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Kann die Rheinmetall-Aktie eine nachhaltige Geldanlage sein?
Rheinmetall sponsert den Fußballbundesligisten Borussia Dortmund. In Zeiten des Ukraine-Kriegs wird das als Ausdruck einer „neuen Normalität“ verkauft. Sollten nachhaltige Anlegerinnen und Anleger ihre Einstellung zu Rheinmetall und anderen Rüstungskonzernen überdenken? Ein ECOreporter-Kommentar.
Es kam überraschend: Deutschlands größtes Rüstungsunternehmen ist neuer „Champions Partner“ des BVB, wirbt künftig etwa auf Banden im Dortmunder Stadion und wird damit auch von Millionen Fernsehzuschauern in einem positiven Umfeld wahrgenommen. Dafür erhält der Verein drei Jahre lang jeweils einen einstelligen Millionenbetrag.
Viele Fans lehnen den Werbevertrag ab, der BVB verteidigt ihn mit ungewohntem Pathos: „Sicherheit und Verteidigung sind elementare Eckpfeiler unserer Demokratie", sagt der scheidende Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. „Deshalb halten wir es für die richtige Entscheidung, uns sehr intensiv damit zu beschäftigen, wie wir diese Eckpfeiler schützen.“ Man müsse sich, so Watzke, „mit dieser neuen Normalität auseinandersetzen“. Ähnlich äußerten sich hochrangige Politiker.
Panzer ins Depot?
Was heißt das nun für Anlegerinnen und Anleger, die ein ernsthaftes Interesse an nachhaltiger Geldanlage haben? Die „neue Normalität“ annehmen und Rheinmetall-Aktien kaufen? Oder weiterhin Geldanlagen in Rüstung ablehnen, wie es die meisten nachhaltigen Investoren bislang getan haben?

Rheinmetall produziert unter anderem das Waffensystem des Kampfpanzers Leopard. / Foto: Pixabay
Sicherlich ist es angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine angebracht, die eigene Haltung zum Thema Rüstung zumindest einmal zu reflektieren. Dabei kann Unterschiedliches herauskommen, denn es gibt nachvollziehbare Gründe, das Thema Rüstung als notwendiges Übel zu akzeptieren, aber auch Gründe, dies nicht zu tun.
Entscheidend ist aber gar nicht unbedingt, wie wir persönlich zur Aufrüstung in Deutschland stehen, sondern eher die Frage: Sollten Rüstungskonzerne überhaupt an der Börse sein? Denn wer am Kapitalmarkt vertreten ist, wird immer auch an kurzfristigen Gewinnen gemessen. Bleiben die aus, fällt meist der Aktienkurs.
Geschäfte mit autokratischen Staaten
Das sorgt für Unruhe im Unternehmen, kann Bonuszahlungen für den Vorstand zusammenschmelzen lassen und verleitet dazu, den Betrieb mit Hauruck-Maßnahmen und riskanten Projekten auf bessere Margen zu trimmen. In einem sensiblen Bereich wie Rüstung keine gute Idee. Rheinmetall etwa steht immer wieder wegen umstrittener Waffengeschäfte mit Ländern wie Saudi-Arabien in der Kritik.
Und nach Recherchen der Wochenzeitung „Die Zeit“ und der Nachhaltigkeits-Ratingagentur ISS ESG beliefert die Schweizer Rheinmetall-Tochter Nitrochemie Wimmis den US-Rüstungskonzern Northrop Grumman mit Treibladungspulver für uranhaltige Munition. Diese Geschosse sind zwar nicht international geächtet, fallen für viele nachhaltige Fonds aber unter das Ausschlusskriterium „kontroverse Waffen“, weil ihre kleinsten Partikel, wenn sie nach dem Aufschlag eingeatmet werden, zu schweren Leber- und Nierenschäden führen können. Rheinmetall teilte auf Anfrage der „Zeit“ mit, man entwickle und produziere keine kontroversen Waffen.
Wäre Rheinmetall nicht an der Börse, würde der Düsseldorfer Konzern möglicherweise auf das eine oder andere fragwürdige Geschäft verzichten. So muss sich das Management mit den Renditeerwartungen mächtiger Investoren auseinandersetzen. Zwei Drittel der Rheinmetall-Aktien besitzen institutionelle Anleger, mit die größten Positionen halten die US-Finanzkonzerne BlackRock, Goldman Sachs und Bank of America, die nicht unbedingt für ihre Nachhaltigkeit bekannt sind.
Rheinmetalls Börsenkurs hat sich in zwei Jahren verfünffacht
Hinzu kommt: Wer aus nachhaltigen Gründen in ein Unternehmen investiert, möchte dieses Unternehmen unterstützen – und sei es nur dadurch, dass man seine Aktien lange hält und so mithilft, den Börsenkurs zu stabilisieren. Rheinmetall braucht solche Hilfe aber nicht. Der Aktienkurs hat sich seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine verfünffacht, die Auftragsbücher sind so voll, dass der Konzern mit der Produktion nicht hinterherkommt. Alleine aus dem 100 Milliarden Euro schweren deutschen Sondervermögen für Militärausgaben dürfte Rheinmetall 30 bis 40 Milliarden Euro bekommen.
Aus nachhaltigen Erwägungen in die Rheinmetall-Aktie zu investieren, macht also wenig Sinn (trotzdem taucht das Papier in hellgrünen ETFs auf). Für andere Rüstungskonzerne gilt das Gleiche. Auch wer Aufrüstung in Deutschland als „neue Normalität“ akzeptiert, muss deshalb noch lange nicht Aktien aus der Branche als nachhaltige Investments durchwinken. Sinnvoller erscheint diese Forderung: Wenn schon Rüstung, dann bitte außerhalb der Börse.
Ein Kommentar von Michael Rensen, Redaktionsleiter ECOreporter.de