Meyer Burger sucht nach Möglichkeiten "zur Schließung der verbleibenden Finanzierungslücke". / Foto: Meyer Burger

  Nachhaltige Aktien, Erneuerbare Energie

Meyer Burger wechselt Chef und Finanzvorstand aus

Das kriselnde Schweizer Solarunternehmen Meyer Burger baut seinen Vorstand um. Firmenchef Gunter Erfurt und Finanzvorstand Markus Nikles müssen gehen. Das Unternehmen kündigt außerdem einen Sparkurs und Entlassungen an.

Erfurt wird durch den bisherigen Verwaltungsratspräsidenten Franz Richter als Unternehmenschef ersetzt, wie Meyer Burger in einer Mitteilung erklärte. Richter besitze "langjährige Erfahrung im Bereich der Restrukturierung von Industrieunternehmen".

Suche nach Möglichkeiten "zur Schließung der verbleibenden Finanzierungslücke"

Die Aufgaben von Finanzchef Nikles werden auf die beiden Manager Ralf Hermkens (USA) und Frank Zimmermann (Europa) aufgeteilt, die allerdings nicht in den Vorstand aufrücken. Die auf drei Mitglieder reduzierte Geschäftsleitung soll sich nun "zunächst auf die möglichst schnelle Wiedererreichung der Profitabilität konzentrieren".

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Meyer Burger steckt tief in den roten Zahlen. Als einen Hauptgrund dafür sieht das Unternehmen die deutlich günstigere Konkurrenz aus China, vor der man sich insbesondere in Europa nicht genügend geschützt sieht. Meyer Burger wollte sein Kerngeschäft mit der Solarzellen- und Solarmodulfertigung daher vollständig in die USA verlegen, wo das Unternehmen bessere Bedingungen sieht.

Ende August musste das Management diese Pläne allerdings teilweise aufgeben. Zwar hat das Modulwerk in Goodyear im US-Bundesstaat Arizona seine Produktion bereits aufgenommen. Für eine geplante Solarzellenfabrik in Colorado fehlt aber das Geld. ECOreporter berichtete hier.

Während Meyer Burger sein Modulwerk im sächsischen Freiberg geschlossen hat, werden Solarzellen nun weiter in Thalheim in Sachsen-Anhalt produziert und für die Modulfertigung in die USA exportiert. Auch das Forschungszentrum im sächsischen Hohenstein-Ernstthal soll erhalten bleiben.

Wie Meyer Burger heute mitteilte, plant der Konzern eine "erhebliche Verschlankung insbesondere in der gesamten Konzernstruktur" – konkret bedeutet das, dass bis Ende 2025 die Angestelltenzahl weltweit von 1.050 auf voraussichtlich 850 reduziert werden soll. Dabei soll "dem überproportionalen Abbau in Europa ein Aufbau in den USA zur Erreichung der vollen Produktionskapazität in Goodyear" gegenüberstehen.

Gleichzeitig prüfe das Unternehmen "die Möglichkeit der Generierung von zusätzlichen Umsätzen und Deckungsbeiträgen durch den Verkauf von Technologie und Equipment an strategische Kunden in den Bereichen Solarzellenherstellung und Modultechnologie". Die Liquidität im operativen Betrieb soll "weiterhin über Solarmodulverkäufe aus aktuellen Beständen sowie zusätzlich durch die Veräußerung von weiteren Vermögensgegenständen gestützt werden". Aktuell würden "zur Schließung der verbleibenden Finanzierungslücke verschiedene Möglichkeiten analysiert". Mit anderen Worten: Das Unternehmen hat weiterhin finanzielle Schwierigkeiten und braucht Geld.

Ab 2026 erwartet Meyer Burger weiterhin einen Jahresumsatz von rund 350 bis 400 Millionen Schweizer Franken und ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) im mittleren zweistelligen Millionenbereich. 2023 hatte als EBITDA ein Verlust von 164 Millionen Euro zu Buche gestanden.

Für die Aktie geht es weiter abwärts

Als Schweizer Wertpapier ist die Aktie von Meyer Burger in Deutschland nur eingeschränkt handelbar (mehr dazu erfahren Sie hier). Am außerbörslichen Handelsplatz Lang & Schwarz ist die Aktie aktuell 5,5 Prozent im Minus zum Vortag und kostet 2,03 Euro (Stand: 18.9.2024, 9:19 Uhr). Auf Monatssicht notiert die Aktie 58,8 Prozent im Minus, im Jahresvergleich hat sie 98 Prozent an Wert verloren.

Meyer Burger hat Ende Juni einen sogenannten "umgekehrten Aktiensplit" durchgeführt. Dabei erhielten Anlegerinnen und Anleger für 750 alte eine neue Aktie. Nachdem die Aktie zuvor ein im Cent-Bereich gehandelter sogenannter Pennystock war, soll der höhere Kurs das spekulative Handeln mit großen Volumina erschweren. Die Aktie hat seit der Zusammenlegung aber weiter kontinuierlich an Wert verloren. Zudem steht sie nach wie vor im Fokus von Shortsellern, die auf weiter sinkende Kurse wetten.

Nach Ansicht von ECOreporter ist der Ausblick bei Meyer Burger unsicherer denn je. Die Redaktion rät klar vom Kauf der Aktie ab.

Einen Überblick über den Solarsektor erhalten Sie mit den ECOreporter-Dossiers Der ECOreporter-Solaraktien-Überblick: Maschinen, Module und Wechselrichter (Teil 1) und Der ECOreporter-Solaraktien-Überblick: Projektierer und Betreiber von Solaranlagen (Teil 2)

Meyer Burger Technology AG: ISIN CH1357065999 / WKN A40H1E

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