Die Aktie von Bloom Energy und auch andere Wasserstoff-Papiere haben in den letzten Monaten wieder stark an Wert gewonnen. Doch ECOreporter rät zur Vorsicht. / Foto: Bloom Energy

  Aktientipps, Nachhaltige Aktien

Wasserstoff-Aktien: Warum sie jetzt einen kühlen Kopf bewahren sollten

Kommt der nächste Wasserstoff-Boom? Schon seit einigen Monaten geht es für einige Aktienkurse aus der Branche steil aufwärts – in einem Fall liegt das Jahresplus bei mehr als 1.000 Prozent. Allerdings bleibt Vorsicht geboten. ECOreporter hat sich angeschaut, welche Wasserstoffaktien derzeit tatsächlich Chancen bieten können. Und auch, von welchen Papieren Anlegerinnen und Anleger besser die Finger lassen sollten.

Umweltfreundlich hergestellter Wasserstoff hat enormes Potenzial, bei der Energiewende zu helfen. Mit dem Energieträger kann emissionsarm Stahl gekocht oder Düngemittel hergestellt werden. Der Wasserstoff-PKW ist vom Elektroauto mit Batterie zwar abgehängt worden. Im Schwerlasttransport mit LKWs, Zügen, Schiffen und sogar bei Flugzeugen kann Wasserstoff aber weiter eine Rolle spielen. Zudem könnten perspektivisch Gaskraftwerke von Erdgas auf Wasserstoff umgestellt werden, um Dunkelflauten zu überbrücken, wenn Wind und Sonne nicht genug Strom liefern.

EU und Deutschland investieren Milliarden

Die hohen Kursgewinne einiger Wasserstoffaktien liegen aber vor allem an einer Verbindung zu dem Börsen-Hype schlechthin: Künstliche Intelligenz (KI). Der Grund ist der Energiehunger großer Rechenzentren, die von Tech-Riesen wie Amazon und Microsoft aktuell im großen Stil gebaut werden. Diese benötigen nicht nur viel Strom, sondern auch eine schnelle, lastabhängige Versorgung. Analysten hoffen, dass das die Nachfrage bei Brennstoffzellenherstellern ankurbelt. Erste Aufträge gibt es bereits, besonders eine Aktie schoss deshalb nach oben.

Die Unternehmen in unserer Übersicht sind überwiegend sogenannte "Pure Player", also ganz auf das Wasserstoffgeschäft ausgerichtete Firmen. Große Gasekonzerne hingegen setzen zwar nicht nur auf Wasserstoff – wenn die Nachhaltigkeit stimmt, hat die Redaktion sie hier aber ebenfalls aufgenommen.

Bei folgenden Wasserstoffunternehmen hat ECOreporter geprüft, ob sie derzeit Kandidaten für einen Einstieg sind:

  • Air Liquide
  • Ballard Power
  • Bloom Energy
  • Enapter
  • ITM Power
  • Linde
  • Nel
  • PowerCell
  • Plug Power
  • SFC Energy
  • Thyssenkrupp Nucera

Ausgeschieden aus dem Überblick sind zwei US-Unternehmen: der insolvente Wasserstoff-LKW-Konzern Nikola und der Brennstoffzellenhersteller FuelCell Energy. Die Nikola-Papiere sind nur noch außerbörslich in den USA handelbare Spekulationsobjekte. Und FuelCell setzt nun auf Brennstoffzellen, die mit Erdgas betrieben werden und nicht mit Wasserstoff.

So wird Wasserstoff hergestellt

Wasserstoff ist ein Energieträger, der Energie speichern und transportieren kann. Als Sekundärenergie muss er aber zuerst unter Verwendung von Primärenergie hergestellt werden. Umweltfreundlicher oder "grüner" Wasserstoff entsteht nur dann, wenn dazu Erneuerbare Energie genutzt wird.

Der größte Teil des heutzutage hergestellten Wasserstoffs wird von der chemischen Industrie zur sofortigen Verwendung im sogenannten Reformierungsverfahren hergestellt. Dabei wird fossilen Energieträgern, die aus Kohlen-Wasserstoff-Ketten bestehen, der Wasserstoff entzogen. Als Nebenprodukte entstehen unter anderem Kohlenmonoxid, Stickoxide und Schwefeldioxid. Nachhaltigkeit sucht man hier vergebens.

Anders bei der Wasser-Elektrolyse: Hier wird Wasser in die Bestandteile Wasserstoff (H2) und Sauerstoff (O2) zerlegt. Dafür braucht man Strom – und der kann aus Erneuerbaren Energien gewonnen werden.

Speichern und transportieren lässt sich Wasserstoff relativ leicht, etwa zusammengepresst oder in flüssiger Form. Druckspeicher gibt es in unterschiedlichen Ausführungen, von zehn Liter fassenden Gasflaschen bis hin zu Großspeichern mit 100.000 Kubikmetern. Langfristig soll das bestehende Erdgasnetz zur Speicherung genutzt werden.

Auch die Politik hat große Wasserstoffziele, die entsprechenden Budgets sind groß: Die EU will in den nächsten Jahren knapp 20 Milliarden Euro in den Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur und den Import investieren; allein in Deutschland sollen rund 10 Milliarden Euro in die Produktion und die Versorgung mit dem Energieträger fließen. So entsteht aktuell ein nationales Wasserstoffnetz mit einer Länge von rund 9.000 Kilometern und einer Einspeisekapazität von 101 Gigawatt. Ein erster Abschnitt des Netzes ist bereits in Betrieb.

Damit er dem Klima nutzt, muss Wasserstoff aber "grün" sein, also mittels Elektrolyse mit erneuerbarer Energie aus Wasser hergestellt werden. Und überwiegend ist das noch nicht der Fall (siehe Kasten). Die Herstellung ist teuer, und die Infrastruktur für die Industrie muss noch gebaut werden. Und dabei hakt es gewaltig. Projekte verschieben sich oder werden ganz abgesagt. Deutschland ist von seinen Ausbauzielen bei grünem Wasserstoff weit entfernt und wird das mittelfristige Ziel wohl deutlich verfehlen.


In einer Brennstoffzelle wird im Wasserstoff gespeicherte chemische Energie als elektrische Energie freigegeben.

Und ähnliche Probleme wie in Deutschland gibt es auch in anderen Ländern. Mittlerweile haben die ersten Firmen eingestanden, dass sich der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft weltweit verzögert. Pläne wurden gestrichen, Personal entlassen, Kosten müssen reduziert werden, fast alle Unternehmen schreiben rote Zahlen.

Investments in Wasserstoffaktien sind in der Regel eine Wette. Anlegerinnen und Anleger denken oft, sie könnten bei einer Technologie, die so kurz vor dem Durchbruch zu stehen scheint, nur einen Fehler machen: nicht auf den Zug aufzuspringen. Doch wer auf dem Höhepunkt des letzten Wasserstoff-Booms 2022 eingestiegen ist, hat nur bei einem "Pure Player" kein Geld verloren. Erst allmählich zeigt sich, welche Unternehmen wirklich eine Chance haben, künftig Gewinne zu erzielen.

Eine Einschätzung der Wasserstoffaktien und ihrer Aussichten finden Sie nachfolgend in unserem Premium-Bereich.

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