Meyer Burger-Chef Gunter Erfurt sieht die europäische Solarindustrie in Gefahr. / Foto: Meyer Burger

  Nachhaltige Aktien, Erneuerbare Energie

Meyer Burger-Aktie verliert 16 % – Pessimismus in der Chefetage

Die Aktie des Schweizer Solarmodulherstellers Meyer Burger muss seit Donnerstag weitere empfindliche Rücksetzer einstecken. Grund sind pessimistische Aussagen von Unternehmenschef Gunter Erfurt zur europäischen Solarindustrie.

Aufgrund der unsicheren Haushaltslage sei die Solarindustrie in Deutschland und ganz Europa bedroht, erklärte Erfurt in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ). „Sollte jetzt nichts passieren, wird die Solarindustrie ein zweites Mal vernichtet“, so Erfurt gegenüber der Zeitung.

Unsicherheit bei Fördermaßnahmen

In der vergangenen Woche hatte das Bundesverfassungsgericht geurteilt, dass 60 Milliarden Euro aus der Corona-Kasse nicht in den staatlichen Klima- und Transformationsfonds KTF verschoben werden dürfen. Nun herrscht Unsicherheit bezüglich geplanter Fördermaßnahmen.

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Meyer Burger besitzt in Deutschland Produktionsstätten in Sachsen und Sachsen-Anhalt. Dort werden Solarzellen und Solarmodule gefertigt. Dieser „Keim einer neuen europäischen Solarindustrie“ könnte nach Erfurts Befürchtung „austrocknen“, wenn Förderprojekte jetzt nicht zustande kämen.

Meyer Burger hatte bereits Mitte des Jahres erklärt, sich beim Ausbau des Geschäfts künftig auf die USA konzentrieren zu wollen. Diese seien der attraktivere Standort. Die Expansion in Europa, wo insbesondere die günstigere chinesische Konkurrenz einheimischen Branchenvertretern zusetzt, solle erst bei besseren Marktbedingungen wieder vorangetrieben werden.

Im ersten Halbjahr 2023 hatten eine schwierige Marktsituation, Abschreibungen und hohe Investitionskosten Meyer Burger zugesetzt. Der Umsatz stieg zwar, blieb aber hinter den Erwartungen zurück. Gleichzeitig machte das Unternehmen mit 64,8 Millionen Schweizer Franken (67 Millionen Euro) deutlich mehr Verlust.

Die Meyer Burger-Aktie verlor mutmaßlich als Reaktion auf Erfurts Äußerungen im gestrigen Handel rund 16 Prozent. Am Handelsplatz Lang & Schwarz ist sie heute zum Vortag weitere 11,2 Prozent im Minus und kostet 0,21 Euro (Stand: 24.11.2023, 12:31 Uhr). Innerhalb der letzten zwölf Monate hat die Aktie 55 Prozent an Wert verloren. Aufgrund eines Streits zwischen der EU und der Schweiz ist der Kauf und Verkauf von Schweizer Wertpapieren wie der Meyer Burger-Aktie in EU-Ländern seit Sommer 2019 nur noch über außerbörsliche Handelsplätze möglich.

ECOreporter sieht erhebliche Risiken bei Meyer Burger und rät vom Einstieg in die Aktie ab. Der Preiskampf mit der Konkurrenz ist hier deutlich wichtiger als die aktuellen Fragezeichen bei der Förderung. Als sogenannter Pennystock (eine Aktie, die im Cent-Bereich gehandelt wird) ist die Meyer Burger-Aktie zudem anfällig für Spekulationsgeschäfte. Starke Wertschwankungen sind keine Seltenheit. Wer einsteigt, sollte in der Lage sein, auf das eingesetzte Kapital zu verzichten.

Lesen Sie auch das ECOreporter-Interview mit Meyer Burger-Chef Gunter Erfurt.

Einen Überblick über den Solarsektor erhalten Sie mit dem Dossier Das sind die besten Solaraktien – wo sich jetzt der Einstieg lohnt.

Meyer Burger Technology AG: ISIN CH0108503795 / WKN A0YJZX

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