Die Meyer Burger-Aktie ist auf Jahressicht um 80 Prozent eingebrochen. / Foto: Meyer Burger

  Nachhaltige Aktien

Meyer Burger: Zürcher Kantonalbank sieht hohe Risiken, aber auch Chancen

Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) hat die Meyer Burger-Aktie auf „untergewichten“ heruntergestuft. Die Analysten des Geldhauses halten es jedoch weiterhin für möglich, dass der Schweizer Solarmodulhersteller mittelfristig schwarze Zahlen schreiben wird.

In ihrer aktuellen Unternehmensanalyse schreibt die ZKB, Meyer Burger müsse sich nach ihrer Einschätzung in den nächsten zehn Wochen 200 Millionen Schweizer Franken (215 Millionen Euro) neues Eigenkapital besorgen – ansonsten könne es finanziell eng werden. Sollte es gelingen, das Geld aufzutreiben, seien ab 2026 Nettogewinne möglich.

Verwässern die Aktien?

Für bestehende Aktionäre sieht die ZKB die Gefahr, dass ihre Aktien durch Kapitalmaßnahmen „sehr stark verwässert“ werden. Bei einer positiven Unternehmensentwicklung erwartet die ZKB für 2026 einen fairen Aktienwert von 0,10 bis 0,16 Franken – aktuell steht der Kurs an der Heimatbörse Six Swiss bei 0,106 Schweizer Franken (1.2.2024, 9:19 Uhr).

Nach Bekanntwerden der ZKB-Einschätzung hat Meyer Burger gestern 17 Prozent an Börsenwert verloren. Heute ist die Aktie bislang weitere 5,5 Prozent im Minus.

Meyer Burger leidet wie viele Solarunternehmen in Europa unter den günstigen, staatlich subventionierten Angeboten aus China. Ein starker Anstieg der chinesischen Produktion sowie von Indien und den USA verhängte Handelsbeschränkungen hätten im vergangenen Jahr zu einem erheblichen Überangebot und "einer beispiellosen Verzerrung auf dem europäischen Solarmarkt" geführt, heißt es in einer Unternehmensmitteilung. Meyer Burger verlangt von der EU und Deutschland nun ebenfalls Einschränkungen für chinesische Produkte.

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Das Geschäftsjahr 2023 lief schlecht für Meyer Burger. Nach vorläufigen Zahlen geht das Unternehmen von einem Umsatz von rund 135 Millionen Schweizer Franken (144 Millionen Euro) aus, rund 8 Prozent weniger als 2022. Beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) hat sich der Verlust auf ein Minus von mindestens 126 Millionen Franken (135 Millionen Euro) annähernd vervierfacht.

Meyer Burger prüft derzeit mehrere Finanzierungsmöglichkeiten. Das Unternehmen befindet sich nach eigenen Angaben in fortgeschrittenen Gesprächen mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz über eine durch den französischen Versicherer Allianz Trade (ehemals Euler Hermes) gedeckte Exportfinanzierung. Weitere Optionen sind Kredite in den USA sowie ein Darlehen des US-Energieministeriums, für das Meyer Burger laut eigener Aussage die erste Prüfphase bereits erfolgreich durchlaufen hat.

Für die Aktie geht es weiter abwärts

Aufgrund eines Streits zwischen der EU und der Schweiz ist der Kauf und Verkauf von Schweizer Wertpapieren wie der Meyer Burger-Aktie in EU-Ländern seit Sommer 2019 nur noch über außerbörsliche Handelsplätze möglich und oft mit höheren Kosten verbunden. Am deutschen Handelsplatz Lang & Schwarz kostet die Aktie aktuell 0,12 Euro (1.2.2024, 9:41 Uhr). Im Monatsvergleich hat sie 38 Prozent verloren, auf Jahressicht notiert sie 80 Prozent im Minus.

ECOreporter hat stets gewarnt, dass bei Meyer Burger Probleme im Preiskampf mit chinesischen Anbietern wahrscheinlich sind. Ob Bekenntnisse aus der Politik dazu beitragen können, das Unternehmen profitabel zu machen, ist ungewiss. Zudem benötigte Meyer Burger in der jüngeren Vergangenheit wiederholt frisches Geld, und die Aktie ist als sogenannter Pennystock (ein Wertpapier, das im Cent-Bereich gehandelt wird) anfällig für Spekulationsgeschäfte. Starke Kursschwankungen sind keine Seltenheit. ECOreporter sieht erhebliche Risiken bei Meyer Burger und rät weiterhin vom Einstieg in die Aktie ab.

Einen Überblick über den Solarsektor erhalten Sie mit dem Dossier Das sind die besten Solaraktien – wo sich jetzt der Einstieg lohnt.

Meyer Burger Technology AG: ISIN CH0108503795 / WKN A0YJZX

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