Kommt nach der Wegovy-Spritze bald die Abnehmtablette? Wie aussichtsreich ist die Novo Nordisk-Aktie? / Foto: imago images, NTB

  Nachhaltige Aktien, Aktien-Favoriten

Novo Nordisk meldet Erfolg für Abnehmpille – Wegovy soll in China starten

Der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk vermeldet gute Ergebnisse für die Studie mit einer neuen "Abnehmtablette", die ECOreporter-Favoriten-Aktie gewinnt ein weiteres Mal deutlich an Wert. Für seinen Blockbuster Wegovy erwartet der Konzern eine baldige Zulassung in China.

Novo Nordisk teilte am gestrigen Donnerstag auf seinem Kapitalmarkttag mit, dass die Teilnehmer einer Phase-1-Studie mit der Abnehmtablette Amycretin nach zwölf Wochen im Schnitt gut 13 Prozent an Gewicht verloren hätten. Im Vergleich dazu habe der Gewichtsverlust bei der Abnehmspritze Wegovy bei 6 Prozent nach zwölf Wochen und bei 15 Prozent nach 68 Wochen gelegen.

Rennen um die Abnehmtablette

Das Erfolgsmedikament Wegovy gehört zur Klasse der sogenannten GLP-1-Agonisten, die eigentlich zur Behandlung von Diabetes entwickelt wurden und den Blutzucker senken, allerdings auch ein Sättigungsgefühl fördern. Amycretin hingegen zielt auf ein Hormon namens Amylin in der Bauchspeicheldrüse ab, welches das Hungergefühl beeinflusst.

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Die größte Neuerung wäre bei Amycretin allerdings die Tablettenform: Bislang müssen Abnehmmedikamente wie Wegovy oder das ebenfalls von Novo Nordisk entwickelte Ozempic gespritzt werden. Analysten geben allerdings zu bedenken, dass im Rennen um eine Abnehmtablette der Novo Nordisk-Konkurrent Eli Lilly die Nase deutlich vorn habe. Der US-Konzern werde zulassungsrelevante Daten für seinen Wirkstoffkandidaten Orforglipron voraussichtlich bereits 2025 einreichen, Novo Nordisk hingegen werde im nächsten Jahr im besten Fall erst mit der zulassungsrelevanten Amycretin-Studie beginnen können.

Unterdessen treibt Novo Nordisk die Expansion bei Wegovy weiter voran. Das Management erwartet, dass das Medikament noch in diesem Jahr in China zum Verkauf zugelassen wird. Auf dem größten asiatischen Markt soll Wegovy zunächst in gedeckelten Mengen und nur für Selbstzahler verfügbar sein.

Seit dem Debüt in den Vereinigten Staaten im Jahr 2021 hat Novo Nordisk Wegovy in acht Ländern eingeführt. Im Februar wurde das Medikament in Japan als erstem asiatischen Markt in den Handel gebracht.

Novo Nordisk kündigte gestern zudem an, seinen Fokus, der derzeit auf Diabetes- und Abnehmmedikamenten liegt, auszuweiten und künftig auch Behandlungen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen anzubieten. Im August letzten Jahres hatte das Unternehmen bereits Studiendaten veröffentlicht, wonach Wegovy bei übergewichtigen Menschen auch einen klaren kardiovaskulären Nutzen hat, also das Risiko für Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall senkt. Im Oktober wurde eine Studie zum Einsatz von Ozempic gegen Nierenversagen mit Erfolg vorzeitig beendet.

Rekordgewinne – aber wie lange noch?

Die Novo Nordisk-Aktie gewann im gestrigen Xetra-Handel rund 10 Prozent an Wert und markierte ein weiteres Allzeithoch. Laut Medienberichten überholte sie damit zwischenzeitlich den US-Elektroautobauer Tesla an der Börse. Aktuell ist die Aktie im Xetra-Handel 2,7 Prozent im Minus zum Vortag und kostet 122,36 Euro (Stand: 8.3.2024, 9:18 Uhr). Auf Monatssicht notiert die Aktie rund 10 Prozent im Plus, im Jahresvergleich hat sie 82,8 Prozent an Wert gewonnen.

Novo Nordisk hat 2023 dank der hohen Gewinne mit Wegovy und Ozempic Rekordergebnisse erzielt (ECOreporter berichtete hier). Allerdings läuft auch das eigentliche Kerngeschäft, der Verkauf von Insulinpräparaten, weiterhin gut. Hinzu kommt die offenbar erfolgreiche Suche nach weiteren Anwendungsfeldern für die Erfolgsmedikamente. Novo Nordisk will damit auch den Ruf der Medikamente als "Lifestyle-Präparate" bekämpfen: Ein nicht unwesentlicher Teil des aktuellen Erfolgs beruht auch darauf, dass gesunde Menschen gerade in den USA Wegovy und Ozempic als Diätmittel verwenden.

Da es deshalb zu Versorgungsengpässen kommt, baut Novo Nordisk seine Produktion massiv aus, erste Länder haben schon Zugangsbeschränkungen erlassen. Die Novo Nordisk-Muttergesellschaft Novo Holdings will zudem den US-Arzneimittelproduzenten Catalent für 16,5 Milliarden US-Dollar kaufen, um den Bestand an Abfüllanlagen auszubauen.

Da mit den Gewinnen auch der Börsenkurs von Novo Nordisk deutlich zugelegt hat, ist das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis der Aktie mit 37 derzeit hoch für einen Einstieg. Die Konkurrenz bei Abhnehmmedikamenten wächst - wenn die Gewinne weniger stark sprudeln, sind Kursrücksetzer bei der Novo Nordisk-Aktie wahrscheinlich. Defensive Anlegerinnen und Anleger sollten auf Kursrücksetzer warten, bevor sie einsteigen. Wer die Aktie jetzt kauft, braucht möglicherweise einen langen Atem.

Wer die Aktie bereits im Depot hat, sollte aber allenfalls kleine Positionen verkaufen, um Buchgewinne mitzunehmen. Die erwartete Dividendenrendite beträgt solide 1,3 Prozent.

Novo Nordisk ist eine ECOreporter-Favoriten-Aktie aus der Reihe Nachhaltige Dividendenkönige. Zu unserem Unternehmensporträt gelangen Sie hier.

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Novo Nordisk A/S: ISIN DK0062498333 / WKN A3EU6F

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