Mit welchen Fahrradaktien fährt man gut? ECOreporter hat sich die Branche angeschaut. / Foto: Pixabay

  Aktientipps, Nachhaltige Aktien

Nachhaltige Fahrradaktien: Gute Fahrt an der Börse?

Die Fahrradindustrie befindet sich nach dem außergewöhnlichen Boom der Corona-Jahre weiterhin in einer schwierigen Übergangsphase. An der Börse haben viele Fahrradaktien seit 2021 deutlich an Wert verloren, auch wenn sich die Kurse zuletzt teilweise stabilisierten. ECOreporter verrät, wo ein Einstieg eine Option sein kann.

In den Jahren 2020 bis 2022 erlebte die Fahrradbranche einen historischen Nachfrageanstieg: Lockdowns, ein ohnehin angestoßener Mobilitätswandel und staatliche Förderungen in vielen Ländern führten zu einem regelrechten Fahrrad- und E-Bike-Boom. Hersteller wie Giant Manufacturing oder Merida Industry, Zulieferer wie Shimano und MIPS sowie Händler wie Bike24 profitierten stark. Gleichzeitig sorgten gestörte Lieferketten für Knappheit – und steigende Preise. Viele Unternehmen bauten daraufhin Kapazitäten aus und produzierten auf hohem Niveau.

Seit 2022 hat sich das Bild jedoch gedreht. Inflation, gestiegene Zinsen und eine schwächere Konsumlaune haben die Nachfrage spürbar gebremst. Gleichzeitig sind die Lager entlang der gesamten Wertschöpfungskette – vom Komponentenhersteller bis zum Händler – noch immer vergleichsweise voll. Besonders im Fachhandel und im Onlinevertrieb zeigt sich ein anhaltender Lagerüberhang, der zu Rabatten und Margendruck führt.

Fahrradunternehmen sind selten an der Börse

Viele Firmen befinden sich weiter in einer Phase der Normalisierung nach den extremen Ausschlägen der Pandemiezeit. Langfristig hat die Branche aber starke Aussichten: Stadtbilder und die Mobilität in Ballungszonen wandeln sich, die Mobilitätspolitik fördert die Fahrradinfrastruktur – besonders in Europa, aber auch in Asien und sogar in manchen US-Metropolen. Steuervorteile – etwa für Job-Bikes in Deutschland – und staatliche Förderprogramme existieren zudem weiterhin.

Nachhaltige Anlegerinnen und Anleger haben allerdings nicht viele Möglichkeiten, in Fahrradaktien zu investieren. Denn die meisten Hersteller sind nicht börsennotiert. Manche, etwa der weltgrößte Fahrradbauer Giant Manufacturing aus Taiwan, haben zwar Aktien, die sind aber an keiner deutschen Börse handelbar. Und dann gibt es noch etliche bekannte Marken in der Fahrradbranche, die zu Unternehmen gehören, die vor allem andere, nicht unbedingt nur nachhaltige Geschäftsfelder bedienen. Etwa Fox Factory aus den USA: ein renommierter Hersteller von Federsystemen, beispielsweise für Vorderrad- oder Hinterradgabeln. Aber seine Produkte sorgen auch in anderen Fahrzeugen für eine gute Straßenlage, beispielsweise in Geländewagen und Sportmotorrädern.

Doch einige wenige Fahrradaktien gibt es, die für ein nachhaltiges Investment infrage kommen. Wenn die hier betrachteten Unternehmen weitere Geschäftsbereiche haben, etwa im Freizeit- und Sportbereich, sind diese unkritisch. ECOreporter stellt fünf Aktien vor.

So haben sich die Fahrradaktien entwickelt (sortiert nach der 3-Monats-Performance):
UnternehmenBrancheWKNAktueller Kurs in € (4.5.2026)Kursent-wicklung 3 Monate (%)Kursent-wicklung 1 Jahr (%)Kursent-wicklung 5 Jahre (%)Marktkapita-lisierung in Millionen €
Thule GroupFahrradzubehörA12FTD21,604,03,8-44,32.330
MIPSFahrradhelmeA2DNT626,38-3,1-18,5-62,1699
ShimanoFahrradteile86568291,00-7,7-26,5-53,27.830
Bike24 HoldingOnline-HandelA3CQ7F2,77-8,635,1-81,9*122
hGearsFahrradteileA3CMGN1,02-35,9-43,3-96,3*11

Daten ohne Gewähr, Stand 4.5.2026; *Kursentwicklung seit Börsengang 2021

Thule Group AB: Mensch und Tier mobil machen

Thule aus Schweden bezeichnet sich selbst als Sport- und Outdoor-Unternehmen. Der Konzern bietet etwa Auto-Dachgepäckträger, Rucksäcke und Fahrradanhänger für Mensch und Tier an. Hinzu kommt Ausrüstung für Wasser- und Wintersport. Das schwedische Unternehmen will möglichst umweltschonend produzieren: Seit Ende 2019 bezieht es seinen Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen und hat auch den Wasserverbrauch und das Müllaufkommen reduziert. Ein Schwerpunkt liegt laut Thule aktuell vor allem darauf, umweltfreundlichere Materialien einzukaufen und in der Produktion weiter Emissionen einzusparen.

Besonders in Nordamerika kämpft der Konzern nach wie vor mit einer schwachen Nachfrage, im Geschäftsjahr 2025 steigerte man allerdings Umsatz und operatives Ergebnis. Investitionen und Abschreibungen drückten zwar den Nettogewinn, der Konzern konnte seine Kosten aber kontinuierlich reduzieren. Im ersten Quartal 2026 sank der Umsatz wegen negativer Währungseffekte um 3,4 Prozent auf 2,6 Milliarden Schwedische Kronen (238 Millionen Euro). Organisch, also ohne Berücksichtigung von etwa Wechselkursen, konnten die Erlöse aber um 4 Prozent gesteigert werden. Der Nettogewinn stieg dank besserer Margen um 10 Prozent auf 293 Millionen Kronen (27 Millionen Euro).


Bei Fahrradanhängern ist Thule nach eigenen Angaben Weltmarktführer. / Foto: Unternehmen

Thule setzt vor allem auf Wachstum durch neue Produkte, auch im laufenden Jahr soll es "viele neue Markteinführungen" geben. Besonders stark liefen in den letzten Quartalen laut Konzern Anhänger für Kinder und Haustiere, wo Thule nach eigenen Angaben "klarer Marktführer" ist.

Der Kurs der Thule-Aktie war nach den starken Zugewinnen während der Corona-Krise zwischen Ende 2021 und Ende 2022 eingebrochen. Seitdem schwankt die Aktie und konnte noch keine nachhaltige Erholung einleiten. Auf einen kurzen Aufwärtstrend zwischen Mitte 2024 und Anfang 2025 folgten neue Rücksetzer, seitdem bewegt sich der Kurs vor allem seitwärts.

ECOreporter sieht gute Chancen, dass die Geschäfte von Thule langfristig wieder anziehen werden. Gerade in den USA leidet die Nachfrage nach den Produkten des Unternehmens aber unter der wirtschaftlichen Unsicherheit – und einer Politik, die sich klar gegen Nachhaltigkeit positioniert. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der Aktie ist mit 20 für 2026 nicht niedrig (alle Daten und Einschätzungen in diesem Artikel Stand 4.5.2026). Anlegerinnen und Anleger sollten für einen Einstieg einen langen Atem mitbringen. Die erwartete Dividendenrendite für 2026 beträgt hohe 4,1 Prozent.

Shimano Inc.: Weltklasse bei Gangschaltungen und Angelbedarf

Shimano ist unangefochtener Weltmarktführer bei Fahrradteilen, insbesondere Gangschaltungen. Der japanische Konzern produziert aber auch Ketten, Bremsen und E-Bike-Motoren. Das 1921 gegründete Unternehmen erzielt etwas mehr als drei Viertel des Umsatzes mit seiner Fahrradsparte, den Rest mit Angelausrüstung. Shimano gilt als umweltfreundlich, bereitet das Wasser für die Produktion beispielsweise in eigenen Anlagen auf und versucht, mit möglichst wenig Chemikalien auszukommen.

Trotz erheblicher Einbußen in China konnte der Konzern seinen Umsatz im Geschäftsjahr 2025 um mehr als 3 Prozent auf 466 Milliarden Yen (2,6 Milliarden Euro) steigern. Wegen Abschreibungen auf Lagerbestände, negativer Wechselkurseffekte und gesunkener Margen brach der Nettogewinn allerdings um mehr als die Hälfte auf 34 Milliarden Yen (187 Millionen Euro) ein.

Für 2026 rechnet das Management mit stagnierenden Umsätzen und einem weiter rückläufigen Betriebsergebnis. Im ersten Quartal steigerte Shimano seinen Umsatz trotz weiterhin schwacher Fahrradnachfrage um 3,6 Prozent auf 117,6 Milliarden Yen (rund 720 Millionen Euro), während das operative Ergebnis infolge höherer Kosten und der schwachen Absätze im Fahrrad-Kerngeschäft deutlich zurückging. Der Nettogewinn stieg um rund 31 Prozent auf 12,8 Milliarden Yen (78 Millionen Euro) – das lag allerdings vor allem an einem Sondereffekt aus dem Verkauf von Wertpapieren sowie geringeren Währungs- und Steuerbelastungen. Im Gesamtjahr soll der Nettogewinn im Vergleich zu 2025 um etwa ein Viertel zulegen, weil weniger Abschreibungen und geringere Verluste aus Währungsumrechnungen erwartet werden.

Shimano ist grundsätzlich solide aufgestellt, hat jedoch immer wieder mit Margenproblemen zu kämpfen. Der Aktienkurs ist seit 2021 mehrfach eingebrochen und notiert aktuell so niedrig wie zuletzt 2014. Mit einem erwarteten KGV von 32 für 2026 ist die Aktie zudem nicht günstig. Auch hier sollten Interessenten für einen Einstieg einen langen Anlagehorizont mitbringen. Die Dividendenrendite wird für das laufende Jahr bei 2,2 Prozent erwartet – ein ordentlicher Wert.

MIPS AB: Schutz mit und fürs Köpfchen

Das schwedische Unternehmen MIPS hat eine spezielle Schutzschicht entwickelt, die in Helme integriert wird. Über 140 Unternehmen verbauen die Technik von MIPS in ihre Fahrrad-, Motorrad-, Sport- und Arbeitsschutzhelme. Darunter sind bekannte Marken wie Abus, Bell, Uvex und Lazer.

Weil das Geschäft mit Fahrradhelmen deutlich anzog, steigerte MIPS seinen Umsatz im Jahr 2025 um 10 Prozent auf 533 Millionen Schwedische Kronen (46 Millionen Euro). Der Nettogewinn sank hingegen auf 120 Millionen Kronen (etwa 10 Millionen Euro), vor allem aufgrund höherer Kosten, negativer Wechselkurseffekte sowie Belastungen im Zusammenhang mit der Übernahme des Helmherstellers Koroyd. Die positive Entwicklung beim Umsatz setzte sich zu Beginn des Jahres 2026 fort, im ersten Quartal stiegen die Erlöse dank eines Wachstums in allen Segmenten und erster positiver Beiträge von Koroyd deutlich um 30 Prozent auf 151 Millionen Kronen (13 Millionen Euro). Auch der Nettogewinn legte von 19 auf 29 Millionen Kronen (2,5 Millionen Euro) zu.

Allerdings hat MIPS 2025 sein Ziel verschoben, bis 2027 einen Jahresumsatz von mehr als 2 Milliarden Kronen (185 Millionen Euro) zu erreichen. Das soll nun erst 2029 gelingen. Weiterhin bis 2027 will das Unternehmen eine Ergebnismarge vor Zinsen und Steuern (EBIT-Marge) von mehr als 50 Prozent erreichen. Davon ist der Konzern noch deutlich entfernt, 2025 und im ersten Quartal 2026 lag die Marge bei 29 Prozent.


Bei MIPS ist besonders die Produktion in China ein Risiko. / Foto: Pixabay

Der Absatzmarkt für MIPS ist groß, und das Unternehmen hat weiter gute Wachstumschancen. Allerdings ist das erwartete KGV der Aktie für 2026 mit 35 hoch und das Verschieben des Umsatzziels kein gutes Zeichen. Gleichzeitig ist das Margenziel sehr ambitioniert – ein Verpassen des Ziels könnte für neue Rücksetzer an der Börse sorgen. Außerdem riskant: Das Unternehmen hat seine Produktion nach China ausgelagert, das sorgt für erhöhte politische Risiken. Sollte die Volksrepublik etwa in Taiwan einmarschieren, wird MIPS für die Produktion möglicherweise andere Standorte suchen müssen, um Sanktionen zu entgehen. Das wäre teuer und könnte zu Lieferengpässen und steigenden Kosten führen. ECOreporter rät vorsichtigen Anlegerinnen und Anlegern derzeit vom Einstieg in die Aktie ab.

hGears AG: Präzisionsarbeit aus dem Schwarzwald

In Schramberg im Schwarzwald sowie in Fabriken in China und Italien fertigt hGears seit 2015 Hochpräzisionsgetriebeteile wie Zahnräder und Antriebswellen, unter anderem für E-Bikes und Elektroautos, aber auch für Rollläden und Heizungen. Unternehmensangaben zufolge enthielt ungefähr jedes zweite im letzten Jahr in Europa verkaufte E-Bike Komponenten von hGears.

Das Unternehmen ging während des Corona-Booms 2021 an die Börse, schreibt aber seit 2022 immer höhere Verluste. 2025 stieg der Nettoverlust von 21 Millionen auf 28 Millionen Euro, der Umsatz sank um 4 Prozent auf 92 Millionen Euro. Für das laufende Jahr werden ebenfalls rote Zahlen erwartet. Der Ausgabepreis der Aktie lag vor fünf Jahren bei 26,00 Euro, mittlerweile steht der Kurs bei nur noch 1,02 Euro. ECOreporter rät vom Kauf ab.

Bike24 Holding AG: Fahrräder online kaufen

Bike24 aus Dresden ist einer der größten Online-Fahrradhändler Europas und verkauft neben Rädern auch Zubehör sowie Bekleidung. Auch Bike24 wagte während der Pandemie 2021, als die Geschäfte brummten, den Gang aufs Börsenparkett und rutschte bereits 2022 in die Verlustzone. Mittlerweile erholen sich die Geschäfte wieder, 2025 konnte der Konzern "trotz eines herausfordernden Marktumfelds" Überbestände abbauen und Kosten senken.

Der Umsatz stieg 2025 im Jahresvergleich um 27,7 Prozent auf 289 Millionen Euro, wobei sich die Erlöse von Quartal zu Quartal erholten. Unter dem Strich stand weiterhin ein Verlust, der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) stieg allerdings von 5,3 auf 14,5 Millionen Euro und übertraf auch die mehrmals angehobene Prognose. Im laufenden Geschäftsjahr 2026 will der Konzern wieder schwarze Zahlen schreiben. Das erwartete KGV für 2026 liegt allerdings bei hohen 90.

Die Aktie von Bike24 startete 2021 bei 15 Euro und stieg zwischenzeitlich bis auf 27 Euro – aktuell kostet sie nur noch 2,77 Euro. Der Kurs zog zwar zwischen März und Oktober 2025 stark an, verglichen mit den einstigen Höchstständen fanden die Zuwächse allerdings auf niedrigem Niveau statt. Seit Ende vergangenen Jahres bewegt sich die Aktie vor allem seitwärts. ECOreporter sieht hohe Risiken und rät defensiven Investoren vom Einstieg ab.

Fazit

Shimano und Thule stehen trotz der branchenweiten Probleme wirtschaftlich solide da. Für geduldige Anlegerinnen und Anleger können die Aktien eine Option sein, allerdings ist hier Durchhaltevermögen gefragt. MIPS ist derzeit an der Börse zu hoch bewertet.

Bei Bike24 und hGears sieht ECOreporter aktuell zu viele Unsicherheiten, nach kurzen Höhenflügen während der Corona-Jahre sind beide Aktien eingebrochen, und die Geschäfte laufen gerade bei hGears nicht gut. Bike24 scheint angesichts der Verbesserungen im Tagesgeschäft und der absehbaren Rückkehr in die Gewinnzone langfristig die besseren Aussichten zu haben.

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