Fairtrade-Gold von Fairever - eine nachhaltige Geldanlage. / Foto: Fairever

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Faires Gold statt schmutziges Edelmetall: So investieren Sie verantwortungsvoll

In Krisenzeiten denken viele Menschen darüber nach, Gold zu kaufen. Aber geht das auch nachhaltig? Desirée Binternagel, Geschäftsführerin des Leipziger Goldhändlers Fairever, erklärt im ECOreporter-Interview, wie sich faires Gold von konventionellem unterscheidet, was es kostet und warum Recycling-Gold aus ethischer Sicht etwas ganz anderes ist.

ECOreporter: Der Goldpreis ist seit Anfang März um mehr als 20 Prozent gefallen. Viele Menschen überlegen jetzt einzusteigen. Worauf sollten Anlegerinnen und Anleger achten, denen Nachhaltigkeit wichtig ist? 

Desirée Binternagel: Kursschwankungen wie diese sind bei Gold nichts Neues. Wer jetzt aus Nachhaltigkeitsgründen einsteigen möchte, sollte sich von kurzfristigen Kursbewegungen nicht leiten lassen, sondern auf die Herkunft schauen: Woher kommt das Gold, unter welchen Bedingungen wurde es gefördert, und ist die Lieferkette wirklich lückenlos dokumentiert? Und ganz grundsätzlich gilt: nicht mehr als einen kleinen Teil des freien Vermögens in Gold stecken, egal wie fair es ist. 

Was macht Fairever-Gold fair?

Wir bieten ausschließlich Gold aus nachvollziehbaren Quellen an: zertifiziert nach Fairtrade- oder Fairmined-Standard aus dem Kleinbergbau, rückverfolgbar aus verantwortungsvollem Großbergbau (Single Mine Origin) oder verifiziertes Recycling-Gold. Bei Fairtrade und Fairmined heißt das konkret: ein garantierter Mindestpreis von 95 Prozent des LBMA-Goldpreises für die Minen, eine zusätzliche Sozialprämie, ein Verbot von Kinderarbeit, ein sicherer und reduzierter Umgang mit Chemikalien sowie 100 Prozent physische Rückverfolgbarkeit vom Ursprung bis zum fertigen Schmuckstück oder Goldbarren. Kontrolliert wird das von unabhängigen Prüfern wie FLOCERT und Ecocert. 

Damit möglichst viele Transaktionen im Goldhandel zu fixen Preisen durchgeführt werden, gibt es das London Bullion Market Goldfixing. Hieran sind fünf “Bullionbanken” beteiligt: die Mitglieder der Bullion Market Association (LBMA). Schon seit dem 17. Jahrhundert wird der Goldpreis am London Bullion Market bestimmt, seit 1919 mit der noch heute gültigen Methode.


Manche Anbieter bewerben ihr Gold schon als nachhaltig, wenn es nur die Standards der LBMA erfüllt. Wie streng sind diese Vorgaben?

Die LBMA ist in erster Linie eine Marktinstitution: Sie legt den täglichen Goldpreis fest und betreibt mit dem Good-Delivery-Standard eine Art Gütesiegel für Reinheit und Handelbarkeit von Goldbarren, ergänzt um ein Responsible-Sourcing-Programm gegen Geldwäsche und Konfliktfinanzierung. Beides ist wichtig, aber kein Nachhaltigkeitssiegel: Löhne, Arbeitsbedingungen und Umweltstandards im Kleinbergbau werden dadurch nicht abgedeckt. Der Good-Delivery-Standard prüft, ob ein Barren aus einer akkreditierten Raffinerie stammt – nicht, unter welchen Bedingungen das Gold ursprünglich gefördert wurde. Für echte Nachhaltigkeit braucht es zusätzliche Standards wie Fairtrade oder Fairmined. Die beiden Siegel sind für uns der Goldstandard im Kleinbergbau, weil sie physische Rückverfolgbarkeit, unabhängige Kontrolle und einen direkten, messbaren Effekt auf die Minengemeinden verbinden. 

Was unterscheidet Fairmined von Fairmined Eco? 

Beide zertifizieren Gold aus verantwortungsvollem Kleinbergbau nach denselben strengen Sozialstandards. Der Unterschied liegt in der Ökologie: Bei Fairmined Eco wird komplett auf giftige Chemikalien wie Zyanid oder Quecksilber verzichtet, dazu kommen strengere ökologische Auflagen. Es ist quasi die Königsklasse innerhalb des ohnehin schon strengen Fairmined-Systems – für uns das höchste verfügbare Niveau an ökologischer und sozialer Verantwortung im zertifizierten Kleinbergbau. 

Und wie streng ist Single Mine Origin?

Single Mine Origin ist etwas anderes: kein Sozialsiegel, sondern eine Herkunftsgarantie für rückverfolgbares Gold aus verantwortungsvollem Großbergbau. Das ist wertvoll für größere Mengen und Marktnähe, ersetzt aber nicht die direkte Wirkung, die Fairtrade und Fairmined für Kleinschürfer-Gemeinschaften erzielen. 

Aus welchen Ländern kommt Ihr Gold?

Desirée Binternagel ist Geschäftsführerin der Fairever GmbH. Das 2015 gegründete Unternehmen erhielt 2026 den Fairtrade Award. Fairever verkauft Fairtrade-Goldbarren an private Kundinnen und Kunden und beliefert mehr als 500 Firmen aus der Schmuck- und Edelmetallbranche mit Fairtrade- und Fairmined-zertifizierten Edelmetallen. / Foto: Fairever 

Gold fördern: Oft ein schmutziges Geschäft

Gold wird schon lange nicht mehr wie im Westernfilm mit einem Sieb aus dem Bach gefischt. Für ein Kilo des glänzenden Edelmetalls müssen etwa 1.000 Tonnen Stein bewegt werden. Und dann braucht es noch Chemikalien wie Cyanwasserstoff (Blausäure) und Quecksilber, um das Metall aus dem Gestein zu lösen.

Die Stoffe bedrohen aber die Gesundheit der Arbeiterinnen und Arbeiter und können die Umwelt zerstören. 2016 musste beispielsweise die Regierung Perus wegen einer Quecksilber-Verschmutzung durch den Goldabbau den Notstand ausrufen. Ein 85.000 Quadratkilometer großes Gebiet im Regenwald war betroffen: eine Fläche etwa von der Größe Bayerns.

Zudem werden immer wieder Angehörige indigener Völker aus den Fördergebieten vertrieben, und in nicht nachhaltigen Minen arbeiten oft Kinder. Selbst erwachsene Goldschürferinnen und Goldschürfer kommen häufig nicht einmal auf einen Tageslohn von 2 Euro.

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