Einige Private Equity-Fonds investieren auch in Wind- und Solarparks. / Foto: Pixabay

  Anleihen / AIF

Private Equity – clever investieren wie die Reichen?

Traumrenditen und eine Alternative zu Aktien: Das verspricht Private Equity – mittlerweile auch für private Anlegerinnen und Anleger. Aber wie attraktiv ist der neue Investmenttrend wirklich? Und gibt es auch nachhaltige Angebote?

„Investieren wie die Reichen“ – mit solchen und ähnlichen Slogans wirbt die Finanzindustrie seit einigen Monaten auf dem Privatkundenmarkt für ihre neuen Private-Equity-Produkte. Teils werden Jahresrenditen von deutlich mehr als 10 Prozent in Aussicht gestellt, bei überschaubarem Risiko. Und das alles fernab des derzeit sehr unruhigen Aktienmarktes.

Private Equity – was ist das eigentlich?

Wenn Sie sich an einem börsennotierten Unternehmen beteiligen, kaufen Sie seine Aktien. Steigen Sie bei einer nicht börsennotierten Firma ein, spricht man von Private Equity, zu Deutsch privatem Beteiligungskapital. Eine solche Beteiligung erfolgt oft über den Kauf von Kommanditanteilen oder über spezielle Fonds (häufig ELTIFs), die mehrere Beteiligungen bündeln. Investiert werden kann in ganz unterschiedliche Unternehmen, von mittelständischen Industriebetrieben über Immobilienverwalter bis hin zu Betreibern von Windparks.

Private Equity war lange ein Bereich, in dem nur institutionelle oder reiche Anleger investierten. Zu den Vorreitern gehören die Stiftungen von großen US-Universitäten wie Harvard und Yale, die schon seit den 1970er-Jahren an nicht börsennotierten Unternehmen beteiligt sind. Die Renditen waren oft besser als im Börsenhandel. Während Aktien in den letzten 20 Jahren im Schnitt etwa 8 Prozent Gewinn pro Jahr erzielten, waren es im Private-Equity-Bereich laut Branchenstatistiken ungefähr 14 Prozent.

Neue Angebote auch für Privatanleger

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

Seit Beginn der zweiten Amtszeit von US-Präsident Trump schwanken die Aktienkurse deutlich. Investoren suchen verstärkt nach Alternativen zur Börse und landen, weil sie nicht zu viel Geld in Gold (mittelmäßige Renditen) und Bitcoin (hohe Risiken) stecken wollen, bei Private-Equity-Angeboten. Da sich auch private Anlegerinnen und Anleger verstärkt für das Thema interessieren, bietet die Finanzindustrie mittlerweile immer mehr Private-Equity-Produkte an, bei denen ein Einstieg schon mit kleinen Summen möglich ist.

Die Berliner Neobank Trade Republic beispielsweise vertreibt zwei Private-Equity-ELTIFs der Investmentgesellschaften EQT aus Schweden und Apollo aus den USA. Interessenten können bereits ab 1 Euro einsteigen. Auch in andere Produkte lässt sich mit geringen Beträgen investieren – möglich macht dies die seit Januar 2024 gelockerte EU-Regulierung von ELTIFs (European Long-Term Investment Funds). Bei diesen Spezialfonds entfällt seitdem die Mindestanlagesumme von 10.000 Euro und die Bedingung, dass Anleger höchstens 10 Prozent ihres liquiden Vermögens in einen ELTIF investieren dürfen (also für einen Einstieg mit 10.000 Euro mindestens 100.000 Euro besitzen müssen).

Trade Republic wirbt für seine beiden ELTIFs nicht nur mit der niedrigen Einstiegsschwelle, sondern auch mit einer guten Handelbarkeit und einer Zielrendite von 12 Prozent pro Jahr. Also alles prima? Leider nicht. Denn ELTIFs sind durch die EU-Reform nicht weniger riskant geworden. Die wichtigsten Unwägbarkeiten:

1. Die Anlagerisiken


Viele Private-Equity-Fonds investieren in Immobilienprojekte. Die Risiken sind oft hoch. / Illustration: Pixabay

Zweistellige Renditen bekommen Sie nirgends ohne erhöhte Risiken. Denn wenn Finanzprodukte halbwegs sicher sind, müssen die Anbieter dafür keine hohen Erträge ausschütten – die Anlegerinnen und Anleger würden auch für deutlich geringere Renditen einsteigen.

ELTIFs investieren oft nur in wenige Unternehmen, darunter häufig kleine und junge Firmen. Kommt es zu einer Pleite, ist das eingesetzte Geld der Anleger meist komplett verloren. Außerdem finanzieren Private-Equity-Gesellschaften ihre Investments häufig mit hohen Krediten. Deren Zinsen sind in den letzten Jahren gestiegen. Insgesamt sind die Verlustrisiken bei ELTIFs deutlich höher als etwa bei breit aufgestellten Aktienfonds.

2. Die Renditen

Zudem ist fraglich, ob Private Equity in den nächsten Jahren die in Aussicht gestellten zweistelligen Renditen erreichen wird. Marktbeobachtern zufolge fällt es Private-Equity-Gesellschaften schon länger schwer, ihre Beteiligungen nach einigen Jahren mit hohen Gewinnen wieder zu veräußern, unter anderem weil Käufer mittlerweile höhere Zinsen für ihre Kredite zahlen müssen. Finanzmarktforscher gehen davon aus, dass ELTIFs derzeit eine langfristige Renditeerwartung von im Schnitt etwa 8 Prozent haben. Das schaffen gute Aktienfonds oder ETFs auch – bei geringerem Risiko.

3. Die Kosten

Hinzu kommen die vergleichsweise hohen Kosten von ELTIFs, die in den Renditeprognosen üblicherweise nicht berücksichtigt sind. Die von Trade Republic vertriebenen ELTIFs etwa haben variable Jahreskosten von bis zu 4,5 Prozent. Das ist ungefähr dreimal so viel wie bei Aktienfonds und das Zwanzigfache eines günstigen ETFs. 

4. Die Transparenz

Weil die Unternehmen in ELTIFs nicht börsennotiert sind, unterliegen sie oft weniger Berichtspflichten als Aktiengesellschaften. Die Folge: Anlegerinnen und Anleger können die Aussichten der Firmen schwer bis gar nicht einschätzen. Und auch die ELTIFs müssen nicht sonderlich transparent sein. Beim Apollo-ELTIF von Trade Republic ist beispielsweise nicht öffentlich bekannt, in welche Firmen er investiert. Zudem wird der Wert von ELTIFs nicht börsentäglich, sondern meist nur einmal im Monat ermittelt, und in vielen Fällen legen die Anbieter selbst fest, wie viel ihre Investments und damit ihre ELTIFs wert sind.

5. Die Handelbarkeit

Einen Aktienfonds können Sie meist von einem auf den anderen Tag verkaufen. Bei ELTIFs geht das nicht, weil der Großteil ihres Kapitals in langfristigen Unternehmensbeteiligungen gebunden ist. Wer einen ELTIF kauft, muss diesen häufig mindestens zwei Jahre halten, bevor die Anteile wieder zurückgegeben werden dürfen. Und das dann auch nur mit einer Kündigungsfrist von meist einem Jahr zu festen Terminen, beispielsweise einmal im Quartal. Aber selbst wenn der Anbieter damit wirbt, Anteile zurückzunehmen, eine Garantie dafür haben Sie nicht. Wollen zu viele Anleger gleichzeitig raus aus einem ELTIF, kann die Fondsgesellschaft die Rücknahme mit Verweis auf fehlende Liquidität einschränken.

Fazit

ELTIFs sind wenig transparente Geldanlagen mit erhöhten Risiken. Sie eignen sich nach Einschätzung von ECOreporter vor allem für erfahrene, langfristig ausgerichtete Anlegerinnen und Anleger, die ihr Portfolio breiter aufstellen wollen. Vorsichtige Investoren sollten maximal 5 Prozent ihres freien Kapitals in ELTIFs stecken. Falls Sie die Produkte nicht vollständig verstehen: Lassen Sie lieber die Finger davon.

Gibt es auch nachhaltige Angebote?

Die beiden von Trade Republic vertriebenen ELTIFs sind keine Finanzprodukte mit nachhaltigem Anspruch. Viele Private-Equity-Gesellschaften verfolgen die Strategie, Unternehmen günstig aufzukaufen, durch massive Sparmaßnahmen auf kurzfristig hohe Margen zu trimmen und dann mit viel Gewinn zu verscherbeln, bevor der Marktwert der Firmen wieder sinkt. Langlebigkeit und Nachhaltigkeit spielen bei solchen „Heuschrecken“ keine Rolle. Negativbeispiele sind etwa Private-Equity-Übernahmen von Krankenhäusern und Pflegeheimen.

Aber es gibt auch Private-Equity-Gesellschaften, die kerngrüne Konzepte verfolgen und beispielsweise langfristig in Wind- und Solarparks investieren. Wer hier einsteigt, kann mit seinem Geld eine hohe nachhaltige Wirkung erzielen. Aktuell sind unter anderem diese grünen Produkte am Markt:

Produktname (mit Link zur ECOreporter-Analyse)AnbieterProduktartLaufzeit bisGeplante Jahres-rendite/JahreszinsenMindestanlage
AC One Planet ELTIFAquila Capital Investmentgesellschaft mbH, LuxemburgELTIF21235,00 - 6,00%100 €
Beteiligungsangebot EXPEC Wind REpower 1EXPEC Wind REpower 1 GmbH & Co. KG, RegensburgBeteiligung (Treugeber oder Direktkommanditist)mind. 202910,4% (Normalszenario)50.000 €
Euramco Clean PowerEuramco Invest GmbH, AschheimPublikums-AIFmind. 2033ca. 145 % (Gesamtergebnis)10.000 €
hep solar Invest ELTIFHEP Kapitalverwaltung AG, GüglingenELTIF21245,00 - 6,00%25 €
IIV Solar Electrification Debt ELTIFInvest in Visions GmbH, FrankfurtELTIF21247,00 - 8,00%-
KGAL KlimasubstanzKGAL Investment Management GmbH & Co. KG, GrünwaldInfrastruktur-Sonderver-mögen (Treugeberin/Treugeber)unbestimmt4,00 - 5,50%50 €
Klimavest ELTIFCommerz Real Fund Management S.à r.l., LuxemburgELTIF20703,00 - 4,00%10.000 €
Ökorenta Erneuerbare Energien 15Ökorenta Erneuerbare Energien 15 geschlossene Investment GmbH & Co. KGPublikums-AIF2036ca. 5,10% 5.000 €
Pangaea Life Co-Invest US ResidentialPangaea Life Institutional Co-Invest US Residential GmbH & Co. geschlossene Investment KG, HamburgPublikums-AIFmind. 2030ca. 7,10%10.000 $
Quadoro Erneuerbare Energien EuropaEB-SIM, KasselInfrastruktur-Sonderver-mögen (Treugeberin/Treugeber)unbestimmt5,00 - 6,00%-

Stand: 8.10.2025; Angaben ohne Gewähr

Nur einige der Angebote in der Tabelle sind ELTIFs. Publikums-AIFs (Alternative Investmentfonds) und Beteiligungen als Treugeber funktionieren aber nach ähnlichen Prinzipien. ELTIFs sind letztlich besser handelbare AIF-Varianten. Einen weiteren Unterschied gibt es bei den Laufzeiten: Während ELTIFs häufig sehr langfristig angelegt sind, werden AIFs manchmal schon nach einigen Jahren planmäßig wieder aufgelöst.

ECOreporter-Analysen der Angebote können Sie lesen, wenn Sie in der Tabelle auf den jeweiligen Produktnamen klicken. Über aktuelle Entwicklungen der Produkte berichtet die Redaktion in ihren täglichen Meldungen.

Verwandte Artikel

24.08.26
 >
09.10.26
 >
24.05.26
 >
26.06.25
 >
04.03.26
 >
Aktuell, seriös und kostenlos: Der ECOreporter-Newsletter. Seit 1999.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x