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ETF-Test: Amundi STOXX Europe 600 Energy Screened ETF
Ein ETF, der in nachhaltige Unternehmen aus der Energiebranche investiert – das heißt Investments in Erneuerbare Energie, oder? Warum ECOreporter bei der Prüfung des Amundi STOXX Europe 600 Energy Screened ETF (früher: Amundi STOXX Europe 600 Energy ESG Screened ETF) ins Kopfschütteln geriet und wie sich der ETF finanziell entwickelt hat, lesen Sie im ECOreporter-ETF-Test.
Anbieter des ETFs ist der Finanzkonzern Amundi, eine Tochter der französischen Großbank Crédit Agricole. Seit Amundi 2021 den ebenfalls französischen Konkurrenten Lyxor geschluckt hat, ist das Unternehmen der größte ETF-Anbieter Europas. Amundi vertreibt unter anderem auch nicht-nachhaltige ETFs, die in Öl, Kohle und Rüstung anlegen.
Finanzen/Risiko
Der ETF startete bereits im Oktober 2006. Im Jahresvergleich hat er 0,8 Prozent an Wert verloren, der weltweite Aktienindex MSCI World legte hingegen 8,2 Prozent zu. Auch auf fünf Jahre betrachtet fällt die Wertentwicklung des ETFs mit einem Plus von 4,5 Prozent schwach aus. Der MSCI World gewann im gleichen Zeitraum 75 Prozent.
Die Jahresgebühren sind mit 0,30 Prozent ETF-typisch günstig. Die Wertschwankungen sind hoch. ECOreporter empfiehlt eine Haltedauer von mindestens sieben, besser zehn Jahren.
Nachhaltigkeitskonzept
Der ETF bildet einen Index des Schweizer Indexanbieters Stoxx Limited nach, einer Tochter der Deutsche Börse AG. Er investiert lediglich in 17 Unternehmen.
Um für den Index und den ETF infrage zu kommen, müssen Unternehmen nach der Definition der sogenannten Industry Classification Benchmark (ICB) dem Energiesektor angehören und im Stoxx 600 Europe vertreten sein, einem Aktienindex der 600 größten europäischen Konzerne. Außerdem müssen Unternehmen eine ESG-Note der Nachhaltigkeits-Ratingagentur ISS-ESG besitzen, ebenfalls eine Tochter der Deutschen Börse.
Die ESG-Bewertung beurteilt die Leistung eines Unternehmens in den Kategorien Umweltschutz (E wie Environment), Soziales (S wie Social) und gute Unternehmensführung (G wie Governance). Im Zuge neuer EU-Vorschriften musste der ETF im Mai das "ESG" aus dem Namen streichen – um sich als ESG-ETF zu bezeichnen ist er nicht nachhaltig genug.
Ausschlusskriterien
Der ETF schließt Investments in Unternehmen vollständig aus, die Geld mit geächteten Waffen verdienen oder Tabakprodukte herstellen.
Wenn Unternehmen im ETF Umsätze etwa mit der Erzeugung von Kohlestrom, dem Fördern von Ölsanden oder der Herstellung von zivilen Feuerwaffen erzielen, müssen diese unter der Schwelle von 5 Prozent des Gesamtumsatzes liegen. Bei Militärverträgen liegt die tolerierte Umsatzschwelle bei 10 Prozent.
Keine Beschränkungen gibt es etwa für konventionelle Öl- und Gasförderung oder für Atomkraft. Eine Liste der vollständigen Ausschlusskriterien finden Sie im Premium-Bereich.
So nachhaltig sind die Aktien in diesem ETF
Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.
Die Bezeichnung „Energy ESG Screened“ im Namen des ETFs kann sinngemäß mit „auf ESG-Kriterien geprüfte Energie-Aktien“ übersetzt werden. Daher könnten Anlegerinnen und Anleger hier etwa Investments in Erneuerbare Energie-Firmen erwarten. Nach grüner Energie sucht man im Aktienpaket aber fast vergeblich.
Stattdessen investiert der ETF überwiegend in Öl- und Gaskonzerne: 15 der lediglich 17 Unternehmen im ETF machen überwiegend Geschäfte im fossilen Sektor, etwa Öl- und Gasförderer wie BP aus Großbritannien, Aker BP aus Norwegen und Repsol aus Spanien oder die Gasnetzbetreiber Snam aus Italien und Enagas aus Spanien.
Bei der sogenannten unkonventionellen Öl- und Gasförderung, also der Förderung von Ölsanden, arktischen Bohrungen und hydraulischem Fracking bleiben die Konzerne unter den durch den ETF vorgegebenen Umsatzschwellen. Da für konventionelle Förderung keine Einschränkung besteht, hält der ETF seine Kriterien ein. Erzeuger von Kohle- oder Atomstrom sind nicht im ETF vertreten.
Das einzige kerngrüne Unternehmen im Aktienpaket ist der dänische Windanlagenbauer Vestas. Hinzu kommt das norwegische Wasserstoffunternehmen Nel, das mit seiner Spezialisierung auf grünen Wasserstoff ebenfalls als nachhaltig angesehen werden kann.
Transparenz
Amundi veröffentlicht das vollständige Portfolio des ETFs auf seiner Webseite. Das Aktienauswahlprinzip und die Ausschlusskriterien stellt der Finanzkonzern online knapp dar. Der Indexanbieter Stoxx liefert weitere Informationen zum Auswahlverfahren des abgebildeten Index. Zur Nachhaltigkeit der Aktien im ETF finden Anlegerinnen und Anleger in den öffentlich zugänglichen Dokumenten des ETFs mit vertretbarem Zeitaufwand keine Informationen.
Nachhaltige Wirkung
In einem jährlich erscheinenden "Stewardship Report" (deutsch etwa "Bericht über wahrgenommene Verantwortung") dokumentiert Amundi sein Abstimmungsverhalten zu ESG-Themen auf den Hauptversammlungen von Aktienunternehmen. Dabei bietet Amundi eine Übersicht, an welchen Hauptversammlungen teilgenommen wurde, und nennt Abstimmungsbeispiele, etwa wenn ein Vorstand wegen nicht erreichter Nachhaltigkeitsziele nicht entlastet wurde. Die Übersicht ist allerdings sehr grob gehalten. Amundi macht keine Angaben zu Dialogen mit Unternehmen.
Stärken
- Günstige Gebühren
- Keine Investments in Kohle
- Keine Investments in Atomkraft
Schwächen
- Schwaches Auswahlverfahren
- Größtenteils Investments in Öl- und Gaskonzerne
- Nur 17 Unternehmen im ETF
- Schwache Wertentwicklung
Fazit
ESG-geprüft mögen die Unternehmen in diesem ETF sein, mit Nachhaltigkeit haben sie größtenteils aber wenig bis nichts zu tun. Nachhaltige Anlegerinnen und Anleger, die bei „Energy ESG Screened“ an Erneuerbare Energie denken, sind hier an der völlig falschen Adresse und sollten einen weiten Bogen um die Mogelpackung machen. Die schlechte Wertentwicklung macht den ETF zusätzlich unattraktiv.
ECOreporter-Noten:
Finanzen: 5,0
Nachhaltigkeit: 6,0
Details zum Benotungssystem von ECOreporter finden Sie hier.
Alle bisherigen ETF-Tests finden Sie hier.
Ausschlusskriterien
Ausschlusskriterien ohne Umsatzschwelle:
- Geächtete Waffen
- Tabakprodukte
- Beteiligung an Erschließungsmaßnahmen oder -plänen für Kohlebergwerke ab März 2022
- Beteiligung am Neubau von Kohlekraftwerken ab März 2022
Ausschlusskriterien mit Umsatzschwelle:
- Vertrieb von Tabakprodukten (5%)
- Kohlebergbau (5%)
- Stromerzeugung aus Kohle (5%)
- Förderung/Verarbeitung Ölsande (5%)
- Förderung/Verarbeitung Öl und Gas in der Arktis (5%)
- Hydraulisches Fracking (5%)
- Herstellung/Vertrieb zivile Waffen und Munition (5%)
- Rüstung und Militärverträge (10%)
Daten und Fakten
Stichtag des Tests: 15.11.2023
Name des ETFs: Amundi STOXX Europe 600 Energy Screened UCITS ETF - EUR ACC
ISIN: LU1834988278 / WKN: LYX02P
Nachgebildeter Index: STOXX Europe 600 Energy ESG+ Index
Start des ETFs: 25.10.2006
Jährliche Gebühren: 0,30% (Gesamtkosten)
Replikationsmethode: physisch (Indexnachbildung durch Kauf der Aktien)
Ertragsverwendung: thesaurierend
Fondsvolumen: 188,1 Millionen Euro (11/2023)
Internet: amundietf.de
Risiko: Totalverlust unwahrscheinlich, Teilverluste möglich