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Anleihen / AIF, Crowd-Investment, Crowd-Test
Im Check: Anleihe der Next2Sun Invest mit 6,75 % Zins
Die Next2Sun-Gruppe plant, weitere Projekte im Bereich vertikale Agri-Photovoltaik umzusetzen. Um einen Teil der Vorhaben zu finanzieren, bietet die Next2Sun Invest GmbH eine Anleihe an. Deren Zinssatz beträgt 6,75 Prozent pro Jahr bei einer Laufzeit von rund vier Jahren. Eine Zeichnung ist ab 1.000 Euro über die Plattform GLS Crowd möglich.
Vertikale Agri-PV-Anlagen sind Photovoltaikanlagen, bei denen die Solarmodule senkrecht und mit ausreichend Abstand zwischen den Modulreihen aufgestellt werden, sodass dazwischen eine Bewirtschaftung der Fläche mit Landmaschinen erfolgen kann. Durch die vertikale Ausrichtung kann auf beiden Seiten eines bifazialen Solarmoduls Strom produziert werden, das heißt bei einer Ost-West-Ausrichtung der Module sowohl in den Morgen- als auch in den Abendstunden.
Anbieterin und Emittentin der nicht nachrangigen Anleihe 2025/2028 ist die Next2Sun Invest GmbH aus Dillingen/Saar im Saarland. Die im Dezember 2024 ins Handelsregister eingetragene Emittentin ist nicht operativ tätig, sondern soll den Emissionserlös als Darlehen an mit der Next2Sun AG verbundene Unternehmen ausreichen. Diese werden laut Wertpapier-Informationsblatt (WIB, Stand: 18.12.2024) mit den Darlehen Projekte im Bereich der vertikalen Agri-PV-Anlagen finanzieren. Die Projekte können laut WIB sämtliche Stufen der Wertschöpfungskette umfassen, insbesondere die Projektentwicklung, die Errichtung, den Erwerb, die Veräußerung und den Betrieb.
In welche Unternehmen fließt das Anleihekapital? Wo liegen die Risiken? Welche Vorteile bietet das Next2Sun-Anlagenkonzept? Wie sieht die Geschäftsentwicklung der Garantiegeberin und ihrer Next2Sun-Gruppe aus? Antworten auf diese und weitere Fragen und das Fazit von ECOreporter lesen Sie im Premium-Bereich.
Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.
Wohin fließt das Anleihekapital?
Das Emissionsvolumen der Anleihe beträgt bis zu 2,5 Millionen Euro. Die Emissionskosten betragen laut WIB bei Vollplatzierung der 2,5 Millionen Euro bis zu 264.748 Euro. Die Emittentin ist berechtigt, die Anleihe auf bis zu 4 Millionen Euro aufzustocken.
Die Emittentin möchte laut WIB den Nettoemissionserlös wie folgt nutzen: Durch die Vergabe von projektbezogenen Darlehen an die jeweiligen Unternehmen soll
- bei der Next2Sun Projekt GmbH die Projektentwicklung von vertikalen Agri-PV-Anlagen bis zum Ready-to-build-Status,
- bei der Next2Sun Technology GmbH der Bau von vertikalen Agri-PV-Anlagen für den Eigenbestand, zum Verkauf oder im Auftrag Dritter und
- bei der Next2Sun Asset GmbH der Erwerb und Betrieb von vertikalen Agri-PV-Anlagen
mitfinanziert werden.
Laufzeit und Zins
Die Laufzeit der Anleihe hat am 16. Januar 2025 begonnen und endet am 15. Dezember 2028. Die Emittentin ist aber berechtigt, die Schuldverschreibungen zum 16. Dezember 2026 und zum 16. Dezember 2027 insgesamt vorzeitig zu kündigen und zurückzuzahlen. In dem Fall stehen den Anlegerinnen und Anlegern laut WIB 50 Prozent der Zinsen zu, die bis zum Laufzeitende noch angefallen wären. Der Zinssatz der Anleihe beträgt 6,75 Prozent pro Jahr.
Ein Antrag auf eine Handelszulassung der Anleihe (ISIN: DE000A383XQ8) an einem geregelten Markt oder anderen gleichwertigen Märkten ist laut WIB nicht gestellt worden und soll auch nicht gestellt werden.
Garantie der Muttergesellschaft Next2Sun AG
Die nicht börsennotierte Next2Sun AG, die alleinige Gesellschafterin der Emittentin, stellt laut WIB eine Garantie auf erstes Anfordern hinsichtlich aller Ansprüche der Inhaberinnen und Inhaber der Schuldverschreibungen aus und im Zusammenhang mit der Schuldverschreibung in voller Höhe, falls die Emittentin ihren bestehenden Verpflichtungen aus der Schuldverschreibung nicht fristgerecht nachgekommen ist.
Die Garantiegeberin ist laut WIB schwerpunktmäßig eine geschäftsleitende Holdinggesellschaft zur Verwaltung bestehender und noch zu erwerbender Beteiligungen und übt ihr operatives Geschäft indirekt über ihre Beteiligungen aus. Im Geschäftsjahr 2023 hat die Next2Sun AG keine Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beschäftigt.
Laut WIB ist die Next2Sun AG unmittelbar an fünf und mittelbar an 14 Unternehmen beteiligt. Sie ist alleinige Gesellschafterin der Next2Sun Asset GmbH und der Next2Sun Technology GmbH. Letztere ist alleinige Gesellschafterin der Next2Sun Projekt GmbH, die Mittel von der Emittentin aus dem Anleihe-Nettoemissionserlös erhalten sollen.
Die Next2Sun AG ist gemäß den Angaben in ihrem Lagebericht für das Geschäftsjahr 2023 (vom 14.6.2024) über ihre Tochtergesellschaften in zwei Geschäftsfeldern aktiv: der Freiflächen-Photovoltaik mit einem speziellen Fokus auf Agri-Photovoltaik sowie dem Geschäftsbereich der Eigenerzeugungsanlagen. Für das Geschäftsfeld der Eigenerzeugungsanlagen wurde zusätzlich die Produktserie „Solarzaun“ aufgelegt. Die Next2Sun-Gruppe investiert nach eigenen Angaben in erheblichem Umfang in Forschung und Entwicklung.
Vorteile des Next2Sun-Anlagenkonzepts

Bifaziale Solarmodule von Next2Sun. / Foto: Unternehmen
Das von der Next2Sun entwickelte vertikale bifaziale Anlagenkonzept adressiert nach Angaben des Unternehmens gleich mehrere kritische Faktoren für den Erfolg der Freiflächen-Photovoltaik: den Landnutzungskonflikt (auch: „Teller-Tank-Konflikt“) und die starke Konzentration der Photovoltaik-Stromerzeugung um die Mittagszeit. Durch die vertikale Aufständerung ist die Überbauung der Fläche minimal (in der Regel ungefähr 1 Prozent der Grundfläche), und bei Ost-West-Ausrichtung der Modulflächen weist die beidseitig lichtempfindliche (bifaziale) Anlage Produktionsspitzen in den Morgen- und Abendstunden auf. Damit profitiert sie Unternehmensangaben zufolge zum einen von den höheren Strompreisen abseits der Mittagspeaks. Gleichzeitig ermögliche dieses Konzept eine bessere Auslastung der Netzinfrastruktur, was den Netzausbau- und Speicherbedarf reduziere.
Positive und negative Entwicklungen für die Next2Sun-Gruppe
Da die Agri-Photovoltaik laut Next2Sun ein speziell förderbedürftiges Marktsegment darstellt, spielt für Next2Sun insbesondere die aktuelle Förderkulisse eine wichtige Rolle. Hier waren die Rahmenbedingungen 2023 laut Unternehmen schwierig, da die vorhandene (moderate) Agri-PV-Förderung die Anlagen der Next2Sun nicht umfasste. Das mit dem Solarpaket I in 2024 reformierte Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sieht erhöhte Förderungen für sogenannte „hoch aufgeständerte Agri-PV“ vor. Wesentlicher Treiber für den Bau der realisieren Next2Sun-Anlagen war laut Lagebericht die einmalige Innovationsausschreibung 2022, wo den Angaben nach einige sehr gute Zuschläge für Next2Sun-Anlagen erlangt werden konnten. Trotz der gestiegenen Zinsen konnten so verschiedene Projekte in die Umsetzung gehen, auch weil sich die Liefersituation bei Solarmodulen aus Asien normalisiert habe.
Unbefriedigend war hingegen laut Lagebericht 2023 die Entwicklung im Solarzaun-Geschäft allgemein und insbesondere in der österreichischen Next2Sun Austria GmbH, bei der Ende 2023 ein umfassender Restrukturierungsprozess eingeleitet wurde.
Mehr Umsatz und besseres Ergebnis
In der Next2Sun-Gruppe ergibt sich laut Lagebericht für 2023 ein konsolidierter Umsatz von etwa 15 Millionen Euro nach 7,2 Millionen Euro im Vorjahr. Der konsolidierte Jahresverlust wird mit 1,1 Millionen Euro (2023) nach 2,1 Millionen Euro im Jahr 2022 angegeben. Auf der Internetseite der GLS Crowd ist eine Kennzahlenübersicht (Stand: 10.1.2025) für die Next2Sun-Gruppe veröffentlicht. Demnach betragen gemäß „vorläufiger Prognosewerte für 2024 aus Unternehmensplanung“ die Umsatzerlöse rund 28 Millionen Euro und der Jahresüberschuss 59.000 Euro. Weitere vorläufige Prognosezahlen für 2024 in der Kennzahlenübersicht sind unter anderem: 106 Mitarbeitende, ein Anlagevermögen von rund 3,6 Millionen Euro und eine Eigenkapitalquote von 3 Prozent.
Die operativen Tochtergesellschaften der Next2Sun AG haben ihre bisherige Geschäftsentwicklung maßgeblich mit qualifizierten Nachrangdarlehen insbesondere aus verschiedenen Crowdinvestings finanziert. Das Gesamtvolumen dieser Nachrangdarlehen betrug gemäß den Angaben im Lagebericht in der Gruppe zum Bilanzstichtag 31.12.2023 5,5 Millionen Euro. Einen Konzernabschluss hat die Next2Sun AG bisher nicht veröffentlicht, sodass die finanzielle Transparenz der Gruppe verringert ist.
Risiken
Die Next2Sun AG hat bei der vertikalen bifazialen Anlagentechnologie laut Lagebericht einen erheblichen Erfahrungsvorsprung und auch ein signifikantes Patentportfolio aufgebaut. Dennoch besteht das Risiko, dass Wettbewerber in den Markt eintreten. Zudem besteht das Risiko, dass andere Agri-PV-Systeme stärker gefördert werden und sich am Markt durchsetzen, beispielsweise die hoch aufgeständerte Agri-PV. Es ist auch möglich, dass künftig Solaranlagen standardmäßig mit Batteriespeichern kombiniert werden und in der Folge der Vorteil „Produktionsspitzen in den Morgen- und Abendstunden“ des Next2Sun-Anlagenkonzeptes an Bedeutung verliert.
Von besonderer Bedeutung für die Risikobewertung ist laut Lagebericht insbesondere das Geschäft als Generalunternehmer, da es sich hier typischerweise um Fixpreisangebote handele, für die die Next2Sun Technology GmbH das volle wirtschaftliche Risiko trage.
Da die Next2Sun Invest GmbH, die Emittentin der Anleihe, plangemäß Darlehen an die Next2Sun Technology GmbH vergibt, trägt sie mittelbar deren Bau- und Generalunternehmerrisiken mit. Bei den beiden anderen Unternehmen, an welche die Emittentin das Anleihekapital weiterleiten soll, bestehen insbesondere Projektentwicklungsrisiken (Next2Sun Projekt GmbH) und Anlagen-Betriebsrisiken (Next2Sun Asset GmbH). Aufgrund der Verflechtungen und Abhängigkeiten zwischen den Gesellschaften der Next2Sun-Gruppe kann auch ein Potenzial für Interessenskonflikte bestehen, beispielsweise hinsichtlich der Festsetzung des Wertes bzw. Kaufpreises der jeweiligen Agri-PV-Projekte.
Die Emittentin kann zahlungsunfähig werden oder in Überschuldung geraten. Dies kann insbesondere der Fall sein, wenn sie geringere Einnahmen und/oder höhere Ausgaben als erwartet zu verzeichnen hat oder eine etwaig erforderliche Anschlussfinanzierung nicht einwerben kann. Auch die Garantiegeberin Next2Sun AG könnte zahlungsunfähig werden. Für Anlegerinnen und Anleger bestehen erhebliche Risiken, ihr eingesetztes Kapital teilweise oder vollständig zu verlieren.
Fazit
Bei der Emittentin der Anleihe handelt es sich um ein junges Unternehmen, das Projekte der Next2Sun-Gruppe im Bereich Agri-PV mitfinanzieren soll. Da die Muttergesellschaft Next2Sun AG noch keinen Konzernabschluss veröffentlicht hat, ist die finanzielle Transparenz der Gruppe verringert und eine fundierte Bewertung des Zins/Risiko-Verhältnisses der Anleihe nicht möglich. Unter ökologischen Gesichtspunkten ist das Anlagenkonzept von Next2Sun vorteilhaft. Es ist aber noch unklar, ob es sich langfristig am Markt etablieren kann.
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04.05.26
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