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ETF-Test: Xtrackers MSCI World Momentum ESG ETF
Der Xtrackers MSCI World Momentum ESG ETF will in Unternehmen mit guter Klimabilanz investieren und dabei den „Momentum-Faktor“ ausnutzen. Was dieser Begriff bedeutet und wie nachhaltig das Aktienpaket des ETFs tatsächlich ist, erklärt ECOreporter im Test.
Anbieter des ETFs ist Xtrackers, eine Tochter der Fondsgesellschaft DWS. Die wiederum gehört zur Deutschen Bank. Kein allzu gutes Omen für strenge Nachhaltigkeit, denn ein beträchtlicher Teil des Geldes, das Xtrackers und DWS anlegen, steckt in Kohle, Erdöl und Rüstung.
Finanzen/Risiko
Der ETF startete im Juli 2023. Da er damit noch keine drei Jahre am Markt ist, erhält er keine Finanznote. Bei der Auswahl von Aktien will der ETF den sogenannten Momentum-Faktor ausnutzen und in Wertpapiere investieren, die in den letzten sechs bis zwölf Monaten eine besonders gute Wertentwicklung aufweisen. In den letzten zwölf Monaten konnte der ETF gute 34,3 Prozent an Kurswert gewinnen.
Die Jahresgebühren von 0,25 Prozent sind ETF-typisch günstig. ECOreporter empfiehlt eine Haltedauer von fünf, besser sieben Jahren.
Nachhaltigkeitskonzept
Der ETF bildet einen Aktienindex des US-Finanzdienstleisters MSCI ab. Bewertung und Auswahl der Unternehmen stammen von MSCI. Insgesamt investiert der ETF in 165 mittelgroße und große Aktiengesellschaften aus 23 Industrieländern weltweit.
Der ETF legt nach dem "Best-in-Class"-Verfahren an. Zunächst müssen alle Unternehmen eine bestimmte Mindestnote für „ESG“ aufweisen. Das Kürzel steht für Ökologie (E wie Environment), Soziales (S wie Social) und gute Unternehmensführung (G wie Governance). Aber: Was eine gute Leistung in den einzelnen ESG-Bereichen ist, dafür gibt es keine verbindlichen Standards.
Beim zweiten Schritt geht es um den Treibhausgas-Ausstoß, allerdings bleiben die Kriterien hier vage. So soll der ETF nur in höchstens halb so viel fossile Energie investieren wie der nicht-nachhaltige MSCI World. Zudem sollen die einzelnen Unternehmen im Schnitt auch weniger CO2 ausstoßen als die Unternehmen im MSCI World.
Ausschlusskriterien
Der ETF schließt Unternehmen vollständig aus, die an Geschäften mit geächteten Waffen oder Atomwaffen beteiligt sind oder gegen den UN Global Compact verstoßen, also etwa Menschen- und Arbeitsrechte grob verletzen. Auch die Herstellung von zivilen Schusswaffen und Tabakprodukten ist tabu, ebenso die Förderung von Kohle und die „unkonventionelle“ Förderung von Öl und Gas (etwa Ölsande, Schiefergas).
Bei bestimmten Geschäften muss der Anteil am Umsatz eines Unternehmens unter 5 Prozent liegen. Dazu gehören etwa das Erzeugen von Kohlestrom, die Herstellung von Alkohol oder das Anbieten von Glücksspiel.
Erzeugt ein Konzern Atomstrom, muss dessen Anteil am Elektrizitätsmix des Unternehmens – also an der Menge Strom, die das Unternehmen insgesamt in seinen verschiedenen Kraftwerken produziert – unter 5 Prozent liegen. Der Umsatz mit Atomstrom muss unter 15 Prozent liegen.
Keine Einschränkung gilt etwa für die konventionelle Förderung von Öl und Gas. Dazu gehören explizit Tiefseebohrungen, auch in der Arktis. Eine vollständige Liste der Ausschlusskriterien finden Sie im Premium-Bereich.
So nachhaltig sind die Aktien in diesem ETF
Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.
Der ETF investiert in Aktien der US-Supermarktketten Tractor Supply und Dick's Sporting Goods - die Konzerne bieten Schusswaffen und Munition für Privatpersonen an. Beide Unternehmen erzielen mit diesem Geschäft aber weniger als 5 Prozent ihres Umsatzes. Ebenfalls im ETF vertreten ist das auf Erdgasaufbereitung, Flüssiggastransport und den Vertrieb von Erdöl spezialisierte US-Unternehmen Targa Resources. Für diese Geschäfte gibt es keine Beschränkungen in den Kriterien des ETFs.
Insgesamt investiert der ETF sehr konventionell. Kerngrüne Firmen finden sich nicht im Portfolio, dafür etwa die US-Fastfood-Konzerne McDonald's und Domino’s Pizza, der Schweizer Zementhersteller Holcim und zahlreiche Finanzkonzerne, die fossile Energie und Rüstung finanzieren.
Unternehmen mit guter Nachhaltigkeitsbilanz sind etwa der dänische ECOreporter-Aktien-Favorit Novo Nordisk oder der US-Chipentwickler Nvidia, beide gehören zu den Top-10-Investments des ETFs. Weitere Top-Beteiligungen sind etwa die Tech-Konzerne Apple und Microsoft sowie der Finanzriese J.P. Morgan Chase, alle aus den USA.
Der größte Anteil der Aktien stammt mit rund 60 Prozent wie bei weltweit anlegenden ETFs üblich aus den USA, auf Platz zwei folgt Japan mit 15 Prozent. Die am stärksten vertretene Branche ist Informationstechnologie mit knapp 28 Prozent der Unternehmen, dahinter kommt der Finanzsektor mit 23 Prozent.
Transparenz
Xtrackers veröffentlicht alle aktuellen Aktienpositionen des ETFs. In den Unterlagen zum ETF wird das Auswahlverfahren knapp beschrieben. Auf der Internetseite des Indexanbieters MSCI erfahren Anlegerinnen und Anleger mehr über das Auswahlprinzip des nachgebildeten Index. Zur Nachhaltigkeit der einzelnen Aktien gibt es im Factsheet des ETFs keine Informationen.
Nachhaltige Wirkung
Die DWS, Muttergesellschaft des ETF-Anbieters Xtrackers, stellt ihr Abstimmungs- und Frageverhalten auf Hauptversammlungen auf ihrer Website transparent und übersichtlich dar. Neben einem jährlich erscheinenden „Stewardship Report“, der die Abstimmungsrichtlinien und Abstimmungsergebnisse allgemein zusammenfasst, finden Anlegerinnen und Anleger auch eine Übersicht über alle Fragen an die Unternehmen und die Reden von DWS-Vertretern auf Hauptversammlungen. Die DWS stellt auch einen Leitfaden für den Dialog mit Unternehmen zur Verfügung, macht aber keine Angaben zum tatsächlichen Austausch.
Stärken
- Günstige Gebühren
- Transparente Stimmrechtspolitik
- Auswahlverfahren mit Klimaschutz-Bezug
- Keine Investments in fossile Stromerzeugung
Schwächen
- Ausschlusskriterien mit Lücken
- Investments in Öl- und Gasgeschäfte
- Insgesamt sehr konventionelle Investments
Fazit
Ein mäßig nachhaltiger, konventionell ausgerichteter ETF, der offenbar vor allem auf das Argument seiner "Momentum"-Entwicklung setzen möchte. Für eine belastbare finanzielle Bewertung ist der ETF aber noch zu jung.
Die ECOreporter-Noten:
Finanzen: --
Nachhaltigkeit: 3,7
Details zum Benotungssystem von ECOreporter finden Sie hier.
Alle bisherigen ETF-Tests finden Sie hier.
Ausschlusskriterien
Ausschlusskriterien ohne Umsatzschwelle:
- Geächtete Waffen
- Nuklearwaffen
- Herstellung zivile Schusswaffen
- Herstellung Tabakprodukte
- Verstöße gegen den UN Global Compact
Ausschlusskriterien mit Umsatzschwelle:
- Vertrieb zivile Schusswaffen (5%)
- Vertrieb Tabakprodukte (5%)
- Herstellung Pornografie (5%)
- Vertrieb/Dienstleistungen Pornografie (15%)
- Herstellung Alkohol (5%)
- Vertrieb/Dienstleistungen Alkohol (15%)
- Herstellung/Vertrieb Waffen für Militär und Sicherheitskräfte (5%)
- Angebot Glücksspiel (5%)
- Dienstleistungen Glücksspiel (15%)
- Herstellung/Vertrieb gentechnisch veränderte Organismen für den menschlichen Verzehr (5%)
- Erzeugung Atomkraft (15%)
- Erzeugung Kohlestrom (5%)
Weitere Ausschlusskriterien:
- Anteil Atomkraft am Gesamt-Strommix (5%)
- Anteil Atomkraft an Kraftwerkskapazität (5%)
Daten und Fakten:
Stichtag des Tests: 20.8.2024
Name des ETFs: Xtrackers MSCI World Momentum ESG UCITS ETF 1C
ISIN: IE000TL3PL69 / WKN: DBX0TU
Nachgebildeter Index: MSCI World Momentum Low Carbon SRI Screened Select Index
Start des ETFs: 5.7.2023
Jährliche Gebühren: 0,25 %
Replikationsmethode: physisch (Indexnachbildung durch Kauf der Aktien)
Ertragsverwendung: thesaurierend
Fondsvolumen: 42,09 Millionen Euro (8/2024)
Internet: ww.etf.dws.com
Risiko: Totalverlust unwahrscheinlich, Teilverluste möglich