauft, investiert etwa in Anleihen von Katar, Saudi-Arabien oder China, Staaten also, die in großem Stil fossile Brennstoffe fördern und Menschenrechte verletzen.
ETFs – eine kleine Einführung
ETF steht für Exchange-Traded-Fund, auf deutsch: börsengehandelter Fonds. ETFs kauft man also einfach an der Börse, und zwar ohne den bei den meisten Fonds üblichen Ausgabeaufschlag. ETFs investieren in der Regel in einen Aktienindex, beispielsweise in den DAX, den Dow Jones oder einen der mittlerweile tausenden anderen Indizes. Ändert sich der Aktienindex, wechselt computergesteuert die ETF-Zusammensetzung. Also automatisch, ohne Fondsmanager. Das ist billiger. Daher sind ETFs bei der Jahresgebühr meist deutlich günstiger als Fonds.
ETFs sind aber wie normale Fonds auch "Sondervermögen“. Selbst wenn die Investmentgesellschaft pleitegeht, das Geld der Fondsanlegerinnen und -anleger ist geschützt. Allerdings nicht vor Kursverlusten – die können vorkommen. Doch es wird so gut wie nie vorkommen, dass sämtliche Aktien eines ETF wertlos werden.
Echte Aktien oder Luftnummer?
Anlegerinnen und Anleger sollten darauf achten, dass sie in ETFs investieren, die ihren Index wirklich nachbilden und dessen Aktien kaufen. Das nennt sich „physische Replikation“. Es gibt viele andere sogenannte „synthetische“ ETFs, die den Anlegerinnen und Anlegern nur die Wertentwicklung eines Index bieten, aber die Aktien nicht erwerben. Luftnummern also. ECOreporter-Meinung zu dieser Unterart: Finger weg.
ETFs und Indexfonds: ein feiner Unterschied
ETFs werden oft auch als Indexfonds bezeichnet. Ganz gleich sind die beiden Produktarten aber nicht. Denn ETFs kann man zu den Börsenhandelszeiten kaufen und verkaufen, Indexfonds werden gar nicht oder nur eingeschränkt an einer bestimmten Börse gehandelt. Wie bei aktiven Anlagefonds kauft oder verkauft man sie ansonsten einmal täglich über den Fondsanbieter – zum sogenannten Nettoinventarwert, also zum Schlusskurs aller Aktien. Positiv: Indexfonds enthalten immer die Aktien selbst, das ist die oben genannte „physische Replikation“.
ExxonMobil, Chevron und ConocoPhillips gehören zu den größten Öl- und Gaskonzernen der Welt. In die Aktien aller drei Firmen investiert ein ETF namens SPDR S&P 500 Leaders. Der nannte sich ursprünglich "ESG Screened". Wie bei vielen ETFs verschwand im Zuge der letztjährigen Umbenennung das "ESG". Der US-Vermögensverwalter State Street Corporation machte den ETF stattdessen zu einem "Leader". Worin der ETF führend sein soll, bleibt freilich offen. Nachhaltigkeit kann es nicht sein.
Selbst ETFs, bei deren Namen man grüne Investments vermuten würde, entpuppen sich beim Blick hinter die Marketingslogans oft als Klimaschädlinge. Drei Beispiele: der Amundi New Energy des französischen Anbieters Amundi, der iShares Global Clean Energy Tansition, ein ETF des weltgrößten Vermögensverwalters BlackRock aus den USA, und der Invesco S&P World Energy Targeted & Screened des US-Finanzkonzerns Invesco.
Drei ETFs also, die "neue" und "saubere" Energie im Namen tragen, dabei aber auch auf fossile Rohstoffe und Atomkraft setzen. Und drei ETFs, deren Namen sich mittlerweile geändert haben: Beim Amundi-ETF verschwand ein "ESG Filtered". iShares ergänzte das "Clean Energy" um ein "Transition" – der ETF steht nun also nur noch für den Übergang zu sauberer Energie. Und bei Invesco wurde das "ESG" durch ein "Targeted & Screened" ersetzt. Was das Anlegerinnen und Anlegern mitteilen soll, weiß wohl nur der Anbieter selbst – wenn überhaupt.
Die ECOreporter-Redaktion entdeckte in den ETFs von Amundi und BlackRock beispielsweise Aktien der Energieversorger Iberdrola (Spanien) und NextEra Energy (USA). Beide sind in ihren Ländern große Anbieter für Erneuerbare Energie, betreiben aber auch Atomkraftwerke. Der Invesco-ETF investiert gar nicht in grüne Energie, sondern in großem Stil in Öl- und Gasförderung – will dabei aber als nachhaltig gelten.
Der iShares Global Clean Energy Transition war beim ersten ECOreporter-Test 2020 mit einer Nachhaltigkeitsnote von 2,3 noch der zweitbeste ETF überhaupt. Dann stockte iShares den Aktienkorb auf, von 30 auf 83 Unternehmen. Und unter den 53 neuen Firmen erzeugen immerhin 22 Strom auch aus Kohle oder Uran. Bei der Nachhaltigkeit kommt der ETF nun auf ein glattes „Mangelhaft“. Neue, saubere Energie? Eher alt und strahlend.
Geiz ist geil?
Wie können so viele klimaschädliche, nicht nachhaltige Aktien in ETFs versammelt sein, die sich nachhaltig nennen? Das liegt auch an dem System, mit dem die Indexanbieter ihre Aktienauswahl treffen. In der Regel funktioniert es so: Die Anbieter nehmen einen ganz konventionellen Börsenindex mit vielen Aktien. Dann filtern sie nach bestimmten Kriterien aus diesen oft tausenden von Aktien die nachhaltigsten 25 oder 50 Prozent jeder Branche heraus. Oder auch mal 80 Prozent. "Best-in-Class“ nennt sich das. Das ergibt dann den nachhaltigen Index, und der ist die Grundlage des ETFs.
Damit landen dann also auch Aktien aus Branchen, die überhaupt nicht nachhaltig sind (Öl, Kohle, Atomenergie, Rüstung), im grünen Index. Mit der Begründung, dass es immerhin die am wenigsten schädlichen einer nicht nachhaltigen Branche seien. Ob das die Welt nachhaltiger macht, darf bezweifelt werden.

Braunkohlebagger statt Hambacher Forst: Fossile Energie findet sich in vielen angeblich nachhaltigen ETFs. / Foto: Pixabay
Zwar arbeiten auch viele nachhaltige Fonds nach dem Best-in-Class-Prinzip. Sie haben allerdings oft strengere Kriterien und manchmal auch einen Beirat, der auf die Aktienauswahl schaut. Nachhaltigkeitsbeiräte und andere Gremien kosten jedoch Geld, und hier geizen die ETFs. Es geht ja um ihren Ruf, günstige Gebühren zu verlangen. Etliche nachhaltige Fonds treten zudem in Dialog mit Unternehmen und drängen auf mehr Nachhaltigkeit. Oder sie veröffentlichen es, wenn sie Aktien verkaufen, weil diese Nachhaltigkeitsvorgaben nicht erfüllen. Das schafft Öffentlichkeit und setzt Firmen unter Druck. Vieles davon fehlt häufig bei nachhaltigen ETFs.
ETFs sind in der Finanzbranche und auch bei vielen Anlegerinnen und Anlegern vor allem wegen ihrer niedrigen Kosten beliebt (siehe Kasten). Verbraucherschützer und Finanzportale empfehlen ETFs als Altersvorsorge. Mittlerweile stecken alleine in nachhaltigen Produkten Hunderte Milliarden Euro.
Als kostengünstiger Weg zu nachhaltigeren ETFs müssten daher strenge Ausschlusskriterien im Fokus stehen – doch hier lassen viele ETFs Schlupflöcher. Einige jüngere Produkte neuer Anbieter machen es allerdings besser (siehe Premium-Bereich).
Zahl der besseren ETFs wächst
ECOreporter testet laufend nachhaltige ETFs. Wertentwicklung, Kosten, Transparenz, die Nachhaltigkeit der Unternehmen im ETF – all das bewertet die Redaktion. Am Ende stehen Noten. Und an denen können Sie sofort erkennen, ob ein ETF tiefgrün, hellgrün oder doch eher so schwarz wie Kohle und Öl ist.
Details dazu, wie ECOreporter benotet, erfahren Sie hier. Unten im Premium-Bereich finden Sie eine Liste mit allen ECOreporter-ETF-Tests, lesen eine Zusammenfassung, welche ETFs bislang am besten abgeschnitten haben, und können die Produkte per Tabelle vergleichen.
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