Flix will seine Zugflotte für bis zu 2,5 Milliarden Euro ausbauen. / Foto: imago images

  Nachhaltige Aktien, Aktien-Favoriten

Milliardenoffensive: Flix bestellt Hochgeschwindigkeitszüge bei Siemens und Talgo

Der Münchner Reiseanbieter Flix bestellt 65 neue Schnellzüge bei den Zugbauern Talgo aus Spanien und Siemens aus München. Während die Spanier die Wagen liefern, soll der ECOreporter-Aktien-Favorit Siemens die Lokomotiven bauen. Der Auftrag ist laut Flix bis zu 2,4 Milliarden Euro schwer.

Flix ist vor allem für seine Marken Flixbus und Flixtrain bekannt. Allerdings gibt es bislang nur 13 Flixtrain-Züge, die zudem von Partnerunternehmen gestellt werden. Mit dem Kauf der neuen Züge würde Flix somit eine eigene Flotte aufbauen – und dürfte eine Konkurrenz-Offensive gegen die Deutsche Bahn starten. Bis wann die Züge ausgeliefert werden sollen, ist noch nicht bekannt.

Züge nach dem Vorbild des ICE L

In einem ersten Schritt umfasst die Bestellung von Flix 30 Züge mit einem Gesamtwert von 1,06 Milliarden Euro. Die neuen Züge sollen auf Wagen der Talgo 230-Plattform setzen, gezogen von Siemens Vectron-Lokomotiven – diese Kombination wird von der Deutschen Bahn seit 2023 als "ICE L" eingesetzt.

Lesen Sie auch unser zweiteiliges Dossier Unterwegs auf grünen Schienen: Bei diesen Eisenbahn-Aktien kann sich der Einstieg lohnen.

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Die neuen Flixtrain-Züge sollen wie der ICE L auf eine Spitzengeschwindigkeit von bis zu 230 Kilometern pro Stunde kommen und über einen barrierefreien Einstieg verfügen. Siemens-Loks der Vecton-Reihe ermöglichen zudem den Betrieb auch auf elektrifizierten Strecken mit verschiedenen Stromsystemen. Das gilt als Vorteil für grenzüberschreitende Verbindungen in Europa. Flix steuert von Deutschland aus auch Ziele in den Niederlanden, der Schweiz und Österreich an und ist zudem in Schweden aktiv.

"Wir verfolgen mit FlixTrain eine langfristige Strategie und werden unser Angebot in den kommenden Jahren deutlich vergrößern", teilte Flix-Chef und Co-Gründer André Schwämmlein mit. "Wir wollen nicht nur unseren Marktanteil erhöhen, sondern auch den Markt selbst deutlich vergrößern." Mit den geplanten 65 neuen Zügen werde man "die dann größte private Fernverkehrsflotte in Europa betreiben".

Talgo verzichtet auf Prognose

Talgo meldete für das erste Quartal 2025 einen Umsatz von 154 Millionen Euro, ein Rückgang von knapp 8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Auftragsbestand lag Ende März wie schon 2024 bei rund 4 Milliarden Euro, dabei sehen die Spanier "bedeutende Möglichkeiten im Wert von mehr als 11 Milliarden Euro".

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) sank "in einem komplexen Umfeld" um 32 Prozent auf 13,6 Millionen Euro. Laut Unternehmen gab es weniger Wartungsaufträge und "aufgrund der Herausforderungen laufender Projekte" einen Rückgang bei der Produktion.

Talgo setzte außerdem seine Jahresprognose für 2025 aus. Laut Konzern ist es aktuell schwierig abzuschätzen, welchen Umfang die Geschäfte im laufenden Jahr erreichen werden. Grund seien Verhandlungen mit der Deutschen Bahn über den Umfang eines Auftrags für eigentlich 79 Talgo-230-Wagen. Ob es dabei um eine mögliche Reduzierung oder Erweiterung des Auftrags geht, teilte Talgo nicht mit.

Talgo-Kurs schwankt deutlich

Die Talgo-Aktie war nach Präsentation der Quartalszahlen mit einem Minus von 2,8 Prozent in die Woche gestartet, aktuell ist die Aktie an der Börse Stuttgart 6,9 Prozent im Plus zum Vortag und kostet 3,51 Euro (Stand: 28.5.2025, 9:06 Uhr). Auf Monatssicht notiert die Aktie 19,2 Prozent im Plus, im Jahresvergleich büßte der Kurs 18,9 Prozent ein.

Die Aktie schwankte in den letzten Jahren stark, insbesondere wegen mehrerer gescheiterter Übernahmeversuche. Im Sommer 2024 hatte die spanische Regierung den Verkauf von Talgo an ein ungarisches Konsortium untersagt, das mutmaßlich aus Russland gesteuert wird (ECOreporter berichtete hier). Auch eine Übernahme durch den tschechischen Konkurrenten Skoda Transportation kam nicht zustande. Mittlerweile ist klar, dass der Konzern spanisch bleibt.

ECOreporter schätzt Talgo grundsätzlich als interessantes Investment ein. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis der Aktie ist mit 23 für 2025 aber nicht niedrig. Hinzu kommen die aktuellen Unsicherheiten im Tagesgeschäft. Anlegerinnen und Anleger brauchen hier vermutlich Geduld und eine Toleranz für Kursschwankungen.

Siemens mit guten Geschäften

Die Siemens-Aktie ist im Xetra-Handel aktuell 0,4 Prozent im Plus zum Vortag und notiert bei 221,85 Euro (Stand: 28.5.2025, 9:37 Uhr). Im Monatsvergleich legte die Aktie 8,5 Prozent zu, auf Jahressicht gewann sie 25,0 Prozent an Wert.

Siemens hatte im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2024/25 trotz einiger Schwierigkeiten gerade im wichtigen Automatisierungsgeschäft Umsatz und Gewinn gesteigert. Siemens wandelt sich immer mehr zu einem Digitalkonzern, die Zugsparte Siemens Mobility soll aber als klassisches Industriegeschäft eine der Säulen des Unternehmens bleiben.

ECOreporter sieht bei Siemens trotz der deutlichen Kursgewinne weiterhin Einstiegsmöglichkeiten, mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19 für das Geschäftsjahr 2024/25 ist die Aktie nicht zu hoch bewertet. Die erwartete Dividendenrendite beträgt gute 2,4 Prozent. Lesen Sie auch unseren Überblick Nachhaltige Dividendenkönige: Bei welchen Favoriten-Aktien sich der Einstieg jetzt lohnen kann.

Talgo S.A.:  ISIN ES0105065009 / WKN A14SE5

Siemens AG:  ISIN DE0007236101 / WKN 723610

(Aktuelle Kursdaten zu den Aktien erhalten Sie, wenn Sie auf das Symbol hinter der WKN klicken.)

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