Peter Güllmann, Vorstandssprecher der Bank im Bistum Essen. / Foto: BIB

  Finanzdienstleister, Banken-Favorit

„Für Rassisten ist in unserer Bank kein Platz!“

Er will in seiner Bank weder auf AfD-Mitglieder treffen noch sie als Kunde oder Kundin haben. Boni für Banker gibt es bei ihm nicht, und Geld verdienen muss mit ethischen Grundsätzen verbunden sein: Im ECOreporter-Interview schlägt Dr. Peter Güllmann, Vorstandssprecher der Bank im Bistum Essen, den Bogen von der Bilanz der Bank über Girokonto und sinnvolle Kredite bis zur besten Staatsform, die es jemals auf deutschem Boden gegeben hat, und zur Würde des Menschen.

ECOreporter: Herr Güllmann, was ist Ihnen lieber: Ihre persönliche Steuererklärung oder die Bilanz der Bank?

Peter Güllmann: Spannende Frage. Meine Steuererklärung ist einfacher. Die Bilanz der Bank ist deutlich umfangreicher. Insofern: vom reinen Arbeitsaufwand her wahrscheinlich meine Steuererklärung.

Die Bilanz der Bank im Bistum Essen war auch 2023 positiv: Bilanzsumme 6,3 Milliarden Euro, Betriebsergebnis 44,6 Millionen Euro. Kassiert dann der Vorstand für 2023 besonders hohe Boni?

Güllmann: (lächelt) Nein, wir haben in der gesamten Bank kein Bonussystem und keine variable Vergütung. Der Vorstand bekommt, wenn Sie so wollen, in einem schlechten Jahr das Gleiche wie in einem guten Jahr. Der ernsthafte Hintergrund ist natürlich: Wir wollen kein Anreizsystem schaffen, das Vorstand oder Mitglieder der Bank dazu verleitet, besonders risikoreiche Geschäfte zu tätigen, um dadurch das individuelle Einkommen zu maximieren. Für uns alle gilt: Wir haben keine variable Vergütung, weil das mit unserem Fairbanking-Prinzip nicht vereinbar ist. Dieses System setzt bei den Kunden an, bei ihren Bedürfnissen. Wir wollen ihnen nur solche Finanzprodukte empfehlen, die wir selbst auch für uns wählen würden, wenn wir in einer vergleichbaren Situation wären. Bei uns steht also nicht die Provision im Fokus, sondern der Kundennutzen.

Funktioniert das auch im Sinn der Bank?

Güllmann: Ja, das zeigt die Bilanz. Sie ist eine gute Botschaft an unsere Mitglieder und beweist, dass diese Bank gesund ist und dass wir unser Geschäftsmodell weiterentwickeln können.

Dr. Peter Güllmann ist seit 2018 Vorstandssprecher der Bank im Bistum Essen und unter anderem verantwortlich für die Bereiche Kreditgeschäft, Mikrofinanzierung und Nachhaltigkeit. Der gelernte Bankkaufmann und Dipl.-Ökonom war zuvor bei der Nationalbank, der WestLB und der NRW-Bank. Er ist auch Vorsitzender des Rates für Wirtschaft und Soziales beim Bischof von Essen und Aufsichtsratsmitglied der Deutschen Ordenswerke.
Die BIB – Bank im Bistum Essen eG – ist eine genossenschaftliche Spezialbank, die sich christlichen Werten verpflichtet fühlt und auf das Prinzip des fair banking setzt. Sie hat mehr als 19.000 Kunden und Kundinnen sowie rund 4.700 Mitglieder

Was bedeuten bei einer Bank überhaupt Bilanz und Betriebsergebnis?

Güllmann: Das Betriebsergebnis ist das, was unter dem Strich übrigbleibt, das zeigt, was wir mit unseren Bankgeschäften verdienen. Die Bilanzsumme ist das Maß dafür, in welchem Umfang wir Geschäfte tätigen, also Kredite vergeben und Einlagen einnehmen. Die Bilanzsumme sagt im Grunde nichts über die Profitabilität einer Bank aus, das ist ganz wichtig. Danach steuern wir aber nicht die Bank, sondern wir steuern sie nach Ertragsgesichtspunkten. Am Ende muss etwas übrigbleiben, wobei wir natürlich auf das Betriebsergebnis von 44,6 Millionen Euro Steuern zahlen. Außerdem stärken wir mit den Überschüssen unsere Rücklagen und unsere Eigenkapitalposition. Und unsere über 4.700 Mitglieder können erwarten, dass ihr Geschäftsanteil entsprechend verzinst wird. Daher haben wir in diesem Jahr eine Dividendenerhöhung von 3 auf 3,5 Prozent angekündigt.

„Ein Mitglied, eine Stimme – das ist Genossenschaft!“

Das klingt recht lukrativ – gibt es einzelne Mitglieder bei Ihnen, die so viele Anteile besitzen, dass sie den Kurs der Bank bestimmen können?

Güllmann: Nein, das geht nicht. Wir sind ja eine Genossenschaftsbank. Und für jede Genossenschaft gilt: Ein Mitglied, eine Stimme - ganz einfach. Und unabhängig davon, wie viele Geschäftsanteile ein Mitglied hat. Natürlich gibt es bei uns institutionelle Anleger, die größere Kapitalbeträge halten. Aber auch sie haben nur eine Stimme. Für Privatkunden und -kundinnen haben wir eine Grenze von maximal 30 Geschäftsanteilen festgelegt, bei institutionellen Anlegern ist der Betrag höher, aber auch hier ist die Breite entscheidend. Den Kurs bestimmen alle, die in unserer Generalversammlung abstimmungsberechtigt sind.

Was kostet ein Geschäftsanteil?

Güllmann: 300 Euro.

Kann eigentlich jede und jeder bei Ihnen Mitglied werden?

Güllmann: Bisher war es so, dass man kirchlichen Einrichtungen angehören oder ehrenamtlich kirchlich tätig sein musste. Das bedeutet: Wer sich mit der Mission der Bank identifizieren kann und ehrenamtlich kirchlich tätig ist, kann Mitglied werden. Wir wollen das aber noch in diesem Jahr ändern und der kommenden Generalversammlung vorschlagen, dass alle Kundinnen und Kunden Mitglied werden können, die sich zu unserer Mission bekennen – unabhängig von einer hauptberuflichen oder ehrenamtlichen Tätigkeit im kirchlichen Umfeld. Denn es ist uns wichtig, dass diese Bank breit getragen wird. Kirchenbanken haben meist eine geringere Mitgliederquote als andere Genossenschaftsbanken wie die Volks- und Raiffeisenbanken. Aber wir glauben, dass eine sozial-ökologische Bank wie wir durchaus eine breite Mitgliederbasis verträgt.

Geld oder Rendite?

Zur Geldanlage: Sie bieten nachhaltige Finanzprodukte an. Investiert die Bank denn selbst ihre Eigenmittel auch ethisch?

Güllmann: Unsere Eigenanlagen entsprechen komplett unseren nachhaltigen Kriterien, mit Ausschlüssen und Best-in-Class-Ansatz. Wir investieren – mit fortlaufender, strenger Untersuchung – in die Unternehmen und Fonds, die unsere ESG-Vorgaben erfüllen, wobei E für Environment, also Umwelt steht, S für Social – Soziales – und G für Government: Unternehmensführung. Wir investieren auch bei den Eigenmitteln in Unternehmen der Sozialwirtschaft, der Gesundheitswirtschaft, der Erneuerbaren Energien, der Wohnungswirtschaft. Das sind ja in der Regel Branchen, die nicht kritisch sind und insofern natürlich auch gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern und sozialen Ausgleich herstellen. Denn darum geht es uns bei der BIB: Wir wollen mit unserem Bankgeschäft den Menschen einen Nutzen bringen. Dass man Geld verdienen und ethische Grundsätze miteinander verbinden kann, ist doch eine gute Botschaft und für uns das einzig sinnvolle Geschäftsmodell. Ethik oder Rendite? Beides!

Gilt das auch für die Kredite, die Sie vergeben?

Güllmann: Kredite sind unser Kerngeschäft. Wir finanzieren Institutionen und Unternehmen, beispielsweise kirchliche Einrichtungen, Unternehmen der Sozialwirtschaft oder Wohnungsbaugesellschaften. Und die Gesundheitswirtschaft spielt natürlich bei der Kreditvergabe auch eine große Rolle, etwa Altenpflegeeinrichtungen und Krankenhäuser. Im Krankenhaussektor ist sehr viel im Umbruch, und das begleiten wir, damit sich die Krankenhäuser zukunftsfähig aufstellen können. Ein weiteres Feld ist die Wohnungswirtschaft. Wir setzen uns verstärkt für bezahlbaren Wohnraum auch in den Städten und Ballungsgebieten ein. Wobei das nicht zu verwechseln ist mit dem sozialen Wohnungsbau. Und dann investieren wir natürlich auch in den Bereich der Erneuerbaren Energien – ob Photovoltaik, Windkraft oder Fernwärme. Wir wollen Teil der Energiewende sein.

Was Sie als Kredite vergeben, müssen Sie mit Eigenkapital unterfüttern. Wie gelingt das?

Güllmann: Wir haben im Moment eine Gesamtkapitalquote von rund 15,8 Prozent. Das ist auskömmlich, aber wir haben uns 17 Prozent vorgenommen. Dafür müssen wir weiterhin Gewinn ansammeln.

Vergeben Sie auch Privatkredite?

Güllmann: Ja. Wir haben rund 19.000 Privatkundinnen und -kunden, die mit uns alle üblichen Bankgeschäfte durchführen können – ob es um das Girokonto geht mit kostenloser Nutzung aller Geldautomaten der genossenschaftlichen Finanzgruppe, um einen Anschaffungskredit oder um die private Haus- oder Sanierungsfinanzierung. Die Baufinanzierung ist eines unserer Kernthemen im Privatkundenbereich, da sind wir bundesweit sehr erfolgreich. Einschlägige Förderprogramme für energieeffizientes Bauen und andere beziehen wir dabei mit ein.

Wie gläubig muss man denn sein, um bei Ihnen einen Kredit zu erhalten?

Güllmann: Für Glaubensfragen, das sage ich immer mit einem Schmunzeln, ist die Kirche zuständig, die Bank für Geldfragen. Wenn jemand zu uns kommt, fragen wir schon lange nicht mehr nach der Konfession, sondern gehen davon aus, dass sie oder er die Philosophie dieser Bank teilt. Persönlich bin ich gläubig, aber das ist nicht die entscheidende Frage für das Bankgeschäft. Wer zu uns kommt, will nicht unbedingt theologisch mit uns sprechen, sondern hat ein konkretes finanzielles Anliegen, und das wollen wir bestmöglich lösen. Dass wir das auf einem christlichen Wertefundament tun, ist selbstredend und wichtig, weil das der Kompass für unser Tun ist.

Die Bank, das Sparschwein der Kirche?

2023 war für die katholische Kirche ein Rekordjahr in negativer Hinsicht: Mehr als eine halbe Million Menschen sind ausgetreten, nur wenige eingetreten. Spüren Sie als, nennen wir es katholisch orientierte Bank, diesen Trend? Gibt es also Menschen, die vermuten, eine Kirchenbank ist eine Art Sparschwein der Kirche?

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Baustelle für ein klimaneutrales Wohngebiet: Bevor hier Wohnhäuser entstehen, wird das Areal mit einem Nahwärmenetz erschlossen, das alle Gebäude mit kostengünstiger Erneuerbarer Energie aus Sonne und Erdwärme versorgt. Als Wärmequelle dient inbesondere ein sogenannter geothermischer Erdkollektor, dessen Leitungen in geringer Tiefe im Erdreich verlegt sind. Im Verbund mit Wärmepumpen und Solaranlagen ensteht ein nahezu komplett kohlendioxidfreies Wohngebiet. / Foto: Funke Foto Services, imago

Güllmann: Ja, diese Ansicht gibt es sicher. Aber wir spüren diesen Trend nicht. Letztes Jahr sind im Privatkundensegment 1.500 neue Kundinnen und Kunden zu uns gekommen. Sie schätzen unsere soziale, ökologische Mission. Aber klar, bei der Bank im Bistum Essen denkt jeder, der Chef des Ganzen ist der Bischof von Essen. Das ist er aber nicht. Wobei das Bistum Essen natürlich ein wichtiger Kunde für uns ist, es hat unsere Bank 1966 gegründet. Aber wir sind nicht die Bank „des“ Bistums, sondern die Bank „im“ Bistum und darüber hinaus deutschlandweit und international tätig. Wir sind nach wie vor eine Art Hausbank des Bistums, das kann man wohl so sagen. Wir haben aber viele andere Kunden und Kundinnen. Das Bistum bestimmt nicht die Geschäftspolitik unserer Bank; wir sind eine unabhängige Genossenschaftsbank und nicht weisungsgebunden. Trotzdem bin ich natürlich sehr stolz gerade auf unsere kirchlichen Kunden, die – auch mit ihren Institutionen – viel Gutes tun für diesen Staat. Es geht in der aktuellen Diskussion über die Kirche leider immer ein bisschen unter, dass die evangelische und katholische Kirche auch der Kitt sind, der unsere Gesellschaft zumindest zum Teil noch zusammenhält.

Sie müssen sich also nicht von der Kirche distanzieren?

Güllmann: Nein. Aber richtigerweise muss man auch sagen, Einfluss hat sie über ihre Mitgliedsstimmen hinaus bei der BIB nicht. Den hat der Aufsichtsrat, und der ist neben einem Pater mit Wirtschaftsprüfern, Rechtsanwälten, Steuerberatern und Menschen aus der Entwicklungsfinanzierung eher weltlich besetzt. Und die anderen Instanzen, die über mir stehen, sind die Bundesbank und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, die BaFin. Die haben im Zweifel das letzte Wort.


Auch dieser Gemüsehandel in Nicaragua ist mikrofinanziert. / Foto: Bank im Bistum Essen

Es gibt einen deutlichen Trend zu nachhaltiger Geldanlage. Wie ist Ihre Bank hier aufgestellt?

Güllmann: Wir beraten die Kundinnen und Kunden ganz bewusst und gezielt zu nachhaltigen Geldanlagen, ob Aktien, Rentenfonds, gemischte Fonds, je nach Risikolage und Risikoneigungen. Der Begriff Nachhaltigkeit wird mittlerweile fast inflationär gebraucht, aber wichtig ist auch: Die Renditen, die unsere Kundschaft mit nachhaltigen Geldanlagen erwirtschaftet, sind nicht schlechter als die derjenigen, die darauf keine Rücksicht nehmen, teilweise sind sie besser! Außerdem haben wir als Besonderheit noch das Thema Mikrofinanzierung. Mit einem Alleinstellungsmerkmal für uns: Wir sind die einzige Bank in Deutschland, die eigene Mikrofinanzfonds betreibt. Wir statten in 35 Ländern Mikrofinanzinstitutionen mit Kapital aus, und Private sowie Institutionelle investieren hier.

„Bei Mikrofinanzen sind wir Vorreiter!“

Wo landet dieses Geld?

Güllmann: Es landet – sehr kleinteilig, manchmal sind es 500 oder 1.000 Dollar – bei Menschen, die ihr Ein- und Auskommen damit sichern, ihre wirtschaftliche Existenz. Es geht darum, kleine Unternehmen zu finanzieren. Mit unseren Mikrofinanzaktivitäten haben wir heute mehr als 700.000 Menschen weltweit eine wirtschaftliche Grundlage ermöglicht und eine Perspektive geboten.

„Die Wirtschaft hat die Pflicht, hier ihre Stimme zu erheben!“

Themenwechsel: Unsere Demokratie und die Menschenrechte – auch die Religionsfreiheit – sind für uns alle so selbstverständlich, dass wahrscheinlich die wenigsten damit gerechnet haben, sie ernsthaft verteidigen zu müssen. Aber jetzt geht es genau darum. Viele Unternehmen halten sich mit Bekenntnissen oder Appellen dazu zurück. Wie sehen Sie das?

Güllmann: Ich bin da sehr klar: Für uns steht die freiheitlich demokratische Grundordnung in keiner Weise zur Disposition. Und ich finde, die Wirtschaft hat die Pflicht, hier ihre Stimme zu erheben! Man muss den Feinden der Demokratie sehr klar sagen, dass sie hier keinen Platz haben. Ich möchte weder auf AfD-Mitglieder bei uns in der Bank treffen noch sie als Kunden haben. Ich finde es großartig, dass sich mittlerweile sehr viele Leute auf die Straße begeben, dass sie Gesicht zeigen und dass sie sagen „Wir sind mehr“. Ich hoffe, dass wir auch „mehr“ bleiben. Denn die erste deutsche Demokratie ist auch daran gescheitert, dass am Ende des Tages zu wenig Demokraten Flagge gezeigt haben. Demokratie braucht Demokraten. Das ist kein Spiel mehr, vor dem wir hier stehen, sondern eine sehr ernste Lage. Es geht um die Zukunft, um den Bestand dieser Republik und um jeden Einzelnen von uns. Und wenn wir eine freiheitliche Ordnung verteidigen wollen, geht das nur, wenn auch die Wirtschaft ihre Stimme erhebt gegen Hass und Hetze. Für Rassisten darf in dieser Gesellschaft kein Platz sein. Und in unserer Bank sowieso nicht!

Setzen Sie diese Haltung auch in Handlung um?

Güllmann: Das tun wir. Wir hatten vor kurzem eine öffentliche Diskussion mit dem Bischof zum Thema „aufgehetzte Gesellschaft“. Und daraus resultiert die Verantwortung, jetzt nicht nur Gesicht zu zeigen, sondern auch etwas dafür zu tun, dass demokratische Prozesse am Ende des Tages nicht belächelt oder abgetan werden. Es reicht nicht, auf der Homepage zu schreiben „Nie wieder ist jetzt“. Man muss das auch mit konkreten Projekten unterlegen.

„Wir müssen diese Demokratie verteidigen!“

Was starten Sie?


Demonstration gegen Rechtsextremismus, Flensburg, Februar 2024. / Foto: Willi Schewski, imago

Güllmann: Beispielsweise zusammen mit dem Initiativkreis Ruhr ein Demokratieprojekt im sicherlich nicht ganz einfachen Stadtteil Duisburg-Hochfeld. Da geht es darum, in zwei Jugendzentren Kindern und Jugendlichen demokratische Prozesse zu vermitteln. Solche Aktionen finanzieren und unterstützen wir eben auch. Demokratische Prozesse sind kein Luxus. Sie sind im Grunde genommen das Fundament, auf dem eine freiheitliche Gesellschaft basiert. Völlig egal, an welchen Gott man glaubt. Toleranz und Respekt sind die DNA einer demokratischen Gesellschaft. Aber das erodiert zunehmend. Und deshalb habe ich die Hoffnung, dass jetzt etwas in Bewegung kommt, dass immer mehr Menschen begreifen, dass sie sich auch engagieren müssen, dass sie mittun und diesem Staat etwas zurückgeben müssen. Statt Menschen mit der Konsumhaltung „ich bestelle, und die Politik hat umgehend zu liefern, und wenn sie nicht liefert, wähle ich sie nicht mehr und werde extrem“, brauchen wir Menschen, die sich einbringen.

Das könnte mühsam sein.

Güllmann: Ja, und das mag in mancher Situation auch unbefriedigend sein, aber diese Demokratie ist immer noch die beste Staatsform, die es jemals auf deutschem Boden gegeben hat, daher müssen wir sie verteidigen. Und je mehr Menschen mitmachen, desto besser. Dafür werbe ich auch in meiner Funktion. Und für das Grundgesetz, in dem gleich im ersten Artikel steht, dass die Würde des Menschen unantastbar ist. Ja, die Würde des Menschen, so steht es da. Da steht nicht: die Würde des deutschen Menschen.

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