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Krisen, Kriege, Katastrophen: Gibt es Alternativen zu Aktien, ETFs, Fonds, Festgeld?
Trotz der nicht nur wegen des Iran-Kriegs angeschlagenen Weltwirtschaft bewegen sich die Börsenkurse weiterhin auf historisch hohem Niveau, manche Aktien sind klar überteuert. Gleichzeitig bringen Fest- und Tagesgeld kaum genug Rendite, um auch nur die Inflation auszugleichen. Macht es da Sinn, sich bei anderen Anlageklassen wie Gold, Kryptowährungen, kleinen Unternehmensanleihen oder AIFs umzuschauen? Und wie nachhaltig sind diese Produkte?
Eine Kombination aus Aktien (etwa in Form von Fonds oder ETFs) und Festgeld gilt als Königsweg, um bei überschaubarem Risiko Vermögen aufzubauen. Viele Anlegerinnen und Anleger haben derzeit allerdings Angst vor einem Börsencrash und suchen nach Alternativen. Eignet sich Gold als sicherer Hafen? Bieten Bitcoin, Anleihen oder ELTIFs ein attraktives Verhältnis von Chancen und Risiken? ECOreporter schaut genauer hin.
Gold glänzt nicht immer
Eines gleich vorweg: Gold ist keine besonders sichere Geldanlage. Goldmünzen oder -barren überdauern zwar die Zeit und werden vermutlich immer ein Zahlungsmittel sein, aber ihr Wert kann erheblich schwanken. Zwischen 2012 und 2019 lag der Preis für die Feinunze Gold beispielsweise im Minus, in der Spitze bis zu 33 Prozent. Als Ersatz für Tages- und Festgeld taugt Gold also nicht.
Und als Alternative zu Aktien oder entsprechenden Fonds und ETFs? In der Vergangenheit entwickelte sich der Goldkurs oft gegenläufig zu Aktienkursen, weil in Krisenphasen viele Anleger in Gold investieren, um sich gegen einen Crash am Finanzmarkt abzusichern. Und da es bei Gold nur ein begrenztes Angebot gibt, steigt der Preis, wenn die Nachfrage hoch ist.
Die langfristigen Renditen von Gold schwanken allerdings stärker als bei weltweit gestreuten Aktien-Investments und sind im Schnitt auch nur etwa halb so hoch – in den letzten Jahrzehnten betrugen sie etwa 4 bis 5 Prozent pro Jahr. Das liegt auch daran, dass Gold keine Zinsen oder Dividenden bringt und anders als Unternehmen nicht den eigenen Wert steigern kann.
Was ECOreporter beim Thema Gold empfiehlt und wie die Redaktion Anleihen, Nachrangdarlehen, ELTIFs, AIFs und Kryptowährungen einschätzt, erfahren Sie im Premium-Bereich.
Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.
ECOreporter rät: Kaufen Sie nur dann Gold, wenn Sie die Schwankungen in Ihrem Aktiendepot ein wenig ausgleichen wollen oder Gold Sie ruhiger schlafen lässt. Investieren Sie aber nur maximal 5 bis 10 Prozent Ihres frei verfügbaren Vermögens in Gold – das Chance-Risiko-Verhältnis ist für eine höhere Gewichtung einfach zu schlecht.
Und kaufen Sie physisches Gold, sprich Barren oder Münzen. Bei Wertpapieren auf Gold, also etwa Zertifikaten, ETCs (Exchange Traded Commodities) oder gar Goldminen-Aktien, sind die Kursrisiken erhöht, die Papiere nicht mit Gold besichert, oder Sie kommen bei einer Insolvenz des Anbieters oder in einer Finanzkrise möglicherweise nicht an Ihr Gold. Die Wertpapiere mit den geringsten Ausfallrisiken sind Gold-ETCs mit einem Lieferanspruch auf physisches Gold.
Wenn Sie nachhaltig in Gold investieren möchten, sollten Sie auf die Gold-Siegel von Fairtrade und Fairmined achten. Die garantieren, dass das Edelmetall ohne Kinderarbeit und den Einsatz umweltschädlicher Chemikalien abgebaut wurde. Es gibt auch vereinzelte Gold-ETCs mit zumindest hellgrünem Anspruch.
Mehr zu fairem Gold lesen Sie hier.
Hohe Pleiterisiken bei kleinen Anleihen und Nachrangdarlehen

Kleine grüne Anleihen können viel Gutes bewirken - aber es gibt Risiken. / Foto: Pixabay
Gold ist also kein Renditeersatz für Aktien. Welche Alternativen abseits der Börse bleiben noch?
Hohe Renditen versprechen beispielsweise Nachrangdarlehen oder (häufig nicht börsengehandelte) Anleihen kleiner Unternehmen. Viele dieser Produkte, die beispielsweise Wind- und Solarprojekte finanzieren, werden über Crowd-Plattformen angeboten. Die Zinsen bewegen sich in der Spitze bei 8 bis 12 Prozent.
Klingt attraktiv, ist aber mit erheblichen Risiken verbunden. Unternehmen, die so hohe Zinsen bieten, haben oft Schwierigkeiten, an Bankkredite zu kommen, weil sie über zu wenig Eigenkapital verfügen, bereits hohe Schulden mit sich herumschleppen oder ihre Geschäftsmodelle den Banken zu riskant sind. ECOreporter berichtet in seiner Wachhund-Rubrik regelmäßig über Firmen, die ihre Anleihen nicht zurückzahlen können oder Probleme haben, ihren Zinsverpflichtungen nachzukommen.
Bei Nachrangdarlehen ist das Verlustrisiko noch höher. Denn diese Kredite, die Anlegerinnen und Anleger Unternehmen gewähren, werden im Falle einer Insolvenz erst dann zurückgezahlt, wenn alle anderen Gläubiger, beispielsweise Banken, ihr Geld erhalten haben (daher der Begriff „Nachrang“). Sind die Ansprüche der vorrangigen Gläubiger bedient, ist aber meist kein Geld mehr für die Rückzahlung der Nachrangdarlehen da. Mit Nachrangdarlehen der UDI-Firmengruppe aus Nürnberg beispielsweise verloren private Investoren viele Millionen Euro. Gerichte haben bereits mehrfach bemängelt, dass auf die Risiken von Nachrangdarlehen nicht ausreichend hingewiesen wurde.
ECOreporter hat in den letzten Jahren von den meisten Nachrangdarlehensangeboten abgeraten. Bei Anleihen sieht die Redaktion Einstiegschancen, wenn die Papiere von solide wirtschaftenden Unternehmen wie etwas Energiekontor oder Enertrag kommen (eine Übersicht zu kleinen grünen Anleihen finden Sie hier).
Die Zinsen aussichtsreicher nachhaltiger Anleihen liegen in der Regel zwischen 4 und 6 Prozent, manchmal auch bei bis zu 8 Prozent. Also durchaus im Bereich langfristiger Aktienrenditen. Und die nachhaltige Wirkung ist deutlich höher als bei den meisten Aktien-Investments. Weil richtig grüne Anleihen aber für gewöhnlich von eher kleinen Firmen angeboten werden, empfiehlt ECOreporter, nicht mehr als 10 Prozent des freien Kapitals in solche Papiere beziehungsweise in entsprechende Renten- oder Mischfonds zu investieren.
Vorsichtigere Anlegerinnen und Anleger können auch auf Anleihen großer, zumindest hellgrüner Konzerne setzen, die teils ebenfalls attraktive Renditen bieten (mehr dazu erfahren Sie hier). Und als Sicherheitsbaustein sind deutsche Staatsanleihen eine Option.
Unternehmensbeteiligungen: Eher ELTIFs als AIFs
Halbwegs einschätzbar sind die Risiken auch bei den bisher erhältlichen nachhaltigen ELTIFs (European Long-Term Investment Funds). Das sind spezielle Alternative Investmentfonds (AIFs), die direkt in Infrastruktur und Sachwerte wie beispielsweise Wind- und Solarparks investieren – letztlich also Unternehmensbeteiligungen. Angeboten werden sie etwa von Banken wie der Commerzbank (Klimavest) und der GLS Bank (GLS ELTIF – Energieinfrastruktur Fonds) oder großen Vermögensverwaltern wie Aquila Capital (AC One Planet), aber auch von vergleichweise kleinen Unternehmen wie dem Mikrofinanzspezialisten Invest in Visions (IIV Solar Electrification Debt ELTIF).
Um als ELTIF zu gelten, müssen AIFs langfristig angelegt sein und ihre Risiken breit streuen. Anders als bei herkömmlichen AIFs können Anlegerinnen und Anleger ELTIF-Anteile nach einer Mindesthaltedauer von meist zwei Jahren vorzeitig zurückgeben, dabei gilt aber oft eine Kündigungsfrist von zwölf Monaten. So leicht handelbar wie Aktienfonds sind die meisten ELTIFs also nicht. Und ihre Renditen dürften auf lange Sicht niedriger sein als bei Aktien, ELTIF-Anbieter kalkulieren häufig mit Vorsteuerrenditen von 3 bis 6 Prozent. ECOreporter schätzt einen ELTIF-Anteil von maximal 10 Prozent im Anlageportfolio als vertretbar ein.

Bitcoin und andere digitale Währungen sind weiterhin vor allem Spekulationsobjekte. / Foto: Pixabay
Andere AIFs sollten nur Anlegerinnen und Anleger kaufen, die das Geld für längere Zeit entbehren können. Der von der Redaktion positiv bewertete AIF Ökorenta Erneuerbare Energien 16 beispielsweise läuft bis 2038, und die Anteile lassen sich nur schwierig verkaufen, auch weil AIFs direkte Unternehmensbeteiligungen sind: Wer Anteile erwirbt, wird in der Regel Treugeber oder Direktkommanditist einer Kommanditgesellschaft – kein Investment für unerfahrene Investoren.
Vom Krypto-Hype profitieren?
Und was ist mit Kryptos? Sind digitale Währungen nicht mittlerweile ganz normale Geldanlagen und eine attraktive Alternative zu Aktien? Der Bitcoin hat in den letzten vier Wochen knapp 9 Prozent an Kurswert gewonnen, selbst Sparkassen wollen ihren Kunden künftig den Kryptohandel ermöglichen, und es gibt ETFs, die in die wichtigsten Kryptowährungen Bitcoin und Ethereum investieren.
ECOreporter bleibt skeptisch und rät weiter von Krypto-Investments ab. Die Währungen sind vor allem Spekulationsobjekte ohne eigenen Wert. Als Zahlungsmittel spielen sie im weltweiten Finanzsystem nach wie vor kaum ein Rolle, und oft reichen bloße Gerüchte oder ein Social-Media-Posting von Unruhestiftern wie Donald Trump oder Elon Musk, um die Kurse stark schwanken zu lassen. Gute Renditen brachten sie in den letzten Jahren eher nicht: Der Bitcoin ist auf zwölf Monate gesehen fast 20 Prozent im Minus, hat seit dem letzten Allzeithoch im Oktober 2025 fast 50 Prozent an Wert verloren, und auf fünf Jahre gesehen steht er mit einem Plus von 49 Prozent schlechter da als viele nachhaltige Fonds und ETFs. Hinzu kommen Verlustrisiken durch die Pleiten von großen Kryptofirmen oder staatlich gelenkte Diebstähle nordkoreanischer Hackergruppen.
Und sonderlich nachhaltig sind Kryptowährungen auch nicht. Um die einzelnen Coins zu erschaffen, braucht es bei vielen Währungen nach wie vor große Mengen Energie. Alleine das Schürfen neuer Bitcoins dürfte 2025 nach Berechnungen der Universität Cambridge dreimal so viel Strom gefressen haben, wie die Schweiz in einem Jahr verbraucht.
Hinzu kommen Zweifel an der angeblichen Freiheit und sozialen Gerechtigkeit des Krypto-Systems. Bei vielen digitalen Währungen befindet sich ein Großteil der Coins in den Händen weniger Personen, und Demokratiefeinde wie Donald Trump nutzen den Krypto-Hype, um eigene Währungen auf den Markt zu bringen und damit innerhalb kürzester Zeit Milliarden zu scheffeln, ohne dafür einen Gegenwert zu liefern. Zudem sind Kryptowährungen ein beliebtes Zahlungsmittel bei illegalen Geschäften, weil die Transaktionen weitestgehend anonym abgewickelt werden können. Schöne freie Krypto-Welt? Eher nicht.
Fazit
Auch wenn viele Aktien derzeit hoch bewertet sind und die Festgeldzinsen oft nicht über der Inflationsrate liegen, sollten Sie auf beide Anlageklassen nicht verzichten. Fest verzinste, sichere Produkte schützen Ihr Vermögen, und Aktien dürften wie schon seit vielen Jahrzehnten auf lange Sicht mit vertretbarem Risiko nicht zu schlagen sein.
Wenn Sie ihre Investments breiter streuen wollen, können Sie Gold, Anleihen oder ELTIFs/AIFs beimischen. Insgesamt sollten Sie in diese Anlageklassen aber nicht mehr als 30 Prozent Ihres frei verfügbaren Vermögens stecken. Ein Vorteil von Anleihen und ELTIFs/AIFs: Mit ihnen lässt sich eine hohe nachhaltige Wirkung erzielen.
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